Steuererklärung für Rentner

Der Steuerbescheid – müssen Sie damit noch etwas machen?

Nachdem das Finanzamt Ihre Steuererklärung bearbeitet hat, schickt es Ihnen einen Steuerbescheid. Die wenigsten Menschen lesen ihren Steuerbescheid von vorne bis hinten durch: Wichtig ist ja nur, ob unter dem Strich das rauskommt, was man sich an Erstattung oder Nachzahlung ausgerechnet hat – oder? Aber was, wenn da ein ganz anderer Betrag steht und Sie im schlimmsten Fall statt der erwarteten Erstattung kräftig Steuern nachzahlen müssen?

Im Steuerbescheid steht, welche Ihrer angegebenen Kosten berücksichtigt wurden (also Steuern gespart haben) und wie viel Steuern Sie für ein Jahr endgültig zahlen müssen. Gleichzeitig wird der Solidaritätszuschlag festgesetzt und ggf. auch die Kirchensteuer. Auch Zinsen, Verspätungs- oder Säumniszuschläge werden im Steuerbescheid genannt.

In diesem Beitrag lesen Sie alles, was Sie rund um den Steuerbescheid beachten müssen:

  • Wie prüft man einen Steuerbescheid?
    Welche Fristen gelten, warum Sie in einem Brief mehrere Bescheide bekommen können, große Checkliste zur Steuerbescheid-Prüfung

  • Wann und wie kann ein Steuerbescheid geändert werden?
    Wie legt man Einspruch gegen den Steuerbescheid ein, Unterschied zwischen offenen, bestandskräftigen und vorläufigen Steuerbescheiden

  • Bis wann muss man eine Nachzahlung leisten und wie macht man das?
    Frist zur Nachzahlung von Steuern, wie geben Sie dem Finanzamt sein Geld

  • Kann man Steuern auch in mehreren Raten nachzahlen?
    Wann ist beim Finanzamt Ratenzahlung möglich, braucht man dafür einen triftigen Grund, können Steuern auch ganz erlassen werden

Wie prüft man einen Steuerbescheid?

Welche Fristen gelten, warum Sie in einem Brief mehrere Bescheide bekommen können, große Checkliste zur Steuerbescheid-Prüfung

Wie lange hat man Zeit, um einen Steuerbescheid zu prüfen?

Sobald Sie Ihren Steuerbescheid erhalten, beginnt eine Frist: Sie haben jetzt einen Monat Zeit, um auf den Steuerbescheid zu reagieren. Das ist nicht viel! Denn innerhalb dieser Einspruchsfrist müssen Sie nicht nur den Steuerbescheid überprüfen, sondern auch noch Einspruch einlegen, falls der Steuerbescheid von Ihrer Steuererklärung abweicht und Sie ihn korrigieren lassen möchten. Nach einem Monat ist Schluss, danach geht nichts mehr.

Normalerweise wird Ihnen der Steuerbescheid per Post zugeschickt. Er gilt dann am 3. Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben. Erst ab dann läuft die Vier-Wochen-Frist. Sollten Sie den Steuerbescheid früher erhalten haben, ändert das nichts daran.

Wird der Zugang eines Steuerbescheides bestritten, muss übrigens das Finanzamt den Zugang beweisen!

Bevor es ans Eingemachte geht und Sie die Zahlen aus dem Steuerbescheid mit denen in Ihrer Steuererklärung vergleichen, sollten Sie folgendes tun:

Schritt 1: Vergleichen Sie das Endergebnis im Steuerbescheid mit Ihrer Berechnung.

Bekommen Sie bei einer Steuererstattung den Betrag, den Sie erwartet haben? Müssen Sie bei einer Steuernachzahlung den Betrag zahlen, den Sie sich ausgerechnet haben?

Wenn das so, ist hat das Finanzamt vermutlich alles so gemacht, wie Sie es in der Steuererklärung beantragt haben.

Trotzdem sollten Sie die einzelnen Werte prüfen – und zwar aus zwei Gründen: Zum einen kann es sein, dass das Finanzamt zwar bestimmte Kosten anerkannt hat, dies aber im nächsten Jahr nur noch unter bestimmten Voraussetzungen tun will. Zum anderen sind einige Beträge im Steuerbescheid die Grundlage für bestimmte Leistungen. Deshalb müssen sie stimmen, sonst kann es sein, dass die Leistungen geringer ausfallen oder ganz wegfallen.

Stimmt das Endergebnis im Steuerbescheid nicht mit Ihrer Berechnung überein, hat das Finanzamt wahrscheinlich etwas gestrichen. Vergleichen Sie dann alle Einzelwerte anhand dieser Checkliste. Bei Abweichungen können Sie Einspruch einlegen.

Schritt 2: Lesen Sie die Hinweise und Erläuterungen im Steuerbescheid.

Wenn das Finanzamt etwas geändert oder Ausgaben nicht anerkannt hat, finden Sie in den Erläuterungen zum Steuerbescheid die entsprechenden Anmerkungen des Sachbearbeiters dazu. Wenn die Änderung aus Ihrer Sicht nicht berechtigt ist, können Sie Einspruch einlegen.

Manchmal helfen aber die Erläuterungen zum Steuerbescheid nicht weiter und eine Abweichung ist auch nach Überprüfung der einzelnen Werte nicht nachvollziehbar. Dann sollten Sie ebenfalls Einspruch einlegen und sich vom Finanzamt die Differenz erklären lassen.

Achtung: Mehrere Bescheide auf einem Papier

Wenn Sie Ihren Steuerbescheid in den Händen halten, ist das in den meisten Fällen nicht nur ein einziger Bescheid, sondern eigentlich mehrere Bescheide in einem Schreiben: Rechts neben Ihrer Adresse steht zum Beispiel Bescheid für 2016 über Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag. Das sind schon mal mindestens zwei Bescheide, einer für die Einkommensteuer und einer für den Solidaritätszuschlag. Dazu können noch Bescheide über Kirchensteuer, Verlustfeststellung, Vorauszahlungen usw. kommen. Die einzelnen Bescheide werden auch Festsetzungen genannt.

Das ist wichtig, weil Sie jede Festsetzung separat anfechten können. Ist also zum Beispiel der Bescheid über die Einkommensteuer fehlerhaft und muss geändert werden, sind auch die Folgeberechnungen wie Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag usw. fehlerhaft und müssen ebenfalls geändert werden. Es genügt in diesem Fall jedoch, einen Einspruch gegen die Einkommensteuerfestsetzung einzulegen.

