Gesetzliche Krankenkasse: Pauschaler Bonus mindert nicht Sonderausgabenabzug
Viele gesetzliche Krankenkassen zahlen ihren Versicherten eine Geldprämie für gesundheitsbewusstes Verhalten. Dieser Bonus wirkt sich nicht negativ auf den Abzug von Sonderausgaben aus – selbst dann, wenn die Höhe der Zahlung pauschal ermittelt wurde.

Gesetzliche Krankenkasse: Pauschaler Bonus mindert nicht Sonderausgabenabzug

 - 

Viele gesetzliche Krankenkassen zahlen ihren Versicherten eine Geldprämie für gesundheitsbewusstes Verhalten. Dieser Bonus wirkt sich nicht negativ auf den Abzug von Sonderausgaben aus – selbst dann, wenn die Höhe der Zahlung pauschal ermittelt wurde.

Voraussetzung ist aber, dass durch den Bonus ein finanzieller Aufwand des Steuerpflichtigen ganz oder teilweise ausgeglichen wird. Das entschied der BFH in folgendem Sachverhalt:

Der gesetzlich Krankenversicherter hatte von seiner Krankenkasse für gesundheitsbewusstes Verhalten Boni von insgesamt 230 Euro erhalten, u.a. für

  • einen Gesundheits-Check-up,

  • eine Zahnvorsorgeuntersuchung,

  • die Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio und Sportverein sowie

  • den Nachweis eines gesunden Körpergewichts.

Das Finanzamt behandelte die Boni im Hinblick auf deren rein pauschale Zahlung als Erstattung von Krankenversicherungsbeiträgen und minderte den Sonderausgabenabzug des Versicherten in dessen Steuererklärung.

Das erstentscheidende Finanzgericht Sachsen wertete die Zahlungen als Leistungen der Krankenkasse, die weder die Sonderausgaben beeinflussten, noch als sonstige Einkünfte eine steuerliche Belastung auslösten (Urteil vom 5.4.2018, Az. 8 K 1313/17).

Kürzung des Sonderausgabenabzugs, wenn der Versicherte keine Kosten hat

Der BFH folgte weder der einen noch der anderen Meinung, sondern sah die Sache differenzierter:

Zwar sollen auch solche Boni, die nicht den konkreten Nachweis vorherigen Aufwands des Steuerpflichtigen für eine bestimmte Gesundheitsmaßnahme erfordern, sondern nur pauschal gewährt werden, nicht den Sonderausgabenabzug mindern. Sie sind zudem nicht als steuerlich relevante Leistung der Krankenkasse anzusehen.

Voraussetzung ist nach der Auffassung des BFH allerdings weiterhin, dass die jeweils geförderte Maßnahme beim Steuerpflichtigen Kosten auslöst und die hierfür gezahlte und realitätsgerecht ausgestaltete Pauschale geeignet ist, den eigenen Aufwand ganz oder teilweise auszugleichen.

Das bedeutet: Sobald der Steuerpflichtige Vorsorgemaßnahmen in Anspruch nimmt, die vom Basiskrankenversicherungsschutz umfasst sind (z.B. Schutzimpfungen, Zahnvorsorge), fehlt es an eigenem Aufwand, der durch einen Bonus kompensiert werden könnte. In diesem Fall liegt eine den Sonderausgabenabzug mindernde Beitragserstattung der Krankenkasse vor.

Gleiches gilt für Boni, die für den Nachweis eines aufwandsunabhängigen Verhaltens oder Unterlassens (bspw. gesundes Körpergewicht, Nichtraucherstatus) gezahlt werden (BFH-Urteil vom 6.5.2020, Az. X R 16/18).

auch interessant:

(MB)

Weitere News zum Thema
  • [] Die Abgabefrist für die Steuererklärung wurde verlängert – und zwar nicht nur für die Steuererklärung für 2021, sondern auch für die Besteuerungszeiträume 2022, 2023 und 2024! Erst ab 2025 gilt wieder für alle Steuerpflichtigen die »normale« Abgabefrist mehr

  • [] Für die Steuererklärung müssen Sie zwischen Versicherungen, die berufliche Risiken abdecken, und Versicherungen, die private Risiken abdecken, unterscheiden. Je nachdem, in welche Kategorie eine Versicherung fällt, können die Beiträge als Werbungskosten mehr

  • [] Wenn Sie am Wochenende nicht nach Hause fahren, sondern Ihren Lebensmittelpunkt komplett an den Arbeitsort verlagern, dann können Sie zum Beispiel keine Heimfahrten als Werbungskosten geltend machen. Der Umzug selbst führt aber trotzdem zu Werbungskosten mehr

  • [] Lädt ein potenzieller Arbeitgeber zum Vorstellungsgespräch ein, fallen Kosten für die An- und Abreise an. Grundsätzlich ist der Arbeitgeber nach § 670 BGB dazu verpflichtet, die entstandenen Fahrtkosten zu übernehmen – es sei denn, es ist anders geregelt mehr

  • [] Für jeden Kilometer, den die Arbeitsstelle oder Uni von der eigenen Wohnung entfernt liegt, wird die sogenannte Entfernungspauschale (Umgangssprachlich auch bekannt als Pendlerpauschale) vom Finanzamt anerkannt. mehr

Weitere News zum Thema