Volksfestveranstalter: Nur 7 Prozent Umsatzsteuer auf Eintrittskarten

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Eintrittskarten für ein Volksfest unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz, entschied das FG Berlin-Brandenburg.

Der Kläger veranstaltet seit Beginn der 90er Jahre einmal jährlich für ca. 10 Tage ein Volksfest. Dafür mietet er jedes Jahr eine Freifläche an, die von den Besuchern nur gegen Entgelt betreten werden kann. Auf dem Volksfest wird eine Mischung aus Kunst, Kunsthandwerk und Gastronomie angeboten. Es treten Kleinkünstler und Gaukler aller Genres auf, wie etwa Zauberer, Bauchredner, Jongleure, Akrobaten und Puppenspieler. Die Auftritte finden auf einer der vier Bühnen oder an wechselnden Orten auf dem gesamten Veranstaltungsgelände statt. Auf den Bühnen gibt es außerdem Livemusik.

Das Finanzamt war der Meinung, dass die Umsatzsteuerermäßigung für Leistungen als Schausteller allenfalls den tatsächlich auftretenden Personen zu gewähren sei, nicht aber dem Kläger als Veranstalter des Festes. Die Eintrittskarten sollten daher dem normalen Umsatzsteuersatz in Höhe von 19% unterliegen.

Dieser Ansicht folgten die Finanzrichter nicht. Sie weisen in ihrem Urteil darauf hin, dass Schausteller alle Personen seien, die mit Jahrmärkten, Volksfesten und ähnlichen Veranstaltungen von Ort zu Ort zögen. Nicht erforderlich sei, dass die Leistung als Schausteller in eigener Person erbracht wird; es reiche aus, dass Schaustellerleistungen durch Arbeitnehmer oder Subunternehmer erbracht würden.

Im zu entscheidenden Fall zog der Kläger mit seinem Volksfest zwar nicht von Ort zu Ort. Als Veranstalter musste er aber die Bühnen und Buden jedes Jahr auf- und wieder abbauen. Dadurch trete ein schnellerer Verschleiß als bei vergleichbaren ortsfesten Veranstaltungen ein, und gerade dieser Wettbewerbsnachteil gegenüber ortsfesten Vergnügungsveranstaltungen solle durch die Umsatzsteuerermäßigung für Schausteller ausgeglichen werden, argumentierten die Richter. Zudem sei wegen der ebenfalls stattfinden Musikveranstaltungen auch die für Konzert- und Theateraufführungen bestehende Umsatzsteuerermäßigung anzuwenden (FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 13.4.2010, Az. 5 K 7215/06 B).

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