Sind Sie lediglich mit der Festsetzung von Vorauszahlungen nicht einverstanden, können Sie nur gegen diese Einspruch einlegen. Die übrigen Festsetzungen bleiben davon unberührt. Das Gleiche gilt auch für alle anderen Festsetzungen.

Wir sprechen der Einfachheit halber trotzdem immer nur vom Steuerbescheid, womit aber das ganze Papier gemeint ist.

Prüfliste: Die wichtigsten Punkte in Ihrem Steuerbescheid

Es gibt spannendere Texte als den Steuerbescheid, so viel ist sicher. Trotzdem sollten Sie ihn ganz genau lesen – auch wenn es schwerfällt und nach viel Arbeit aussieht. Diese Prüfliste hilft Ihnen dabei.

Nicht alle Punkte aus der Prüfliste treffen auf Sie zu. Für Sie als Rentner sind vermutlich die Ausführungen zu den Steuervorteilen für Eltern uninteressant. Und wenn Sie keine Immobilie vermieten, dürfen Sie diesen Teil in der Prüfliste natürlich auch überspringen.

Wann und wie kann ein Steuerbescheid geändert werden?

Wie legt man Einspruch gegen den Steuerbescheid ein, Unterschied zwischen offenen, bestandskräftigen und vorläufigen Steuerbescheiden

In Kapitel 1 haben wir schon an verschiedenen Stellen erwähnt, dass Sie gegen einen Steuerbescheid Einspruch einlegen können. Dafür gibt es verschiedene Vorschriften zu Form und Frist.

Einspruch: Form, Frist und Kosten

Ein Einspruch muss schriftlich eingelegt werden, und zwar innerhalb von einem Monat nach Zugang des Steuerbescheids (denken Sie bitte daran: Der Steuerbescheid gilt am dritten Tag nach der Aufgabe zur Post als zugegangen!). Wenn die Frist auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag endet, verlängert sie sich bis zum nächsten Werktag.

Der Einspruch ist zunächst auch ohne Angabe von Gründen wirksam, die Begründung muss dann aber nachgereicht werden. Verschiedene kostenlose Musterbriefe dazu finden Sie hier.

Ein Einspruch kostet nichts. Allerdings kann es sein, dass das Finanzamt Ihren Einspruch ablehnt. Dann müssen Sie überlegen, ob es sich lohnt, vor Gericht zu gehen. Dort fallen dann Gebühren an.

In welchen Fällen sollte Einspruch eingelegt werden?

Wenn Sie Angaben vergessen haben, das Finanzamt zu Unrecht oder ohne Begründung etwas abgelehnt hat oder Sie von einem Steuervorteil nichts gewusst haben, sollten Sie Einspruch einlegen. Auch bei älteren Steuerbescheiden ist dann manchmal noch etwas zu retten.

Wie Sie vorgehen müssen, hängt davon ab, ob Ihr Steuerbescheid bestandskräftig ist oder nicht.

Was ist ein offener Steuerbescheid?

Solange Ihr Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist, ist er offen. Eine Änderung zu Ihrem Vorteil ist dann noch einfach und unproblematisch.

In den drei folgenden Fällen ist ein Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig und eine Änderung unproblematisch:

  • Sie haben den Steuerbescheid erst vor Kurzem erhalten: Legen Sie innerhalb von einem Monat nach Erhalt des Steuerbescheids Einspruch ein, kann der Steuerbescheid noch in jedem Punkt geändert werden.

  • Der Steuerbescheid ist vorläufig: Ein solcher Steuerbescheid bleibt in ganz bestimmten Punkten offen. In allen übrigen Punkten ist der Steuerbescheid nach Ablauf der Einspruchsfrist bestandskräftig. Welche das sind, steht in den Erläuterungen zum Steuerbescheid. Solange einzelne Punkte vorläufig sind, ist die Änderung des Steuerbescheids in diesen vorläufigen Punkten auch nach vielen Jahren noch möglich.

  • Der Steuerbescheid steht unter dem Vorbehalt der Nachprüfung: Ein solcher Steuerbescheid ist in keinem einzigen Punkt bestandskräftig – auch wenn die Einspruchsfrist längst abgelaufen ist. Eine Änderung ist ohne Einschränkungen und Hindernisse jederzeit möglich – solange der Vorbehalt besteht. Sie müssen nur die Festsetzungsfrist beachten: Nach Ablauf dieser Frist fällt der Vorbehalt der Nachprüfung einfach weg, der Steuerbescheid kann dann nicht mehr korrigiert werden.

Was ist ein bestandskräftiger Steuerbescheid?

Ein Steuerbescheid ist bestandskräftig, wenn

  • die Einspruchsfrist von einem Monat verstrichen ist,

  • Sie keinen Einspruch eingelegt haben und

  • der Steuerbescheid nicht vorläufig ist und nicht unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht.

Ist der Steuerbescheid erst einmal bestandskräftig, kann er nur noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen geändert werden. Die Änderung eines bestandskräftigen Steuerbescheids soll nämlich aus Gründen der Rechtssicherheit eher die Ausnahme als die Regel sein.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, gegen einen bestandskräftigen Steuerbescheid vorzugehen, sollten Sie sich an einen Fachmann wenden, beispielsweise einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein.

Was ist ein vorläufiger Steuerbescheid?

Manchmal kann das Finanzamt nicht alle Unklarheiten klären, bevor es einen Steuerbescheid erlässt. Damit man als Steuerzahler in solchen Fällen nicht monate- oder gar jahrelang auf seinen Steuerbescheid warten muss, darf das Finanzamt einen vorläufigen Steuerbescheid erlassen.

Ein Steuerbescheid kann vorläufig ergehen, wenn

  • ungewiss ist, ob und wann Verträge mit anderen Staaten über die Besteuerung, die sich zugunsten des Steuerpflichtigen auswirken, für die Steuerfestsetzung wirksam werden,

  • das Bundesverfassungsgericht die Unvereinbarkeit eines Steuergesetzes mit dem Grundgesetz festgestellt hat und der Gesetzgeber zu einer Neuregelung verpflichtet ist,

  • die Vereinbarkeit eines Steuergesetzes mit höherrangigem Recht Gegenstand eines Verfahrens bei dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften, dem Bundesverfassungsgericht oder einem obersten Bundesgericht ist oder

  • die Auslegung eines Steuergesetzes Gegenstand eines Verfahrens bei dem Bundesfinanzhof ist.

