Gesundheit, Krankheit und Pflege
Den Staat an den Kosten beteiligen

Gesundheit, Krankheit und Pflege: Steuervergünstigungen sorgen für finanzielle Entlastung

Um die Gesundheit zu erhalten oder wieder herzustellen, fallen Kosten für Therapien, Medikamente, Rehamaßnahmen usw. an, die Sie selbst tragen müssen. Normalerweise bleiben private Ausgaben steuerlich unberücksichtigt. Besondere Situationen können aber zu außergewöhnlichen Belastungen führen, und die dürfen Sie dann doch in der Steuererklärung angeben.

Der Gesetzgeber unterscheidet:

  • außergewöhnliche Belastungen besonderer Art (Fälle, die ausdrücklich im Einkommensteuergesetz definiert sind) und
  • außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art, die nicht im Gesetz genannt sind und einzeln nachgewiesen werden müssen.

Von der Summe Ihrer gesamten außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art, die Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen, zieht das Finanzamt automatisch die sogenannte zumutbare Belastung ab. Sie wird in drei Stufen nach einem bestimmten Prozentsatz des Gesamtbetrags der Einkünfte bemessen und hängt von Familienstand und Kinderzahl ab. In Höhe dieses Betrags müssen Sie Ihre Genesungskosten alleine tragen.

Wichtig: Zur Berechnung der zumutbaren Belastung gibt es ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs , nach dem Sie jetzt mehr abziehen können! Hier erfahren Sie mehr dazu.

Das können Sie tun, um die Hürde der zumutbaren Belastung zu überwinden:

  • Konzentrieren Sie Ihre außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art möglichst auf ein Kalenderjahr. Sie können zum Beispiel den Kauf einer neuen Brille und die geplante Zahnsanierung in dasselbe Kalenderjahr legen.
  • Außergewöhnliche Belastungen sind in dem Kalenderjahr zu berücksichtigen, in dem das Geld bei Ihnen abfließt. Platzieren Sie deshalb Zahlungen um die Jahreswende gezielt im alten bzw. neuen Kalenderjahr.
  • Prüfen Sie rechtzeitig vor Jahresende, ob Ihre zumutbare Belastung um einen Prozentpunkt nach unten rutscht, wenn Sie zum Beispiel durch zusätzliche Werbungskosten Ihren Gesamtbetrag der Einkünfte senken.

Viele Kosten wirken sich schon wegen der zumutbaren Belastung bei den außergewöhnlichen Belastungen nicht komplett aus. Dann kommt bis zur Höhe der zumutbaren Belastung der Abzugsbetrag für Handwerker und haushaltsnahe Hilfen infrage.

Wichtig: Informieren Sie sich gut über das Thema , bevor Sie entsprechende Aufwendungen tätigen. Es gelten zum Teil strenge Formvorschriften, zum Beispiel müssen Sie das Entgelt für einen Dienstleister zwingend auf dessen Konto einzahlen, denn bei Barzahlung gibt es keinen Steuerabzugsbetrag.


Im Folgenden geben wir Ihnen einen ersten Überblick über die Absetzbarkeit von


1. Krankheitskosten

Die von Ihnen getragenen Krankheitskosten mindern nur dann Ihre Steuerlast, wenn die ergriffenen Maßnahmen medizinisch notwendig sind und Sie das auch durch wasserdichte Nachweise belegen können.

Normalerweise reicht für den Nachweis die Verordnung des Medikamentes durch den behandelnden Arzt oder Heilpraktiker aus.

In einigen Fällen müssen Sie dem Finanzamt ein vor (!) der Behandlung ausgestelltes Gutachten des Amtsarztes oder die ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) vorlegen, z.B. bei einer Kur, einer psychotherapeutische Behandlung oder bei wissenschaftlich nicht anerkannten Behandlungsmethoden (Frischzellenbehandlung, Trockenzellenbehandlungen, Sauerstofftherapie, Chelattherapie, Eigenbluttherapie, Ayurveda, Feldenkraisbehandlung etc.).

