Vergleich: Geldmarktfonds oder Tagesgeld – was ist besser?
-
Geldmarktfonds und Tagesgeld sind beliebte Optionen für kurzfristige und sichere Geldanlagen. Doch welches Produkt bietet die bessere Rendite, mehr Flexibilität und geringere Risiken? Wir erklären, worauf Anleger achten sollten.
Zusammenfassung
Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs bieten eine flexible und meist sichere Möglichkeit, Geld mit kurzen Laufzeiten anzulegen. Sie investieren breit gestreut in kurzfristige Wertpapiere verschiedener Emittenten und ermöglichen täglichen Handel. Die Kosten liegen meist unter 0,2% jährlich, der Ausgabeaufschlag sollte möglichst bei null sein. Im Vergleich zu Tagesgeld können die Renditen je nach Marktlage besser oder schlechter ausfallen. Wichtig ist, auf die genaue Zusammensetzung und das Verlustrisiko zu achten. Es gibt ausschüttende und thesaurierende Varianten, je nach individuellem Anlageziel.
Inhalt
Was sind Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs?
Wer sein Geld verzinst anlegen, aber trotzdem immer sofort verfügbar haben will, kann zu Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs greifen. Sie sammeln genau wie Aktienfonds das Geld vieler Anleger ein, dann investieren sie es am Geldmarkt. Diesen können Banken, Unternehmen oder Staaten nutzen, um sich kurzfristig Geld zu leihen oder gerade nicht benötigtes Geld anzulegen. Dazu geben sie sich gegenseitig Kredite mit sehr kurzen Laufzeiten. Mit den Kreditzinsen, die sich am Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) orientieren, erzielt der Geldmarktfonds Erträge, von denen wiederum die Anleger profitieren.
Die gute Idee dabei:
-
Es wird nur in Wertpapiere mit sehr kurzer Laufzeit investiert. Das senkt das Risiko, denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass in wenigen Wochen oder Monaten einer der Emittenten pleitegeht.
-
Geldmarktfonds streuen das Pleiterisiko meist auf 50 bis 150 Papiere unterschiedlicher Staaten oder Unternehmen. Ginge eines der Unternehmen bankrott, träfe das nur einen kleinen Teil des Fonds.
-
Die Anleger bleiben flexibel, weil sie die Fonds börsentäglich kaufen und verkaufen können.
Geldmarktfonds oder Tagesgeld: Was lohnt sich mehr?
Die Zinsen am Geldmarkt lagen zuletzt bei rund 2%. Ob die Geldmarktfonds nun besser als Tagesgeld abschneiden, hängt davon ab, was man miteinander genau vergleicht. Wer zu einer Bank geht, die kontinuierlich – auch für Bestandskunden – überdurchschnittlich gute Tagesgeldzinsen zahlt, ist damit weiter gut bedient.
Bei den meisten Banken gibt es aber deutlich weniger: Sparkassen und Genossenschaftsbanken zahlten bereits im Frühjahr 2025 laut einer Auswertung des Vergleichsportals Biallo nur noch durchschnittlich 0,6% beziehungsweise 0,54%, wobei in diesem Wert sogar die besseren Angebote für Neukunden enthalten waren. Gemessen daran dürfte sich ein Wechsel zu Geldmarktfonds auf jeden Fall lohnen. Dann können sie ein gut geeigneter Geldparkplatz auch für Privatanleger sein, mit dem sich die Inflation von gut 2% je nach Fonds zumindest fast oder ganz ausgleichen lässt.
Aktionszinsen bei Tagesgeld meist höher – aber mit mehr Aufwand verbunden
Wer hingegen bei der Anlage in Tagesgeld die stets für wenige Monate angebotenen Aktionszinsen der Banken von bis zu 3% regelmäßig nutzt, könnte mit Tagesgeld die Renditen von Geldmarktfonds übertreffen – zumal die Fonds keine wundersame Geldvermehrung betreiben können: Sinken die Zinsen am Geldmarkt, gehen auch die Erträge von Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs zurück.
