Eltern können KV-Beiträge des Kindes absetzen

 - 

Seit Jahren wird darüber gestritten, ob und wann Eltern Beiträge, die ihre Kinder an die Kranken- und Pflegeversicherung zahlen, als Sonderausgaben bei der Steuererklärung geltend machen können. Der Bundesfinanzhof machte nun deutlich, dass dies durchaus möglich ist – wenn die Eltern bestimmte Formalien einhalten (Az. X R 25/15).

Konkret ging es beim Rechtsstreit, der vor dem Bundesfinanzhof (BFH) ausgetragen wurde, um relativ wenig: Gestritten wurde über die Absetzbarkeit von insgesamt 300,51 € Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung, die 2010 von der Ausbildungsvergütung eines Straßenbauer-Azubis abgezogen worden waren. Der Azubi hatte diese zunächst bei seiner Steuererklärung geltend gemacht, ohne davon einen Vorteil zu erzielen.

Daraufhin versuchten die Eltern, diese Ausgaben bei ihrer Steuererklärung geltend zu machen. Und auch sie scheiterten. Denn sie konnten nicht nachweisen, dass sie die Beiträge übernommen hatten. Dennoch ist das BFH-Urteil interessant, weil es Eltern eine Gebrauchsanleitung zur Geltendmachung von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen ihrer unterhaltsberechtigten Kinder liefert.

Grundsätzlich befand nämlich der BFH: "Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge eines gesetzlich versicherungspflichtigen Kindes können Teil der Unterhaltsverpflichtung der Eltern sein". Das gelte weiterhin selbst dann, wenn der Arbeitgeber sie von der Ausbildungsvergütung des Kindes einbehalten hat – was ja in der Regel gar nicht anders möglich ist.

Doch dann müssten die Beiträge von den Eltern "zusätzlich zum Regelunterhalt tatsächlich gezahlt werden". Das könne – so der BFH – auch "im Wege der Erstattung an das Kind" erfolgen.

Genau das sei in der verhandelten Rechtssache nicht der Fall gewesen. Eltern, die die Beiträge des Kindes als Sonderausgaben geltend machen wollen, sollten entweder – etwa per Dauerauftrag – ihrem unterhaltsberechtigten Kind, das sich in einer Berufsausbildung befindet, die Beiträge ausdrücklich erstatten.

Falls ein fester Geldbetrag monatlich überwiesen wird, sollte dieser aufgeteilt werden in die Teilbeträge "Erstattung der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung" und "sonstiger Lebensunterhalt".

Weitere News zum Thema

  • Nach dem Krankenhaus den Übergang mitgestalten

    [] Seit 2004 gibt es Fallpauschalen: Für einen Patienten, bei dem eine Blinddarm-OP vorgenommen wird oder bei dem eine künstliche Hüfte eingesetzt wird, erhalten die Krankenhäuser überall das Gleiche, egal wie lange ein Patient im Krankenhaus bleibt. Das setzt Anreize für eine frühzeitige Entlassung aus dem Krankenhaus. mehr

  • Privates Krankentagegeld darf bei Auslandsaufenthalt wegfallen

    [] Gut verdienende Arbeitnehmer, die sich für ein privates Krankentagegeld entschieden haben, sollten während des Leistungsbezugs in jedem Fall auf einen Auslandsurlaub verzichten. Mehr noch: Sogar ein Inlandsurlaub kann den Leistungsanspruch gefährden. Das gilt auch, wenn der Urlaub bei der Versicherungsgesellschaft angemeldet und vom Hausarzt befürwortet wurde. mehr

  • Misslungene Schönheits-OP: Kasse zahlt Teil der Folgekosten

    [] Schönheitsoperationen sind in manchen Kreisen – und mittlerweile nicht nur bei Frauen – in Mode. Doch sie bergen – wie alle Operationen – Risiken. Die Operationen selbst werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen und auch nicht von deren privater Konkurrenz. Doch was gilt, wenn sich als Folgewirkung der OP gesundheitliche Probleme entwickeln? mehr

  • Angst vor Krebs: Kasse zahlt keine Brust-Amputation

    [] Dass eine Frau, nachdem bei ihr wiederholt gutartige Knoten in der Brust festgestellt wurden, ihre Brüste vorsorglich komplett entfernen lassen wollte, ist vielleicht aufgrund der starken psychischen Belastung nachvollziehbar. Doch damit werden die Brustentfernung und der folgende Aufbau nicht zu einer Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, befand das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen am 4.9.2019. mehr

  • Weglauftendenz: Kasse zahlt fixierbare GPS-Uhr

    [] Bei einem Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen (LSG, Az. L 16 KR 182/18) ging es um einen jungen Mann mit einem Downsyndrom mit geistiger Behinderung und Weglauftendenz. Das LSG gestand dem Betroffenen als Hilfsmittel eine am Handgelenk fixierbare Guard2me-Uhr zu. Angesichts der zunehmenden Alterung der Gesellschaft und der Tatsache, dass das Altern wohl nicht selten mit Demenz verbunden sein wird, betrifft das Urteil in starkem Maße Senioren. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.