Neue Beratungsnorm verbessert Finanzanalyse

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Ende November 2018 war es so weit, eine neue Beratungsnorm wurde ins Leben gerufen: DIN 77230 – Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte. Diese wurde Anfang Februar 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vier lange Jahre hat es gedauert, bis die Finanzanalyse umgesetzt wurde. Einen Vorläufer mit der Bezeichnung DIN SPEC 77222 gab es zwar schon, doch diese wurde bloß von relativ wenigen Beratern angewendet. An der DIN 77230 haben auf der einen Seite Finanzdienstleister, auf der anderen Seite aber auch Verbraucherschützer, Verbände und Wissenschaftler mitgewirkt. Ziel der neuen Norm ist es einerseits den Verbraucherschutz zu erhöhen, andererseits aber auch für den Kunden eine ganzheitliche Finanzanalyse auf den Weg zu bringen.

Gibt es nun die Beratung nach DIN?

Ganz so ist es nicht. DIN 77230 liefert die Grundlage für einen umfassenden (»ganzheitlichen«) Basis-Analyseprozessansatz. Dieser soll dann auch in die Beratung einmünden. Ziel ist es, die Finanzen der zu beratenden Person vollständig zu erfassen, um so präzise Handlungen zu ermöglichen. Es wird quasi vergleichbar zu einem Blutbild ein Finanzbild erstellt.

Das Blutbild ist insoweit ein guter Vergleich, da dieses bei jedem Arzt nach dem gleichen Muster abläuft. Mit dem Finanzbild gilt es dann, die richtigen Schlüsse zu ziehen und Empfehlungen auszusprechen. Dabei werden die Wünsche, aber auch die Ziele der zu beratenden Person berücksichtigt und mit der Finanzanalyse in Einklang gebracht.

Folgende Effekte soll die DIN 77230 bewirken: Provisionsorientierte Vermittler haben es mit dieser Finanzanalyse schwerer den Kunden über den Tisch zu ziehen. Lobbyismus soll so verhindert werden. Die strukturierte Analyse ist immer identisch und nicht von einem Berater abhängig. Eine bessere Transparenz über die Empfehlungen des Beraters und warum dieser ein bestimmtes Produkt vorschlägt.

Der Ablauf der Finanzanalyse

Die Basis-Finanzanalyse hat einen transparenten und einheitlichen Ablauf, dieser lässt sich in folgende Teilschritte untergliedern.

Aufnahme sämtlicher Haushaltsdaten

Hierzu gehören die persönlichen Daten wie Geburtsdatum, Anzahl der im Haushalt lebenden Personen, Einkünfte des Haushaltes und Beruf(e) bzw. Berufsausübung.

Ermittlung der Finanzen des Haushalts

Auf Basis dieser ermittelten Daten wird eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung erstellt. Da auch Vermögenswerte des Haushaltes ermittelt werden, entsteht im weiteren Schritt auch eine Vermögensbilanz. Diese berücksichtigt auch Verbindlichkeiten, beispielsweise aus einer Baufinanzierung.

DIN 77230, der Fragenkatalog

Das Kernstück der DIN 77230 ist ein Fragenkatalog. Dieser ist auf 42 Finanzthemen gesplittet. Damit soll die Wichtigkeit einzelner Aspekte aus dem Bereich Geldanlage, Versicherungen, weitere Vermögenswerte und Kredite geklärt werden. Diese werden in drei Bedarfsstufen dargestellt.

Am Ende steht eine Prioritätenliste. Diese umfasst den finanziellen Grundbedarf in Stufe 1, den zu erhaltenden Lebensstandard in Stufe 2 und die Verbesserung des Lebensstandards in Stufe 3.

Der Soll-Ist-Vergleich

Der letzte Punkt vergleicht die Basis-Finanzanalyse mit der aktuellen Absicherung und der Vermögensbildung des Haushalts. Auf Basis dieses Soll-Ist-Vergleiches beginnt dann die individuelle Beratung des Kunden und seiner Familie. Die Beratung schlägt dann Produkte als Lösung beispielsweise für die Absicherung vor und beinhaltet letztendlich auch eine Art To-do-Liste. Die persönliche Beratung ist dann nicht mehr Bestandteil der DIN 77230.

Ziel der Analyse ist es, dass Lücken in verschiedenen Bereichen sichtbar werden und Lösungswege unter Umständen mit Prioritäten verknüpft werden. Allerdings: Haben Sie bereits einen guten Berater, so wird dieser viele Aspekte der DIN 77230 sowieso schon umgesetzt haben, auch wenn er diese so nicht bezeichnet.

Natürlich kann sich jeder Berater auf die DIN 77230 berufen und sagen, dass er diese auch anwendet. Sicherheit hat man allerdings nur, wenn es sich um einen zertifizierten Berater handelt. Kommen dann fremde Berater, die in Anlehnung an die DIN 77230 ihr Werk vollbringen wollen, ist Vorsicht geboten. Das ist dann nur ein Marketinggag, um Kunden zu fangen.

Weitere Auswirkungen der DIN 77230

Experten erwarten, dass sich die zukünftige Rechtsprechung für Verbraucher auch an dieser Norm orientiert. Zusätzlich dürfte die neue Regelung Einfluss auf Vermittler, Banken und Versicherungen und deren Produkte haben. Außerdem ist es wahrscheinlich, dass die Beratersoftware, die von vielen Vermittlern verwendet wird, sich verändert. Sie wird verstärkt die Norm in ihre Berechnungen einbeziehen.

Die Grenzen der Anwendung

Ziel bei der DIN 77230 ist immer die ganzheitliche Erfassung der finanziellen Situation. Dies ist sicherlich auch ein guter Ansatz. Allerdings kommen auch gerade viele Verbraucher mit Einzelproblemen zur Beratung, wie z.B. der Suche nach einer Hausratversicherung oder einem Baudarlehen. Für diese einzelnen Lösungen lässt sich die DIN 77230 nicht anwenden. Außerdem gehört letztendlich die Beratung auch nicht mehr zur Analyse. Doch hier kann es durch Fehlinterpretationen nach wie vor zu Fehlern kommen.

Fazit

Die Idee, eine möglichst ganzheitliche Beratung durchzuführen, ist sicher gut und die Standards für die Finanzbranche zu vereinheitlichen sicherlich auch. Das soll schließlich der Falschberatung vorbeugen und dies ist der Hauptzweck der DIN 77230. Doch wie vieles hängt es auch von den Personen ab. Berater dürfen nicht provisionsorientiert denken, sie müssen lösungsorientiert denken. Ob die neue Norm tatsächlich eine durchschlagende Verbesserung der Beratungsqualität bewirkt, muss sich noch erweisen. Der Verbraucherschutz dürfte sich dennoch weiter verbessern.

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