Schneeballsystem: Was muss versteuert werden?

 - 

Bei einem Schneeballsystem müssen nicht nur die vom Betreiber des Systems als Zinsen geleisteten Zahlungen als Einkünfte aus Kapitalvermögen versteuert werden: Auch Zinsgutschriften oder die Wiederanlage fälliger Zinsbeträge können steuerpflichtig sein, entschied der BFH.

Der Streitfall betraf einen Anleger, der hochverzinsliche Kapitalanlagen bei dem Betreiber eines Schneeballsystems abgeschlossen hatte. Er erhielt daraus Gutschriften über Zinserträge, die er sich teilweise auszahlen ließ und teilweise wieder anlegte. Das Anlagekapital war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr vorhanden, sodass der Betreiber des Schneeballsystems den Kläger und die übrigen Anleger telefonisch jeweils aufforderte, den fälligen Zinsbetrag erneut anzulegen. Kamen die Anleger dieser Aufforderung nicht nach, erfüllte er die Auszahlungswünsche.

Der BFH hat entschieden, dass der Anleger steuerbare Einkünfte aus Kapitalvermögen nicht nur erzielt, wenn Zinsen tatsächlich ausgezahlt werden, sondern bereits dann, wenn Erträge gutgeschrieben werden und sofort wieder angelegt werden.

Betreiber muss leistungsbereit und leistungsfähig sein

Voraussetzung ist allerdings, dass der Betreiber des Schneeballsystems leistungsbereit und leistungsfähig ist. Dies ist der Fall, solange er Auszahlungsverlangen des jeweiligen Anlegers tatsächlich erfüllt. Dann steht der Steuerpflicht der Kapitalerträge nicht entgegen, dass der Betreiber des Schneeballsystems die Auszahlungswünsche sämtlicher Anleger nicht mehr befriedigen könnte, da bereits ein Verlust der Anlagesumme eingetreten ist (BFH, Pressemitteilung vom 30.4.2014 zu Urteil vom 11.02.14, Az. VIII R 25/12).

Weitere News zum Thema

  • Nach Auto-Unfall: Entschädigung oder Ersatzwagen?

    [] Nach einem unverschuldeten Pkw-Unfall, der dazu führt, dass der eigene Wagen nicht genutzt werden kann, steht einem Versicherten vorübergehend entweder ein kostenloser Ersatzwagen oder eine Nutzungsausfallentschädigung zu. mehr

  • Bußgeld: Keine Klage ohne gute Argumente

    [] Für was manche Menschen vor Gericht ziehen! Für eine Verwarnung in Höhe von 10,– €, die in Tübingen fällig wurde, weil eine Politesse entdeckt hatte, dass der Parkschein eines abgestellten Pkws um zwölf Minuten abgelaufen war. mehr

  • Hartz IV bei Wohneigentum: Amt zahlt nicht immer die Zinsen

    [] Wohneigentum schützt nicht in jedem Fall vor Armut. Deshalb können auch Eigentümer grundsätzlich Arbeitslosengeld II erhalten – soweit das Haus oder die Eigentumswohnung als angemessen gilt. Doch wie steht es um die laufende Kreditbelastung, soweit das Eigentum noch nicht abbezahlt ist? mehr

  • Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Arbeitgeber kein Kündigungsgrund

    [] Wenn ein öffentlich Bediensteter aus einem grundsätzlich berechtigten Anlass Dienstaufsichtsbeschwerde gegen seine Vorgesetzten einlegt, ist das kein Kündigungsgrund, entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf am 4.2.2020 und stärkte damit die Position von Arbeitnehmern (Az. 8 Sa 483/19). mehr

  • Nebenjob kann Gold wert sein

    [] Mancher ältere Arbeitnehmer kann sich bereits heute auf folgendes Szenario vorbereiten: erst längere Kurzarbeit (verlängerter Kurzarbeitergeldanspruch bis Ende 2021), danach zwei Jahre Arbeitslosengeldbezug bis zur vorzeitigen Rente mit frühestens 63. Die rechtzeitige Aufnahme eines Nebenjobs kann dafür sorgen, dass die Jahre bis zur Rente keinen finanziellen Absturz bringen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.