Schutz vor Inflation: Breit gestreut in Rohstoffe investieren
Rohstoffe werden teurer und teurer.

Schutz vor Inflation: Breit gestreut in Rohstoffe investieren

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Durch das massive Gelddrucken der Europäischen Zentralbank wird der Euro zunehmend weniger wert. Die Inflation droht außer Kontrolle zu geraten. Wie können Anleger gegensteuern?

Vor allem wer wenig Einkommen hat, spürt besonders deutlich, wenn Güter des täglichen Bedarfs mehr kosten, seien es Lebensmittel, Strom, die Kosten für das Heizen oder für den Stopp an der Tankstelle. Eine hohe Preissteigerungsrate wirkt wie eine zusätzliche Steuer für Geringverdiener, Rentner und Sparer. Die Europäische Zentralbank (EZB) aber schaut der Geldentwertung aus Rücksicht auf die maroden Staatsfinanzen der EU-Südländer tatenlos zu.

In den vergangenen Jahren hat zudem der von der EZB festgelegte Minuszins das Sparen unattraktiv gemacht. Durch die stark steigenden Inflationsraten schmilzt das vorhandene Geldvermögen der Bundesbürger umso schneller zusammen, je stärker die Teuerungsraten ausfallen. Darüber hinaus greifen die Banken mit der Berechnung von Verwahrentgelten dem Anleger zusätzlich in die Tasche.

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Welche Kapitalanlagen schützen vor Inflation?

Anlagen in Rohstoffe waren in der Vergangenheit ein guter Inflationsschutz, da die Preise für Rohstoffe oft überproportional – also stärker als die durchschnittliche Inflationsrate – stiegen. Bei der Anlage in Rohstoffe sollten Sie nicht in einen Favoriten, sondern in mehrere Rohstoffe investieren. Denn jeder Rohstoff profitiert unterschiedlich von der globalen wirtschaftlichen Lage oder von politischen Veränderungen. So gewinnen grundsätzlich Industriemetalle und Erdöl durch boomende Wachstumsländer an Wert, während Gold in Krisenzeiten eher als sicherer Hafen angesehen wird.

Aus praktischen Gründen werden Rohstoffe seit über 100 Jahren in Form von Terminkontrakten (Futures) an den Börsen gehandelt. So wird die Handelbarkeit von Rohstoffen erheblich vereinfacht. Mit einem Future auf Kupfer kaufen Anleger beispielsweise den Rohstoff nicht zur sofortigen Lieferung, sondern Kupfer, das erst zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt geliefert und bezahlt werden muss.

Beim Erwerb eines Futures über eine Börse ist im Gegensatz zu einem physischen Erwerb nur ein geringer Kapitaleinsatz nötig. Der Großteil des nicht benötigten Kapitals kann somit zinsbringend angelegt werden. Seit der Auflegung von Exchange Traded Funds (ETFs) oder Exchange Traded Commodities (ETCs) ist der Rohstoffhandel über Futures nicht mehr zwingend notwendig. Mit ETFs und ETCs ist es institutionellen Investoren und auch Privatanlegern ganz einfach möglich, den globalen Rohstoffmarkt komfortabel und besonders kostengünstig abzubilden.

Welche Fallstricke lauern bei Rohstoff-Anlagen?

Allerdings bewahren auch diese Papiere den Anleger nicht vor den besonderen Fallstricken, die bei der Anlage in Rohstoffe lauern. Denn oft klafft eine größere Lücke bei der Wertentwicklung zwischen den als Basiswerten hinterlegten Rohstoffindizes und der tatsächlichen Entwicklung an den Terminmärkten.

Grund für diese Lücke ist eine Besonderheit von Rohstoffinvestments. Die ETFs berechnen sich nicht nach dem Wert z.B. von realen Säcken Mais oder von Schweinehälften, sondern nach dem Wert von Rohstoff-Futures. Das sind standardisierte Verträge, die an den Terminbörsen gehandelt werden und genau regeln, zu welchem Zeitpunkt und zu welchem Preis welche Menge des entsprechenden Rohstoffs geliefert werden muss. Doch an dem vereinbarten Liefertermin wollen die Indexanbieter keine Baumwoll-Ballen oder Kupferdraht-Rollen vor der Tür stehen haben. Sie verkaufen deshalb den Future in der Regel kurz vor dem Ende der Laufzeit wieder. Der Verkaufserlös wird direkt in einen neuen Future mit späterer Fälligkeit investiert.

Ohne diesen regelmäßigen Wechsel könnten die Emittenten weder Rohstoffzertifikate noch Rohstoff-ETFs ohne Laufzeitbegrenzung anbieten. Liegen nun beim Future-Wechsel die Preise der länger laufenden Kontrakte über denen der früher fälligen (sog. Contango), bekommt der Käufer für seinen Future eine geringere Menge an Rohstoffen als Gegenwert. Der Fachmann spricht in diesem Fall von einer negativen Rollrendite. Dieser Verlust schlägt sich im ETF nieder. Anleger sollten also nicht glauben, dass sie mit einem Rohstoff-ETF zu 100 % von steigenden Preisen profitieren. Natürlich kann auch der umgekehrte Fall eintreten, dass der nachfolgende Future-Kontrakt billiger gehandelt wird (sogenannte Backwardation).

