Vermeiden Sie Fehler beim Erben

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Die Eröffnung eines Testaments bringt mitunter einige Überraschungen. Plötzlich werden bislang unbekannte Kinder aus früheren Beziehungen oder ehemalige Geliebte als Erben eingesetzt, während der Nachwuchs aus der aktuellen Ehe und die Gattin leer ausgehen. Nahen Angehörigen verbleibt aber immer der Anspruch auf den Pflichtteil. Dabei sollten sie jedoch einiges beachten.

Stellen die testamentarisch Enterbten ihre Ansprüche falsch, fallen u.U. hohe Steuerzahlungen an.
Der Pflichtteil errechnet sich aus der Hälfte dessen, was Sie im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge bekommen würden, also dann, wenn der Verstorbene kein Testament gemacht hätte. Hinterlässt ein Verstorbener etwa nur ein Kind, stünde ihm bei gesetzlicher Erbfolge der komplette Nachlass zu. Wäre es jedoch enterbt, bekäme es nur die Hälfte des Vermögens.

Der Anspruch beschränkt sich zudem nur auf die Zahlung von Bargeld und nicht auf die Herausgabe bestimmter Vermögenswerte. Daher müssen Erben ausrechnen, welchen Wert die Hinterlassenschaft hat und daraus ihren Anspruch ableiten. Bei Bankguthaben und Wertpapieren ist das einfach. Besteht der Nachlass aber vorwiegend aus Immobilien oder Firmenanteilen ist eine Teilung manchmal schwierig. U.U. müssten sie verkauft werden, um die Ansprüche der Enterbten zu erfüllen.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich auf eine Alternative zu einigen. Statt Geld erhält der Enterbte etwa ein Grundstück im gleichen Wert. Solch eine Lösung birgt aber auch Risiken: Wenn der rechtmäßige Erbe das Haus herausgibt, gilt das als Verkauf, der bei ihm Spekulationsteuer auslösen kann. Das ist der Fall, wenn der Erblasser das Objekt weniger als zehn Jahre lang besessen hat.

Dann ist die Differenz zwischen dem Veräußerungspreis und den ursprünglichen Anschaffungskosten abzüglich der Abschreibungen steuerpflichtig. Immerhin erhält der rechtmäßige Erbe auf Antrag einen Rabatt bei der Einkommensteuer, wenn er für Grundbesitz bereits zuvor Erbschaftsteuer zahlen musste. Um den Zugriff des Fiskus zu vermeiden, hilft es, auf Zeit zu spielen. Hatte der Verstorbene das Grundstück z.B. vor gut neun Jahren erworben, wird das Geschäft einfach erst nach Ablauf der Zehnjahresfrist abgewickelt.

Diese Option haben Erben nicht bei Wertpapieren, die der Verstorbene nach 2008 geordert hatte. Mangels Spekulationsfrist löst die Übertragung von Anleihen, Aktien oder Fonds zum Ausgleich des Pflichtteils immer Abgeltungsteuer aus. Noch nicht einmal die Tarifermäßigung kann in Anspruch genommen werden.

Aufpassen müssen aber auch die Empfänger des Pflichtteils. Machen sie sofort ihren vollen Anspruch geltend, bemisst sich auch die Erbschaftsteuer an dessen Höhe. Wenn der Pflichterbe später auf einen Teil verzichtet, hat das auf die Bemessungsgrundlage keinen Einfluss mehr. Der Verzicht auf den geltend gemachten Anspruch stellt dann eine Schenkung an den Erben dar, die erneut eine Steuerpflicht auslöst, obwohl sich beim Pflichtteilberechtigten und Erben per saldo überhaupt nichts verändert, obwohl der Pflichtteilsberechtigte dann weniger erhält und der Erbe mehr.

Tipp
Enterbte sollten sich Zeit lassen. Der Anspruch auf den Pflichtteil kann innerhalb von drei Jahren nach Kenntnis über den Inhalt des Testaments geltend gemacht werden. Wer gleich weniger oder gar nichts fordert, muss entsprechend weniger Steuern zahlen. Doch Vorsicht: Wer die Frist bis zum Letzten ausschöpft, riskiert Streit wegen der Termineinhaltung.

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