Wichtig – falls das Gesundheitsamt Sie abwimmeln will: Gemäß § 64 Abs. 2 EStDV sind die Gesundheitsbehörden verpflichtet, die für steuerliche Zwecke erforderlichen Atteste auszustellen und Ihnen auszuhändigen (nicht dem Finanzamt).

Folgende Angaben müssen sich aus dem amtsärztlichen Attest ergeben:

  • die Maßnahme selbst,
  • deren krankheitsbedingte Notwendigkeit,
  • die voraussichtliche Dauer sowie
  • die speziellen Anforderungen - je nach Sachverhalt. Gemeint ist zum Beispiel bei Medikamenten die Dosierung, bei einer Klimatherapie bzw. einem Kuraufenthalt oder Sanatoriumsaufenthalt der Zielort und die voraussichtliche Dauer.

Wichtig: Achten Sie neben der Vollständigkeit der Angaben auch auf die Formulierung: Dass eine Maßnahme »wünschenswert« ist, reicht nicht. Sie muss »medizinisch notwendig« sein. Das ist sie allerdings bereits dann, wenn sie »vertretbar« ist.

Damit der Amtsarzt zum gewünschten Ergebnis kommt, müssen Sie Ihren Besuch gut vorbereiten: Stellen Sie alle Befunde zusammen, die der Arzt benötigt, um Ihren Fall beurteilen zu können. Vielleicht können Sie sogar ein Schreiben vorlegen, in dem Ihr behandelnder Arzt erläutert, weshalb die Maßnahme seines Erachtens medizinisch notwendig ist.


2. Pflegekosten und Heimkosten

Pflegebedingte Aufwendungen dürfen Sie in nachgewiesener Höhe als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art abziehen, wenn es sich um pflegebedingte Kosten handelt für

  • Sie selbst, Ihren Ehepartner und/oder Ihr Kind, für das Sie Anspruch auf Kindergeld haben;
  • einen Angehörigen oder eine Ihnen nahestehende Person.

Auch hier zieht das Finanzamt automatisch die zumutbare Belastung ab.

Pflegen Sie persönlich eine andere Person, honoriert der Gesetzgeber das mit dem Pflege-Pauschbetrag – allerdings nur, wenn der Gepflegte nicht »nur« pflegebedürftig ist, sondern sogar hilflos. Zustehen kann Ihnen dieser Pauschbetrag, wenn

  • Sie Ihren Ehepartner pflegen,
  • Sie einen Dritten pflegen oder
  • Ihr Ehepartner das tut. Dabei kann es sich bei dem Gepflegten um Ihr Kind oder eine andere Ihnen nahestehende Person handeln.

Wichtig: Beim Pflege-Pauschbetrag zieht der Finanzbeamte keine zumutbare Belastung ab!

Wenn eine Heimunterbringung nachweislich wegen Pflegebedürftigkeit, Behinderung oder Krankheit notwendig ist, können die Kosten zu abziehbaren außergewöhnlichen Belastungen führen. Ein Heimaufenthalt aus Altersgründen ist dagegen steuerlich nicht absetzbar.

Auch wenn die Kosten nicht für Sie selbst, sondern für eine andere Person anfallen, können Ihre Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art abziehbar sein.


3. Behinderte Menschen

Als behinderter Mensch haben Sie im Vergleich zu einem gesunden Menschen oft höhere Kosten. Deshalb dürfen Sie Ihre behinderungsbedingten Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd geltend machen. Steuerlich wird zwischen typischen und atypischen behinderungsbedingten Kosten unterschieden.

  • Die atypischen Kosten werden als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art berücksichtigt.
  • Für typische behinderungsbedingte Kosten bekommen Sie den sog. Behinderten-Pauschbetrag.

