Kalte Progression

Wenn das Gehalt steigt, steigt auch der Steuersatz. Die Einkommenssteigerungen kann insbesondere im Falle einer Inflation durch den progressiven Steuersatz mitunter aufgezehrt werden. Und wenn der Staat dann mehr von der Gehaltserhöhung hat als der Steuerpflichtige selbst, ist letzterer Opfer der kalten Progression.

Was ist die kalte Progression?

Aufgrund des progressiven Steuertarifs steigt die Steuerbelastung prozentual schneller als das Gehalt: Bei einer dreiprozentigen Gehaltserhöhung können zum Beispiel vier oder sogar fünf Prozent mehr Steuern fällig werden. Das Netto-Plus ist dann geringer als die Brutto-Erhöhung. Liegt es unterhalb der Brutto-Erhöhung, ist der Reallohn sogar gesunken.

Um diesen Effekt zu verhindern, müssten jedes Jahr der Grundfreibetrag und die Eckwerte des Steuertarifs um die Inflationsrate angehoben werden.

Einkommensteuertarif 2021

Der Einkommensteuertarif hat 2021 die nachfolgende Struktur:

  • zu versteuerndes Einkommen zwischen 0,– € und 9.744,– €: Die Steuerbelastung ist 0, da der Grenzsteuersatz 0 % beträgt.

  • zu versteuerndes Einkommen zwischen 9.745,– € und 14.753,– €: Der Grenzsteuersatz liegt zwischen 14 % und 24 % (Progressionszone I oder »Untere Progressionszone «).

  • zu versteuerndes Einkommen zwischen 14.754,– € und 57.918,– €: Der Grenzsteuersatz liegt zwischen 24 % und 42 % (Progressionszone II oder »Obere Progressionszone«).

  • zu versteuerndes Einkommen zwischen 57.919,– € und 274.612,– €: Der Grenzsteuersatz beträgt einheitlich 42 % (Proportionalzone I).

  • zu versteuerndes Einkommen ab 274.613,– €: Der Grenzsteuersatz beträgt einheitlich 45 % (Proportionalzone II, »Reichensteuer«).

Wann kommt es zur kalten Progression?

Insbesondere im Bereich der ersten Progressionszone kann die Situation eintreten, dass ein Steuerpflichtiger Einkommensverluste trotz Gehaltserhöhung hinnehmen muss. Ursache hierfür ist die kalte Progression. Aufgrund steigender Steuersätze fällt bei Lohnzuwächsen auch überproportional mehr Einkommensteuer an. Der progressive Steuertarif kann dazu führen, dass die Steuerbelastung zum Beispiel bei einer dreiprozentigen Gehaltserhöhung um mehr als vier Prozent steigt. Dieses Phänomen steigender Grenzsteuersätze erstreckt sich über beide Progressionszonen. Liegt dann das resultierende Netto-Plus nach Steuer unterhalb der Inflationsrate, ist der Reallohn gesunken, d.h. Bruttolohnzuwächse lediglich in Höhe der Preissteigerung führen trotz Inflationsausgleichs zu realem Kaufkraftverlust bei gleichzeitigen Steuermehreinnahmen des Fiskus.

Beispiel:

Steuerpflichtiger S (alleinstehend) erzielt 2020 ein zu versteuerndes Einkommen (zvE) von 12.000,– € jährlich. Er bekommt für 2021 eine Lohnerhöhung, die das zvE um 1.200,– € erhöht.

S muss für das alte zvE 428,– € Steuern entrichten, was einem Durchschnittssteuersatz von 3,57 % entspricht. Der Grenzsteuersatz für den nächsten zusätzlich verdienten Euro beträgt 19,04 %. Für das neue zvE von 13.120,– € beträgt die Steuer 586,– €. Der Durchschnittssteuersatz hat sich auf 4,47 % erhöht, der Grenzsteuersatz auf 20,72 %. Der Grenzsteuersatz erhöht sich für das um 1.200,– € gestiegen zvE um fast zwei Prozentpunkte.

Der Netto-Einkommenszuwachs nach Steuern beträgt 962,– € (= 23.534,– € ./. 11.572,– €). Dies entspricht 8,3 % (= 962,– €/11.572,– €), bei einer Ausgangslage einer 10 %igen Gehaltserhöhung.

Möchten Sie wissen, wie sich eine Gehaltserhöhung auf Ihre Steuerlast auswirkt oder wie viel von der Gehaltserhöhung tatsächlich bei Ihnen ankommt? Dann nutzen Sie unsere kostenlosen Rechner:

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