Vermietung einer Ferienwohnung im EU-Ausland

 - 

Besitzen Sie eine Ferienwohnung im EU-Ausland und erzielen Sie damit Verluste aus Vermietung und Verpachtung, dürfen Sie diese nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes in den negativen Progressionsvorbehalt einbeziehen. Gleiches gilt u.E. für Verluste aus Anteilen an geschlossenen Immobilienfonds, die im EU-Ausland anlegen.

Besitzen Sie im Ausland eine Ferienwohnung, die Sie (zeitweise) vermieten, müssen Sie Einkünfte aus der Vermietung in Ihrer deutschen Steuererklärung angeben. Meist ist per Doppelbesteuerungsabkommen geregelt, dass Überschüsse von der deutschen Einkommensteuer freigestellt sind. Dann unterliegen sie dem Progressionsvorbehalt und erhöhen die Steuerbelastung Ihrer übrigen Einkünfte. Umgekehrt würde man erwarten, dass ausländische Vermietungsverluste in den negativen Progressionsvorbehalt einzubeziehen sind und damit steuersenkend wirken. Doch dagegen wehrt sich der deutsche Fiskus und verweist auf die Regelung des § 2a Abs. 1 Nr. 6 EStG, wonach negative Einkünfte aus der Vermietung ausländischer Immobilien nur mit positiven Vermietungseinkünften aus demselben Staat verrechnet werden dürfen.

Der Europäische Gerichtshof hat dieser restriktiven Auffassung der deutschen Finanzverwaltung den Boden entzogen und entschieden, dass das Verbot der Einbeziehung von Verlusten aus Vermietung und Verpachtung einer Immobilie im EU-Ausland in den negativen Progressionsvorbehalt im Wohnsitzstaat gegen EU-Gemeinschaftsrecht verstößt (EuGH, Urteil vom 21.2.2006, Az. C-152/03, DStR 2006 S. 392). Doch die deutsche Finanzverwaltung mauert weiter und will das EuGH-Urteil nur in den Fällen anwenden, in denen für die ausländische Immobilie die alte Nutzungswertbesteuerung bis 1998 anzuwenden war (BMF-Schreiben vom 24.11.2006, Az. IV B 3-S 2118a-63/06, BStBl I 2006 S. 763).

Steuertipp
Trotzdem sollten Besitzer von vermieteten Immobilien (und geschlossenen Immobilienfonds) im EU-Ausland weiterhin ihre Verluste in die Zeile 45 der Anlage AUS eintragen und bei Verweigerung des negativen Progressionsvorbehalts Einspruch einlegen. Verweisen Sie dabei nicht nur auf das genannte EuGH-Urteil vom 21.2.2006, sondern auch auf das Urteil des BFH vom 20.9.2006 (Az. I R 13/02, BFH/NV 2007 S. 410), das die restriktive Auffassung des deutschen Fiskus nicht stützt.

Weitere News zum Thema

  • Frühjahrsputz - und das Finanzamt zahlt!

    [] Haben Sie einen Fensterputzer bestellt? Einen Gärtner? Jemanden, der eine neue Markise an Terrasse oder Balkon anbringt? Dann beteiligen Sie den Staat an den Arbeitskosten! mehr

  • Grundsteuer: Wie geht es jetzt weiter?

    [] Nachdem das Bundesverfassungsgericht die Berechnung der Grundsteuer ab 2009 für verfassungswidrig erklärt hat, muss jetzt eine Neuregelung her. Welche Ideen liegen dafür bereits auf dem Tisch? Wir haben es für Sie zusammengefasst. mehr

  • Verfassungsrichter kippen Einheitsbewertung bei Grundsteuer

    [] Die Einheitsbewertung von Grundstücken und Immobilien in den alten“ Bundesländern seit Anfang 2002 ist mit dem allgemeinen Gleichheitssatz unvereinbar und damit verfassungswidrig. Damit kann die Grundsteuer nicht mehr in der bisherigen Form erhoben werden. So hat es das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden (Urteil vom 10.4.2018 - 1 BvL 11/14, 1 BvL 12/14, 1 BvL 1/15, 1 BvR 639/11, 1 BvR 889/12). mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.