Durch die vorläufige Steuerfestsetzung in einzelnen Punkten bleiben Ihre Rechtsansprüche gewahrt, ohne dass Sie Einspruch einlegen müssen:

  • Entscheidet das Gericht positiv, zum Beispiel dass bestimmte Kosten anerkannt werden müssen, wird der Steuerbescheid automatisch vom Finanzamt zu Ihren Gunsten geändert.

  • Fällt die Entscheidung des Gerichts negativ aus und wird zum Beispiel eine Vorschrift für verfassungsgemäß erklärt, bleibt es beim ursprünglichen Steuerbescheid.

Die Vorläufigkeit betrifft nicht den gesamten Steuerbescheid, sondern nur einen oder auch mehrere einzelne Punkte. Der Steuerbescheid bleibt deshalb auch nur in diesen Punkten offen. Nur diese Punkte können später noch geändert werden. Alles andere nicht mehr.

Bis wann muss man eine Nachzahlung leisten und wie macht man das?

Frist zur Nachzahlung von Steuern, wie geben Sie dem Finanzamt sein Geld

Im Steuerbescheid steht, wie viel Steuern Sie endgültig für ein Jahr zahlen müssen. Die während des Jahres gezahlten Steuern rechnet das Finanzamt ggf. auf die Steuerschuld an. Die Differenz zwischen den endgültig zu zahlenden Steuern und den Vorauszahlungen ist die Steuererstattung oder Steuernachzahlung.

Falls Sie Steuern nachzahlen müssen, haben Sie dafür einen Monat Zeit. Diese Zahlungsfrist beginnt mit der Bekanntgabe des Steuerbescheids.

Schauen Sie einfach in Ihren Steuerbescheid, dort finden Sie das Datum, bis wann Sie Ihre Steuern spätestens zahlen müssen.

Die Nachzahlung wird auch fällig, wenn Sie Einspruch einlegen. Nur wenn Sie wegen des strittigen Betrags erfolgreich einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung gestellt haben, müssen Sie die Steuernachzahlung erst einmal nicht begleichen. Das Gleiche gilt bei einem Antrag auf Stundung der Zahlung und einem Antrag auf Erlass der Steuern (mehr dazu unten).

Falls Sie eine Steuererstattung bekommen, müssen Sie nicht einen Monat darauf warten – das Finanzamt überweist das Geld ziemlich schnell, nachdem es Ihnen den Steuerbescheid geschickt hat.

Wie bekommt das Finanzamt sein Geld?

Eine Zahlung an das Finanzamt gilt als geleistet

  • bei Banküberweisung oder Einzahlung am Bank- oder Postschalter: am Tag der Gutschrift auf dem Konto der Finanzkasse;

  • bei Übergabe von Bargeld: am Tag der Einzahlung bei der Finanzkasse;

  • bei Übersendung eines Schecks: erst drei Tage nach dem Zugang des Schecks beim Finanzamt;

  • bei einer Einzugsermächtigung: am Tag der Fälligkeit der Steuerschuld.

Strafe für Spätzahler

Falls Sie Steuern nachzahlen müssen, machen Sie das bitte das rechtzeitig: Wenn Sie bei Fälligkeit noch nicht bezahlt haben, droht ein Säumniszuschlag als Strafe. Er beträgt für jeden angefangenen Monat 1 % des auf den nächsten durch 50 € teilbaren abgerundeten Steuerbetrags.

Die Steuernachzahlung beträgt 780 €, abgerundet 750 €, und ist fällig am 15.8. Sie zahlen am 25.9. Für die Zeit vom 16.8.-25.9. verlangt das Finanzamt einen Säumniszuschlag. Dieser beträgt 15 € (= 2 % von 750 €).

Kurze Verzögerungen werden zum Glück nicht bestraft: Die sogenannte Zahlungsschonfrist bewahrt Sie vor den Säumnisfolgen, wenn die Zahlung nur kurze Zeit zu spät geleistet wird. Diese Schonfrist beträgt drei Tage – und gilt nur für Überweisungen! Für Bareinzahlungen bei der Finanzkasse oder Zahlung per Scheck gibt es keine Schonfrist.

Kann man Steuern auch in mehreren Raten nachzahlen?

Wann ist beim Finanzamt Ratenzahlung möglich, braucht man dafür einen triftigen Grund, können Steuern auch ganz erlassen werden

Ratenzahlung bei Steuernachzahlungen

Wenn Sie Ihre Steuerschuld später bezahlen möchten, können Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Stundung stellen. Stunden bedeutet, dass die Fälligkeit hinausgeschoben wird. Sie bezahlen also erst später und zum Beispiel in Raten.

Den Antrag auf Stundung stellen Sie möglichst schon vor Fälligkeit der Zahlung.

Bedingung für eine Stundung: Die pünktliche Steuerzahlung ist für Sie eine erhebliche Härte, Sie würden in ernsthafte und unvermeidbare Zahlungsschwierigkeiten kommen. Ihre Gründe für einen Wunsch nach Stundung müssen Sie dem Finanzamt nennen:

  • Geben Sie persönlichen Gründe an: Krankheit, Naturkatastrophe (z.B. Hochwasser).

  • Erklären Sie Ihren Zahlungsengpass: Wie hoch sind die jetzigen und in naher Zukunft zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben?

Das Finanzamt ist nicht verpflichtet, Ihren Antrag auf Stundung anzunehmen! Normalerweise ist das Finanzamt aber nicht kleinlich bei sonst pünktlichen Steuerzahlern, kleineren Beträgen und nur kurzen gewünschten Stundungszeiträumen.

Am besten machen Sie in Ihrem Antrag auf Stundung schon Vorschläge zur Zahlung, zum Beispiel, dass Sie einen Teilbetrag sofort und den Rest in drei gleichen Raten zu bestimmten Terminen zahlen können.

Solange gestundet ist, können keine Säumniszuschläge entstehen. Wenn Sie bei Fälligkeit aber einfach nicht zahlen, verlangt das Finanzamt zusätzlich Säumniszuschläge. Außerdem werden bei einer Stundung immer auch Zinsen fällig.

Erlass von Steuerschulden

Wenn das Steuernzahlen nach Lage des einzelnen Falles unbillig ist, kann das Finanzamt die Steuerschuld niedriger festsetzen oder Steuern sogar ganz erlassen.

