Umsatzsteuer-Voranmeldung bei weniger als 1.000 € abzuführender Umsatzsteuer?

 - 

Bei weniger als 1.000 € Umsatzsteuer ist eine Umsatzsteuer-Voranmeldung nur in Ausnahmefällen erforderlich. Um welche Fälle es sich dabei handelt, erklärt das Bundesfinanzministerium.

Drei Argumente sind denkbar, die die Befreiung von der Abgabe einer Umsatzsteuer-Voranmeldung verhindern, so das Bundesfinanzministerium (BMF):

  • eine nachhaltige Veränderung in der betrieblichen Struktur,

  • eine Gefährdung des Steueranspruchs sowie

  • der Umstand, dass im laufenden Jahr mit einer wesentlich höheren Steuer zu rechnen ist

Abschn. 18.2 Abs. 2 Satz 3 Umsatzsteuer-Anwendungserlass (UStAE), in dem diese Ausnahmen geregelt werden, wird entsprechend angepasst (BMF-Schreiben vom 31.8.2012 ). Für Neugründungen gilt die Regelung nicht – es sind nur Unternehmer betroffen, die bereits im Vorjahr Umsatzsteuer abgeführt haben.

Hintergrund: Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen

Die Pflicht zur Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen beginnt mit Aufnahme der unternehmerischen Tätigkeit, falls nicht die sogenannte Kleinunternehmer-Regelung in Anspruch genommen wird. Im Jahr der Eröffnung des Unternehmens und im darauffolgenden Kalenderjahr sind monatlich Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben (§ 18 Abs. 2 Satz 4 UStG).

Sofern im vorausgegangenen Jahr bereits Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgegeben wurden, entscheidet ab Beginn des dritten Jahres die Höhe der Umsatzsteuerzahllast (= Umsatzsteuer abzüglich Vorsteuer) des Vorjahres über den Abgaberhythmus:

  • Monatliche Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung, wenn im Vorjahr mehr als 7.500 € Umsatzsteuer zu entrichten war.

  • Vierteljährliche Abgabe einer Umsatzsteuer-Voranmeldung, wenn die Umsatzsteuerzahllast im Vorjahr über 1.000 € lag, der Betrag von 7.500 € aber nicht überschritten wurde.

  • Keine Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen, wenn die Umsatzsteuerschuld im Vorjahr den Betrag von 1.000 € nicht überschritten hat.

Kommt es zu einem Wechsel des Abgabeturnus, werden Sie vom Finanzamt bis spätestens Ende Februar des Folgejahres darüber informiert.

Mehr Vorsteuer als Umsatzsteuer

Ist es im Vorjahr zu einem Vorsteuerüberschuss gekommen, sind die Voranmeldungen vierteljährlich zu erstellen, sofern nicht die Befreiung von der Abgabepflicht beantragt wird (Abschn. 18.2 Abs. 2 Satz 4 und 5 UStAE).

Falls es bei Ihnen im Vorjahr zu einer Umsatzsteuer-Erstattung von mehr als 7.500 € gekommen ist, können Sie die monatliche Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen beantragen. Dadurch kommen Sie schneller an Ihr Geld, wenn es auch in der Folgezeit zu Vorsteuerüberhängen kommt. Möchten Sie Ihre Voranmeldungen monatlich abgeben, müssen Sie bis zum 10.2. des Jahres eine Umsatzsteuer-Voranmeldung für den Monat Januar abgeben. Das Finanzamt leitet daraus ab, dass Sie Ihre Umsatzsteuer-Voranmeldungen nunmehr monatlich einreichen. An Ihre Entscheidung sind Sie bis zum Ende des Kalenderjahres gebunden (§ 18 Abs. 2a UStG).

Weitere News zum Thema

  • Hochzeitsredner und Trauerredner: 19% Umsatzsteuer

    [] Die Tätigkeit eines Hochzeits- und Trauerredners ist regelmäßig nicht künstlerisch im Sinne des § 12 Absatz 2 Nr. 7a UStG und unterliegt daher der vollen Besteuerung. Das hat das FG Rheinland-Pfalz entschieden. mehr

  • Umsatzsteuer auf Verkehrstherapie

    [] Verkehrstherapie soll den Führerschein zurückbringen – nicht heilen. Deshalb ist die Behandlung auch umsatzsteuerpflichtig. Das geht aus einem Urteil des FG Münster hervor. mehr

  • Umsatzsteuer: Eisskulpturen-Ausstellung ist kein Museum

    [] Winter is coming – und bei uns geht es dabei natürlich um Umsatzsteuer! Das FG Mecklenburg-Vorpommern musste sich nämlich mit der Frage beschäftigen, ob Eintrittsgelder für eine Ausstellung von Eisskulpturen umsatzsteuerlich begünstigt sind. mehr

  • Umsatzsteuer: Die Fragen machen selbst vor der Wiesn nicht Halt

    [] Für den Steuerrechtler bedeutet Umsatzsteuer vor allem: viele Gerichtsverfahren – und den einen oder anderen Sachverhalt, der ein bisschen Farbe in den Steuer-Alltag bringt. Passend zum heutigen Oktoberfest-Beginn geht es jetzt um die Brezenläufer in den Bierzelten. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.