Selbstständige: Betrieb des Kunden gilt nicht als Betriebsstätte

 - 

Selbstständige, die zu einem oder auch mehreren Auftraggebern fahren, können diese Fahrten nach Reisekostengrundsätzen abrechnen. Das bedeutet: Es entstehen höhere Betriebsausgaben als nur die Entfernungspauschale!

Ein selbstständiger Informatiker hatte nur einen einzigen Auftraggeber. Er fuhr täglich mit dem Betriebs-Pkw in den Betrieb seines Auftraggebers, um dort bestimmte Arbeiten durchzuführen und Unterlagen abzuholen. Das Finanzamt gestand ihm für diese Fahrten nur die Entfernungspauschale zu und kürzte dementsprechend seine Betriebsausgaben. Es war nämlich der Meinung, der Selbstständige habe im Betrieb seines Kunden eine Betriebsstätte unterhalten. Und für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte gibt es nur die Entfernungspauschale.

Das wollte der Unternehmer aber nicht akzeptieren. Er klagte und bekam vor dem Finanzgericht recht (FG Düsseldorf vom 19.2.2013, 10 K 829/11 E ; Az. der Revision X R 13/13): Die Richter orientierten sich an einem neueren BFH-Urteil, wonach die betriebliche Einrichtung eines Kunden des Arbeitgebers keine regelmäßige Arbeitsstätte des Arbeitnehmers darstellt mit der Folge, dass die Fahrtkosten unbegrenzt und nicht nur in Höhe der Entfernungspauschale abziehbar sind. Diese Rechtsprechung zu Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit sei entsprechend im betrieblichen Bereich anzuwenden. Da der Betrieb des Kunden nicht als Betriebsstätte anzusehen sei, waren die Kfz-Kosten des Selbstständigen in voller Höhe abziehbar.

Selbstständige mit Fahrten zu einem oder auch mehreren Auftraggebern, denen das Finanzamt dafür nur die Entfernungspauschale gewähren will, sollten Einspruch einlegen und sich auf die Revision beim BFH beziehen (Az. des BFH: X R 13/13). Bei häufigen Fahrten und größeren Entfernungen kommt schnell ein stattlicher Betrag zustande, um den es sich zu streiten lohnt.

Eine gute Argumentationshilfe findet sich im Urteil des FG Düsseldorf: Eine Betriebsstätte wird nicht schon dadurch begründet, dass dem Unternehmer irgendein für seine Tätigkeit geeigneter Raum zur ständigen Nutzung zur Verfügung gestellt wird. Zu einer Betriebsstätte wird dieser nur dann, wenn der Unternehmer eine nicht nur vorübergehende Verfügungsmacht über die von ihm genutzte Einrichtung hat. Das bloße Tätigwerden in Räumlichkeiten des Vertragspartners genügt für sich genommen nicht, um die erforderliche Verfügungsmacht zu begründen. Das gilt selbst dann, wenn die Tätigkeit zeitlich wiederholt und sogar dauerhaft erbracht wird.

Weitere News zum Thema

  • Arbeitsecke nicht absetzbar

    [] Die Kosten für eine ins Wohnzimmer integrierte Arbeitsecke sind nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar. Das bestätigte der BFH. mehr

  • Sind Geschenke mit Werbeaufdruck Betriebsausgaben?

    [] Kosten für Kalender mit Firmenlogo sind nur dann als Betriebsausgaben abzugsfähig, wenn sie einzeln und getrennt von den übrigen Betriebsausgaben aufgezeichnet werden, entschied das FG Baden-Württemberg. mehr

  • Geteiltes Arbeitszimmer darf nur einmal abgezogen werden

    [] Wenn Ehegatten gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer für ihre jeweilige betriebliche oder berufliche Tätigkeit nutzen, können sie die Aufwendungen und den Höchstbetrag von 1.250 € jeweils nur zur Hälfte geltend machen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.