Das kommt in der Praxis aber nur sehr selten vor: Die Steuerzahlung müsste Ihre wirtschaftliche oder persönliche Existenz vernichten oder ernsthaft gefährden. Ob diese Gefahr droht, entscheidet das Finanzamt im Einzelfall.

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Steuerlexikon: Fachbegriffe einfach erklärt

In Büchern, auf Formularen und nicht zuletzt im Steuerbescheid begegnen Ihnen eine Menge Fachbegriffe. Hier erklären wir die wichtigsten.

Altersentlastungsbetrag

Renten sind durch die Besteuerung mit dem Besteuerungsanteil und Pensionen durch den Versorgungsfreibetrag begünstigt – und auch für die übrigen Alterseinkünfte gibt es eine steuerliche Vergünstigung: Der Altersentlastungsbetrag gemäß § 24a EStG begünstigt alle Alterseinkünfte mit Ausnahme von Renten und Pensionen.

Den Altersentlastungsbetrag erhält, wer bereits vor Beginn des Kalenderjahres sein 64. Lebensjahr vollendet hat.

Der Altersentlastungsbetrag wird von der Summe der Einkünfte abgezogen – erst nach Abzug des Altersentlastungsbetrags ergibt sich also der Gesamtbetrag der Einkünfte.

Anhängiges Verfahren

Anhängig ist ein Verfahren, in dem Klage erhoben worden, aber noch kein Urteil ergangen ist.

Ist ein Verfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig, können Sie sich in Ihrem Einspruch gegen einen Steuerbescheid auf dieses Verfahren berufen. Das Finanzamt bearbeitet Ihren Steuerbescheid in diesem Punkt nicht, sondern lässt den Einspruch ruhen, bis der Bundesfinanzhof entschieden hat (Verfahrensruhe oder Ruhen des Verfahrens).

Ist ein Verfahren nur vor einem Finanzgericht anhängig, können Sie sich in einem Einspruch zwar auch auf dieses Verfahren berufen, haben aber keinen Anspruch auf Ruhen des Verfahrens.

Aufhebung und Änderung von Steuerbescheiden

Ein Steuerbescheid kann aufgehoben oder geändert werden, wenn er unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht oder wenn er vorläufig ergangen ist. Die Änderung bzw. Aufhebung ist bis zum Ablauf der Festsetzungsverjährung möglich.

Auch bei einer offenbaren Unrichtigkeit können Steuerbescheide innerhalb der Festsetzungsverjährung geändert werden. Zu den offenbaren Unrichtigkeiten gehören Schreib- oder Rechenfehler.

Liegen die vorgenannten Fälle nicht vor, kann der Steuerpflichtige innerhalb der Einspruchsfrist (ein Monat) den Steuerbescheid anfechten. Hierbei kann eine Änderung des Bescheids zu Gunsten (aber auch zu Ungunsten!) des Steuerpflichtigen erfolgen.

Außergewöhnliche Belastung

Normalerweise bleiben private Ausgaben steuerlich unberücksichtigt. Besondere Situationen können aber zu außergewöhnlichen Belastungen führen, und die dürfen Sie dann doch steuermindernd berücksichtigen. Es müssen jedoch strenge Voraussetzungen erfüllt sein.

Der Gesetzgeber unterscheidet:

  • außergewöhnliche Belastungen besonderer Art. Das sind Fälle, die ausdrücklich im Einkommensteuergesetz definiert sind;

  • außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art, die nicht im Gesetz genannt sind und einzeln nachgewiesen werden müssen.

Von der Summe Ihrer gesamten außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art, die Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen, zieht das Finanzamt automatisch die sogenannte zumutbare Belastung ab. In Höhe dieses Betrags müssen Sie Ihre außergewöhnlichen Belastungen immer alleine tragen.

Behinderten-Pauschbetrag

Behinderte Menschen können statt außergewöhnlicher Belastungen einen Behinderten-Pauschbetrag geltend machen. Dieser sollte genutzt werden, wenn die Aufwendungen per Einzelnachweis geringer sind als der jeweilige Pauschbetrag.

Welcher Pauschbetrag zum Ansatz kommt, richtet sich nach dem Grad der Behinderung:

Grad der Behinderung (in Prozent)

Behinderten-Pauschbetrag (jährlich)

25-30

310 Euro

35-40

430 Euro

45-50

570 Euro

55-60

720 Euro

65-70

890 Euro

75-80

1.060 Euro

85-90

1.230 Euro

95-100

1.420 Euro

Mit dem Merkmal BL (blind) oder HI (hilflos) kann ein erhöhter Behinderten-Pauschbetrag von 3.700,00 € in Anspruch genommen werden.

Der Behinderten-Pauschbetrag wird jährlich gewährt. Dies gilt auch dann, wenn die Behinderung erst zum Ende des Jahres vorlag.

Wird der Behinderten-Pauschbetrag genutzt, dürfen die typischen außergewöhnlichen Belastungen, die durch die Behinderung entstehen, nicht mehr geltend gemacht werden. Untypische außergewöhnliche Belastungen werden trotzdem berücksichtigt. Dazu gehören zum Beispiel Kurkosten, Operationskosten, Krankheitskosten (bei akutem Anlass), Kosten für die Haushalthilfe, Fahrtkosten.

Bundesfinanzhof (BFH)

Der Bundesfinanzhof mit Sitz in München ist das höchste Gericht (Bundesgericht) in Steuersachen.

Seine Senate urteilen über Revisionsentscheidungen in einer Besetzung von fünf Richtern. In einer Besetzung von drei Richtern werden Beschlüsse gefasst.

Der Große Senat besteht aus dem Präsidenten und sechs Richtern, zudem wird von den jeweils beteiligten Senaten je ein Richter entsandt. Der Große Senat wird einberufen, wenn die einzelnen Senate abweichende Urteile erlassen haben, die Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung sind und wenn das Urteil des Großen Senats zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung und zur Fortbildung des Rechts notwendig ist.

Für die erstinstanzliche Rechtsprechung in Steuersachen sind die Finanzgerichte der einzelnen Bundesländer zuständig. Bei einem Rechtsstreit in Steuersachen ist zuerst das Finanzgericht des jeweiligen Bundeslandes zuständig. Erst in zweiter Instanz, wenn die Entscheidung zur Revision zugelassen wurde, kann dem Bundesfinanzhof die Rechtssache zur Entscheidung vorgelegt werden.

