Online-Handel: Plattformen müssen private Händler ans Finanzamt melden
Was darf weg?

Online-Handel: Plattformen müssen private Händler ans Finanzamt melden

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Ebay, Ebay Kleinanzeigen, Etsy, Vinted, Momox – wer auf diesen und ähnlichen Plattformen verkauft, muss mit Post vom Finanzamt rechnen. Denn seit 2023 regelt das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG), dass diese Plattformen auch private Verkäufe und Verkäufer an die Finanzbehörden melden müssen. Ganz aktuell hat auch das Bundesfinanzministerium (BMF) ein Schreiben mit Erklärungen dazu veröffentlicht.

 

Inhalt

 

Das komplette Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) einschließlich Begründung finden Sie auf der Internetseite des Bundestags.

→ zum PDF des Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG)

Das BMF-Schreiben mit Antworten auf Anwendungsfragen zum Plattformen-Steuertransparenzgesetz vom 2.2.2023 können Sie → hier lesen und herunterladen (PDF auf der Seite des Bundesfinanzministeriums).

Welche Verkäufe und Dienstleistungen müssen gemeldet werden?

Laut § 5 PStTG müssen folgende Tätigkeiten gemeldet werden, wenn sie gegen eine Vergütung erbracht werden:

  • die zeitlich begrenzte Überlassung von Nutzungen und anderen Rechten jeder Art an unbeweglichem Vermögen (z.B. Vermietung einer (Ferien)Wohnung über AirBnB und ähnliche Anbieter),

  • die Erbringung persönlicher Dienstleistungen (z.B. Handwerkertätigkeiten, Reinigung, Lieferdienst usw.),

  • der Verkauf von Waren (z.B. gebrauchte Kinderkleidung, Bücher, selbst hergestellte Waren usw.),

  • die zeitlich begrenzte Überlassung von Nutzungen und anderen Rechten jeder Art an Verkehrsmitteln (z.B. die Vermietung des eigenen Wohnmobils an andere Urlauber).

Wer wird gemeldet?

Grundsätzlich müssen sowohl gewerbliche Händler als auch Privatpersonen gemeldet werden.

In § 4 Absatz 5 Nr. 4 PStTG wird bestimmt:

»Ein freigestellter Anbieter ist jeder Anbieter, der im Meldezeitraum unter Inanspruchnahme derselben Plattform in weniger als 30 Fällen relevante Tätigkeiten nach § 5 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 erbracht und dadurch insgesamt weniger als 2.000 Euro als Vergütung gezahlt oder gutgeschrieben bekommen hat.«

Nachdem zunächst nicht klar war, ob nur gemeldet wird, wer mindestens 30 Veraufsabschlüsse macht und dadurch mindestens 2.000 Euro einnimmt, oder ob das Vorliegen einer dieser Voraussetzungen für eine Meldung ausreicht, ist jetzt klar: Die zweite Alternative ist im Gesetz gemeint! Es gilt also:

Gemeldet werden müssen alle Verkäufer bzw. Anbieter, die pro Jahr auf einer Plattform

  • mindestens als 30 Verkaufsabschlüsse machen oder

  • mindestens 2.000 Euro damit einnehmen.

Das heißt, es erfolgt auch dann eine Meldung, wenn einmalig zum Beispiel ein gebrauchtes E-Bike für 2.199 Euro verkauft wird oder wenn durch mindestens 30 Verkäufe von getragener Kinderkleidung nur 200 Euro eingenommen werden.

Maßgeblich ist die Anzahl der Rechtsgeschäftsabschlüsse. Auf die Anzahl veräußerter Artikel kommt es nicht an. Beispiel: Bis zum Januar 2023 erschienen 567 Bände »Lustiges Taschenbuch« (Quelle). Würde tatsächlich jemand alle 567 Bände in einer Transaktion verkaufen, dann läge nur ein einziges Geschäft im Sinne des PStTG vor.

Diese und weitere Anwendungsfragen zum Plattformen-Steuertransparenzgesetz beantwortet ein Schreiben des Bundesfinanzministerium vom 2.2.2023, das Sie → hier auf der Internetseite des BMF lesen und herunterladen können (PDF).

