Rentenerhöhung 2023: So viel mehr Rente gibt es ab dem 1.7.2023
Die hohen Preissteigerungen lassen die Rentenerhöhung gleich wieder etwas geringer erscheinen.

Rentenerhöhung 2023: So viel mehr Rente gibt es ab dem 1.7.2023

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Zum 1. Juli 2023 werden alle gesetzlichen Renten im Westen um 4,39 % und im Osten um 5,86 % angehoben. Entsprechend steigen auch die Witwen- und Witwerrenten (Hinterbliebenenrenten). Die höhere Rente wird meist Ende Juli ausgezahlt. Das geschieht automatisch.

 

Inhalt

 

Wie hoch wird die gesetzliche Rente 2023?

Ab dem 1.7.2023 steigt die gesetzliche Rente im Westen um 4,39 Prozent und im Osten um 5,86 Prozent.

Zum 1.7.2022 waren die Renten im Osten um 6,12 Prozent und im Westen um 5,35 Prozent gestiegen (→ mehr dazu).

2021 hatte sich die Corona-Krise auch auf die Rentenanpassung ausgewirkt. Im Osten gab es 0,72 Prozent mehr, im Westen wurde die Rente 2021 nicht erhöht.

Bei jeder Rentenerhöhung steigt auch der Rentenwert (Wert der Rentenpunkte). Davon profitieren auch rentenversicherungspflichtige Berufstätige, die später in Rente gehen.

Wie viel ist ein Rentenpunkt wert?

Zum 1.7.2023 steigt der aktuelle Rentenwert von jetzt 36,02 Euro auf 37,60 Euro (West) bzw. von heute 35,52 Euro auf ebenfalls 37,60 Euro (Ost).

Damit gilt in West und Ost erstmals ein gleich hoher aktueller Rentenwert. Wegen der höheren Lohnsteigerung im Osten werde die Rentenangleichung Ost ein Jahr früher erreicht als gesetzlich vorgesehen.

Wer in den alten Ländern zum Beispiel bislang brutto eine Rente von 1.500 Euro erhalten hat, kann ab Juli dieses Jahres mit brutto 1.565,85 Euro rechnen.

Rentner in den neuen Bundesländern werden mit den Rentnern in den alten Bundesländern gleichgestellt. Ein Rentenpunkt hat ab Juli in Ost und West den gleichen Wert. Aus einer Bruttorente von 1.500 Euro werden in den neuen Ländern ab Juli damit beispielsweise brutto 1.587,90 Euro.

Wie hoch ist die gesetzliche Rente ab Juli 2023?

Bisherige Bruttorente

Neue Bruttorente

West

Ost

500 Euro

521,95 Euro

529,30 Euro

750 Euro

782,93 Euro

793,95 Euro

1.000 Euro

1.043,90 Euro

1.058,60 Euro

1.250 Euro

1.304,88 Euro

1.323,25 Euro

1.500 Euro

1.565,85 Euro

1.587,90 Euro

1.750 Euro

1.826,83 Euro

1.852,55 Euro

2.000 Euro

2.087,80 Euro

2.117,20 Euro

Was ändert sich zum 1.7.2023 bei der Hinterbliebenenrente?

Anfang Juli werden alle gesetzlichen Renten angehoben. Entsprechend steigen auch die Witwen- und Witwerrenten. Das geschieht automatisch. Aus 1.000 Euro Hinterbliebenenrente in den alten Ländern werden damit 1.043,90 Euro, in den neuen Ländern 1.058,60 Euro. Von der Rente gehen allerdings nach wie vor Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab.

Steigt der Beitrag zur Rentenversicherung 2023?

Nein. Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung soll bis 2026 stabil bei 18,6 Prozent bleiben und erst 2027 auf 19,3 Prozent steigen.

Wie wird die neue Rentenhöhe berechnet?

In die Berechnung der Rentenanpassung fließen verschiedene Faktoren ein. Dazu gehören

  • Wirtschaftsannahmen der Bundesregierung,

  • Ergebnisse der Steuerschätzung,

  • die hohe Inflation, die auch die Löhne stärker steigen lässt, wodurch mehr Geld in die Rentenkasse eingezahlt wird,

  • eine erhöhte Sterblichkeit, die zu geringeren Ausgaben der Rentenkasse führt,

  • die Zuwanderung aus dem Ausland, die dafür sorgt, dass der Beitragssatz entgegen der ursprünglichen Erwartung noch stabil bleibt.

Jedes Jahr im November erscheint der Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung mit Angaben zu Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung. Der Entwurf von November 2022 war noch von einer möglichen Rentenanpassung 2023 in Höhe von 3,5 Prozent (West) bzw. 4,2 % (Ost) ausgegangen.

Inzwischen liegen die endgültigen Zahlen vor, die deutlich besser aussehen als ursprünglich angenommen: Die für die Rentenanpassung relevante Lohnsteigerung beträgt 4,50 Prozent in den alten Ländern und 6,78 Prozent in den neuen Ländern. Sie basiert auf der vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Lohnentwicklung nach den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR). Darüber hinaus wird die beitragspflichtige Entgeltentwicklung der Versicherten berücksichtigt, die für die Einnahmesituation der gesetzlichen Rentenversicherung entscheidend ist.

Wie geht es in den nächsten Jahren mit der Rente weiter?

Bis zum Jahr 2036 steigen die Renten um insgesamt etwa 43%. Das prognostiziert der Rentenversicherungsbericht 2022. Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 2,6% pro Jahr. Der aktuelle Rentenwert soll von derzeit – 1. Halbjahr 2023 – noch 36,02 Euro auf 51,33 Euro im Jahr 2036 steigen. Aus einer Rente von brutto 1.621 Euro (basierend auf 45 Entgeltpunkten) würden dann – 2036 – beispielsweise brutto 2.310 Euro werden. Ein Zuwachs um 42,5%.

Das ist zunächst ein positives Szenario. Es klingt nach Stabilität und die gesetzliche Rentenversicherung hat sich ja auch tatsächlich als stabil erwiesen. Eine andere Zahl verdeutlicht allerdings, dass der Lebensstandard der Rentenbezieher verglichen mit demjenigen der abhängig Beschäftigten sinkt. Das durchschnittliche Jahresbruttoentgelt der Versicherten – also der Beitragszahler – steigt nach der Prognose des Berichts im gleichen Zeitraum von 38.901 Euro auf 66.232 Euro, um 70,26% also. Das sind rund 28 Prozentpunkte mehr, als die Renten steigen.

Das bedeutet: Rentner werden in Zukunft zwar weder mit Rentenkürzungen noch mit einem deutlichen Einbruch ihres Lebensstandards rechnen müssen. Gemessen an dem, was sich Arbeitnehmer leisten können, verschlechtert sich ihre Position aber zunehmend. Wer das vermeiden will, kommt an einer zusätzlichen privaten Vorsorge nicht herum.

(MB, AI)

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