Durchschnittssteuersatz

Aufgrund des progressiven Steuertarifs wird – vereinfacht ausgedrückt – beinahe jeder verdiente Euro mit einem anderen Steuersatz belegt, vom Grundfreibetrag (steuerfrei) über den Eingangssteuersatz bis zum Spitzensteuersatz. Der Durchschnittssteuersatz oder persönliche Steuersatz gibt an, wie viel Prozent des Jahreseinkommens an das Finanzamt gezahlt werden müssen.

ELStAM

ELStAM steht als Abkürzung für Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale. Diese Merkmale umfassen:

  • die Steuerklasse und den individuellen Faktor bei Steuerklasse IV,

  • die Anzahl der Kinder,

  • die Freibeträge,

  • die Kirchensteuerabzugsmerkmale.

Zuständig für die Speicherung und Pflege dieser Daten sind die Finanzämter und das Bundeszentralamt für Steuern. Sie haben mit der Abschaffung der alten Lohnsteuerkarte aus Pappe und der Einführung elektronischer Übermittlungsverfahren die Meldeämter abgelöst. Die Abzugsmerkmale werden in einer zentralen Datenbank der Finanzverwaltung gespeichert und die Meldebehörden übermitteln bei ihnen vorliegende personenbezogene Datenbestände.

Ergeben sich Änderungen in der Person oder im Umfeld des Steuerpflichtigen, so kann entweder der Arbeitnehmer auf Antrag oder aber das Finanzamt von sich aus die Änderung vornehmen.

eTIN

Nach Jahresende erhalten Arbeitnehmer vom Arbeitgeber die elektronische Lohnsteuerbescheinigung. Darüber hinaus übermittelt der Arbeitgeber elektronisch via Internet die Lohndaten an das Finanzamt. Damit dort die verschlüsselten Daten identifiziert werden können, bildet der Arbeitgeber aus den persönlichen Daten des Arbeitnehmers ein Identifizierungs- und Ordnungsmerkmal – die eTIN (electronic Taxpayer Identification Number).

Das Finanzamt verfügt damit bereits über die Lohndaten und kann diese für die Einkommensteuererklärung verwenden.

Den Ausdruck der Lohnsteuerbescheinigung brauchen Arbeitnehmer nicht ihrer Einkommensteuererklärung beizufügen. Sie tragen stattdessen ihre eTIN in ihrer Steuererklärung auf der Vorderseite der Anlage N ein.

ELSTER

ELSTER steht für elektronische Steuererklärung und bedeutet, dass die Steuererklärung über das Internet an das Finanzamt gesendet werden kann.

Festsetzungsfrist

Damit Steuerpflichtige sicher sein können, dass das Finanzamt einen alten Steuerbescheid nicht mehr korrigiert, gibt es Verjährungsfristen. Im Steuerrecht heißen sie Festsetzungsfristen.

Nach Ablauf der Festsetzungsfrist dürfen keine Steuererklärungen mehr abgegeben, keine Steuerbescheide mehr erlassen oder in irgendeiner Weise geändert werden. Das Finanzamt darf nicht mehr zum Nachteil der Steuerpflichtigen ändern, aber auch diese dürfen keine Steuervorteile mehr durchsetzen.

Die Festsetzungsfrist beträgt vier Jahre. Ausnahme: Bei leichtfertiger Steuerverkürzung beträgt die Festsetzungsfrist fünf Jahre, bei Steuerhinterziehung zehn Jahre.

Für die meisten Steuerzahler beginnt die Festsetzungsfrist mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie die Steuererklärung beim Finanzamt abgegeben haben – egal, ob sie verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben oder ob sie das freiwillig tun. Geben sie für ein Jahr keine Steuererklärung ab, obwohl sie dazu verpflichtet sind, beginnt die Festsetzungsfrist erst drei Jahre nach Ende dieses Kalenderjahrs.

Finanzgericht (FG)

Jedes Bundesland hat mindestens ein Finanzgericht. Bei einem Rechtsstreit in Steuersachen ist zuerst das Finanzgericht des jeweiligen Bundeslandes zuständig. Erst in zweiter Instanz, wenn die Entscheidung zur Revision zugelassen wurde, kann dem Bundesfinanzhof die Rechtssache zur Entscheidung vorgelegt werden.

Ein Finanzgericht verfügt über einen Präsidenten, einen Vorsitzenden und weitere Richter. Die vom Finanzgericht gebildeten Senate treffen ihre Entscheidungen mit drei Berufsrichtern und zwei ehrenamtlichen Richtern. Bei Beschlüssen und Vorbescheiden wirken die ehrenamtlichen Richter nicht mit.

Freistellungsauftrag

Um Kapitalerträge von einer Besteuerung frei zu stellen, muss vom Anleger ein Freistellungsauftrag beim jeweiligen Kreditinstitut eingereicht werden. Freistellungsaufträge können gegenüber mehreren Kreditinstituten erteilt werden, dürfen jedoch in der Summe nicht den Sparerfreibetrag übersteigen.

Der Sparerfreibetrag (Sparerpauschbetrag) beträgt 801,00 €, bei zusammen veranlagten Ehepartnern bleiben 1.602,00 € steuerfrei.

Übersteigen die steuerpflichtigen Kapitalerträge (z.B. Zinserträge) den Freibetrag, muss das Kreditinstitut die Abgeltungsteuer einbehalten und an das Finanzamt abführen.

Grenzsteuersatz

Bei einem progressiven Steuertarif wird – vereinfacht ausgedrückt – jeder zusätzlich verdiente Euro ein bisschen höher besteuert. Der Grenzsteuersatz gibt an, welcher Prozentsatz für den nächsthöheren Euro gilt.

Bis zum Erreichen des Grundfreibetrags beträgt der Grenzsteuersatz Null, vom Eingangssteuersatz bis zum Spitzensteuersatz steigt er kontinuierlich an.

Grundfreibetrag

Der Grundfreibetrag dient der Absicherung des Existenzminimums. So wird ein zu versteuerndes Einkommen bis zum Grundfreibetrag keiner Einkommensteuer unterworfen. Überschreitet das zu versteuernde Einkommen den Grundfreibetrag, ist Einkommensteuer zu zahlen.

