Corona: Schon jetzt an die Steuererklärung für 2020 denken!

Corona: Schon jetzt an die Steuererklärung für 2020 denken!

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Für viele, die Corona-bedingt ins Home-Office ausweichen mussten und müssen, wird die Steuererklärung für das laufenden Jahr 2020 neue Herausforderungen bringen. Stichwort: Werbungskostenabzug für das Arbeitszimmer. Hier gibt es Regelungsbedarf. Das ist jetzt auch im Bundestag angekommen.

Wo liegt das Problem?

Ob Sie in Ihrer Steuererklärung Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen können, hängt davon ab, ob Sie tatsächlich ein »Arbeitszimmer« im steuerrechtlichen Sinn haben.

Bei den meisten Arbeitnehmern dürfte das nicht der Fall sein – denn die Anforderungen dafür sind streng:

  1. Es darf »kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stehen«. Das ist schwierig für alle, deren Arbeitgeber keine ausdrückliche Anweisung für das Arbeiten von zuhause gegeben hat, sondern dies nur »empfiehlt«. Das ist (nach einer privaten, nicht repräsentativen Umfrage der Schreiberin dieser Zeilen) in vielen Firmen der Fall: Die Bürogebäude sind grundsätzlich geöffnet, aber eigentlich soll sich keiner dort blicken lassen. Wie die Finanzämter damit umgehen werden, ist noch völlig unklar.

  2. Es muss sich um einen separaten Raum handeln. Wohnung und Arbeitszimmer müssen räumlich voneinander getrennt sein. Ein Schreibtisch im Schlafzimmer oder Wohnzimmer macht aus diesen Räumen keine Arbeitszimmer im steuerrechtlichen Sinn. Auch ein Raum, der neben seiner Funktion als Arbeitszimmer auch als Gästezimmer dient, wird vom Finanzamt nicht als Arbeitszimmer anerkannt. In den meisten Familien wird diese Voraussetzung schwer zu erfüllen sein – insbesondere dann, wenn nicht nur eine Person jetzt von zuhause aus arbeitet.

Home-Office wegen Corona: FDP fragt nach steuerlicher Berücksichtigung

Die FDP fragt jetzt bei der Bundesregierung mit einer sogenannten »Kleinen Anfrage«, ob angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie kurzfristige Änderungen der steuerrechtlichen Regelungen bei der Berücksichtigung eines häuslichen Arbeitszimmers geplant sind.

Außerdem möchten die Abgeordneten u.a. wissen

  • ob die Bundesregierung die Begrenzung der Aufwendungen von maximal 1.250 Euro im Jahr, die Steuerpflichtigen zusteht, denen außer dem Homeoffice kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, vor dem Hintergrund der Pandemie noch für angemessen hält?

  • Ob nach Einschätzung der Bundesregierung die steuerliche Absetzbarkeit eines häuslichen Arbeitszimmers für Steuerpflichtige, denen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, auch dann gilt, wenn der Steuerpflichtige sich zur Bekämpfung der Corona-Krise dazu entschieden hat, von Zuhause aus zu arbeiten oder seinen Arbeits-platz aus Gründen des Gesundheitsschutzes nicht aufsuchen konnte?

  • ob Kosten für das Homeoffice steuerlich abziehbar werden könnten, obwohl dafür kein abgetrenntes Arbeitszimmer zur Verfügung steht, sondern von der Küche oder dem Wohnzimmer aus gearbeitet wird?

  • ob kurzfristige Änderungen hinsichtlich der steuerlichen Absetzbarkeit von privaten Computern, Tablets und Telefonen und anderen Geräten, die jetzt im Homeoffice für die Arbeit verwendet werden, geplant sind?

  • ob die Regelungen hinsichtlich Aufwendungen der Arbeitnehmer für technische Geräte (Computer, Tablets, Telefone) oder Gebühren für Internet und Telefon, die den Beschäftigten von ihren Arbeitgebern erstattet werden, angepasst werden sollen?

