Zinsloses Darlehen bedeutet Schenkung der Zinsen

 - 

Gewährt jemand ein zinsloses Darlehen, ohne dafür eine anderweitige angemessene Gegenleistung zu erhalten, kann das Schenkungsteuer auslösen. Denn jede Bereicherung, die jemand ohne Gegenleistung erhält, unterliegt grundsätzlich der Schenkungsteuer.

Bei einem zinslosen Darlehen hat der Darlehensnehmer einen Vermögensvorteil in Höhe der ersparten Zinsen im Vergleich zu einer marktüblichen Darlehensaufnahme bei einer Bank. Geklagt hatte eine Steuerpflichtige, die von ihrem Lebensgefährten ein Darlehen erhalten hatte, mit dem sie eine Bankfinanzierung ablösen konnte. Den vereinbarten Darlehenszins von 4 % hatte sie während der Laufzeit nicht gezahlt, ohne dass der Lebenspartner das beanstandet hätte.

Das Finanzamt hat von dem Darlehen erfahren und auf den Barwert der ersparten Zinszahlungen Schenkungsteuer festgesetzt. Entsprechend den Regelungen im Bewertungsgesetz legte die Finanzverwaltung dabei einen Zinssatz von 5,5 % jährlich zugrunde.

Die Klägerin vertrat die Ansicht, die Darlehensgewährung ohne Zins sei keine freigebige Zuwendung im Sinne des Schenkungsteuergesetzes. Zudem müsse als Vergleichszinssatz der nur halb so hohe Zinssatz für Kapitalanlagen genutzt werden, auf den der Darlehensgeber bei der Kreditvergabe verzichtet hat.

Der BFH schloss sich dieser Ansicht nicht an. Nach Meinung der Finanzrichter ist ein zinsloses Darlehen ohne eine anderweitige verpflichtende oder vertragliche Gegenleistung eine freigebige Zuwendung, also eine Schenkung, in Höhe der nicht verlangten Darlehenszinsen. Ob zivilrechtlich eine Schenkung vorliegt, spielt keine Rolle.

Schenkungsteuer wird danach auf den Barwert der nicht zu leistenden Zinszahlungen fällig. Dabei wird grundsätzlich ein Zinssatz von 5,5 % angesetzt. Betroffene Steuerzahler können jedoch auch einen niedrigeren Satz zugrunde legen, wenn sie nachweisen, dass bei gleicher Darlehenssumme und Laufzeit und ohne Sicherheiten der marktübliche Zins unter 5,5 % liegt (BFH-Urteil vom 27.11.2013, II R 25/12 ). Welcher Zinssatz durch eine Kapitalanlage erzielt werden kann, spielt dagegen keine Rolle.

Weitere News zum Thema

  • Bei WLAN gibt es keine Störerhaftung mehr

    [] Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 26.7.2018 ist für alle wichtig, die einen WLAN-Anschluss haben, der auch für Dritte zugänglich ist. Das Urteil ist auch für Familien von Bedeutung, deren Kinder Freunden Zugang über WLAN verschaffen und Vermieter, die ihren (Zeit-)Mietern die Zugangsdaten zu ihrem eigenen WLAN geben. mehr

  • Dauerparker: Achtung, plötzliches Halteverbot!

    [] Kennen Sie diese Situation? Sie wollen in Urlaub fliegen, fahren mit dem Auto zum Flughafen und dann parken Ihren Wagen in einer Seitenstraße in Flughafennähe, in der keinerlei Parkbeschränkungen bestehen, um die teuren Parkgebühren zu sparen. Meist wird das klappen. Doch unter Umständen finden Sie anschließend Ihren Wagen nicht mehr vor. Nicht etwa weil er gestohlen, sondern weil er abgeschleppt wurde. Geht das? mehr

  • Rohstoff Wasser als Geldanlage

    [] Hahn auf, Wasser marsch: So einfach, wie es in Deutschland geht, ist es in vielen Teilen der Welt nicht. Da dieser Rohstoff und dessen Bereitstellung aber wichtiger als Gold ist, hat sich rund um das Thema Wasser ein Nischenmarkt für Anleger aufgetan. Die Investmentmöglichkeiten sind vielfältig: Von klassischen Investmentfonds über Zertifikate und Exchange Traded Funds (ETFs) bis hin zu Aktien ist vieles möglich. mehr

  • BGH lockert Zwangsrente für Hartz-IV-Bezieher

    [] Wer Grundsicherung für Arbeitsfähige bezieht (Hartz IV), muss in der Regel die Rente mit 63 Jahren beantragen und Abschläge hinnehmen. Allerdings gibt es Ausnahmen, die das Bundessozialgericht jetzt neu definiert hat. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.