Jahr

Grundfreibetrag für Ledige

Grundfreibetrag für Verheiratete (bei gemeinsamer Veranlagung)

2018

9.000 Euro

18.000 Euro

2017

8.820 Euro

17.640 Euro

2016

8.652 Euro

17.304 Euro

2015

8.472 Euro

16.944 Euro

2014

8.354 Euro

16.708 Euro

Haushaltsersparnis

Wird bei einer Heimunterbringung wegen Pflegebedürftigkeit der private Haushalt aufgelöst, sind entstehende Heimkosten um die Haushaltsersparnis zu reduzieren. Liegen die Voraussetzungen (Heimunterbringung) nur während eines Teils des Kalenderjahres vor, sind die anteiligen Beträge (1/360 pro Tag, 1/12 pro Monat) anzusetzen.

Kosten zur Unterbringung in einem Krankenhaus werden regelmäßig ohne Kürzung um eine Haushaltsersparnis als außergewöhnliche Belastung anerkannt.

So hoch ist die Haushaltsersparnis

Jahr

pro Jahr

pro Monat

pro Tag

2018

9.000 Euro

750 Euro

25 Euro

2017

8.820 Euro

735 Euro

24,50 Euro

016

8.652 Euro

721 Euro

24,03 Euro

2015

8.472 Euro

706 Euro

23,53 Euro

2014

8.354 Euro

696,17 Euro

23,21 Euro

Kalte Progression

Wenn das Einkommen steigt, steigt auch der Steuersatz. Und wenn der Staat dann mehr von einer Gehaltserhöhung hat als der Arbeitnehmer selbst, ist dieser Opfer der kalten Progression.

Aufgrund des progressiven Steuertarifs steigt die Steuerbelastung prozentual schneller als das Gehalt. Bei einer dreiprozentigen Gehaltserhöhung zahlt man zum Beispiel vier oder sogar fünf Prozent mehr Steuern. Das Netto-Plus ist also in den meisten Fällen geringer als die Brutto-Erhöhung. Liegt es unterhalb der Brutto-Erhöhung, ist Ihr Reallohn sogar gesunken: Der Arbeitnehmer kann sich weniger leisten als zuvor.

Um diesen Effekt zu verhindern, müssten jedes Jahr der Grundfreibetrag und die Eckwerte des progressiven Steuertarifs um die Inflationsrate angehoben werden.

Lohnsteuerklassen

Für die Durchführung des Lohnsteuerabzugs werden unbeschränkt einkommensteuerpflichtigen Arbeitnehmern Lohnsteuerklassen zugewiesen.

Ehepartner können zwischen verschieden Kombinationen von Lohnsteuerklassen wählen.

Nachgelagerte Besteuerung

Bis 2004 wurden Renten mit dem günstigen Ertragsanteil besteuert. Das ist seit dem Jahr 2005 anders: Der Beitrag zur Rentenversicherung wird schrittweise in voller Höhe von der Steuer freigestellt. Im Gegenzug ist dann die spätere Rente – nach einer langen Übergangsphase – in voller Höhe steuerpflichtig. Für jeden neu hinzukommenden Rentnerjahrgang wird in einer Übergangsregelung bis zum Jahr 2040 die gesetzliche Rente stufenweise höher besteuert.

Alle Basis-Altersversorgungssysteme werden unterschiedslos der nachgelagerten Besteuerung unterworfen. Generell gilt: Renten und andere Leistungen aus Versicherungen, deren Beiträge als Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar sind, werden nachgelagert besteuert (§ 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe aa EStG). Das sind:

  • Renten aus einer gesetzlichen Rentenversicherung;

  • Renten aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen;

  • Renten aus der landwirtschaftlichen Alterskasse und

  • Renten aus einer privaten Rürup-Rente/Basisrente.

Oberfinanzdirektion (OFD)

Die Oberfinanzdirektion untersteht dem Bundesfinanzministerium und dem Landesfinanzministerium und leitet die Finanzverwaltung für den Bund und für die Länder. Sie überwacht die Gesetzesanwendung und beaufsichtigt die ihr nachgeordneten Behörden. Hierzu gehören die Finanzämter und die staatlichen Hochbauämter.

Öffnungsklausel

Eine Ausnahme von der nachgelagerten Besteuerung lässt der Gesetzgeber nur teilweise und unter ganz bestimmten Voraussetzungen im Rahmen der sogenannten Öffnungsklausel zu. Voraussetzung ist, dass bis zum 31.12.2004 für mindestens zehn Jahre Beiträge über dem Betrag des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Rentenversicherung (West) geleistet wurden. Wichtig: Es reicht nicht aus, dass das Gehalt über der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze lag – es müssen tatsächlich Beiträge über dem Höchstbeitrag gezahlt worden sein.

Berücksichtigt werden nur Beiträge, an denen der Steuerpflichtige beteiligt war. Dabei wird immer der gesamte Beitrag zugrunde gelegt, unabhängig davon, ob er von vom Steuerpflichtigen vollständig oder teilweise selbst getragen wurde.

Das Vorliegen der Voraussetzungen muss einmalig mit einer Beitragsbescheinigung des Rentenversicherungsträgers bzw. Versorgungsträgers nachgewiesen und in der Anlage R der Steuererklärung die Öffnungsklausel beantragt werden. Dann ist der Teil der Rente nur mit dem günstigen Ertragsanteil steuerpflichtig, der auf den Beiträgen oberhalb des Höchstbeitrages beruht. Der andere Teil der Rente wird mit dem höheren Besteuerungsanteil nachgelagert besteuert. Soweit eine einmalige Leistung z.B. eines berufsständischen Versorgungswerks (Rentenabfindung, Sterbegeld etc.) auf Beiträgen oberhalb des Höchstbeitrages beruht, ist sie steuerfrei.

Hinweis: Für Angestellte bestand die Möglichkeit, Beiträge über dem Höchstbeitrag in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen, nur bis zum Jahr 1997 im Rahmen der Höherversicherung nach § 234 SGB VI in der bis zum 31.12.1997 geltenden Fassung. Die Öffnungsklausel kommt deshalb vor allem für Selbstständige und Angehörige berufsständischer Versorgungseinrichtungen infrage, die bis zum Jahr 2004 zum Teil sehr hohe Beiträge einbezahlt haben.

Pflegegeld

Pflegt ein Steuerpflichtiger einen nahen Angehörigen und erhält er hierfür ein Entgelt, so sind diese Einnahmen steuerfrei, wenn die Leistungen für die Grundpflege nach § 37 SGB XI erbracht werden. Pflegt der Steuerpflichtige eine befreundete Person, die in keinem Verwandtschaftsverhältnis zu ihm steht, dann sind die Entgelte, die er für seine Pflegedienste erhält, steuerpflichtig.

