Inflationsausgleichsgesetz: Steuerliche Entlastungen für 48 Millionen Bürger?
Hauptsitz des Bundesministeriums der Finanzen: das Detlev-Rohwedder-Haus

Inflationsausgleichsgesetz: Steuerliche Entlastungen für 48 Millionen Bürger?

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Bundesfinanzminister Christian Lindner (FD) hat die Eckpunkte eines Inflationsausgleichsgesetzes vorgestellt. Es sieht vor, für rund 48 Millionen Bürgerinnen und Bürger die Steuerlast an die Inflation anzupassen, um so Mehrbelastungen zu vermeiden. Zudem sollen Familien gezielt steuerlich unterstützt werden.

Von den Verbesserungen, schreibt das Bundesfinanzministerium, profitierten rund 48 Millionen steuerpflichtige Bürgerinnen und Bürger – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Rentnerinnen und Rentner, Selbstständige sowie Unternehmerinnen und Unternehmer.

Bewusst ausgenommen seien besonders hohe Einkommen, für die der sogenannte Reichensteuersatz von 45 Prozent greift.

Müssen bald mehr als 250.000 Menschen keine Steuererklärung mehr abgeben?

Mit den Änderungen sollen nicht nur steuerliche Mehrbelastungen vermieden werden, sondern für zahlreiche Menschen bedeuteten sie auch weniger Verwaltungsaufwand: Für mehr als 270.00 Bürgerinnen und Bürger fiele damit auch die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung weg. Das beträfe laut BMF unter anderem rund 75.000 Rentnerinnen und Rentner.

Inflationsausgleichsgesetz: Diese Erleichterungen sind geplant

Die Eckpunkte für ein Inflationsausgleichsgesetz sehen im Einzelnen insbesondere folgende Änderungen vor:

Höherer Grundfreibetrag 2023 und 2024

Zum 1. Januar 2023 sieht das Gesetz eine Anhebung um 285 Euro auf 10.632 Euro vor.

Für 2024 ist eine weitere Anhebung um 300 Euro auf 10.932 Euro vorgeschlagen.

Ausgleich der kalten Progression

Die sogenannten Tarifeckwerte sollen entsprechend der erwarteten Inflation nach rechts verschoben werden. Konkret soll der Spitzensteuersatz 2023 bei 61.972 statt bisher 58.597 Euro greifen, 2024 soll er ab 63.515 Euro beginnen.

Diese »Verschiebung der Eckwerte des Einkommensteuertarifs« ist eine regelmäßig durchgeführte Maßnahme, um die Auswirkungen der kalten Progression abzumildern: Ein »Eckwert« besagt, dass der oberhalb dieses Betrags liegende Teil eines Einkommens höher besteuert wird als der darunter liegende.

Der Steuertarif wird daher – wenn man sich ein Koordinatensystem vorstellt – nach rechts verschoben. Hierdurch soll die sogenannte kalte Progression ausgeglichen werden. Der progressive – also mit zunehmendem Bruttoeinkommen immer mehr ansteigende – Steuertarif würde ansonsten dazu führen, dass Lohnsteigerungen in Verbindung mit der Inflation zumindest teilweise durch eine höhere Besteuerung aufgefressen werden.

So käme trotz steigender Inflation höhere Einkommen auch tatsächlich bei den Bürgerinnen und Bürgern an. Besonders hohe Einkommen (sogenannter Reichensteuersatz) ab 277.836 Euro sollen ausdrücklich von dieser Anpassung ausgenommen werden.

Im Durchschnitt, rechnet das BMF vor, sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dadurch im nächsten Jahr 193 Euro mehr netto haben als in diesem Jahr, wenn sich ihr Einkommen nicht ändert.

Höherer Kinderfreibetrag und mehr Kindergeld 2023 und 2024

Der Kinderfreibetrag soll schrittweise für jeden Elternteil von 2022 bis 2024 um insgesamt 264 Euro erhöht werden, bis er zum 1. Januar 2024 bei 2.994 Euro liegt. Die erste Anhebung ist rückwirkend zum 1.1.2022 geplant – von 2.730 Euro auf 2.810 Euro.

Das Kindergeld soll in den Jahren 2023 bis 2024 ebenfalls schrittweise erhöht werden:

  • Ab dem 1. Januar 2023 soll es monatlich für das erste, zweite und dritte Kind einheitlich 227 Euro betragen, für das vierte und jedes weitere Kind 250 Euro.

  • Ab dem 1. Januar 2024 soll es monatlich für das erste, zweite und dritte Kind einheitlich 233 Euro betragen, für das vierte und jedes weitere Kind 250 Euro.

Die Erhöhung des Kindergeldes unterstützt auch einkommensschwache Familien, die keine Einkommensteuer zahlen.

Anhebung des Unterhaltshöchstbetrags

Der Unterhalthöchstbetrag für 2022 soll von 9.984 Euro auf 10.347 Euro angehoben werden. So können mehr Kosten, die etwa für Berufsausbildung oder Unterhalt für eine unterhaltberechtigte Person anfallen, steuerlich geltend gemacht werden. Zukünftige Anpassungen sollen automatisiert werden.

Das vollständige Eckpunktepapier für ein Inflationsausgleichsgesetz können Sie hier auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums lesen und herunterladen (PDF).

(MB)

 

(Bild im Titel: Detlev-Rohwedder-Haus, Hauptsitz des Bundesministeriums der Finanzen; Quelle: BMF/Hendel)

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