Kurzarbeit: Das müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt wissen

Kurzarbeit: Das müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt wissen

 - 

Das Kurzarbeitergeld soll verlängert werden, über einen entsprechenden Gesetzentwurf wird zurzeit beraten. Lesen Sie hier, was geplant ist – und was bereits gilt.

Das Kurzarbeitergeld müssen Sie als Arbeitnehmer nicht selbst beantragen, das ist Aufgabe Ihres Arbeitgebers.

Regierungsentwurf des Beschäftigungssicherungsgesetzes vom 16.9.2020

Für Unternehmen, die bis zum 31.12.2020 Kurzarbeit eingeführt haben, soll das Kurzarbeitergeld bis zum 31.12.2021 verlängert werden.

  • Bis zum 30.6.2021 erstattet die Bundesagentur für Arbeit Unternehmen die Sozialabgaben, die sie eigentlich auch bei Kurzarbeit abführen müssen.

  • Vom 1.7.2021 bis zum 31.12.2021 sollen für alle Unternehmen, die bis zum 30.6.2021 Kurzarbeit eingeführt haben, die Sozialabgaben zur Hälfte erstattet werden. Erfolgt während der Kurzarbeit eine Qualifizierung der betroffenen Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer, können bis zu 100% der Sozialversicherungsbeiträge erstattet werden.

Die Höhe des Kurzarbeitergelds bleibt gleich:

  • Regulär erhalten Beschäftigte in Kurzarbeit 60% des ausgefallenen Nettolohns, mit Kindern 67%.

  • Ab dem vierten Monat steigt das Kurzarbeitergeld auf 70% bzw. 77%.

  • Ab dem siebten Monat steigt das Kurzarbeitergeld auf 80% bzw. 87%.

Das gilt für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Anspruch auf Kurzarbeitergeld bis zum 1.3.2021 entstanden ist, bis zum 31.12.2021.

Beispiel:

Sie sind unverheiratet, haben keine Kinder und verdienen bei Ihrer Vollzeit-Stelle monatlich 2.000 Euro brutto. Bei Lohnsteuerklasse I bleiben davon netto 1.400 Euro.

Wegen der Coronakrise ist bei Ihrem Arbeitgeber Kurzarbeit angesagt – Arbeitszeit und Gehalt werden auf 50% gekürzt. Von Ihren jetzt 1.000 Euro Arbeitslohn bleiben Ihnen netto noch (knapp) 800 Euro. Ihnen entgehen also wegen der Kurzarbeit jeden Monat 600 Euro.

60% davon übernimmt die Arbeitsagentur – das sind in Ihrem Fall 360 Euro. Sie haben also während der Kurzarbeit jeden Monat ein Arbeitseinkommen von 1.160 Euro (800 Euro + 360 Euro).

Zur Erinnerung: Bei Arbeitnehmern mit Kind(ern) werden 67% des entgangenen Nettogehalts übernommen.

Zum Regierungsentwurf des Beschäftigungssicherungsgesetzes

Das Kurzarbeitergeld gibt es nicht in unbegrenzter Höhe. Der Betrag ist durch die Beitragsbemessungsgrenze »gedeckelt«.

Das bedeutet: Kurzarbeitergeld gibt es nur, wenn das Brutto-Gehalt während der Kurzarbeit unter einer bestimmten Grenze liegt. Diese beträgt für 2020

  • 6.900 Euro im Westen bzw.

  • 6.450 Euro im Osten.

Wer trotz Kurzarbeit ein höheres Brutto-Entgelt erzielt, bekommt kein Kurzarbeitergeld.

Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch Arbeitgeber

Ein Recht auf Aufstockung des Kurzarbeitergeldes durch den Arbeitgeber besteht nicht. In einer Reihe von Tarifverträgen sind Aufstockungen jedoch vorgesehen.

  • Der Aufstockungsbetrag ist grundsätzlich normal zu versteuern.

  • Vom 1.3.2020 bis 31.12.2020 gilt: Zuschüsse des Arbeitgebers bis 80% des Unterschiedsbetrags zwischen Soll-Entgelt und Ist-Entgelt sind steuerfrei (mit Kindern: 87%).

  • Sie sind auch sozialversicherungsfrei, wenn das »fiktive Arbeitsentgelt« nicht überschritten wird. Das fiktive Entgelt beträgt 80% (87% mit Kindern) der Differenz des »Soll-Entgelt«, das vor der Kurzarbeit gezahlt wurde, und des nun gezahlten Entgelts (»Ist-Entgelt«).

Nebenjob während Kurzarbeit: Was wird angerechnet?

Früher galt: Wird nach Eintritt der Kurzarbeit eine Nebentätigkeit neu aufgenommen, wird das daraus erzielte Entgelt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Vom 1.5.2020 bis 31.12.2021 gilt: Beschäftigte in Kurzarbeit können einen Nebenverdienst haben, ohne dass dieser auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird. Voraussetzung: Sie dürfen insgesamt nicht mehr verdienen als vor der Kurzarbeit.