Die Höhe des Pflegegeldes ist abhängig vom Grad der Pflegebedürftigkeit.

Das Pflegegeld soll kein Entgelt für die von der Pflegeperson oder den Pflegepersonen erbrachten Pflegeleistungen darstellen. Es setzt vielmehr den Pflegebedürftigen in die Situation, Angehörigen und sonstigen Pflegepersonen eine materielle Anerkennung für die im häuslichen Bereich sichergestellte Pflege zukommen zu lassen.

Pflegegrade

Am 13.11.2015 wurde das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) beschlossen. Das Gesetz trat am 1.1.2016 in Kraft, das neue Begutachtungsverfahren und die Umstellung der Leistungsbeträge der Pflegeversicherung wurden zum 1.1.2017 wirksam.

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz wurden ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein neues Begutachtungsverfahren eingeführt: Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Demenzkranken entfällt. Fünf für alle Pflegebedürftigen einheitlich geltende Pflegegrade ersetzen das bisherige System der drei Pflegestufen und der zusätzlichen Feststellung von erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (insbesondere Demenz).

Über die Leistungshöhe entscheidet, was die/der Betroffene noch selbst kann und wo sie/er Unterstützung braucht – unabhängig davon, ob sie/er an einer Demenz oder körperlichen Einschränkung leidet. Körperliche, geistige und psychische Einschränkungen werden also gleichermaßen erfasst und in die Einstufung einbezogen. Der Grad der Selbstständigkeit wird in sechs Bereichen gemessen und (mit unterschiedlicher Gewichtung) zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt:

  • Mobilität

  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

  • Selbstversorgung

  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

    Mit unserem Pflegegradrechner können Sie selbstständig, unabhängig und kostenfrei eine erste Selbsteinschätzung vornehmen: Beantworten Sie die Fragen der 6 Module und sehen Sie, ob Ihnen ein Pflegegrad zusteht und auf welche finanzielle Unterstützung und Sachleistungen Sie Anspruch haben.

Pflegepauschbetrag

Wegen der außergewöhnlichen Belastungen, die einem Steuerpflichtigen durch die Pflege einer Person erwachsen, die nicht nur vorübergehend hilflos ist, kann der Steuerpflichtige an Stelle einer Steuerermäßigung nach § 33 EStG einen Pauschbetrag von 924,00 € im Kalenderjahr geltend machen (Pflegepauschbetrag). Hierfür müssen nachfolgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • die pflegebedürftige Person ist nicht nur vorübergehend hilflos,

  • die Pflege wird im Inland entweder in der Wohnung des Pflegers oder in der Wohnung des Pflegebedürftigen persönlich durchführt und

  • der Pfleger oder die Pflegerin erhält kein Entgelt für die Pflege.

Wird ein Pflegebedürftiger von mehreren Steuerpflichtigen im Veranlagungszeitraum gepflegt, wird der Pauschbetrag entsprechend der Anzahl der Pflegepersonen geteilt.

Progressiver Steuertarif

Bei der Einkommensteuer kommt ein progressiver Steuersatz (Tarif) zur Anwendung. Damit erhöht sich der Einkommensteuersatz mit steigendem Einkommen. Ein hohes Einkommen unterliegt also einem höheren Einkommensteuersatz als ein niedriges Einkommen. Mit dem progressiven Steuertarif soll die individuelle Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden.

Der Einkommensteuertarif hat 2017 die nachfolgende Struktur:

  • zu versteuerndes Einkommen zwischen 0,00 € und 8.819,00 €: Die Steuerbelastung ist 0, da der Grenzsteuersatz 0 % beträgt.

  • zu versteuerndes Einkommen zwischen 8.820,00 € und 13.768,00 €: Der Grenzsteuersatz liegt zwischen 14 % und 24 % (Progressionszone I).

  • zu versteuerndes Einkommen zwischen 13.769,00 € und 54.056,00 €: Der Grenzsteuersatz liegt zwischen 24 % und 42 % (Progressionszone II).

  • zu versteuerndes Einkommen zwischen 54.057,00 € und 256.302,00 €: Der Grenzsteuersatz beträgt einheitlich 42 % (Proportionalzone I).

  • zu versteuerndes Einkommen ab 256.303,00 €: Der Grenzsteuersatz beträgt einheitlich 45 % (Proportionalzone II).

Rentenbeginn

Rentenbeginn ist der Zeitpunkt, ab dem die Rente, ggf. auch nach rückwirkender Zubilligung, tatsächlich bewilligt wird. Auch bei Rentennachzahlungen ist unter Rentenbeginn der Zeitpunkt zu verstehen, in dem der Rentenanspruch entstanden ist.

Wann der Rentenantrag gestellt wird oder erstmals die Rente gezahlt wird, spielt für den Rentenbeginn keine Rolle. Auch das Datum des Rentenbescheids ist ohne Bedeutung. Selbst wenn eine bewilligte Rente bis auf null Euro gekürzt wird, weil zum Beispiel eigene Einkünfte angerechnet werden, beginnt sie steuerlich gesehen trotzdem zu laufen.

Der Beginn der Rente steht im Rentenbescheid und muss auf der Vorderseite der Anlage R eingetragen werden.

Rentenbezugsmitteilung

Für die Jahre ab 2005 gilt ein automatisiertes Meldeverfahren für gesetzliche, betriebliche und private Renten. Die Versicherungsträger sind gesetzlich dazu verpflichtet, jährliche Mitteilungen über geleistete steuerpflichtige Rentenzahlungen an eine zentrale Stelle der Finanzverwaltung elektronisch zu übermitteln. Erforderlich ist für jeden Vertrag und jede Rente eine gesonderte Rentenbezugsmitteilung nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz.

Hinweis: Das Gesetz sieht nicht vor, dass der betroffene Rentner eine Kopie der Rentenbezugsmitteilung erhält. Der Gesetzgeber hält es für ausreichend, dass der Rentner darüber unterrichtet wird, dass die Rente der zentralen Stelle mitgeteilt wird.

Die Rentenbezugsmitteilungen werden jeweils bis zum 1. März des Folgejahres versendet. Die gemeldeten Daten sind für das Finanzamt nicht verbindlich. Für steuerfreie Renten (z.B. aus der gesetzlichen Unfallversicherung) wird keine Rentenbezugsmitteilung übermittelt.

