Ebay-Verkäufe: Damoklesschwert Umsatzsteuer

 - 

Durch die gelegentliche Veräußerung von Gegenständen über die Internetplattform Ebay wird eine Privatperson noch nicht zum Unternehmer. Gut zu wissen. Nur was ist unter "gelegentlich" zu verstehen?

Über ein Ebay-Konto wurden im Jahr 2005 200 Verkäufe, im Jahr 2006 211 Verkäufe und im Jahr 2007 88 Verkäufe abgewickelt. Veräußert wurden stets Modellbauteile. Nach Ansicht des Finanzamtes reichte die Verkaufstätigkeit aus, um den Verkäufer zum Unternehmer werden zu lassen. Folge: Die Verkäufe waren umsatzsteuerpflichtig; aufgrund des Überschreitens der Kleinunternehmer-Umsatzgrenze von 17.500 Euro musste Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt werden. Damit wollte sich der Verkäufer aber nicht abfinden. Er klagte gegen die Entscheidung des Finanzamtes vor dem FG Niedersachsen - und verlor (Urteil vom 16.9.2010, Az. 16 K 315/09, noch nicht veröffentlicht).

Das Umsatzsteuergesetz legt fest: Unternehmer ist, wer eine gewerbliche Tätigkeit selbstständig ausübt. Gewerblich ist eine Tätigkeit, wenn sie nachhaltig ist und der Erzielung von Einnahmen dient. Nachhaltig ist eine gewerbliche Tätigkeit nur, wenn sie auf Wiederholung angelegt ist und der Verkäufer wie ein Händler am Markt auftritt. Deutlich wird: Das Gesetz enthält lediglich eine Unscharfe Definition des Unternehmers. Dadurch entsteht ein erheblicher Auslegungsspielraum.

Bei einer regelmäßigen Verkaufstätigkeit gibt es letztlich nur zwei Fallkonstellationen, die den Eintritt des Unternehmer-Status verhindern. Zum einen sind das Verkäufe nicht mehr benötigter privater Vermögensgegenstände, da hier die Bedingung "Auftreten wie ein Händler am Markt" nicht erfüllt ist. Und zum anderen sind das Verkäufe im Rahmen einer privaten Sammlertätigkeit, denn hier ist das Ziel lediglich die Vervollständigung einer Sammlung, nicht aber die Beteiligung am Marktgeschehen als Händler.

Im vom FG Niedersachsen entschiedenen Fall gab es keine Anzeichen für Verkäufe im Rahmen einer privaten Sammlertätigkeit. Es blieb also nur die Option private Verkaufstätigkeit als Ausweg vom Unternehmer-Status und der damit einhergehenden Umsatzsteuerpflicht.

Um die private von der gewerblichen Verkaufstätigkeit abzugrenzen, bedarf es natürlich geeigneter Abgrenzungsmerkmale. In den Mittelpunkt rücken hier zwangsläufig Art und die Zahl der veräußerten Gegenstände. Ergibt das Gesamtbild einen unüblich hohen Verkaufsumfang, mutiert die Privatperson zum Unternehmer. Wann das übliche Maß überschritten ist, unterliegt der subjektiven Einschätzung. Für das FG Niedersachsen war es bei dem Verkauf von rund 500 Modellbauteilen in drei Jahren überschritten.

Steuertipp
In der Rechtsprechung existiert keine feste Verkaufszahl pro Jahr bis zu der eine Verkaufstätigkeit Privatvergnügen ist. Entscheidend ist letztlich das Gesamtbild. Veräußern Sie regelmäßig Gegenstände, die nicht zu einer Sammlung gehören, müssen Sie also aufpassen. Im eigenen Interesse sollten Sie immer die Kleinunternehmer-Grenze von 17.500 Euro pro Jahr im Auge haben. Überschreiten Ihre Einnahmen nämlich diese Grenze, und stellt das Finanzamt dann die Unternehmereigenschaft fest, drohen Steuernachzahlungen und zusätzlich Nachzahlungszinsen.

Weitere News zum Thema

  • Umsatzsteuer: Eisskulpturen-Ausstellung ist kein Museum

    [] Winter is coming – und bei uns geht es dabei natürlich um Umsatzsteuer! Das FG Mecklenburg-Vorpommern musste sich nämlich mit der Frage beschäftigen, ob Eintrittsgelder für eine Ausstellung von Eisskulpturen umsatzsteuerlich begünstigt sind. mehr

  • Umsatzsteuer: Die Fragen machen selbst vor der Wiesn nicht Halt

    [] Für den Steuerrechtler bedeutet Umsatzsteuer vor allem: viele Gerichtsverfahren – und den einen oder anderen Sachverhalt, der ein bisschen Farbe in den Steuer-Alltag bringt. Passend zum heutigen Oktoberfest-Beginn geht es jetzt um die Brezenläufer in den Bierzelten. mehr

  • Gutscheine und Umsatzsteuer: Änderungsvorschläge und Kritik

    [] Mit der Gutschein-Richtlinie des Rats der Europäischen Union wurden spezielle Vorschriften für die mehrwertsteuerliche Behandlung von Gutscheinen in die Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie eingefügt. Das Bundesministerium der Finanzen hat zur Umsetzung der Neuerungen einen ersten Gesetzesvorschlag vorgelegt. mehr

  • Umsatzsteuer: Provisionen einer Kur-Beraterin

    [] Unterliegen Provisionen, die eine Kurberaterin für die Vermittlung von Mutter/Vater-Kind-Kuren von den Kliniken erhält, der Umsatzsteuer? Mit dieser Frage beschäftigte sich das FG Münster. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.