Steuererklärung für Studenten

Mit einer Steuererklärung kannst Du Dir einen Teil der Steuern und Kosten deiner Ausbildung zurückholen. Das ist gar nicht so schwierig, wie viele Leute behaupten. Bei Studenten und Berufsanfängern ist die Steuererklärung sogar oft in weniger als einer Stunde erledigt.

Im Regelfall sind Studenten nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Da Ihnen jedoch während des Studiums Kosten entstehen, die Sie steuerlich absetzen können, kann sich die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung als Student lohnen. Wir erklären, wann Studenten eine Steuererklärung abgeben sollten, welche Unterlagen und Formulare Studenten für die Steuererklärung benötigen und welche Kosten man als Student von der Steuer absetzen kann.

 

Inhaltsverzeichnis

 
 

Darum lohnt sich die Steuererklärung für Studenten

Nicht selten wird behauptet, dass sich der Aufwand für die Erstellung einer Steuererklärung als Student nicht lohnt.
Oftmals heißt es dann, dass Studenten kaum bis gar keine Einnahmen erzielen und daher auch nur wenige Ausgaben von der Steuer absetzen können.
Zudem, lauten weit verbreitete Vorurteile, kennen sich die wenigsten Studierenden im Bereich Steuerrecht aus und müssten mehrere Stunden in die Erstellung einer Steuererklärung investieren. Weder muss man als Student Einnahmen erziehlen, noch Expertenwissen oder viele Stunden Arbeit in eine Steuererklärung investieren. Im Folgenden erklären wir, was es damit auf sich hat.

 

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Eine Steuererklärung für Studenten lohnt sich sehr oft – selbst dann, wenn kein Einkommen erzielt wird. Als Student ohne Einnahmen aus einem Nebenjob oder einer selbstständigen Tätigkeit haben Sie zwar kein eigenes Einkommen, die Kosten für das Studium können Sie aber dennoch als sogenannte „vorweggenommene Werbungskosten“ in der Steuererklärung eintragen. Zumindest dann, wenn es sich bei Ihrem Studium um eine Zweitausbildung handelt. Bei den absetzbaren Kosten muss nämlich zwischen Erstausbildung und Zweitausbildung unterschieden werden. Kosten, die während einer Zweitausbildung entstanden sind, können Sie in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten geltend machen. Kosten für eine Erstausbildung gelten dagegen als Sonderausgaben und sind bis maximal 6.000 € abzugsfähig.

 

Ob es sich um eine Erst- oder Zweitausbildung handelt, lässt sich recht schnell erklären:

 

  • Erst Abitur, dann Studium = Studium zählt als Erstausbildung
  • Erst Ausbildung, dann Studium = Studium zählt als Zweitausbildung

 

Gleiches gilt im Übrigen auch bei einem dualen Studium und bei einem Master-Studium.

 

Verlustvortrag – Deshalb lohnt sich auch ohne Einkommen die Steuererklärung

Die meisten Studenten zahlen keine Steuer, da ihr Jahreseinkommen unter dem Grundfreibetrag liegt. Das ändert aber nichts daran, dass während des Studiums Kosten entstehen, die Sie als Student eigentlich von der Steuer absetzen könnten. Und genau hier kommt der sogenannte Verlustvortrag ins Spiel. Sind Ihre Ausgaben höher als Ihre Einnahmen, können Sie Ihre Studienkosten trotzdem in voller Höhe und unbegrenzt als Verlust beim Finanzamt vortragen. Der Verlust wird dann einfach in das nächste Steuerjahr übertragen. Da es für den Verlustvortrag keine zeitliche Begrenzung gibt und dieser somit nicht verfällt, können Sie jedes Jahr einen neuen Verlust erklären, der dann zu dem bestehenden Verlust hinzugerechnet wird. Sobald Sie Geld verdienen und Steuern entrichten müssen, können Sie sich die Verluste der vergangenen Jahre zunutze machen.

 

Wichtig: Im Gegensatz zur Einkommensteuererklärung, die bis zu vier Jahre rückwirkend abgegeben werden kann, kann ein Verlustvortrag bis zu 7 Jahre rückwirkend geltend gemacht werden.

