Geschäftsreise kontra auswärtige Betriebsstätte

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Wenn das Finanzamt aus Geschäftsreisen Fahrten zur auswärtigen Betriebsstätte macht, schwinden Ihre Betriebsausgaben. Das sollten Sie nicht tatenlos hinnehmen.

Viele Selbstständige richten sich in ihrer Wohnung oder in ihrem Wohnhaus einen Arbeitsraum ein und haben außerhalb kein weiteres Büro. Aufträge werden dann entweder zu Hause oder beim Kunden vor Ort ausgeführt. Die Häufigkeit und Dauer der Aufenthalte bei Kunden ist dabei sehr unterschiedlich. Es gibt Selbstständige, die ihre Kunden täglich aufsuchen und dort mehrere Stunden verbringen. Andere halten sich vielleicht nur einmal in der Woche oder in unregelmäßigen Abständen beim Kunden auf. In allen Fällen tritt die Frage auf, wie die Fahrten zum Kunden steuerlich einzuordnen sind - als Geschäftsreisen oder als Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte?

Selbstständige stufen die Fahrten gern als Geschäftsreisen ein, da der Betriebsausgabenabzug dann höher ausfällt. Denn während es für Fahrten Wohnung - Betrieb nur die mickrige Entfernungspauschale gibt, dürfen bei Geschäftsreisen die tatsächlichen Kosten geltend gemacht werden. Die Einordnung von Fahrten zum Kunden als Geschäftsreisen kann allerdings auf Widerstand stoßen.

Ein EDV-Berater erbrachte seine Leistungen zum Teil in den Räumen seines Kunden und zum Teil in seinem häuslichen Arbeitszimmer. Vor allem weil der Kunde täglich aufgesucht wurde, lehnten das Finanzamt und später auch das Hessische Finanzgericht die Einordnung der Fahrten als Geschäftsreisen ab. Die Räume des Auftraggebers wurden als Betriebsstätte des EDV-Beraters eingestuft. Und da die Wohnung Ausgangspunkt der täglichen Fahrten zum Kunden war, lagen Fahrten von der Wohnung zu einer auswärtigen Betriebsstätte vor. Daher wurde nur die Entfernungspauschale als Betriebsausgabe berücksichtigt (Urteil vom 30.6.2009, Az. 3 K 1810/05, EFG 2010 S. 400).

Das Hessische Finanzgericht weist in seinem Urteil auf die Notwendigkeit der Gleichbehandlung von Arbeitnehmern und Selbstständigen hin. Da Angestellte bei Fahrten von der Wohnung zur regelmäßigen Arbeitsstätte auch nur die Entfernungspauschale als Werbungskosten geltend machen können, muss Vergleichbares für Selbstständige gelten. In diesem Zusammenhang kommt es nach Auffassung des Gerichts nicht darauf an, ob sich an dem auswärtigen Ort eigene Räume des Selbstständigen befinden oder lediglich Räume des Auftraggebers.

Das Urteil steht zwar im Einklang mit der langjährigen Rechtsprechung des BFH, wonach sich die Betriebsstätte eines Selbstständigen dort befindet, wo die Leistungen erbracht werden. Von der jüngeren BFH-Rechtsprechung zur auswärtigen Arbeitsstätte eines Angestellten weicht die Entscheidung allerdings ab.

Denn der BFH hat er vor Kurzem festgestellt, dass selbst im Falle einer mehrjährigen Tätigkeit eines Arbeitnehmers in den Räumen eines Kunden seines Arbeitgebers keine auswärtige Arbeitsstätte entsteht und die Fahrten zur Arbeit daher als Dienstreisen abgerechnet werden können (Urteil vom 9.7.2009, Az. VI R 42/08, DStR 2009 S. 1171). Bei Gleichbehandlung von Arbeitnehmern und Selbstständigen würde das bedeuten: Genauso wenig wie der Angestellte hätte auch der selbstständige EDV-Berater eine Arbeitsstätte beim Kunden, so dass die täglichen Fahrten als Geschäftreisen einzustufen wären.

Steuertipp
Geht Ihr Finanzamt wie im Streitfall von Fahrten Wohnung - Betrieb aus, können Sie mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz von Arbeitnehmern und Selbstständigen kontern. Legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein und verweisen Sie auf das oben genannte BFH-Urteil.

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