Wichtig: Sind Ihre typischen Kosten höher als der Pauschbetrag, können Sie auf den Pauschbetrag verzichten und in Ihrer Steuererklärung neben den atypischen auch die typischen behinderungsbedingten Kosten als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art geltend machen.

Sammeln Sie also am besten während des Jahres Belege für alle anfallenden behinderungsbedingten Kosten, denn Sie können erst nach Ablauf des Jahres prüfen, ob es sich lohnt, auf den Behinderten-Pauschbetrag zu verzichten und stattdessen alle typischen und atypischen behinderungsbedingten Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art geltend zu machen. Falls sich der Verzicht lohnt, brauchen Sie die Belege.


4. Weitere abziehbare außergewöhnliche Belastungen

Es gibt noch eine Reihe weiterer Kosten bzw. Pauschbeträge, die Sie in Ihrer Steuererklärung im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen geltend machen dürfen. Dazu gehören unter anderem:

  • Der Hinterbliebenen-Pauschbetrag, den Ihnen der Gesetzgeber hauptsächlich dann gewährt, wenn Sie Ihren Ehepartner oder einen Elternteil im Dienste des Vaterlandes verloren haben. Sie beantragen ihn in Ihrer Einkommensteuererklärung auf Seite 3 des Mantelbogens.
  • Normaler Unterhalt für eine unterhaltsberechtigte Person. Hierzu zählen Kosten für Unterkunft, Kleidung, Ernährung etc. Begünstigt sind auch Aufwendungen für die Berufsausbildung des Empfängers, zum Beispiel für Studiengebühren, Fachliteratur, Fernkurse oder das Semesterticket. Normalen Unterhalt machen Sie in der »Anlage Unterhalt« geltend. Zusätzlich tragen Sie die Anzahl der abzugebenden Anlagen auf Seite 3 des Mantelbogens ein.
  • Besonderer Unterhalt für einen Unterhaltsberechtigten oder eine Ihnen nahestehende Person. Hierzu zählen Kosten, die in einer besonderen Lebenslage anfallen, zum Beispiel bei Krankheit. Diese Aufwendungen geben Sie auf Seite 3 des Mantelbogens unter »Andere außergewöhnliche Belastungen« an.
  • Wenn Gift in Ihrem Wohnumfeld Ihre Gesundheit gefährdet (z.B. Dioxin, Formaldehyd, Asbest, echter Hausschwamm). Die Kosten der Beseitigung sind unter strengen Voraussetzungen und nur zum Teil abziehbar. Wichtig: Sie sollten sich um bestimmte Nachweise kümmern, bevor Sie mit der Beseitigung beginnen.
  • "Unmittelbare" Begräbniskosten wie Grabstätte, Grabstein, Sarg bzw. Urne, Blumenschmuck, Gebühren (z.B. für die Sterbeurkunde), Todesanzeige und Danksagungen. Nicht abzugsfähig sind Kosten für die Bewirtung der Trauergäste, Trauerkleidung, Reisekosten zur Teilnahme an einer Beerdigung und Grabpflegekosten.
  • Wiederbeschaffung oder Reparatur von existenziell notwendigen Gegenständen (Wohnung, Möbel, Hausrat und Kleidung) nach einer Naturkatastrophe oder einem Unglücksfall.
  • Unter sehr strengen Voraussetzungen auch Prozesskosten – aber nur dann, wenn der Steuerpflichtige Gefahr liefe, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bedürfnisse in dem üblichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu können.

5. Versicherungskosten

Denken Sie auch daran, dass Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und zu einer privaten oder gesetzlichen Pflege-Pflichtversicherung sog. "sonstige Vorsorgeaufwendungen" sind und als Sonderausgaben Ihre Steuerlast mindern.

Hier werden die Beiträge berücksichtigt, die Sie als Versicherungsnehmer einzahlen für

  • sich selbst oder
  • eine unterhaltsberechtigte Person wie Ihren Ehepartner, Ihren eingetragenen Lebenspartner oder Ihr kindergeldberechtigtes Kind.

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