Mobilheim verkauft: Grunderwerbsteuer muss gezahlt werden

Mobilheim verkauft: Grunderwerbsteuer muss gezahlt werden

 - 

Ein Mobilheim mit einem Gewicht von 4.250 kg, das seit mindestens 30 Jahren an derselben Stelle steht und zudem sowohl an die Kanalisation als auch an das Stromnetz angeschlossen ist, ist so fest mit der Grundfläche verbunden, dass sein Kauf bzw. Verkauf zur Grunderwerbsteuerpflicht führt.

Das geht aus einem Urteil des FG Münster hervor, das über den folgenden Sachverhalt zu entscheiden hatte:

Die Klägerin hatte im Jahr 2018 ein »Kleinwochenendhaus« auf einem Pachtgrundstück nebst Zubehör für 10.000 Euro gekauft und sich dabei verpflichtete, mit dem Grundstückseigentümer einen Pachtvertrag abzuschließen. Das Haus steht auf Holzbalken und ist an die Kanalisation und das Stromnetz angeschlossen.

Ein vom Deutschen Mobilheim Verband e.V. ausgestellter »Mobilheimbrief« gibt u.a. Auskunft über die die Fahrgestellnummer und die Maße des Hauses (8,35 m Länge, 3,10 m Breite, 2,98 m Höhe) sowie dessen Gewicht (4.250 kg).

Im Pachtvertrag, der für zehn Jahre abgeschlossen wurde, verpflichtete sich die Klägerin unter anderem, den Verpächter bei einer Veräußerung des Hauses zu informieren, damit dieser entscheiden könne, mit wem er einen Pachtvertrag abschließt. Die Klägerin zog in das Haus ein und meldete dort ihren Wohnsitz an.

Das Finanzamt unterwarf den Vorgang der Grunderwerbsteuer und ging dabei von einer Bemessungsgrundlage i. H. v. 9.000 Euro (Kaufpreis abzgl. 1.000 Euro für Inventar) aus.

Feste Verbindung zu Grund und Boden?

Hiergegen wandte die Klägerin ein, dass es sich bei dem Mobilheim nicht um ein Gebäude handele, weil es keine feste Verbindung zum Grundstück aufweise.

Zudem sei der Wert des Inventars höher anzusetzen, weil sie einen vorhandenen Zaun, eine Terrasse und Bepflanzung übernommen habe.

Finanzgericht nennt Gründe für Grunderwerbsteuerpflicht

Das FG Münster entschied, dass die Übertragung des Mobilheims in diesem Fall grunderwerbsteuerpflichtig ist.

  • Bei dem Mobilheim handelt es sich um ein Gebäude auf fremdem Grund und Boden (§ 2 Abs. 2 Nr. 2 GrEStG).

  • Das Mobilheim weist auch die für die Gebäudeeigenschaft erforderliche feste Verbindung zur Grundfläche sowie die nötige Ortsfestigkeit und Beständigkeit auf. Aus dem Gewicht des Hauses (4.250 kg) und dessen Alter von fast 40 Jahren sei davon auszugehen, dass es nur mit großem Aufwand und nicht ohne Risiko einer Zerstörung transportiert werden könne. Zudem müsse vorher die Terrasse entfernt werden.

  • Für eine ortsfeste Aufstellung spricht hier auch, dass sich das Mobilheim seit mindestens 30 Jahren an derselben Stelle befindet, an die Kanalisation sowie an das Stromnetz angeschlossen und umzäunt ist.

Die Bemessungsgrundlage sahen die Richter als plausibel an: Der für das Inventar angesetzte Abzugsbetrag sei nicht zu beanstanden, da die Klägerin den Wert des Zaunes, der Terrasse und der Bepflanzung nicht konkretisiert habe, erklärten sie (FG Münster, Urteil vom 18.6.2020, Az. 8 K 786/19).

auch interessant:

(MB)

Weitere News zum Thema

  • Marderbefall als außergewöhnliche Belastung?

    [] Dieser Fall zeigt, dass für die Geltendmachung von außergewöhnlichen Belastungen in der Steuererklärung hohe Hürden bestehen. Und wir lernen: Besser nicht zu lange warten und auf »Selbstheilung« hoffen. Denn das nimmt den Handlungen die Zwangsläufigkeit. mehr

  • Wohngeld-Klagen ohne Gerichtskosten

    [] Die genaue Berechnung des Wohngelds ist sogar für manche Experten ein Buch mit sieben Siegeln. Mitunter sind Wohngeld-Entscheidungen für Betroffene wenig plausibel. In solchen Fällen kann es zunächst helfen, die örtliche Wohngeldstelle um Aufklärung über die Berechnung des Wohngelds und die Gründe für die Ablehnung des Leistungsantrags zu bitten. Ist ein Wohngeldbescheid nicht plausibel, kann man hiergegen Rechtsmittel einlegen. Klagt man gegen einen Wohngeldbescheid, dürfen neuerdings keine Gerichtskosten mehr erhoben werden, entschied das Bundesverwaltungsgericht am 23.4.2019 und gab damit seine bisherige Rechtsprechung auf (Az. 5 C 2.18). mehr

  • Grundsteuer: Hessen plant eigenes Modell

    [] Die Grundsteuer muss neu geregelt und die bisherigen, jahrzehntelang unveränderten Einheitswerte ab 2025 durch neue Bemessungsgrundlagen ersetzt werden. Das Ende 2019 erlassene Bundesmodell ist aus Sicht der Hessischen Landesregierung kompliziert und aufwendig. mehr

  • Teilverkauf des Eigenheims: selten sinnvoll

    [] Wandeln Sie einen Teil Ihrer Immobilie in Geld um. So wirbt die Wertfaktor Immobilien GmbH aus Hamburg für den neuartigen Immobilien-Teilverkauf. Was ist davon zu halten? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.