Krankengeld: Wie wird die Wochenfrist berechnet?

 - 

Wenn Sie längere Zeit krank sind und Ihre Folge-Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Folge-AU) zu spät einreichen, gibt es kein Krankengeld mehr. Wie wird die Frist für die Vorlage der Folge-AU berechnet? Damit hat sich das Sozialgericht Düsseldorf beschäftigt.

Der Fall

Ein Arbeitnehmer war arbeitsunfähig und erhielt auch zunächst von seiner Krankenkasse Krankengeld. Im weiteren Verlauf der Arbeitsunfähigkeit nahm die Krankenkasse jedoch an, dass der Krankengeldanspruch ruhe. Begründung: Eine Folge-Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Folge-AU) sei nicht innerhalb einer Woche eingereicht worden, sondern einen Tag zu spät.

Der Arbeitnehmer wehrte sich dagegen und erklärte, er habe die Folge-AU direkt nach dem Verlassen der Arztpraxis richtig adressiert und frankiert in den Briefkasten eingeworfen.

Das Urteil

Das SG Düsseldorf gab dem Arbeitnehmer Recht und sprach ihm das Krankengeld zu. Die Richter bestätigten zwar, dass die Bescheinigungen stets binnen Wochenfrist bei der Krankenkasse eingereicht werden müssten, sonst ruhe der Krankengeldanspruch. Hier sei die Bescheinigung des Arbeitnehmers aber tatsächlich noch rechtzeitig bei der Krankenkasse eingegangen – denn diese haben schlicht die Wochenfrist falsch berechnet (SG Düsseldorf, Urteil vom 7.10.2019, Az. S 9 KR 589/19).

Berechnung der Wochenfrist bei Arbeitsunfähigkeit

Die Wochenfrist beginnt nicht mit dem Tag der weiteren Arbeitsunfähigkeit, sondern mit dem Tag, der auf den Eintritt der weiteren Arbeitsunfähigkeit folgt.

Im konkret entschiedenen Fall sah das so aus:

  • Eintritt der weiteren Arbeitsunfähigkeit am 11.01.2019 eingetreten,

  • Beginn der Wochenfrist also am 12.01.2019,

  • Ende der Wochenfrist folglich mit Ablauf des 18.01.2019.

Und genau an diesem Tag hatte die Krankenkasse den Eingang der Folge-AU vermerkt.

Krankengeld gehört zu den Lohnersatzleistungen. Es ist steuerfrei, unterliegt jedoch dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Das Krankengeld wird nicht besteuert, es wird aber bei der Ermittlung des Steuersatzes mit einbezogen.

Hier können Sie ausrechnen, wie sich das bei Ihnen auswirkt!

(MB)

Weitere News zum Thema
  • [] Corona-Kranke, die sich an ihrem Arbeitsplatz infiziert haben, können ihre Erkrankung als Berufskrankheit oder auch als Arbeitsunfall anerkennen lassen. Zuständig sind die jeweiligen Berufsgenossenschaften (BG) bzw. die öffentlichen Unfallversicherungsträger. mehr

  • [] Rund 30.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall, der durch eine verengte Halsschlagader verursacht wird. Wären die Adern rechtzeitig vorher per Ultraschall untersucht worden, hätte der Schlaganfall unter Umständen verhindert werden können. Wichtig zu wissen: In Risikofällen ist die Ultraschalluntersuchung eine Kassenleistung. mehr

  • [] Gut 400.000 Senioren beziehen zwar eine gesetzliche Rente, sie profitieren aber nicht von der günstigen Krankenversicherung der Rentner, sondern sind freiwillig gesetzlich krankenversichert. In vielen Fällen kann sich für sie oder ihre Angehörigen ein Blick auf die im August 2017 eingeführte Kinderregelung lohnen. mehr

  • [] Der dritte Senat des Bundessozialgerichts (BSG) entschied am 26.3.2020: Wenn der behandelnde Arzt kurzfristig Untersuchungstermine verschiebt und dadurch die weitere Arbeitsunfähigkeit verspätet festgestellt wird, darf das nicht zulasten der Versicherten gehen. mehr

Weitere News zum Thema