KfW-Privatpapiere: Lohnt sich das neue Angebot für Privatanleger?

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Bei herkömmlichen Emissionen von Anleihen sind Privatanleger oft im Nachteil. Denn die Schuldner verkaufen ihre Anleihen direkt an die Banken, diese wiederum mit einem Aufschlag an institutionelle Anleger, z. B. Fondsgesellschaften und Pensionskassen. Dem normalen Privatanleger werden, wenn überhaupt, die Papiere erst Tage später angeboten. Meist erhält er deshalb Anleihen zu schlechteren Konditionen als die institutionellen Investoren.

Mit dieser Benachteiligung soll nun Schluss sein. "Frisch emittierte Zinspapiere, ohne Kursrisiko zum Festpreis", so wirbt die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für ihre neuen "KfW-Privatpapiere", auch "Notes" genannt. Das Angebot richtet sich direkt an Kleinanleger, die jetzt erstmals wie die Profis Anleihen direkt beim Emittenten zeichnen können. Zwar werden die Notes über die Internetplattform Coins der Deutschen Bank vertrieben. Privatanleger müssen Kaufaufträge aber über ihre Hausbank bzw. einen Discountbroker erteilen, wie z. B. die DAB bank (www.diraba.de).

Die Notes werden in wöchentlichen Serien aufgelegt. Schon ab einem Mindestbetrag von ? 1.000,- können sie zum Nennwert, das heißt zu 100 %, gezeichnet werden. Die Auktion startet montags mit Bekanntgabe von Laufzeit und Kuponhöhe. Bis Freitag haben die Anleger Zeit, ihre Bestellungen abzugeben, danach wird das Orderbuch geschlossen. Privatanleger wissen so schon bei der Erteilung ihres Auftrages genau, welche Verzinsung sie erhalten. Weil keine Stückzinsen anfallen, ist auch der genaue Anlagebetrag bekannt. Zudem ist sichergestellt, dass die Kaufinteressenten die gewünschten Titel auch wirklich bekommen. Denn das Emissionsvolumen entspricht jeweils genau der nachgefragten Menge. Am darauffolgenden Mittwoch werden die Papiere den Käufern ins Depot gebucht. Die Papiere können während der Laufzeit jederzeit wieder verkauft werden: Die KfW ist verpflichtet, ständig Ankaufspreise zu stellen.

Deutliche Zinsabschläge schmälern die Attraktivität

Auf den ersten Blick klingt das Angebot der KfW interessant. Ein Vergleich der Konditionen offenbart jedoch einen entscheidenden Nachteil: Normalerweise rentieren KfW-Anleihen mit einem kleinen Renditeaufschlag gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen. Bei den Notes ist es genau umgekehrt, sie werden gegenüber Bundesanleihen mit einem Renditenachteil von 40 Basispunkten herausgegeben. Beträgt die Rendite einer vierjährigen Bundesanleihe z. B. 3,2 Prozent p.a., bieten die Notes nur 2,8 Prozent jährlich.

Bei einer Anlagesumme von ? 10.000,- überweist die KfW bei einer vierjährigen Laufzeit so rund ? 160,- Euro weniger an Zinsen als der Bund. Zwar berechnen einige Banken beim Kauf der Notes keine Transaktionsgebühren. Doch selbst der Verzicht darauf reicht nicht aus, um den Renditenachteil voll auszugleichen. Denn normalerweise belaufen sich die Transaktionskosten beim Kauf von Bundesanleihen im Wert von ? 10.000,- auf etwa ? 40,- bis ? 65,-, einschließlich der Ordergebühren der Depotbank, Makler-Courtage, Abwicklungskosten und des Abstands zwischen Geld- und Briefkurs ("Spread").

Unser Geldtipp:

Das Angebot der KfW finden Sie im Internet unter kfw.de ("KfW Privatpapiere"), einen umfassenden Marktüberblick über Anleihen gibt es unter www.boerse-stuttgart.de und www.zins.dzbank.de ("Neuemissionen").

Auch die Konkurrenz geizt bei den Konditionen

Eine echte Neuheit sind die Notes der KfW nicht. Als Erfinder der Notes-Programme gilt die US-Investmentbank Incapital, die seit kurzem auch in Europa aktiv ist. Über die Plattform Internotes werden Anleihen von Direktemittenten, wie z. B. der Landesbank Baden-Württemberg, General Motors oder Ford an Privatanleger vertrieben. Jedoch bieten auch diese Emittenten bei den Daueremissionen geringere Renditen an als bei ihren normalen Anleihen. Der Nachteil beträgt je nach Laufzeit und Emittent 20 bis 50 Basispunkte.

Unser Geldtipp:

Die teilweise deutlichen Renditeabschläge machen die Notes für den Privatanleger eher unattraktiv. Der herkömmliche Kauf von Festverzinslichen über die Börse bleibt trotz der dort anfallenden Gebühren lukrativer, vor allem dann, wenn Sie dank Ihres Verhandlungsgeschicks nicht den vollen Spesensatz bei Ihrer Hausbank zahlen. Ein Depotkonto bei einer Direktbank wie z. B. der DiBa (www.diba.de) oder einem Discountbroker wie z. B. comdirect (www.comdirect.de) kann die Kauf- und Verkaufsspesen weiter drücken.

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