Schule für Hochbegabte: Gebühren sind außergewöhnliche Belastungen

 - 

Der BFH entschied: Aufwendungen für den Schulbesuch eines hochbegabten Kindes können als außergewöhnliche Belastungen abziehbar sein. Voraussetzung ist, dass der Schulbesuch medizinisch angezeigt ist.

Der Sohn der Kläger, ein Junge mit einem IQ von 133, übersprang die dritte Grundschulklasse und wechselte anschließend auf ein Gymnasium. Da er Verhaltensauffälligkeiten zeigte, empfahlen der Allgemeine Sozialdienst und die Hausärztin des Kindes den Besuch einer Hochbegabtenschule. Da es in Deutschland keine passende Schule für die Altersgruppe des Jungen gab, wurde eine Schule in Schottland anvisiert. Die Unterbringung, lautete die Begründung, sei therapeutisch notwendig, um der Fehlentwicklung des Kindes entgegen zu wirken und eine bleibende seelische und soziale Schädigung zu verhindern. Ein nachträglich hinzugezogener Amtsarzt bestätigte diese Diagnose.

Die Eltern des Jungen machten in ihren Steuererklärungen Schul- und Internatskosten als außergewöhnliche Belastungen gelten. Das Finanzamt erkannte die Aufwendungen jedoch nicht an, weil die medizinische Notwendigkeit der Internatsunterbringung nicht durch ein zuvor erstelltes amtsärztliches Attest nachgewiesen worden war.

Das FG folgte der Meinung des Finanzamtes. Der BFH verwies das Verfahren jetzt an das FG zurück, denn inzwischen gelten für den Nachweis einer Krankheit und der medizinischen Indikation einer Behandlung andere Regeln. Nach der neueren Rechtsprechung des BFH ist es jetzt nicht mehr zwingend erforderlich, dass Krankheit und Erfordernis der Behandlung durch ein vor Beginn der Behandlung eingeholtes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten bzw. Attest eines öffentlich-rechtlichen Trägers nachgewiesen werden müssen – der Nachweis kann jetzt auch später sowie durch alle geeigneten Beweismittel geführt werden. Das FG muss nun also prüfen, ob der Besuch der schottischen Schule wegen der Hochbegabung des Kindes aus medizinischen Gründen erforderlich war. Sollte das FG zu dem Schluss kommen, das dies der Fall ist, gehören die Schul- und Internatskosten zu den unmittelbaren Krankheitskosten (BFH, Urteil vom 12.5.2011, Az. VI R 37/10).

Kein zusätzlicher Ausbildungsfreibetrag

Ein zusätzlicher Ausbildungsfreibetrag wegen auswärtiger Unterbringung des Sohnes steht den Eltern übrigens nicht zu. So soll eine doppelte Steuerermäßigung vermieden werden.

Hintergrund: Darum geht es bei außergewöhnlichen Belastungen

Entstehen für einen Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands, so können diese Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen steuerlich berücksichtigt werden (§ 33 EStG). Dabei können die Aufwendungen, die die zumutbare Belastung übersteigen, bei der Einkommensteuererklärung vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden.

Weitere News zum Thema

  • Lipödem: Operation nicht absetzbar

    [] Die Kosten einer Operation zur Beseitigung einer Fettverteilungsstörung waren auch im Jahr 2013 nicht als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG absetzbar. Das hat das FG Rheinland-Pfalz entschieden. mehr

  • Heimkosten der Eltern steuerlich geltend machen

    [] Die Unterbringung in einem Altersheim oder Pflegeheim ist eine teure Angelegenheit. In bestimmten Fällen können Sie die Heimkosten steuerlich als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art absetzen – auch dann, wenn Sie als Kind die Heimkosten für Ihre Eltern tragen! mehr

  • Demenzkranker Ehepartner im Heim: Zusammenveranlagung möglich

    [] Leben Ehepartner das ganze Jahr über dauernd getrennt, können sie nicht mehr nach dem Splittingtarif besteuert werden. Das FG Niedersachsen hat entschieden, dass dies nicht zwangsläufig der Fall ist, wenn einer der Ehepartner wegen Demenz im Pflegeheim lebt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.