Lebensversicherer in Schieflage: Bafin verschärft Kontrolle
Rund 82 Millionen Lebensversicherungsverträge sind derzeit offen.

Lebensversicherer in Schieflage: Bafin verschärft Kontrolle

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Ein Viertel der deutschen Lebensversicherungsgesellschaften stecken laut Bundesfinanzaufsicht Bafin in einer finanziellen Schieflage. Müssen sich Millionen Sparer nun Sorgen um ihr Geld machen?

Aktuell laufen rund 82 Millionen Lebensversicherungsverträge. Diese Form der Geldanlage ist deshalb so beliebt, weil sie als besonders sicher gilt. Doch das hat sich durch die seit etwa zwölf Jahren anhaltende Notenbankpolitik der extrem niedrigen Zinsen geändert: Die Versicherer können die in früheren Jahren garantierten Zinsen kaum noch erwirtschaften und stehen laut Bafin vor großen Herausforderungen.

Durch die regulatorischen Anforderungen wegen Solvency II werden die Lebensversicherer noch zusätzlich belastet. Diese Bestimmungen fordern eine höhere Eigenkapitalquote, die durch Unternehmensgewinne aufgebaut werden muss. Diese Gewinne stehen dann den Kunden nicht als Boni oder Überschüsse zur Verfügung. Zwar hat sich die Berechnungsformel ab 2018 für die Zinsrückstellungen etwas geändert. Aber dies führt nur zur Stabilisierung, nicht zu einer Verbesserung der Situation.

Deshalb hat die Bundesfinanzaufsicht Bafin rund 20 von etwa 80 Lebensversicherungsgesellschaften unter intensivierte Aufsicht gestellt, weil sie langfristig finanzielle Schwierigkeiten befürchten. Bereits seit 2020 befinden sich 36 der 135 Pensionskassen unter intensivierter Aufsicht durch die Bafin.

Versicherer in Not: Was tun?

Das Schlechteste, was Sparer nun tun könnten, wäre, ihren Versicherungsvertrag zu kündigen, denn eine Kündigung ist immer mit Verlusten verbunden.

Angst um das Angesparte brauchen Sie sich auch nicht zu machen, schließlich sind die garantierten Leistungen, also die Versicherungsbeiträge abzüglich der Vertriebs- und Verwaltungskosten zuzüglich der Garantiezinsen auf den Sparanteil durch den gesetzlichen Sicherungsfonds Protector geschützt. Sogar die bereits zugesagten Überschussanteile sind sicher.

Wer bei seiner Altersvorsorge weiterhin dem Versicherungsmodell vertraut, kann entweder noch in diesem Jahr eine Versicherung abschließen, um sich den höheren Zinssatz von 0,9 % gegenüber 2022 zu sichern (Absenkung auf 0,25 %), oder im kommenden Jahr auf eine kostengünstige Fondspolice setzen.

Wandel der Lebensversicherung

Der Wandel der Versicherungsmodelle ist schon längst im Gange. Die klassische Lebensversicherung wandelt sich immer mehr zur Rentenversicherung mit weniger Garantien und zu Produkten der Neuen Klassik.

Die klassische Variante enthält geringere Garantieleistungen. Die dadurch eingesparten Gelder fließen direkt in die Kapitalanlagen der Versicherer. Die Renditen sollen sich dadurch verbessern. Wie sich dies auswirkt, zeigt eine Studie des Analyseunternehmens Assekurata. Bei Altverträgen (Rentenversicherung) mit Garantiezins lag die durchschnittliche Rendite bei 2,07 % für 2020, für die "Neue Klassik" bei 2,41 %. Hierin zeigt sich, dass Lebensversicherte mit den neuen Produkten eine etwas höhere Rendite bekommen. Beibehalten wurde nach wie vor die fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherung.

Drei Bereiche haben sich bei der Produktentwicklung etabliert:

  • Neue Klassik,

  • Indexpolicen und

  • Multiselektansatz.

Weitere Informationen zu diesen drei neuen Formen von Lebensversicherungen finden Sie in unserer aktuellen News Garantiezins sinkt: rentable Lebensversicherungen gesucht.

(MS)

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