Asbestsanierung: Abzug auch ohne vorab ausgestelltes amtliches Gutachten

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Müssen Sie gesundheitsgefährdende Stoffe aus Ihrem Wohnumfeld beseitigen, dann dürfen Sie die Kosten hierfür steuermindernd als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen vorliegen. So müssen Sie zum Beispiel nachweisen, dass tatsächlich eine Gesundheitsgefährdung von den Stoffen ausgeht.

Bei Asbest gibt es Grenzwerte. Sind die überschritten, ist die Gesundheitsgefährdung zwar unbestritten. Aber bisher haben Sie durch ein vor dem Austausch erstelltes amtliches Gutachten nachweisen müssen, dass die Gefahr tatsächlich von den betroffenen Gegenständen ausgeht.

Nun muss der BFH entscheiden, ob die Finanzverwaltung ein solches Gutachten verlangen kann, denn im Gesetz steht davon nichts (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 12.11. 2009, Az. 6 K 2314/07; Az. der Revision beim BFH: VI R 47/10). Da der BFH im Rahmen von Krankheitskosten inzwischen wiederholt festgestellt hat, dass ein vorab ausgestelltes amtsärztliches Attest nicht zwingend notwendig ist, wird er hier vermutlich ebenso urteilen.

Doch wie bei Krankheitskosten ist auch hier Vorsicht geboten, denn Sie sind trotzdem für den Nachweis verantwortlich, dass von den Gegenständen eine Gesundheitsgefährdung ausgeht. Und im Nachhinein ist das in den meisten Fällen nicht mehr möglich.

Steuertipp
Bitte besorgen Sie sich weiterhin vor Beginn der Maßnahme ein amtliches Gutachten. Nur dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Wenn Sie sich allerdings mit dem Finanzamt noch um Kosten aus einem abgelaufenen Kalenderjahr streiten, weil Sie kein vorab ausgestelltes amtliches Gutachten vorgelegt haben, dann können Sie sich auf das obige Urteil berufen. Allerdings geht in dem Verfahren um den besonderen Fall eines Reihenhauses, bei dem das Dach saniert werden musste, weil bei beiden Nachbarn eine Asbestsanierung vorgenommen wurde und ein Abschneiden der Platten zum Freisetzen von Asbestfasern geführt hätte.

Verweigert der Beamte auch im Einspruchsbescheid den Abzug der Kosten, müssen Sie entscheiden, ob Sie das Risiko einer Klage eingehen wollen.

Geht es in Ihrem Fall um formaldehydabgebende Gegenstände, dann gilt das oben Gesagte analog. Hier muss der BFH in dem Verfahren VI R 21/11 klären, ob ein vorab ausgestelltes amtliches Gutachten notwendig ist (FG Niedersachsen, Urteil vom 17.2..2011, Az. 15 K 425/09; Az. der Revision beim BFH: VI R 21/11).

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