Inzwischen hat die Bundesregierung die Anfrage beantwortet – leider nicht ganz so informativ, wie wir uns das gewünscht hätten.

Wörtlich schreibt sie:

»Um die Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft und für die Bürgerinnen und Bürger abzufedern, hat die Bundesregierung das größte Hilfspaket in der Geschichte der Bundesrepublik auf den Weg gebracht. Die Bundesregierung prüft dessen ungeachtet fortlaufend, inwieweit weitere Hilfen erforderlich sind. Dazu zählen auch steuerliche Maßnahmen.«

 

Zum Volltext der Antwort (Drucksache 19/19321) einschl. aller Fragen (PDF)

Was ist eine »Kleine Anfrage«?

Anfragen wie etwa die »Große Anfrage« oder die »Kleine Anfrage« sind wichtige Informations- und Kontrollinstrumente, die im Parlamentsalltag eine große, in den letzten Jahren zunehmende, Rolle spielen:

  • Eine Kleine Anfrage kann von fünf Prozent aller Abgeordneten oder einer Fraktion gestellt werden. Die Regierung beantwortet die Fragen schriftlich, eine Diskussion im Plenum des Bundestages ist nicht vorgesehen. Offiziell beträgt die Frist, innerhalb derer die Regierung auf die Kleine Anfrage zu antworten hat, 14 Tage. Sie kann aber verlängert werden, was in der Praxis häufig geschieht.

  • Mittels einer Großen Anfrage können Abgeordnete Auskunft und Rechenschaft von der Bundesregierung zu politischen Fragen und Sachverhalten verlangen. Sie kann von einer Bundestagsfraktion oder mindestens fünf Prozent aller Abgeordneten gestellt werden und ist von der Regierung schriftlich zu beantworten. Sobald die Antwort vorliegt, wird darüber im Plenum debattiert – sofern dies von einer Fraktion oder fünf Prozent aller Abgeordneten im Bundestag gewünscht wird.

(Quelle: bundestag.de)

Was können Sie in Ihrer Steuererklärung bei den Werbungskosten absetzen, auch wenn Sie kein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer haben?

Lesen Sie dazu diese kostenlosen Beiträge:

Ausblick: Das Arbeitszimmer ist nicht das einzige Thema, das uns nächstes Jahr steuerlich beschäftigen wird...

Übrigens ist die Frage nach der Absetzbarkeit des Arbeitszimmers nur eines von mehreren Steuerthemen, die uns auch bei der Steuererklärung 2020 noch an die Coronakrise denken lassen werden.

Da wäre zum Beispiel auch die Auswirkung auf die Pendlerpauschale, da deutlich weniger oft ins Büro gefahren wird. Wird das Finanzamt die Angabe »220 Arbeitstage mit Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte« einfach so akzeptieren? Oder wird es davon ausgehen, dass sechs oder acht oder noch mehr Wochen von zuhause gearbeitet wurden? Bei dem Ziel, die 1.000-Euro-Werbungskostenpauschale zu überschreiten, kann das wichtig werden.

Heißt es dann neben »tschüss, Pendlerpauschale« auch »keine Werbungskosten für ein Arbeitszimmer«? Das wäre natürlich aus finanzieller Sicht maximal unerfreulich. Wir sind gespannt, ob sich die Finanzverwaltung dafür eine Lösung ausdenkt. Auch wenn die erste Antwort etwas knapp und wenig zufriedenstellend ausgefallen ist – ein erster Schritt wurde mit der Kleinen Anfrage der FDP gemacht und das Thema ist auf dem Tisch.

Denken Sie jetzt schon an die Steuererklärung für 2020 und bereiten Sie sich gut vor – zum Beispiel mit genauen Aufzeichnungen darüber, wann Sie von zuhause gearbeitet haben und welche Anschaffungen fürs Home Office notwendig waren. Speichern Sie vorsichtshalber auch Aussagen Ihres Arbeitgebers, in denen er Home Office anordnet, oder bitten Sie ihn um eine entsprechende Bestätigung darüber.

(MB)

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