Traumatisierte Pflegekinder: Kosten für medizinische Seminare absetzbar

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Kosten für die Teilnahme an medizinischen Seminaren zum Umgang mit frühtraumatisierten Kindern sind bei den Pflegeeltern als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig.

Ein Ehepaar nahm zwei Pflegekinder in Vollzeitpflege bei sich auf. Eines der Kinder litt aufgrund einer Frühtraumatisierung an einer Aufmerksamkeits- und Bindungsstörung. Die Pflegemutter nahm daher an Seminaren für Eltern frühtraumatisierter Kinder teil, die von einer Ärztin entwickelt und durchgeführt wurden.

Da die Krankenversicherung die Kosten für diese Seminare nicht übernahm, machten die Eheleute in ihrer Steuererklärung außergewöhnliche Belastungen dafür geltend. Das Finanzamt erkannte die Aufwendungen nicht an und begründete dies damit, dass die Kosten nicht unmittelbar zur Heilung einer Krankheit entstanden seien. Zudem fehle der formelle Nachweis der Zwangsläufigkeit.

Das sah das Gericht anders: Die Richter erkannten die Kosten für die Seminare als außergewöhnliche Belastungen an und erklärten, die Teilnahme sei durch die Krankheit des Pflegekindes veranlasst gewesen. Die Einbeziehung Angehöriger könne auch zur Behandlung einer Krankheit erforderlich sein. Hierfür sprächen im Streitfall mehrere ärztliche Bescheinigungen, in denen psychologische Familienberatungen durch die Pflegeeltern als medizinisch notwendig angesehen würden. Dass die vorgelegten ärztlichen Bescheinigungen nicht den formellen Anforderungen des § 64 EStDV genügten, sei unerheblich, da es sich nicht um eine psychotherapeutische Behandlung, sondern um die Schulung einer nicht erkrankten Kontaktperson handele. Die Eheleute seien zur Tragung der durch die Krankheit ihres Pflegekindes entstandenen Aufwendungen auch sittlich verpflichtet, weil zwischen ihnen ein auf Dauer angelegtes enges familiäres Band bestehe (FG Münster, Urteil vom 27.01.2017, 4 K 3471/15)

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