1%-Methode: Nicht zu viel versteuern für die Fahrt zwischen Wohnung und Betrieb

 - 

Wird der Betriebs-Pkw nur selten für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb genutzt, ist nach Ansicht des BFH statt der Pauschalregelung die günstigere Einzelbewertung vorzunehmen. Jetzt können Sie den Nichtanwendungserlass der Finanzverwaltung kontern!

Die meisten Selbstständigen versteuern die private Kfz-Nutzung nach der 1%-Methode mit monatlich 1% des Listenpreises. Falls sie den Betriebs-Pkw auch noch für ihre Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb nutzen, müssen sie dafür einen zusätzlichen Privatanteil versteuern. Das ist der zu versteuernde Betrag für einen Monat: Listenpreis x 0,03% x Entfernungskilometer. Diese pauschale Regelung geht von monatlich 15 Fahrten aus. Wie oft die Fahrt Wohnung–Betrieb tatsächlich erfolgt, spielt keine Rolle.

Sind Sie aber etwa als Handelsvertreter viel geschäftlich unterwegs und fahren Sie nur gelegentlich mit dem Firmenwagen ins Büro, ist der pauschal ermittelte Wert nach Ansicht des BFH viel zu hoch. Die Richter nehmen stattdessen eine Einzelbewertung der tatsächlich durchgeführten Fahrten vor. Als Nutzungswert je Fahrt setzen sie an: Listenpreis x 0,002% x Entfernungskilometer (BFH, Urteil vom 4.4.2008, Az. VI R 85/04, DStR 2008 S. 1185). Leider hat der BFH nicht festgelegt, unter welchen Voraussetzungen Sie die günstigere Einzelbewertung vornehmen dürfen – nach dem Urteil jedenfalls dann, wenn die Fahrt zwischen Wohnung und Betrieb nur einmal in der Woche durchgeführt wird.

Der nach diesem Verfahren berechnete Privatanteil liegt weit unter dem pauschal berechneten Wert, bedeutet also Steuerausfälle für den Fiskus. Die Finanzverwaltung weigert sich daher, das steuerzahlerfreundliche BFH-Urteil anzuwenden und hat dazu einen Nichtanwendungserlass veröffentlicht (BMF-Schreiben vom 23.10.2008, DB 2008 S. 2398).

Beispiel
Ein Selbstständiger fährt an 80 Tagen mit dem Betriebs-Pkw von seiner Wohnung in das 30 km entfernte Büro. Der Listenpreis beträgt 25.000 Euro. Das muss er nach der Pauschalregelung im Jahr als zusätzlichen Privatanteil für diese Fahrten versteuern:
25.000 Euro x 0,03% x 30 km x 12 Monate = 2.700 Euro
Nach der Einzelbewertung laut BFH-Urteil ergibt sich dagegen nur folgender Betrag:
25.000 Euro x 0,002% x 30 km x 80 Fahrten = 1.200 Euro

In einem ähnlich gelagerten Fall war nun das Finanzgericht Düsseldorf der Auffassung, die vom BFH angebotene Einzelbewertung der Fahrten sei dann zulässig, wenn eine erhebliche Abweichung nach unten von der gesetzlichen Typisierung mit 15 monatlichen Fahrten vorliege (FG Düsseldorf, Urteil vom 12.7.2010, Az. 11 K 2479/09 E). Die Grenze ziehen sie bei etwa 50%, also sieben bis acht Fahrten im Monat. Und da beim Kläger pro Woche zwei Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb durchgeführt wurden, lag er gerade noch unter der Grenze. Bei einem Listenpreis von über 100.000 Euro und einer Entfernung zwischen Wohnung und Betrieb von 85 km lohnte sich der Rechtsstreit für ihn. Der vom Finanzgericht über die Einzelbewertung ermittelte Privatanteil für die Fahrten Wohnung–Betrieb war im Jahr um rund 16.000 Euro niedriger als der vom Finanzamt pauschal berechnete Wert.

Steuertipp
Der Fall ist nun beim BFH anhängig (Az. des BFH: VI R 60/10). Sie können also bei ähnlicher Ausgangslage von der günstigeren Einzelbewertung ausgehen, bei Ablehnung Einspruch einlegen, Ruhen des Verfahrens beantragen und die Entscheidung des BFH abwarten. Auch Arbeitnehmer, die einen Firmenwagen fahren und die private Nutzung versteuern müssen, können mit Hinweis auf das Verfahren ihren Einkommensteuerbescheid offenhalten.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.