An wen werden die Transaktionen gemeldet?

Die Plattformbetreiber melden die Dienstleistungs- und Veräußerungsgeschäfte ihrer Nutzer an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt).

Das Bundeszentralamt für Steuern leitet diese Daten dann an die jeweils zuständigen Finanzbehörden der Länder weiter.

Die Länderfinanzbehörden leiten die Daten dann automatisiert an die jeweiligen Finanzämter weiter.

Das Finanzamt prüft dann, ob der gemeldete Verkäufer die Transaktionen bzw. die Verkaufserlöse in seiner Steuererklärung angegeben hat.

Kleinstverkäufer mit wenigen Transaktionen und geringen Umsätzen werden die Finanzämter dabei vermutlich eher nicht überprüfen – sie möchten Vielverkäufer finden und sichergehen, dass diese ihre Einnahmen korrekt versteuern und ggf. eine gewerbliche Tätigkeit anmelden.

Zu einer Jagd auf Eltern, die gebrauchte Kinderkleidung und Spielzeug verkaufen, wird es also nicht kommen.

Welche Daten werden an das Finanzamt übermittelt?

Im Rahmen der Meldepflicht werden übermittelt:

  • Name,

  • Geburtsdatum,

  • Steueridentifikationsnummer,

  • Postanschrift,

  • Bankverbindung,

  • alle relevanten Transaktionen,

  • Verkaufserlöse,

  • alle für die Nutzung der Plattform angefallenen Gebühren und

  • falls vorhanden: die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Händlers bzw. Anbieters.

Was müssen Verkäufer jetzt tun?

In vielen Fällen gar nichts oder jedenfalls nicht viel.

Unproblematisch: Gelegentlicher Verkauf von Gegenständen des täglichen Gebrauchs

Wer zum Beispiel gelegentlich Spielzeug verkauft, aus dem die Kinder »herausgewachsen« sind, oder sein altes Fahrrad über ein Kleinanzeigen-Portal loswerden möchte, der braucht nichts zu befürchten und muss auch in der Steuererklärung keine Angaben zu den Verkäufen machen. Die Einnahmen aus den Verkäufen sind und bleiben steuerfrei.

Was Sie trotzdem tun sollten:

Notieren Sie, wann Sie welchen Gegenstand wo und für wie viel verkauft haben. Falls Sie Belege über den Einkauf und/oder Verkauf haben, heben Sie diese auf. So sind Sie auf der sicheren Seite, falls das Finanzamt Fragen hat.

Wie wird der Verkaufsgewinn berechnet?

Die Plattformen melden, welche »Vergütung gezahlt oder gutgeschrieben« wurde (§ 4 Absatz 5 Nr. 4 PStTG). Das ist immer der Erlös – den Gewinn kann die Plattform ja gar nicht kennen.

Dem Gesetzgeber geht es bei der Neuregelung vor allem darum herauszufinden, wer gewerblich tätig ist. Wer also ab und zu gebrauchte Spielsachen oder andere Gegenstände des täglichen Bedarfs verkauft, muss grundsätzlich keine Befürchtungen haben. Außerdem gibt es ja noch die Freigrenze von 600 Euro, bis zu der keine Steuern anfallen.

Um den Gewinn zu ermitteln, müssen Sie den Zeitwert des verkauften Gegenstands kennen.

Grundsätzlich gilt: Zeitwert = Neuwert abzüglich der Wertminderung aufgrund des Alters und der Abnutzung.

Wir gehen davon aus, dass sich die Finanzverwaltung daran orientiert und die amtlichen AfA-Tabellen zu Hilfe nimmt.

Beispiel:

Sie haben ein E-Bike für 3.500 Euro gekauft und verkaufen es nach zwei Jahren wieder. E-Bikes werden laut AfA-Tabelle über 7 Jahre abgeschrieben. Pro Jahr verliert das E-Bike also 1/7 an Wert, nach zwei Jahren liegt der Zeitwert somit bei 2.500 Euro.

  • Sie verkaufen das E-Bike für 1.800 Euro: 700 Euro Verlust.

  • Sie verkaufen das E-Bike für 2.800 Euro: 300 Euro Gewinn.

Wenn Sie allerdings nach einem Jahr Ihrem E-Bike neue Reifen, einen neuen Sattel, Lenker und Akku spendiert haben, dann ist das wertsteigernd und Sie können dem Finanzamt gegenüber argumentieren, dass die AfA-Tabelle hier nicht anwendbar ist, sondern Ihr E-Bike einen deutlich höheren Restwert hat als den Zeitwert laut AfA-Tabelle.

Mit den neuen Teilen ist Ihr Fahrrad dann vielleicht noch 3.100 Euro Wert, sodass Sie auch bei einem Verkaufserlös von 2.800 Euro einen Verlust von 300 Euro machen würden.

Ein sog. geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG) wird sofort abgeschrieben. Bei einem Lego-Set für 79 Euro liegt der Zeitwert also nach einem Jahr bei 0 Euro. Dann ist jegliche Vergütung, die Sie dafür erhalten, gleich Gewinn und muss versteuert werden (bei Überschreiten der Freigrenze).

Verkauf von Wertgegenständen: Spekulationsfrist und Freigrenze beachten

Wer Wertgegenstände wie Edelmetalle, Münzen, Schmuck, Kunstgegenstände, Antiquitäten, Oldtimer und Briefmarken verkauft, muss schon jetzt die einjährige sog. Spekulationsfrist beachten und Angaben in der Steuererklärung machen. Es geht also im Folgenden um Wertgegenstände, die innerhalb eines Jahres angeschafft und wieder verkauft werden.

Die einjährige Spekulationsfrist ist auch für private eBay-Verkäufer relevant, die keinen Gewerbebetrieb unterhalten.

Für den Gewinn aus allen privaten Veräußerungsgeschäften zusammen gibt pro Kalenderjahr eine Freigrenze: Gewinne bleiben steuerfrei, wenn sie weniger (!) als 600 Euro betragen (§ 23 Abs. 3 S. 5 Einkommensteuergesetz – EStG). Wird der Betrag von 600 Euro erreicht (!) oder überschritten, ist er voll steuerpflichtig, also nicht nur mit dem übersteigenden Teil. Liegt der Gewinn unter der Freigrenze, ist er steuerfrei.

Bei zusammen veranlagten Eheleuten steht jedem die Freigrenze zu, vorausgesetzt, jeder hat entsprechende Gewinne. Die nicht ausgeschöpfte Freigrenze des einen Ehegatten kann allerdings auch bei Zusammenveranlagung nicht auf den anderen übertragen werden.

Steuerpflichtige Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften sind in der Steuererklärung in der Anlage SO aufzuführen, da solche Einkünfte zur Einkunftsart »Sonstige Einkünfte« gehören.

Gewerblicher Verkauf

Vielleicht fällt bei der Meldung und anschließenden Überprüfung auf, dass Sie gewerblich tätig sind. Da es keine festen Zahlen gibt, ab wie vielen Verkäufen man zum Beispiel als gewerblicher Händler gilt, ist der Zeitpunkt des Übergang vom privaten Verkauf zum gewerblichen Handel oft nicht ganz klar.

In folgenden Konstellationen wurde in der Vergangenheit von einer gewerblichen Tätigkeit ausgegangen:

  • Sie entrümpeln ein Haus und verkaufen in den folgenden Monaten zahlreiche Gegenstände.

  • Sie verkaufen zwar selten, handeln aber nur mit sehr teuren Gegenständen.

  • Sie kaufen Waren ein mit dem Ziel, diese wieder zu verkaufen.

  • Sie stellen selbst Gegenstände her mit dem Ziel, diese zu verkaufen.

In diesen Fällen müssen Sie ein Gewerbe anmelden und mit der Steuererklärung die Anlage G (Einkünfte aus Gewerbebetrieb) einreichen. Auch Umsatzsteuer und Gewerbesteuer sind jetzt für Sie ein Thema.

(MB)

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