 

Sonderausgaben und Werbungskosten als Student – Diese Kosten können Studenten geltend machen

Kosten, die Ihnen während des Erststudiums entstehen, können Sie im Rahmen der Erstausbildung als Sonderausgaben und während eines Zweitstudiums (Zweitausbildung) wie z.B. einem zweiten Bachelor oder aufbauendem Master-Studium als Werbungskosten geltend machen. Hierzu gehören unter anderem:

 

  • Studiengebühren oder Semestergebühren
  • Immatrikulations-, Zulassungs- und Prüfungsgebühren
  • Beiträge für das Studentenwerk oder Alumni-Beiträge
  • Fahrtkosten (z.B. von der Wohnung zur Uni oder zu Lerngruppen)
  • Arbeitsmittel (z.B. Fachliteratur, Laptop)
  • Arbeitszimmer
  • Kosten für die doppelte Haushaltsführung
  • Zinsen für Ausbildungsdarlehen, Stipendien oder BAföG
  • Kosten für Auslandssemester oder Auslandspraktika, Exkursionen, Studienreisen
  • Kosten für Lehrgänge, Sprachtests und Zusatzqualifikationen
  • Kontoführungsgebühren (16 € pauschal pro Jahr)
  • Bewerbungskosten (pauschal 8,50 € für Bewerbungen mit Bewerbungsmappe bzw. 2,50 € für Bewerbungen ohne Mappe).

 

Handelt es sich bei Ihrem Studium um eine Zweitausbildung, können Sie die tatsächlich entstandenen Kosten in voller Höhe als Werbungskosten geltend machen. Für die Werbungskosten gibt es ohne Nachweise einen Steuerfreibetrag von 1.000 €, den sogenannten Arbeitnehmer-Pauschbetrag.

Bei einer Erstausbildung können Sie Studienkosten nur als Sonderausgaben bis zu einer Höhe von max. 6.000 € pro Steuerjahr geltend machen.

 

 

Tipps für die Steuererklärung als Student

Damit Sie nicht lange im Internet suchen und recherchieren müssen, haben wir Ihnen die wichtigsten Tipps für die Steuererklärung als Student kurz und knapp zusammengefasst:

 

Checkliste für Studenten – Diese Unterlagen brauchen Sie

Damit Sie optimal für die Steuererklärung als Student vorbereitet sind, sollten Sie neben allgemeinen Unterlagen wie den Personalausweis und die Steuernummer oder Steuer-Identifikationsnummer noch folgende Unterlagen und Angaben vorliegen haben:

 

Einkommen:

  • Einkommensteuerbescheid des vorherigen Jahres oder Vorauszahlungsbescheid
  • Kontoauszüge des jeweiligen Steuerjahres
  • Einkommensnachweise (z.B. elektr. Lohnsteuerbescheinigung, Nachweis über die Höhe von Mieteinnahmen, Erträgnisaufstellung über Zins- oder Kapitaleinnahmen, Bescheinigung über die Höhe von ausgezahltem Arbeitslosen-, Kranken-, Übergangs-, Eltern- oder Mutterschaftsgeld usw.)

 

Werbungskosten:

  • Kilometernachweise bzw. Nachweise über entstandene Fahrtkosten
  • Belege oder Quittungen für die Anschaffung von Arbeitsmitteln oder Berufsbekleidung
  • Aufwendungen für ein Arbeitszimmer
  • Kosten für den Umzug an den Studienort (Zweitwohnsitz) und Kosten für die doppelte Haushaltsführung; für den Umzug gibt es eine Pauschale von 886 € sowie weitere 590 € Euro für jeden mitziehenden Angehörigen
  • Reisekosten
  • Belege für Bewerbungskosten
  • Kosten für die Nutzung einer Steuersoftware, Steuerberatungskosten, Beiträge für einen Lohnsteuerhilfeverein

 

Sonderausgaben:

  • Spenden
  • Bescheinigungen über die private Altersvorsorge und privater Leibrentenversicherungen (z.B. Riester- oder Rürup-Rente)
  • Versorgungsaufwendungen für Versicherungen (z.B. Kranken- und Pflegeversicherung, Erwerbsunfähigkeits- und Berufsunfähigkeitsversicherung, Lebens- und Rentenversicherung, Unfallversicherung usw.)

