Handwerkerleistungen: Steuerermäßigung auch für statische Berechnungen

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Die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen gibt es auch für Aufwendungen für statische Berechnungen, die zur Durchführung der Handwerkerleistungen erforderlich sind. Das hat das FG Baden-Württemberg entschieden.

Der Fall

Ein Ehepaar hatte einen Handwerker damit beauftragt, in seinem Haus schadhafte Holzstützen durch Stahlstützen zu ersetzen. Nach Ansicht des Handwerkers war eine vorherige statische Berechnung unbedingt erforderlich. Hierzu fand eine Besprechung vor Ort und Inaugenscheinnahme des Hauses statt. Das Ehepaar bezahlte dem Handwerker 535,50 Euro einschließlich Umsatzsteuer und gab die Kosten in seiner Steuererklärung an. Zur Begründung führte das Paar aus, die statische Berechnung sei für den Austausch der Stützbalken erforderlich und eine unselbständige, untrennbar mit der Hauptleistung verbundene Nebenleistung gewesen. Es liege also eine einheitliche Handwerkerleistung vor, die insgesamt berücksichtigt werden müsse.

Das Finanzamt erkannte die Kosten nicht an und erklärte seinerseits, bei der statischen Berechnung handle es sich um eine nicht steuerlich begünstigte Gutachterleistung.

Das Urteil

Die Finanzrichter folgten der Auffassung des klagenden Ehepaares und erklärten, die Norm umfasse nach Wortlaut, Zweck und Entstehungsgeschichte alle handwerklichen Tätigkeiten, jedoch nicht gutachterliche Tätigkeiten, wie z. B. die Wertermittlung eines Grundstücks und das Erstellen eines Energieausweises.

Im Streitfall bestehe indes eine enge sachliche Verzahnung zwischen den statischen Berechnungen und den folgenden unstreitig erbrachten Handwerkerleistungen. Die statische Berechnung habe der ordnungsgemäßen und sicheren Durchführung des Austausches von tragenden Stützelementen für das Dach des Wohnhauses gedient und sei in einem Haushalt erbracht worden. Ein unmittelbarer räumlicher Zusammenhang zu einem Haushalt bestehe. Ein solcher ergebe sich auch aus der Besprechung vor Ort und Inaugenscheinnahme des Hauses. Eine Aufspaltung nach dem Leistungsort der Berechnung erscheine gekünstelt und widerspreche dem Gesetzeszweck, der Bekämpfung der Schwarzarbeit. Entscheidend sei, dass die Leistung der Wohnung der Kläger zugutekomme.

Da das Finanzamt Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt hat, wird sich nun der BFH mit dem Fall beschäftigen müssen (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 4.7.2019, Az. 1 K 1384/19; BFH-Az.: VI R 29/19).

(MB)

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