Voraussetzung, um die Renditen der Fonds zu schlagen:
-
alle paar Monate den Schnäppchen bei den Aktionszinsen hinterherjagen,
-
immer wieder neue Tagesgeldkonten eröffnen und
-
auch an die korrekte Verteilung der Freistellungsaufträge denken.
Geldmarktfonds: Darauf müssen Anleger achten
Wer einen Blick in die Factsheets oder Halbjahres- bzw. Jahresberichte der Fonds wirft oder die Fonds auf Finanzportalen prüft, findet dort die wichtigsten Informationen für eine Kaufentscheidung.
Wie teuer sind Geldmarktfonds?
Bei Geldmarktfonds werden Gebühren von meist unter 02% pro Jahr fällig. Darüber sollten die jährlichen Kosten möglichst nicht liegen. Zuletzt waren aber Angebote mit Kosten von knapp unter 1% auf dem Markt. Das ist viel zu teuer, da bleibt für Anleger nicht mehr viel Ertrag übrig.
Außerdem sollte der Ausgabeaufschlag, also die Kaufgebühr, idealerweise bei null liegen. Dies gilt sowohl für gemanagte Geldmarktfonds wie auch für Geldmarkt-ETFs, die einem bestimmten Index folgen.
In was investieren Geldmarktfonds?
Geldmarktfonds können sehr unterschiedlich konstruiert sein. Reine Geldmarktfonds dürfen zum Beispiel in Schatzanweisungen, Termingeld oder sogenannte Einlagenzertifikate von Banken, Unternehmen oder Staaten investieren mit einer Laufzeit, die laut einer EU-Verordnung auf maximal 397 Tage beschränkt ist. Das heißt: höchstens ein Jahr und einen Monat.
Was sind geldmarktnahe Fonds?
Daneben gibt es geldmarktnahe Fonds, die nicht unter die EU-Verordnung fallen. Zu diesen zählen die Overnight-ETFs. Sie orientieren sich an einem Zinssatz mit dem kryptischen Kürzel €STR, was auf Englisch für »Euro Short Term Rate« steht. Das ist der am Leitzins der EZB angelehnte durchschnittliche Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander über Nacht Geld leihen, daher der Name Overnight. Mit diesen ETFs können Anleger einfach und günstig von den Renditen des Geldmarktes profitieren.
Außerdem gibt es geldmarktnahe Fonds, in denen viele Anleihen mit Laufzeiten von mehr als einem Jahr stecken können.
Vorsicht: Da kann Geldmarkt draufstehen, muss aber nicht drin sein. Diese Fonds versprechen zwar mehr Rendite, können aber riskanter sein als reine Geldmarktfonds, wenn sie in Anleihen mit schlechterer Bonität investieren. Außerdem können die Kurse der Anleihen im Fonds schnell fallen, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt steigen.
Verluste bei Geldmarktfonds
Zum Check vor dem Investieren gehört auch ein Blick auf das Verlustrisiko und den schlimmsten historischen Verlust, der sich auf nicht mehr als 5% belaufen sollte. Denn der Wert solcher Fonds kann nicht nur steigen, sondern auch fallen. Wer dann das Geld braucht, muss mit Verlust verkaufen.
Ausschüttende oder thesaurierende Fonds: Was ist besser?
Wie bei Aktienfonds auch gibt es Geldmarktfonds, die regelmäßig Erträge ausschütten oder die Erträge automatisch wieder anlegen (sog. thesaurierende Fonds).
Bevor man sich für einen Geldmarktfonds entscheidet, sollte man klären, was man will:
-
regelmäßig Erträge, um ein Zusatzeinkommen zu haben: in diesem Fall ist die ausschüttende Variante besser geeignet.
-
Geldmarktfonds als Sicherheitsbaustein im Wertpapier-Portfolio, das langfristig wachsen soll und zum Beispiel für die zusätzliche Altersvorsorge gedacht ist: in diesem Fall sollte auf thesaurierende Varianten gesetzt werden.
Geldanlage-Ratgeber von Steuertipps
Geldanlage für Einsteigerinnen
Exchange Traded Funds: Anlagestrategie und Auswahl der richtigen ETFs
(LBW, MB)