Grundrente, Freibetrag und Steuern: Das wird für Rentner 2021 anders
Rente 2021: Auf Rentnerinnen und Rentner, die im neuen Jahr knapp 26 Mio. Renten beziehen werden, kommen viele Neuerungen zu. Wir haben sie zusammengefasst.

Grundrente, Freibetrag und Steuern: Das wird für Rentner 2021 anders

 - 

Auf die Rentnerinnen und Rentner, die 2021 knapp 26 Millionen Renten beziehen werden, kommen zahlreiche Neuerungen zu.

Wie sich die finanzielle Situation der Arbeitnehmer 2021 entwickeln wird, lässt sich – vor allem wegen Corona – derzeit noch kaum verlässlich vorhersagen. Bei Rentnern ist das ein wenig anders, vor allem weil zentrale Eckpfeiler durch festgelegte Formeln und Gesetze bestimmt sind.

Die Bruttorente ab 2021

"Zum 1. Juli steigen die Renten deutlich" – das wurde in den letzten Jahren regelmäßig spätestens im Frühjahr gemeldet. Auf diese Meldung werden die Rentnerinnen und Rentner im Jahr 2021 leider vergebens warten. Dafür sorgt die Rentenformel, in der die Entwicklung der Rente in vorderster Linie an die Entwicklung des Lohnniveaus gekoppelt ist.

Im Jahr 2021 ist dabei entscheidend, wie sich die Löhne 2020 gegenüber 2019 entwickelt haben. Und hier gab es – insgesamt gesehen – keineswegs ein Plus. Dafür sorgen vor allem die Spitzenwerte, die 2020 bei der Kurzarbeit zu verzeichnen waren. Kurzarbeit heißt aber, dass das Arbeitsentgelt sinkt. Und das schlägt auf die Renten durch, da sie auch nach der Entwicklung der Lohnsumme berechnet werden. Das Kurzarbeitergeld wird dabei nicht mitgerechnet.

Eigentlich könnte es daher im kommenden Jahr sogar zu einem Minus bei der Rente kommen. Doch dem hat der Gesetzgeber durch eine Bestandsschutzklausel vorgebaut. Diese schließt Rentenkürzungen aus. Gleichzeitig regelt das Gesetz für Rentner aus den neuen Bundesländern einen Mindestanstieg des Altersruhegelds, denn der aktuelle Rentenwert Ost wird bis zum 1.7.2024 an den aktuellen Rentenwert West angepasst. Deshalb steigen bis dahin die Ost-Renten jedes Jahr um (mindestens) 0,7 % mehr als die West-Renten.

Fazit: Zumindest für Rentner aus den alten Bundesländern gilt, dass sich die Bruttobeträge der Rente zum 1.7.2021 nicht ändern. Ost-Rentner können dagegen mit einer Rentenerhöhung um 0,72 % rechnen. Aus einer Bruttorente von 1.000,– € werden damit zum 1.7.2021 brutto 1.007,20 €.

Die Nettorente ab 2021

Von der Bruttorente gehen die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Was übrig bleibt, nennt man Nettorente. Wie Ihre Sozialversicherungsbeiträge ausfallen, haben Sie auch als Rentner ein Stück weit selbst in der Hand. Der Pflegeversicherungsbeitrag wird 2021 unverändert bleiben. Der allgemeine Krankenkassenbeitrag von 14,6 % bleibt ebenfalls unverändert.

Nicht so die sogenannten kassenindividuellen Zusatzbeiträge, die so bezeichnet werden, weil jede Kasse in bestimmten Grenzen hierüber selbst befinden kann. Diese werden 2021 auf breiter Front steigen. Im Schnitt rechnet das Bundesgesundheitsministerium mit einem Anstieg von 1,1 % auf 1,3 %, also um 0,2 Prozentpunkte. Tatsächlich werden einige Kassen ihren Beitrag deutlich erhöhen, andere nur geringfügig oder gar nicht.