Sonderausgaben

Zu den Sonderausgaben zählen Aufwendungen, die der privaten Lebensführung zuzurechnen sind und die nicht als Werbungskosten berücksichtigt werden können. Sonderausgaben mindern den Gesamtbetrag der Einkünfte und führen zu einer Verringerung der Steuerlast. Als Sonderausgaben anerkannt werden zum Beispiel:

  • Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten,

  • Renten und dauernde Lasten, die auf einen bestimmten Verpflichtungsgrund beruhen,

  • Beiträge zu Versicherungen auf den Lebens- oder Todesfall,

  • Beiträge zur zusätzlichen freiwilligen Pflegeversicherung,

  • gezahlte Kirchensteuer,

  • Steuerberatungskosten,

  • Spenden.

Wie Sonderausgaben abzuziehen sind auch der Verlustabzug sowie die Aufwendungen für Baudenkmäler und für bestimmte besonders schutzwürdige Kulturgüter.

Steuer-Identifikationsnummer

Die Einführung der Steuer-Identifikationsnummer (IdNr) hatte zum Ziel, das Besteuerungsverfahren zu vereinfachen und Bürokratie abzubauen. Außerdem gibt die Steuer-Identifikationsnummer der Finanzverwaltung erweiterte Kontroll- und Abgleichmöglichkeiten, die mit der früheren Praxis der Steuernummernvergabe in den Bundesländern nicht gewährleistet werden konnten.

Grundsätzlich wird die IdNr jeder in Deutschland gemeldeten natürlichen Person vom Bundeszentralamt für Steuern vergeben. Ihre Gültigkeit währt ein Leben lang und ändert sich auch nicht bei Umzug oder Heirat. Die IdNr ist eine 11-stellige Nummer und enthält keine Informationen über den Steuerpflichtigen oder das zuständige Finanzamt.

Ihr Anwendungsbereich erstreckt sich auch auf die Quellenbesteuerung bei Kreditinstituten und den Abgleich mit Trägern der Sozialversicherung.

Was Sie machen müssen, wenn Sie Ihre Steuer-Identifikationsnummer nicht mehr finden, erklären wir in diesem Beitrag.

Veranlagung

Nach Ablauf eines Kalenderjahres wird die Veranlagung zur Einkommensteuer durchgeführt. Steuerpflichtig sind dann die Einkünfte des abgelaufenen Kalenderjahres.

Wurden keine Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit (Arbeitslohn) erzielt, ist ein unbeschränkt Steuerpflichtiger nur dann zur Abgabe der Steuerklärung verpflichtet, wenn er im Kalenderjahr steuerpflichtige Einkünfte erzielt hat, die den Grundfreibetrag überschreiten. Eine Steuerklärung ist jedoch immer abzugeben, wenn im Vorjahr ein Verlust erzielt wurde.

Vorsorgeaufwendungen

Zu den Vorsorgeaufwendungen gehören zum Beispiel Risikoversicherungen, die nur für den Todesfall eine Leistung vorsehen.

Altersvorsorgeaufwendungen werden seit 1.1.2005 zunächst bis maximal 60 % von bis zu 20.000,00 € pro Jahr von der Steuer befreit. Schrittweise steigt dieser Anteil um jährlich 2 % bis 2025 auf 100 %.

Anhand einer Günstigerprüfung wird kontrolliert, dass Steuerpflichtige gegenüber dem alten Recht nicht schlechter gestellt sind. Wenn es zu einer Verschlechterung kommt, gilt altes Recht vor neuem Recht.

Andere Vorsorgeaufwendungen sind bis zu einem Höchstbetrag von 1.900,00 € absetzbar, falls ein steuerfreier Zuschuss zur Krankenversicherung gewährt wird oder ein Beihilfeanspruch im Krankheitsfall besteht. Der Höchstbetrag steigt auf 2.800,00 € bei Personen, die ihre Krankenversicherungsbeiträge alleine aufbringen müssen. Bei zusammenveranlagten Ehegatten ergibt sich der gemeinsame Höchstbetrag aus der Summe der jedem Ehegatten zustehenden Höchstbeträge.

Das betrifft etwa Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen, Unfallversicherungen, Haftpflichtversicherungen, Risikolebensversicherungen sowie zu Kapitallebens- und Rentenversicherungen, die vor dem 1.1.2005 abgeschlossen wurden.

Werbungskosten-Pauschbetrag

Grundsätzlich können Werbungskosten pauschal mit dem Pauschbetrag oder per Einzelnachweis der Kosten berücksichtigt werden.

Für Rentner gilt zurzeit ein Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro. Dieser wird automatisch vom Finanzamt berücksichtigt, wenn Sie keine höheren Werbungskosten nachweisen. Typische Werbungkosten bei Rentnern sind beispielsweise Gewerkschaftsbeiträge und alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Rentenbezug anfallen. Dazu gehört auch, dass Sie als Rentner eine Steuererklärung erstellen müssen – die Kosten für eine Steuersoftware oder Bücher zum Thema Steuererklärung für Rentner dürfen Sie als Werbungskosten abziehen.

Der Werbungskosten-Pauschbetrag ist ein Jahresbetrag, der immer in voller Höhe zum Ansatz kommen kann, wenn im betreffenden Jahr Rente bezogen wurde.

Prüfen Sie immer, ob bei einem Einzelnachweis der Werbungskosten der Pauschbetrag überschritten wird. Ist dies der Fall, sollten Werbungskosten im Einzelnen per Beleg nachgewiesen werden.

Zumutbare Belastung

Die zumutbare Belastung wird von der Summe der außergewöhnlichen Belastungen abgezogen. Nur diese dann noch verbleibenden außergewöhnlichen Belastungen werden steuermindernd berücksichtigt. Mit dem Abzug der zumutbaren Belastung soll die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden.

Höhe der zumutbaren Belastung

Höhe der Einkünfte (Gesamtbetrag)

bis 15.340 Euro

über 15.340 Euro bis 51.130 Euro

über 51.130 Euro

keine Kinder und Anwendung der Grundtabelle

5 %

6 %

7 %

keine Kinder und Anwendung der Splittingtabelle

4 %

5 %

6 %

ein oder zwei Kinder

2 %

3 %

4 %

drei oder mehr Kinder

1 %

1 %

2 %