 

Außergewöhnliche Belastungen:

  • Krankheitskosten und Pflegeaufwendungen
  • Kurkosten
  • Kosten für einen Heilpraktiker
  • Kosten für einen Behindertenausweis
  • Nachweis über Pflegestufe bzw. Pflegegrad

 

Zudem können weitere Unterlagen wie zum Beispiel Rechnungen mit entsprechenden Zahlungsnachweisen für Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen oder die Nebenkostenabrechnung des Vermieters erforderlich sein.

 

So finden Sie als Student das zuständige Finanzamt

Grundsätzlich ist das Finanzamt am Wohnort zuständig. Hierbei spricht man auch vom sogenannten Wohnsitzfinanzamt. Doch was ist, wenn Sie als Student einen Zweitwohnsitz am Studienort haben? Sofern Sie am Zweitwohnsitz die meiste Zeit verbringen, dann ist bei alleinstehenden auch das entsprechende Finanzamt am Zweitwohnsitz zuständig. Sind Sie dagegen verheiratet, fällt die Zuständigkeit an den Ort, an dem sich Ihr gemeinsamer Lebensmittelpunkt befindet. Nutzen Sie zur Findung des zuständigen Finanzamtes auch gerne unsere kostenlose Finanzamt-Suche.

 

Formulare für die Steuererklärung als Student

Der Mantelbogen ist der Startbogen einer jeden Steuererklärung und muss zwingend ausgefüllt werden. Hinzu kommen weitere Formulare. Zu den wichtigsten und am häufigsten genutzten Formularen für die Steuererklärung als Student gehören:

 

  • Mantelbogen
  • Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit)
  • Anlage S (Einkünfte aus selbstständiger Arbeit)
  • Anlage G (Einkünfte aus einem Gewerbe)
  • Anlage Vorsorgeaufwand (für gezahlte Beiträge in die gesetzliche Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sowie Beiträge zur Altersvorsorge)
  • Anlage KAP (Einkünfte aus Kapitalvermögen); hier gilt ein Steuerfreibetrag von 801 € für Ledige bzw. 1.602 € für Verheiratete, der sogenannte Sparer-Pauschbetrag.

 

Je nach individueller Situation werden noch weitere Formulare für die Steuererklärung nötig. Schauen Sie hierzu gerne in unser Formularpaket.

 

Steuersoftware für Studenten

Die Steuererklärung für Studenten ist gar nicht so komplex, wie viele meinen. Am einfachsten, schnellsten und sichersten funktioniert die Steuererklärung mithilfe einer Steuersoftware für Studenten oder online mit ELSTER.

Steuererklärung für Studenten online mit ELSTER machen

Studenten können die Steuererklärung online mit ELSTER erstellen und die eingegebenen Daten und Formulare direkt an das zuständige Finanzamt übermitteln. ELSTER steht für ELektronische STeuerERklärung und wird kostenlos vom Fiskus angeboten. Allerdings ist für die Benutzung von ELSTER einiges an steuerlichem Vorwissen erforderlich. Sobald Sie ein Benutzerkonto bei Mein ELSTER eingerichtet haben, können Sie nun alle relevanten Daten in den entsprechenden Steuerformularen direkt am PC ausfüllen. Anschließend können Sie noch eine Plausibilitätsprüfung durchführen, um zu schauen, ob noch Angaben fehlen. Sind alle Felder und Formulare ausgefüllt, übermittelt ELSTER Ihre Daten automatisch an das für Sie zuständige Finanzamt. Den Steuerbescheid erhalten Sie dann entweder per Post oder können diesen über das ELSTER-Portal abrufen, sobald der Bescheid verfügbar ist.

 

Tipp: Belege für Ausgaben, die Ihnen während des Studiums entstanden sind, sollten Sie sorgfältig aufbewahren. Das Finanzamt kann diese im Original anfordern, wenn es dies für notwendig hält.

 

Steuererklärung für Studenten und Berufseinsteiger kostenlos

Sie haben kaum bis kein steuerrelevantes Vorwissen und legen Wert auf Tipps und Tricks, wie Sie als Student Steuern sparen können? Dann sollten Sie unsere kostenlose Testversion der SteuerSparErklärung nutzen. Wenn Sie unter 28 Jahre jung sind und nicht mehr als 25.000 € an Einnahmen erzielt haben, können Sie auch unsere kostenlose Steuersoftware für Berufseinsteiger nutzen. Mithilfe unseres sogenannten „roten Fadens“ begleiten wir Sie Schritt für Schritt durch die Steuererklärung, geben Hilfestellungen und erklären Ihnen Fachbegriffe.  

