Badewannenlift: Das Finanzamt hilft beim Wohlfühlen

 - 

Wer wie die 71jährige Greta Meier körperlich nicht mehr so beweglich ist, kommt möglicherweise nur noch schwer oder gar nicht mehr in seine Badewanne hinein und auch wieder hinaus. Damit entgeht ihm die wohltuende und medizinisch vorteilhafte Wirkung von Vollbädern. Hier hilft ein Badewannenlift. Wenn die Krankenkasse die Kosten dafür nur teilweise trägt oder ganz ablehnt, kommt Hilfe aus dem Steuerrecht.

In Ihrer Steuererklärung werden nur die Aufwendungen berücksichtigt, die Sie selbst getragen haben. Das bedeutet: Erstattungen der Krankenkasse müssen zunächst abgezogen werden. Nur wenn die Kasse gar nicht zahlt oder wenn Sie einen teureren Badewannenlift möchten, können Sie Ihren Eigenanteil steuerlich geltend machen. Allerdings müssen Sie bei der Kasse sich um die Erstattung bemüht und einer möglichen Ablehnung schriftlich widersprochen haben. Dies müssen Sie dem Finanzamt nachweisen können.

Wie gegenüber der Krankenkasse gilt auch hier: Die Kosten mindern nur dann Ihre Steuerlast, wenn der Lift medizinisch notwendig ist.

Und es gibt noch eine Hürde: Außergewöhnliche Belastungen sind erst dann von der Steuer absetzbar, wenn sie insgesamt eine bestimmte Höhe überschreiten. Heißt konkret: Wenn Greta Meier noch andere außergewöhnliche Belastungen hat, wie etwa weitere Krankheits- oder Pflegekosten, wenn sie für eine Bestattung aufkommen muss, bedürftigen Personen Unterhalt zahlt oder ihr bei der Ehescheidung Kosten entstehen, muss sie rechnen. Denn diese Kosten mindern ihr Steuer erst dann, wenn sie eine bestimmte Höhe übersteigen – die zumutbare Belastung.

Wie viel Ihnen hier zugemutet wird, richtet sich nach der Höhe der gesamten Jahreseinkünfte, dem Familienstand und der Zahl der Kinder. Sie liegt zwischen einem und sieben Prozent der gesamten Jahreseinkünfte.

Weiterführende Informationen: Krankheitskosten: So werden sie in der Steuererklärung berücksichtigt

Wenn es mit den außergewöhnlichen Belastungen nicht klappt: Eine Möglichkeit bleibt Wenn Sie die beschriebenen Voraussetzungen für den Abzug als außergewöhnliche Belastung nicht erfüllen, weil zum Beispiel Ihre Kosten unter der zumutbaren Belastung liegen, fällt diese Abzugsmöglichkeit leider weg.

Allerdings gibt es dann noch einen Rettungsanker, falls Sie die Liftkosten nicht oder nicht vollständig als außergewöhnliche Belastung abziehen können: die Steuerabzugsbeträge für Hilfen und Handwerker in Haus und Garten. Diese Vergünstigung können Sie sogar für den Betrag beanspruchen, der sich wegen der zumutbaren Belastung nicht auswirkt. Aber natürlich dürfen Sie Aufwendungen nicht mehrfach in Ihrer Steuererklärung unterbringen und die außergewöhnlichen Belastungen haben Vorrang.

Was hat es mit diesen Steuerabzugsbeträgen auf sich? Wie der Name sagt, gibt es die Vergünstigung nur für Handwerkerleistungen, also wenn Ihnen ein Handwerker den Badewannenlift einbaut.

Wichtig: Begünstigt sind nur Arbeitskosten, jedoch kein Material. Der Kaufpreis für den Lift wird also nicht gefördert, sondern nur die Kosten für den Einbau. Diese Förderung dürfte also insbesondere für aufwendigere Konstruktionen wie etwa den Schwenklift in Betracht kommen.

Und so funktioniert es: In Ihrem Steuerbescheid werden 20 % der Einbaukosten von Ihrer Steuerschuld abgezogen, maximal jedoch 1.200 Euro. Wenn der Handwerker also 1.000 Euro bekommt, müssen Sie 200 Euro weniger Steuern zahlen.

Weiterführende Informationen: Mit Handwerkern und Haushaltshilfen Steuern sparen

Fazit: Auf dem Weg zum Badewannenlift muss Greta Meier die eine oder andere Hürde nehmen. Nachdem Sie das geschafft hat, stellt sie fest, dass es sich gelohnt hat, denn die wohltuende und entspannende Wirkung warmer Vollbäder lässt den ganzen Aufwand schnell vergessen.

(CR)

Weitere News zum Thema

  • Nach dem Krankenhaus den Übergang mitgestalten

    [] Seit 2004 gibt es Fallpauschalen: Für einen Patienten, bei dem eine Blinddarm-OP vorgenommen wird oder bei dem eine künstliche Hüfte eingesetzt wird, erhalten die Krankenhäuser überall das Gleiche, egal wie lange ein Patient im Krankenhaus bleibt. Das setzt Anreize für eine frühzeitige Entlassung aus dem Krankenhaus. mehr

  • Privates Krankentagegeld darf bei Auslandsaufenthalt wegfallen

    [] Gut verdienende Arbeitnehmer, die sich für ein privates Krankentagegeld entschieden haben, sollten während des Leistungsbezugs in jedem Fall auf einen Auslandsurlaub verzichten. Mehr noch: Sogar ein Inlandsurlaub kann den Leistungsanspruch gefährden. Das gilt auch, wenn der Urlaub bei der Versicherungsgesellschaft angemeldet und vom Hausarzt befürwortet wurde. mehr

  • Misslungene Schönheits-OP: Kasse zahlt Teil der Folgekosten

    [] Schönheitsoperationen sind in manchen Kreisen – und mittlerweile nicht nur bei Frauen – in Mode. Doch sie bergen – wie alle Operationen – Risiken. Die Operationen selbst werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen und auch nicht von deren privater Konkurrenz. Doch was gilt, wenn sich als Folgewirkung der OP gesundheitliche Probleme entwickeln? mehr

  • Angst vor Krebs: Kasse zahlt keine Brust-Amputation

    [] Dass eine Frau, nachdem bei ihr wiederholt gutartige Knoten in der Brust festgestellt wurden, ihre Brüste vorsorglich komplett entfernen lassen wollte, ist vielleicht aufgrund der starken psychischen Belastung nachvollziehbar. Doch damit werden die Brustentfernung und der folgende Aufbau nicht zu einer Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, befand das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen am 4.9.2019. mehr

  • Weglauftendenz: Kasse zahlt fixierbare GPS-Uhr

    [] Bei einem Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen (LSG, Az. L 16 KR 182/18) ging es um einen jungen Mann mit einem Downsyndrom mit geistiger Behinderung und Weglauftendenz. Das LSG gestand dem Betroffenen als Hilfsmittel eine am Handgelenk fixierbare Guard2me-Uhr zu. Angesichts der zunehmenden Alterung der Gesellschaft und der Tatsache, dass das Altern wohl nicht selten mit Demenz verbunden sein wird, betrifft das Urteil in starkem Maße Senioren. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.