Blutzuckermessung kann häusliche Krankenpflege übernehmen

 - 

Gerade ältere Diabetiker sind mitunter durch die in vielen Fällen täglich schwankenden Insulingaben überfordert. In solchen Fällen kann Anspruch auf eine regelmäßig im Rahmen der häuslichen Krankenpflege durchgeführte Blutzuckermessung bestehen.

Das entschied das LSG Hessen. Hierbei ging es immerhin um 3.400,– € jährliche Kosten, die die Krankenkasse des Betroffenen nicht übernehmen wollte (Az. SL 8 KR 443/17).

Gesetzlich Krankenversicherte haben unter anderem auch einen Anspruch auf eine häusliche Krankenpflege durch geeignete Pflegekräfte. Das gilt vor allem dann, wenn eine Krankenhausbehandlung durch die häusliche Krankenpflege vermieden werden kann oder verkürzt wird. Zur Krankenpflege gehört auch die Blutzuckermessung – allerdings nach der Rechtsauffassung der Krankenkassen in der Regel nur im Zusammenhang mit der Erst- oder Neueinstellung des Diabetes oder einer sogenannten intensivierten Insulintherapie.

In dem Fall, den das LSG Hessen nun zu entscheiden hatte, lagen diese Voraussetzungen nicht vor. Es ging um die Klage eines 82 Jahre alten Mannes, der an Typ-2-Diabetes erkrankt ist. Ihm hatte sein Hausarzt für mehr als ein Jahr eine regelmäßige Blutzuckermessung zu Hause verordnet. Der Arzt sah den Versicherten selbst hierzu nicht in der Lage. Zudem hatte der Blutzuckerwert so stark geschwankt, dass die Dosis immer wieder neu habe angepasst werden müssen. Hierbei habe ihm auch seine an Demenz erkrankte Frau nicht helfen können.

Die hessischen Landessozialrichter sahen – wie die Vorinstanz – unter dieser Voraussetzung ein zu hohes Risiko für Fehlmessungen oder -dosierungen und verurteilten die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten einer professionellen Blutzuckermessung. Nach den Richtlinien für die häusliche Krankenpflege seien nämlich in begründeten Ausnahmefällen auch Maßnahmen verordnungs- und genehmigungsfähig, die nicht im Leistungsverzeichnis aufgeführt seien. Sie müssten allerdings als Bestandteil des ärztlichen Behandlungsplans im Einzelfall erforderlich und wirtschaftlich sein und von geeigneten Pflegekräften erbracht werden. Genau das sei hier der Fall gewesen.

In vergleichbaren Fällen sollten verschreibende Ärzte die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Blutzuckermessung detailliert begründen.

(MS)

Weitere News zum Thema

  • Nach dem Krankenhaus den Übergang mitgestalten

    [] Seit 2004 gibt es Fallpauschalen: Für einen Patienten, bei dem eine Blinddarm-OP vorgenommen wird oder bei dem eine künstliche Hüfte eingesetzt wird, erhalten die Krankenhäuser überall das Gleiche, egal wie lange ein Patient im Krankenhaus bleibt. Das setzt Anreize für eine frühzeitige Entlassung aus dem Krankenhaus. mehr

  • Privates Krankentagegeld darf bei Auslandsaufenthalt wegfallen

    [] Gut verdienende Arbeitnehmer, die sich für ein privates Krankentagegeld entschieden haben, sollten während des Leistungsbezugs in jedem Fall auf einen Auslandsurlaub verzichten. Mehr noch: Sogar ein Inlandsurlaub kann den Leistungsanspruch gefährden. Das gilt auch, wenn der Urlaub bei der Versicherungsgesellschaft angemeldet und vom Hausarzt befürwortet wurde. mehr

  • Misslungene Schönheits-OP: Kasse zahlt Teil der Folgekosten

    [] Schönheitsoperationen sind in manchen Kreisen – und mittlerweile nicht nur bei Frauen – in Mode. Doch sie bergen – wie alle Operationen – Risiken. Die Operationen selbst werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen und auch nicht von deren privater Konkurrenz. Doch was gilt, wenn sich als Folgewirkung der OP gesundheitliche Probleme entwickeln? mehr

  • Angst vor Krebs: Kasse zahlt keine Brust-Amputation

    [] Dass eine Frau, nachdem bei ihr wiederholt gutartige Knoten in der Brust festgestellt wurden, ihre Brüste vorsorglich komplett entfernen lassen wollte, ist vielleicht aufgrund der starken psychischen Belastung nachvollziehbar. Doch damit werden die Brustentfernung und der folgende Aufbau nicht zu einer Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, befand das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen am 4.9.2019. mehr

  • Weglauftendenz: Kasse zahlt fixierbare GPS-Uhr

    [] Bei einem Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen (LSG, Az. L 16 KR 182/18) ging es um einen jungen Mann mit einem Downsyndrom mit geistiger Behinderung und Weglauftendenz. Das LSG gestand dem Betroffenen als Hilfsmittel eine am Handgelenk fixierbare Guard2me-Uhr zu. Angesichts der zunehmenden Alterung der Gesellschaft und der Tatsache, dass das Altern wohl nicht selten mit Demenz verbunden sein wird, betrifft das Urteil in starkem Maße Senioren. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.