 

 

Häufige Fragen und Antworten zur Steuererklärung von Studenten

Was können Studenten von der Steuererklärung absetzen?

Genauso wie „normale“ Arbeitnehmer können auch Studenten Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen bei der Steuererklärung angeben und geltend machen. Absetzbare Kosten sind zum Beispiel Studien- und Prüfungsgebühren, Fahrtkosten von der Wohnung zur Uni oder zu Lerngruppen, Arbeitsmittel (z.B. Laptop), Kosten für die doppelte Haushaltsführung, Beiträge zur privaten Altersvorsorge oder Krankheitskosten.

Lohnt sich eine Steuererklärung für Studenten?

Unabhängig davon, ob es sich bei Ihrem Studium um eine Erst- oder Zweitausbildung handelt, kann sich eine Steuererklärung für Studenten lohnen. Denn auch Studierende können bei der Steuererklärung bares Geld sparen, indem sie sich einen Teil der entstandenen Kosten während der Zeit an der Uni vom Finanzamt wiederholen. Das ist beispielsweise möglich, wenn Sie Sonderausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen im Rahmen Ihrer Steuererklärung geltend machen. Sind Ihre Ausgaben höher als Ihre Einnahmen, können Sie auch einen Verlustvortrag abgeben und die steuersenkenden Kosten über einen Zeitraum von maximal 7 Jahren aufsparen. Das geht allerdings nur im Rahmen einer Zweitausbildung.

Sonderausgaben bei der Erstausbildung und Werbungskosten bei der Zweitausbildung

Das Finanzamt erkennt Studienkosten bei einer Erstausbildung (z.B. Studium nach dem Abitur) nur als Sonderausgaben bis zu einer Höhe von maximal 6.000 € pro Steuerjahr an. Sonderausgaben können Sie aber nur dann geltend machen, wenn Sie Einkommen aus einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit erzielen. Erzielen Sie dagegen kein Einkommen oder nur Einnahmen aus einem nicht sozialversicherungspflichtigen Minijob, können keine Sonderausgaben abgesetzt werden. Abzugsfähige Kosten sind schließlich dazu da, die eigene Steuerlast zu senken. Haben Sie kein zu versteuerndes Einkommen und somit auch keine steuerliche Belastung, kann diese auch nicht durch Sonderausgaben gesenkt werden.

Anders sieht das bei einer Zweitausbildung (z.B. Studium nach abgeschlossener Ausbildung) aus. Hier können Sie alle Kosten für das Studium als Werbungskosten geltend machen – auch ohne Einkommen. Zudem können Sie steuermindernde Werbungskosten über einen Zeitraum von bis zu 7 Jahren über einen Verlustvortrag aufsparen. Diesen müssen Sie jedoch jedes Jahr aufs Neue beim Finanzamt einreichen. Die angesparten Kosten machen Sie erst dann geltend, sobald Sie Ihr eigenes Geld verdienen und Steuern bezahlen müssen.

Wie viel darf man als Student steuerfrei verdienen?

Als alleinstehender Student dürfen Sie in Höhe des Grundfreibetrags steuerfrei verdienen. Dieser liegt im Jahr 2022 bei 10.347 € zu versteuerndem Einkommen, das entspricht monatlich 862,25 €. Verheiratete Studenten können sogar den doppelten Grundfreibetrag nutzen, ohne Abgaben an den Staat zahlen zu müssen.

 

Achtung: Wenn Sie BAföG beziehen, dürfen Sie nicht mehr als 450 € bzw. 520 € anrechnungsfrei verdienen. Liegt Ihr Einkommen darüber, wird die Förderung entsprechend gekürzt.

 

Tipp: Arbeiten Sie als Student auf Minijob-Basis und verdienen nicht mehr als 450 € bzw. ab Oktober 2022 520 € pro Monat, können Sie sich bei der gesetzlichen Krankenversicherung Ihrer Eltern kostenlos familien- bzw. krankenversichern lassen.