Wenn Ihre gesetzliche Krankenkasse ihren Beitrag erhöht, haben Sie als Versicherter ein Sonderkündigungsrecht, wobei Sie eine Kündigungsfrist von zwei vollen Monaten immer einhalten müssen.

Das bedeutet: Wird Ihnen im März 2021 die Beitragserhöhung mitgeteilt, so können Sie zum 31.5.2021 Ihrer Krankenkasse kündigen. Voraussetzung ist dabei, dass Ihr Kündigungsschreiben noch im März 2021 bei Ihrer Kasse eingeht. Bei einem Eingang im April wird die Kündigung erst zum 30.6.2021 wirksam.

Wechseln Sie zu einer Krankenkasse mit einem um einen Prozentpunkt niedrigeren Beitragssatz, so sparen Sie – da die Hälfte des Versicherungsbeitrags von der Rentenversicherung übernommen wird – immerhin 0,5 % Abzüge ein. Bei einer Bruttorente von 1.000,– € sind das immerhin 50,– € im Jahr. Eine Übersicht über die Zusatzbeiträge der einzelnen Kassen erhalten Sie, wenn Sie im Internetbrowser eingeben: "Zusatzbeitrag: Liste der Krankenkassen nach Beitragssatz".

Die Besteuerung der Renten

Etwa jeder vierte Rentner wird bisher vom Fiskus zur Kasse gebeten. Im kommenden Jahr wird die Zahl der Steuer zahlenden Rentner wohl etwas geringer werden. Dafür sorgt der 2021 deutlich steigende steuerliche Grundfreibetrag sowie der für die meisten Steuerpflichtigen wegfallende Solidaritätsbeitrag.

Hiervon profitieren insbesondere Rentner, die neben dem gesetzlichen Altersruhegeld noch weitere Renten erhalten bzw. noch weitere steuerpflichtige Einkünfte haben. Bei einer unveränderten Rente sorgt allein der um 288,– € steigende Grundfreibetrag (von 9.408,– € auf 9.696,– €) dafür, dass 2021 zwischen 40,– € und 120,– € weniger an Steuern anfallen.

Höherer Steueranteil für Neurentner

Wer 2021 in den Ruhestand geht, muss einen höheren Anteil seiner Rente versteuern. Ab Januar 2020 steigt der steuerpflichtige Rentenanteil von 80 auf 81 Prozent. Somit bleiben nur 19 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei. Bei Bestandsrenten bleibt der festgesetzte steuerfreie Rentenbetrag bestehen. 2040 werden die Renten komplett steuerpflichtig sein.

Die Grundrente 2021

Wer mindestens 33 Jahre gearbeitet hat und trotzdem wenig Rente erhält, soll im kommenden Jahr einen Zuschlag zur Rente erhalten. Die entsprechende Neuregelung tritt zum 1.1.2021 in Kraft. Die Umsetzung des Gesetzes ist allerdings mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand verbunden, da aus knapp 26 Millionen Renten diejenigen herauszufiltern sind, die einen Anspruch auf den Grundrentenzuschlag haben.

Daher werden die ersten Grundrentenbescheide voraussichtlich ab Juli 2021 an Rentnerinnen und Rentner versandt, die erstmals eine Rente erhalten. Die Bestandsrentner werden ihre Bescheide voraussichtlich in einem Zeitraum bis Ende 2022 erhalten. Die Beträge, auf die ab Januar 2021 ein Anspruch besteht, werden in allen Fällen nachgezahlt.

Der Zuschlag zur Rente muss nicht beantragt werden. Die Rentenversicherung prüft automatisch, ob ein Anspruch besteht. Auch die Berechnung und Zahlung erfolgen automatisch. Für Rentnerinnen und Rentner besteht somit kein Handlungsbedarf.

Die Grundsicherung ab 2021

Etliche Hunderttausend Rentner werden 2021 erstmals Anspruch auf Grundsicherung im Alter haben. Dafür sorgt die ab 2021 geltende Regelung zu Grundrentenzeiten.

