Steuererklärung 2020: Frist verpasst? Ab jetzt drohen hohe Säumnisgebühren!
Auch die verlängerte Abgabefrist ist inzwischen verstrichen.

Steuererklärung 2020: Frist verpasst? Ab jetzt drohen hohe Säumnisgebühren!

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Wegen Corona hatte das Finanzamt im Jahr 2021 mehr Zeit für die Abgabe der Steuererklärung für 2020 eingeräumt. Aber auch die verlängerte Abgabefrist ist inzwischen verstrichen. Ab jetzt wird das Finanzamt Verspätungszuschläge festsetzen.

Das sind die Voraussetzungen für den Verspätungszuschlag:

  • Sie sind verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben,

  • Sie geben Ihre Steuererklärung nicht oder nicht innerhalb der Frist ab und

  • Sie sind verantwortlich für die verspätete Abgabe.

Steuererklärung: Ab wann muss ein Verspätungszuschlag gezahlt werden?

In § 152 der Abgabenordnung (AO) ist gesetzlich geregelt, wann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag erheben kann oder in bestimmten Fällen sogar erheben muss.

  • Ein Verspätungszuschlag kann (muss aber nicht) immer festgesetzt werden, wenn eine Steuererklärung nicht oder nicht fristgemäß abgegeben wird.

  • Ein Verspätungszuschlag muss erhoben werden, wenn ein Steuerpflichtiger seine Steuererklärung für ein Kalenderjahr 14 Monate später immer noch nicht abgegeben hat.

Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn

  • das Finanzamt eine Fristverlängerung gewährt hat,

  • die Steuer auf 0 Euro oder auf einen negativen Betrag festgesetzt wird,

  • die zu zahlende Steuer nicht höher ist als die festgesetzten Vorauszahlungen.

Für Steuerpflichtige, die nicht wussten, dass sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, gibt es eine Billigkeitsregelung.

Das betrifft zum Beispiel Rentner, deren zu versteuerndes Einkommen durch eine Rentenerhöhung über dem Grundfreibetrag liegt. Bei ihnen wird ein Verspätungszuschlag erst festgesetzt, wenn das Finanzamt zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert hat und der Rentner bzw. die Rentnerin innerhalb der festgesetzten Frist keine Steuererklärung abgibt (§ 152 Abs. 5 Satz 3 AO).

Steuererklärung: Wie hoch ist der Verspätungszuschlag?

Der Verspätungszuschlag beträgt bei Steuererklärungen 0,25% der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro, für jeden angefangenen Monat der Verspätung.

Wer die Steuererklärung zu spät abgibt, kann nicht mehr auf Kulanz des Finanzamts hoffen! Der Verspätungszuschlag muss entsprechend der gesetzlichen Regelung festgesetzt werden, einen Ermessensspielraum hat das Finanzamt – im Gegensatz zu früher – so gut wie nicht mehr.

Wie kann man den Verspätungszuschlag vermeiden?

Der Verspätungszuschlag ist nicht nur Strafe, sondern gleichzeitig ein Druckmittel, damit Sie in Zukunft Ihre Steuererklärungen rechtzeitig abgeben. Deshalb gibt es auch nur zwei Möglichkeiten, ihn zu vermeiden – für beide ist es inzwischen jedoch zu spät (jedenfalls für die Steuererklärung für 2020):

  • Möglichkeit 1: Sie geben innerhalb der Abgabefrist eine unvollständige Steuererklärung ab. Reichen Sie zumindest den ausgefüllten Mantelbogen und die Anlage N ein, auf der Sie Bruttolohn und gezahlte Lohnsteuer angeben. Nennen Sie in Ihrem Schreiben an das Finanzamt ein Datum, bis zu dem Sie fehlende Unterlagen nachreichen werden – und tun Sie das dann auch.

  • Möglichkeit 2: Sie stellen einen Antrag auf Fristverlängerung nach § 109 AO. Geben Sie die Gründe an, weshalb Sie momentan keine Zeit für Ihre Steuererklärung haben, und bitten Sie um Fristverlängerung bis zu einem bestimmten Datum.

Wie kann man sich gegen den Verspätungszuschlag wehren?

Wenn das Finanzamt einen Verspätungszuschlag gegen Sie festsetzt, finden Sie in der Regel einen entsprechenden Hinweis in Ihrem Einkommensteuerbescheid. Sind Sie mit dem Verspätungszuschlag nicht einverstanden, können Sie dagegen Einspruch einlegen – wie gegen den Steuerbescheid selbst auch.

Für Ihren Antrag auf Fristverlängerung benutzen Sie am besten unseren kostenlosen Musterbrief »Antrag auf Fristverlängerung der Steuererklärung«.

Nutzer der SteuerSparErklärung finden den Musterbrief auch in ihrer Steuer-Software zum Ausdrucken. Alternativ können Sie den Antrag ganz einfach elektronisch aus der Software über Elster an das Finanzamt senden.

Für die Steuererklärung für das Steuerjahr 2020 gelten folgende Fristen

  • Für Steuerpflichtige, die ihre Steuererklärung selbst erstellen (sogenannte »nicht beratene Steuerpflichtige«), ist der letzte Abgabetermin der 31.10.2021. Eigentlich endet die Steuerfrist am 31. Juli.

  • Für »beratene Steuerpflichtige«, also Steuerzahler, deren Steuererklärung von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein erstellt wird, endet die Abgabefrist am 31.5.2022.

  • Die besonderen Abgabefristen für Steuerpflichtige mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft verlängern sich ebenfalls um drei Monate.

Da der 31.10.2021 ein Sonntag ist, verschiebt sich die Frist auf Montag, den 1.11.2021. In Bundesländern, in denen der 1. November ein Feiertag ist, ist der 2.11.2021 der letzte Abgabetermin für die Steuererklärung für 2020.

Die Fristverlängerung wirkt sich auch auf andere Fristen aus, die mit der Steuererklärung im Zusammenhang stehen. So verlängern sich beispielsweise auch die Fristen bei Verspätungszuschlägen und Einkommensteuervorauszahlungen entsprechend.

Auch die Karenzzeit zur Verschonung von Verzugszinsen auf Steuerschulden wird um drei Monate ausgeweitet.

Geregelt ist die Fristverlängerung im »Gesetz zur Umsetzung der Anti-Steuervermeidungsrichtlinie« (ATAD-Umsetzungsgesetz - ATADUmsG).

Inzwischen gibt es auch ein BMF-Schreiben, das Anwendungsfragen zur Verlängerung der Steuererklärungsfristen und der zinsfreien Karenzzeiten klären soll. Das Dokument können Sie hier auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums kostenlos lesen und als PDF herunterladen (BMF-Schreiben vom 20. Juli 2021).

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(MB)

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