Bauunternehmen haftet auch für Risse am Nachbarhaus

Bauunternehmen haftet auch für Risse am Nachbarhaus

 - 

Wenn in der Nachbarschaft gebaut wird, ist das für Anwohner selten ein Grund zur reinen Freude. Ganz unangenehm wird es, wenn zur Lärm- und Verkehrsbelastung noch Schäden am eigenen Heim hinzukommen. Über einen solchen Fall hatte das Oberlandesgericht Oldenburg zu entscheiden.

Es ging immerhin um 20.000,– €. So viel war nötig, um die Schäden zu beheben, die durch Risse an einem Haus nach Baumaßnahmen des Nachbars entstanden waren. Das Gericht gab dem klagenden Hauseigentümer recht – obwohl das Sachverständigengutachten ergeben hatte, dass der Zustand des beschädigten Hauses auch vor den Bauarbeiten in der Nachbarschaft nicht optimal war (Az. 12 U 61/16).

Geklagt hatte ein Ehepaar, das Eigentümer eines Hauses aus der vorletzten Jahrhundertwende ist. Auf dem Nachbargrundstück des Gebäudes wurde ein Mehrfamilienhaus errichtet. Gewaltig wurde das Bauvorhaben insbesondere auch durch die unter dem Neubau vorgesehene Tiefgarage.

Zur Sicherung der hierzu ausgehobenen Baugrube brachte das Tiefbauunternehmen, gegen das sich die Klage richtete, in einem Abstand von zum Teil nur 60 cm zum Grundstück der Kläger mehrere acht Meter lange Eisenträger in den Boden ein. Dazwischen wurden Stahlbleche eingesetzt.

Die Bodenerschütterung, die hierbei entstand, kann man sich lebhaft vorstellen, wenn man die Presseerklärung des Gerichts liest: Der Unternehmer hatte zunächst acht Meter tiefe Löcher in den Boden gebohrt und dann mit einem großen Rammgerät die Eisenträger eingebracht. Dass hierdurch im alten Nachbarhaus Risse entstanden, ist nur zu wahrscheinlich.

Doch der Tiefbauunternehmer argumentierte, der Altbau habe schon vor seinen Arbeiten Risse gehabt. Das läge an dem maroden Zustand des Gebäudes, das ohnehin abrissreif gewesen wäre. Eine Vergrößerung der alten Risse könne auch andere Ursachen haben.

Das Landgericht Oldenburg hatte die Klage des Ehepaars zunächst abgewiesen. Das Oberlandesgericht befand dagegen, der Tiefbauer habe gegen seine Schutzpflichten aus dem Werkvertrag verstoßen. Dieser Werkvertrag entfalte aber auch eine Schutzwirkung zugunsten Dritter, hier des Ehepaares.

Die vertraglichen Sorgfalts- und Obhutspflichten gälten auch ihnen gegenüber. Durch die Vibrationsarbeiten in unmittelbarer Nähe des Hauses der Kläger habe der Unternehmer gegen die anerkannten Regeln der Technik verstoßen.

Die Gefahr von Versackungen sei vorhersehbar gewesen und für die Art von Vibrationsarbeiten, wie sie der Beklagte durchgeführt habe, nahezu typisch. Ergo wurden dem klagenden Ehepaar die geforderten 20.000,– € Schadensersatz zugestanden. 

(MS)

Weitere News zum Thema

  • Vererben für den guten Zweck

    [] Der 5. September ist »Internationaler Tag der Wohltätigkeit«. Wir nehmen dies zum Anlass, weiter zu denken als an Spenden zu Lebzeiten – denn viele Menschen machen sich Gedanken, wie sie auch über ihren Tod hinaus noch Gutes tun können. mehr

  • Unfallschaden: Versicherer muss Spezialuntersuchung zahlen

    [] Kfz-Haftpflichtversicherer beäugen mitunter mit großem Misstrauen, wie hoch der Schaden ist, der durch einen auf den ersten Blick eher kleinen Unfall verursacht worden sein soll. Oft gibt es dann zwar keinen Streit um die Schuldfrage, aber sehr wohl um die zu übernehmenden Reparaturkosten. mehr

  • Keine Entschädigung für Opfer eines Diebs

    [] Ein Beschluss des Kammergerichts Berlin vom 6.12.2019 kann für Versicherte Anlass zu einem Blick in die Versicherungsbedingungen ihrer Hausratversicherung sein, denn die Versicherung kann auch für Schäden aufkommen, die durch eine Entwendung von Gegenständen zustande kommen, die man bei einer Urlaubsreise bei sich trägt. mehr

  • Wiedergeburt des Widerrufsjokers?

    [] Ein viel beachtetes Urteil fällte der Europäische Gerichtshof (EuGH) am 26.3.2020 zum Aktenzeichen C-66/19: Er kassierte die Widerrufsbelehrung einer deutschen Sparkasse, deren Wortlaut mit dem der meisten deutschen Banken und Sparkassen identisch ist. mehr

  • Ferienwohnung: keine doppelten Rundfunkgebühren

    [] Eigentlich müssen Eigentümer von Neben- und Ferienwohnungen längst keinen doppelten Rundfunkbeitrag mehr zahlen. Das Bundesverfassungsgericht hat schon am 18.7.2018 entschieden: Wer bereits für seinen Hauptwohnsitz monatlich 17,50 € für den Empfang öffentlich-rechtlicher Radio- und Fernsehprogramme zahlt, braucht das nicht auch noch für die Zweitwohnung (1 BvR 1675/16, 1 BvR 981/17, 1 BvR 836/17, 1 BvR 745/17). Doch bisher war es nicht leicht, die Doppelbelastung auch tatsächlich loszuwerden. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.