Im o.g. Gesetzentwurf wird jedoch geplant, dass ab 2021 nur noch Minijobs nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet werden.

Kurzarbeitergeld, Steuererklärung und Progressionsvorbehalt

Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, es erhöht den Steuersatz auf Ihre steuerpflichtigen Einkünfte, zum Beispiel Ihr Gehalt.

Beispiel:

Sie haben im Jahr 2020 ein Gehalt bezogen, auf das nach den Lohnsteuertabellen 20% Lohnsteuer anfällt. Außerdem haben Sie einige Zeit Kurzarbeitergeld bekommen. Dieses Kurzarbeitergeld wird jetzt zu Ihrem Gehalt dazugerechnet. Auf die Summe (Gehalt+ Kurzarbeitergeld) sind laut Lohnsteuertabelle 22% Lohnsteuer fällig. Dieser Steuersatz wird jetzt auf Ihr Gehalt angewendet – nicht aber auf das Kurzarbeitergeld, das muss nicht versteuert werden.

Die Folge dieser Berechnung: Wer Kurzarbeitergeld bezogen hat, muss meist Steuern nachzahlen.

Mit unserem kostenlosen Kurzarbeitergeld-Rechner können Sie ausrechnen, wie sich das in Ihrem persönlichen Fall finanziell auswirkt.

Jetzt schon an die Steuererklärung denken und Geld zurücklegen!

  • Wer keinen verdienenden Ehepartner hat und das ganze Jahr über »Kurzarbeit Null« macht (das heißt, die Arbeitszeit wird auf Null Stunden gesenkt und man arbeitet gar nicht), muss nicht mit einer Steuernachforderung rechnen.

  • Alle anderen sollten sich darauf vorbereiten, dass das Finanzamt Geld sehen will. Legen Sie also am besten sicherheitshalber monatlich 50 bis 100 Euro fürs Finanzamt zurück, sonst gibt es im Steuerbescheid ein teures Erwachen.

 

aav_kurzarbeit-produktbild.png

Ratgeber

Kurzarbeitergeld: Rettungsschirm in Krisenzeiten für Arbeitnehmer

 

Aus dem Inhalt:

  • Kurzarbeit und die Pflichten des Arbeitgebers

  • Dauer des Anspruchs und Höhe des Kurzarbeitergelds

  • So wird das Kurzarbeitergeld berechnet

  • Was ist »Kurzarbeit Null«?

  • Kurzarbeitergeld, Nebenjob und Hinzuverdienstgrenzen

  • Die Auswirkungen von Kurzarbeit auf Rente, Arbeitslosengeld und Steuern

  • Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz statt Kurzarbeitergeld

jetzt informieren

    

 

Änderungen durch das Corona-Steuerhilfegesetz vom 5.6.2020

Am 5.6.2020 hat der Bundesrat dem Corona-Steuerhilfegesetz zugestimmt. Darin ist geregelt, dass Zuschüsse der Arbeitgeber zum Kurzarbeitergeld und zum Saison-Kurzarbeitergeld künftig bis 80 Prozent des Unterschiedsbetrages zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt steuerfrei gestellt werden.

 

Änderungen durch das Sozialschutz-Paket II vom 15.5.2020

Am 15. Mai 2020 hat der Bundesrat dem so genannten Sozialschutz-Paket II zugestimmt, das u.a. eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes und eine Ausweitung der Hinzuverdienstmöglichkeiten vorsieht. Alle Regelungen gelten bis Ende 2020:

  • Erhöhung des Kurzarbeitergeldes: Für diejenigen, die Kurzarbeitergeld für ihre um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit beziehen, steigt der Betrag ab dem vierten Monat von 60 auf 70 Prozent, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Kindern erhalten 77 Prozent. Ab dem siebten Monat erhöht sich das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent bzw. 87 für Haushalte mit Kindern.

  • Ausweitung der Hinzuverdienstmöglichkeiten für Kurzarbeiter: Ab dem 1. Mai 2020 dürfen von Kurzarbeit betroffene in allen Berufen bis zur vollen Höhe ihres bisherigen Monatseinkommens hinzuverdienen. Die Beschränkung auf systemrelevante Berufe wird aufgehoben.

  • Verlängerung des Arbeitslosengeldes: Erleichterungen kommen auch für Arbeitslose, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2020 endet: Sie erhalten drei Monate länger Arbeitslosengeld.

 

Regelungen und Erleichterungen durch das »Gesetz zur krisenbedingten Verbesserung beim Kurzarbeitergeld«:

Mit diesem am 13.3.2020 verabschiedeten Gesetz wurde der Zugang zu Kurzarbeitergeld (KUG) erleichtert für Unternehmen, die unter massiven Lieferengpässen leiden oder behördlich geschlossen werden müssen. Diese Erleichterungen traten rückwirkend zum 01. März 2020 in Kraft und werden rückwirkend ausgezahlt.

Betriebe müssen Kurzarbeit zunächst bei der Arbeitsagentur anzeigen. Erst danach können Sie dieses beantragen. Wenden Sie sich als Arbeitgeber dazu an den Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur. Dort erhalten Sie die für den Antrag erforderlichen Zugangsdaten.

  • Den Arbeitgeber-Service erreichen Sie über dieses Kontaktformular oder telefonisch unter 0800 4 555520 (gebührenfrei).

  • Sie können den Leistungsantrag auch online ausfüllen (hier finden Sie das PDF dafür) und dann bei Ihrer Agentur für Arbeit einreichen.

  • Die Abrechnungsliste, die Sie nach der Bewilligung brauchen, finden Sie ebenfalls online (zum PDF) und können sie dann ausgefüllt bei Ihrer Arbeitsagentur einreichen.

aav_kurzarbeit-produktbild.png

Ratgeber

Kurzarbeitergeld: Rettungsschirm in Krisenzeiten für Arbeitnehmer

 

Aus dem Inhalt:

  • Kurzarbeit und die Pflichten des Arbeitgebers

  • Dauer des Anspruchs und Höhe des Kurzarbeitergelds

  • So wird das Kurzarbeitergeld berechnet

  • Was ist »Kurzarbeit Null«?

  • Kurzarbeitergeld, Nebenjob und Hinzuverdienstgrenzen

  • Die Auswirkungen von Kurzarbeit auf Rente, Arbeitslosengeld und Steuern

  • Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz statt Kurzarbeitergeld

jetzt informieren

    

Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld

Das sind die Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld:

  • Es reicht, wenn 10 Prozent der Beschäftigten eines Betriebes von Arbeitsausfall betroffen sind, damit ein Unternehmen Kurzarbeit beantragen kann.

  • Sozialversicherungsbeiträge werden bei Kurzarbeit von der Bundesagentur für Arbeit zu 100% erstattet.

  • Auch Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer können in Kurzarbeit gehen und haben Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

  • Auch befristet Beschäftigte können Kurzarbeitergeld erhalten.

  • Auch erkrankte Arbeitnehmer können Kurzarbeitergeld erhalten.

  • In Betrieben, in denen Vereinbarungen zu Arbeitszeitschwankungen genutzt werden, wird auf den Aufbau negativer Arbeitszeitkonten verzichtet.

  • Kurzarbeitergeld ist möglich, sobald auch nur ein sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Unternehmen angestellt ist.

  • Auch gemeinnützige Unternehmen wie Vereine, aber auch Kindertagesstätten und Kulturschaffende wie Theater können im Zusammenhang mit der Corona- Kurzarbeitergeld erhalten. Voraussetzung: Die Arbeitnehmer sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Achtung: Bei Unterbrechungen der Kurzarbeit von drei Monaten und länger muss die Kurzarbeit wieder neu angezeigt werden!

aav_bmas_kurzarbeit.jpg

(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, bmas.de)

auch interessant:

(MB)

Weitere News zum Thema

  • Steuererklärung: Steuervorteile für Ehrenamtliche

    [] Wer sich ehrenamtlich engagiert, hat steuerliche Vorteile. Das gilt beispielsweise auch für Rettungssanitäter, Dozenten von Erste-Hilfe-Kursen und Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr. Hier erklären wir Ihnen, was Sie zu Ehrenamtspauschale und Übungsleiterfreibetrag wissen müssen. mehr

  • Plusstunden auf Arbeitszeitkonto bei Freistellung

    [] Gerade wenn es am Ende eines Beschäftigungsverhältnisses mehr oder weniger böses Blut gibt, stellen Arbeitgeber Gekündigte bzw. ausscheidende Arbeitnehmer häufig von der Arbeit frei. Doch was geschieht in diesem Fall mit einem Guthaben der Betroffenen auf ihrem Arbeitszeitkonto? mehr

  • Kurzfristige Beschäftigung: Sonderregel endet am 31.10.2020

    [] Kurzfristige Beschäftigungen, die nicht länger als drei Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr dauern, sind sozialversicherungsfrei – sofern sie nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Vom 1.3. bis zum 31.10.2020 gelten erweiterte Grenzen: auf eine Höchstdauer von fünf Monaten oder 115 Tagen. mehr

  • Kurzarbeit auch für Kleinstbetriebe

    [] Kurzarbeit gibt es nicht bloß bei VW oder Daimler. Auch für Kleinstbetriebe – etwa den Friseur um die Ecke, das kleine Café oder Fitnessstudio – kommt Kurzarbeit infrage. So lassen sich die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Attacke mildern. mehr

  • Viele Kurzarbeiter haben Anspruch auf ALG II

    [] Arbeiten soll sich lohnen. Nach dieser Devise wird bei Arbeitnehmern mit niedrigem Einkommen ein erheblicher Teil des Arbeitseinkommens nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Wichtig zu wissen: Auch Bezieher von Kurzarbeitergeld – auch bei Kurzarbeit Null (!) – profitieren hiervon. Das bedeutet: Ein großer Teil der Kurzarbeitenden wird neben dem Kurzarbeitergeld zusätzlich Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.