Allerdings werden sich die Betroffenen mit der Auszahlung der Grundsicherung im Alter gedulden müssen, denn in welchem Ausmaß Rentner Grundrentenzeiten auf ihrem Rentenkonto haben, muss zunächst die Deutsche Rentenversicherung klären – und das kann bis 2022 dauern. Dann winkt den Betroffenen aber ggf. eine Nachzahlung von mehreren Tausend Euro.

Hintergrund: Mit dem Grundrentengesetz wurde nicht nur ein Rentenzuschlag für manche Bezieher niedriger Alterseinkünfte beschlossen. Zugleich wurde auch geregelt, dass alle Rentner, auf deren Rentenkonto mindestens 33 Jahre mit Grundrentenzeiten verzeichnet sind, einen Anspruch auf einen Rentenfreibetrag bei der Grundsicherung haben.

Neue Freibetragsregelung beim Wohngeld 2021

Eine entsprechende Freibetragsregelung gilt ab 2021 auch beim Wohngeld – und auch hier gilt: Die kommunalen Wohngeldämter werden Anfang 2021 noch nicht in der Lage sein, die Freibetragsregelung verwaltungsmäßig umzusetzen. Den Anspruch auf eine spätere Nachzahlung des staatlichen Miet- oder Lastenzuschusses ab Januar 2021 haben Sie nur, wenn Sie im Januar 2021 einen Antrag auf Wohngeld stellen.

Reguläre Altersgrenze angehoben

Die Altersgrenze für die reguläre Altersrente steigt ab dem 1.1.2021 auf 65 Jahre und zehn Monate. Das gilt für Versicherte, die 1956 geboren wurden und im nächsten Jahr 65 werden.

Für diejenigen, die später geboren wurden, erhöht sich das Eintrittsalter weiter. 2031 ist die reguläre Altersgrenze von 67 Jahren erreicht.

Altersgrenze für langjährig Versicherte steigt

Die Altersgrenze für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte steigt. Bei der abschlagsfreien Rente ab 63 für besonders langjährig Versicherte steigt die Altersgrenze für 1958 Geborene auf 64 Jahre.

Für diejenigen, die später geboren wurden, erhöht sich das Eintrittsalter weiter, bis 2029 dann die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht sein wird.

Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte kann in Anspruch nehmen, wer mindestens 45 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert war.

Beitragssatz bleibt auch 2021 stabil

Der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung beträgt ab dem 1.1.2021 weiterhin 18,6 Prozent in der allgemeinen Rentenversicherung.

Ab 2021 steigt die Beitragsbemessungsgrenze

Die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung steigt ab dem 1.1.2021 in den alten Bundesländern von monatlich 6.900 auf 7.100 Euro und in den neuen Bundesländern von monatlich 6.450 auf 6.700 Euro.

Die Beitragsbemessungsgrenze bestimmt den Höchstbetrag, bis zu dem Arbeitseinkommen bei der Berechnung des Rentenversicherungsbeitrags berücksichtigt wird. Für darüber hinausgehendes Einkommen werden keine Beiträge gezahlt.

Freiwillige Rentenversicherung: Höchstbetrag steigt

Der Höchstbetrag zur freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Rente steigt für das Jahr 2021 in den alten und neuen Bundesländern von 1.283,40 Euro auf 1.320,60 Euro im Monat. Der Mindestbeitrag zur freiwilligen Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung ab dem 1. Januar 2021 beträgt weiterhin 83,70 Euro monatlich.

Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung können alle zahlen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben und mindestens 16 Jahre alt sind. Sie dürfen allerdings nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig sein. Ausgeschlossen von der Möglichkeit sind auch Versicherte, die die reguläre Altersgrenze erreicht haben und eine volle Altersrente beziehen.

auch interessant:

News Rentenerhöhungen 2020 in Ost und West

News Werden die Renten 2022 und 2023 steigen?

(MS)

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema