Kurzarbeit: Das müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt wissen

Kurzarbeit: Das müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt wissen

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Das Coronavirus greift um sich und in vielen Firmen heißt das leider auch: Kurzarbeit. Glücklicherweise wurden die Voraussetzungen dafür bereits rückwirkend zum 1. März 2020 vereinfacht. Jetzt wird das Kurzarbeitergeld erhöht und die Hinzuverdienstmöglichkeiten vereinfacht.

Änderungen durch das Corona-Steuerhilfegesetz vom 5.6.2020

Am 5.6.2020 hat der Bundesrat dem Corona-Steuerhilfegesetz zugestimmt. Darin ist geregelt, dass Zuschüsse der Arbeitgeber zum Kurzarbeitergeld und zum Saison-Kurzarbeitergeld künftig bis 80 Prozent des Unterschiedsbetrages zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt steuerfrei gestellt werden.

Das Gesetz wird jetzt dem Bundespräsidenten zur Unterzeichnung vorgelegt. Danach kann es im Bundesgesetzblatt verkündet werden und soll grundsätzlich am Tag nach der Verkündung in Kraft treten.

Änderungen durch das Sozialschutz-Paket II vom 15.5.2020

Am 15. Mai 2020 hat der Bundesrat dem so genannten Sozialschutz-Paket II zugestimmt, das u.a. eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes und eine Ausweitung der Hinzuverdienstmöglichkeiten vorsieht. Alle Regelungen gelten bis Ende 2020:

  • Erhöhung des Kurzarbeitergeldes: Für diejenigen, die Kurzarbeitergeld für ihre um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit beziehen, steigt der Betrag ab dem vierten Monat von 60 auf 70 Prozent, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Kindern erhalten 77 Prozent. Ab dem siebten Monat erhöht sich das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent bzw. 87 für Haushalte mit Kindern.

  • Ausweitung der Hinzuverdienstmöglichkeiten für Kurzarbeiter: Ab dem 1. Mai 2020 dürfen von Kurzarbeit betroffene in allen Berufen bis zur vollen Höhe ihres bisherigen Monatseinkommens hinzuverdienen. Die Beschränkung auf systemrelevante Berufe wird aufgehoben.

  • Verlängerung des Arbeitslosengeldes: Erleichterungen kommen auch für Arbeitslose, deren Anspruch auf Arbeitslosengeld zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2020 endet: Sie erhalten drei Monate länger Arbeitslosengeld.

 

Die im Folgenden beschriebenen Regelungen und Erleichterungen sind bereits in Kraft:

Mit einem am 13.3.2020 verabschiedeten Gesetz wurde der Zugang zu Kurzarbeitergeld (KUG) erleichtert für Unternehmen, die unter massiven Lieferengpässen leiden oder behördlich geschlossen werden müssen. Diese Erleichterungen traten rückwirkend zum 01. März 2020 in Kraft und werden rückwirkend ausgezahlt.

Betriebe müssen Kurzarbeit zunächst bei der Arbeitsagentur anzeigen. Erst danach können Sie dieses beantragen. Wenden Sie sich als Arbeitgeber dazu an den Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur. Dort erhalten Sie die für den Antrag erforderlichen Zugangsdaten.

  • Den Arbeitgeber-Service erreichen Sie über dieses Kontaktformular oder telefonisch unter 0800 4 555520 (gebührenfrei).

  • Sie können den Leistungsantrag auch online ausfüllen (hier finden Sie das PDF dafür) und dann bei Ihrer Agentur für Arbeit einreichen.

  • Die Abrechnungsliste, die Sie nach der Bewilligung brauchen, finden Sie ebenfalls online (zum PDF) und können sie dann ausgefüllt bei Ihrer Arbeitsagentur einreichen.

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Ratgeber

Kurzarbeitergeld: Rettungsschirm in Krisenzeiten für Arbeitnehmer

 

Aus dem Inhalt:

  • Kurzarbeit und die Pflichten des Arbeitgebers

  • Dauer des Anspruchs und Höhe des Kurzarbeitergelds

  • So wird das Kurzarbeitergeld berechnet

  • Was ist »Kurzarbeit Null«?

  • Kurzarbeitergeld, Nebenjob und Hinzuverdienstgrenzen

  • Die Auswirkungen von Kurzarbeit auf Rente, Arbeitslosengeld und Steuern

  • Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz statt Kurzarbeitergeld

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Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld

Das sind die Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld:

  • Es reicht, wenn 10 Prozent der Beschäftigten eines Betriebes von Arbeitsausfall betroffen sind, damit ein Unternehmen Kurzarbeit beantragen kann.

  • Sozialversicherungsbeiträge werden bei Kurzarbeit von der Bundesagentur für Arbeit zu 100% erstattet.

  • Auch Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer können in Kurzarbeit gehen und haben Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

  • Auch befristet Beschäftigte können Kurzarbeitergeld erhalten.

  • Auch erkrankte Arbeitnehmer können Kurzarbeitergeld erhalten.

  • In Betrieben, in denen Vereinbarungen zu Arbeitszeitschwankungen genutzt werden, wird auf den Aufbau negativer Arbeitszeitkonten verzichtet.

  • Kurzarbeitergeld ist möglich, sobald auch nur ein sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Unternehmen angestellt ist.

  • Auch gemeinnützige Unternehmen wie Vereine, aber auch Kindertagesstätten und Kulturschaffende wie Theater können im Zusammenhang mit der Corona- Kurzarbeitergeld erhalten. Voraussetzung: Die Arbeitnehmer sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

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(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, bmas.de)

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Bei Kurzarbeit wird entweder weniger oder gar nicht mehr gearbeitet. Der Arbeitgeber zahlt daher auch weniger Lohn. An dieser Stell springt die Arbeitsagentur ein und übernimmt einen Teil des »verlorenen« Gehalts:

  • Bei Arbeitnehmern ohne Kind(er) zahlt sie 60% des entgangenen Nettolohns,

  • bei Arbeitnehmern mit Kind(ern) zahlt sie 67% des entgangenen Nettolohns.

Das Kurzarbeitergeld müssen Sie als Arbeitnehmer nicht selbst beantragen, das ist Aufgabe Ihres Arbeitgebers.

Sie sind unverheiratet, haben keine Kinder und verdienen bei Ihrer Vollzeit-Stelle monatlich 2.000 Euro brutto. Bei Lohnsteuerklasse I bleiben davon netto 1.400 Euro.

Wegen der Coronakrise ist bei Ihrem Arbeitgeber Kurzarbeit angesagt – Arbeitszeit und Gehalt werden auf 50% gekürzt. Von Ihren jetzt 1.000 Euro Arbeitslohn bleiben Ihnen netto noch (knapp) 800 Euro. Ihnen entgehen also wegen der Kurzarbeit jeden Monat 600 Euro.

60% davon übernimmt die Arbeitsagentur – das sind in Ihrem Fall 360 Euro. Sie haben also während der Kurzarbeit jeden Monat ein Arbeitseinkommen von 1.160 Euro (800 Euro + 360 Euro).

Zur Erinnerung: Bei Arbeitnehmern mit Kind(ern) werden 67% des entgangenen Nettogehalts übernommen.

Das Kurzarbeitergeld gibt es allerdings nicht in unbegrenzter Höhe. Der Betrag ist durch die Beitragsbemessungsgrenze »gedeckelt«.

Das bedeutet: Kurzarbeitergeld gibt es nur, wenn das Brutto-Gehalt während der Kurzarbeit unter einer bestimmten Grenze liegt. Diese beträgt für 2020

  • 6.900 Euro im Westen bzw.

  • 6.450 Euro im Osten.

Wer trotz Kurzarbeit ein höheres Brutto-Entgelt erzielt, bekommt kein Kurzarbeitergeld.

Außerdem gibt es kein Kurzarbeitergeld, wenn das gesetzliche Rentenalter überschritten wurde, und auch Minijobber gehen beim Kurzarbeitergeld leer aus.

Wie lange gibt es Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld wird ein Jahr gezahlt. Unterbrechungen der Kurzarbeit von mindestens einem Monat können die Bezugsfrist verlängern

Achtung: Bei Unterbrechungen der Kurzarbeit von drei Monaten und länger muss die Kurzarbeit wieder neu angezeigt werden!

Wird ein Nebenjob oder Minijob auf Kurzarbeitergeld angerechnet?

Wenn die Nebentätigkeit schon vor dem Beginn der Kurzarbeit bestand, wird das Einkommen aus dem Nebenjob nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Nehmen Sie allerdings erst während des Bezugs von Kurzarbeitergeld eine Nebentätigkeit auf, wird das daraus erzielte Einkommen auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, denn es liegt eine Erhöhung des tatsächlichen erzielten Entgelts vor.

Kurzarbeitergeld und Steuererklärung

Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, es erhöht den Steuersatz auf Ihre steuerpflichtigen Einkünfte, zum Beispiel Ihr Gehalt.

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(MB)

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