Wer diese Future-Problematik lieber ausschließen möchte, kann indirekt über Aktien von Rohstoffunternehmen, wie z.B. der englischen Rio Tinto Group (WKN: 852147), von steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Im Gegenzug kauft sich der Investor jedoch das Unternehmensrisiko mit ein. Das heißt, er muss die jeweiligen Unternehmensdaten wie bei anderen Aktien im Blick behalten.

Umso wichtiger ist es für Langfristinvestoren, Papiere auf Rohstoffindizes zu wählen, die den sog. Total-Return-Index berechnen. Bei diesen Indizes fließen neben den Rohstoffpreisen und den Gewinnen oder Verlusten beim Future-Wechsel auch Zinserträge ein. Denn beim Future-Kauf über die Terminbörse muss nur ein geringer Prozentsatz der Anlagesumme als Sicherheit hinterlegt werden. Der Rest wird zinsbringend angelegt. Bei Total-Return-Indizes kassiert dieses Zubrot nicht der Emittent, sondern der Käufer der ETFs.

Seit einiger Zeit sind auf der elektronischen Handelsplattform Xetra auch sogenannte Exchange Traded Commodities (ETCs) handelbar. Auf den ersten Blick sehen diese Papiere wie Rohstoff-ETFs aus, sind es aber nicht.

Der wesentliche Unterschied ist die rechtliche Struktur der ETCs: ETCs sind unbefristete, besicherte Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten und nicht Sondervermögen in Form einer Fondsstruktur wie bei ETFs. Ihr Nachteil gegenüber ETFs ist das Risiko, dass der Emittent von ETCs insolvent wird und das Geld dann im schlimmsten Fall verloren ist.

Welche Rohstoff-Indexfonds kommen infrage?

Einer der am meisten gehandelten Rohstoff-Indexfonds ist der iShares Diversified Commodity Swap ETF (WKN: A0H072). Der diesem Produkt zugrundeliegende Bloomberg Commodity Index misst die Wertentwicklung breit diversifizierter Rohstoffmärkte, zu denen die Sektoren Energie, Landwirtschaft, Industriemetalle, Edelmetalle und Nutztiere zählen. Der Index spiegelt die Gesamtrendite einer vollständig besicherten Position in 22 Futures-Verträgen auf über 20 verschiedene Rohstoffe wider. Die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe erfolgt auf Basis der Produktionszahlen und Handelsvolumen.

Zur Vermeidung von Klumpenrisiken beträgt die Maximalgewichtung eines Einzelrohstoffs 15 %. Zudem darf kein Sektor die Obergrenze von 33 % übersteigen. Einmal jährlich wird der Index angepasst. Die Gesamtkostenquote des ETF beträgt 0,46 %.

Der Lyxor Equal-weight Commodity-Rohstoff-ETF

Eine weitere Möglichkeit, um gezielt an einer Vielzahl von Rohstoffen zu partizipieren, bietet der Rohstoff ETF von Lyxor (WKN: ETF090). Als Grundlage dient der Referenzindex Bloomberg Energy and Metals Equal-Weighted Total Return Index.

Dieser Index zielt darauf ab, die Wertentwicklung eines gleichgewichteten Korbs von zwölf Energie- und Metall-Warenterminkontrakten (Basis- und Edelmetall-Warenterminkontrakten) abzubilden. Die Energiebestandteile bestehen aus WTI-Rohöl, Brent-Rohöl, schwefelarmem Gasöl und Erdgas, während die Metallkomponenten Gold, Silber, Platin, Palladium, Kupfer, Zink, Nickel und Aluminium umfassen.

Wie umschiffe ich Währungsrisiken bei Rohstoff-Anlagen?

Da die meisten gehandelten Rohstoffe in US-Dollar notieren, ergibt sich für Anleger aus dem Euroraum ein möglicher Währungseinfluss, der sich aus der Entwicklung des Euro-/US-Dollar-Wechselkurses ergibt. Dies kann für den Anleger sowohl von Vorteil, aber auch von Nachteil sein.

Anleger, die beispielsweise in den Lyxor-Rohstoff-ETF investieren, sollten sich also bewusst sein, dass sich durch die Wechselwirkungen zwischen den beiden involvierten Währungen Währungschancen oder Währungsrisiken ergeben können:

Sinkender Euro-/US-Dollar-Wechselkurs: Ein sinkender Euro-/US-Dollar-Wechselkurs, also ein starker US-Dollar, wirkt sich positiv auf ein Euro-Investment aus.

Steigender Euro-/US-Dollar-Wechselkurs: Ein steigender Euro-/US-Dollar-Wechselkurs, also ein schwacher US-Dollar, reduziert den Anlagewert für einen Euro-Investor.

Der währungsgesicherte Lyxor Equal-weight Rohstoff-ETF

Für Anleger, die Euro/US-Dollar-Währungseinflüsse weitgehend vermeiden möchten, bietet Lyxor einen währungsgesicherten Rohstoff-ETF an (WKN: ETF099). Mit diesem währungsgesicherten Rohstoff-ETF profitieren Anleger von der reinen Preisentwicklung von Rohstoffen. Da der ETF den US-Dollar-Einfluss weitgehend neutralisiert, müssen Sie sich mit der Entwicklung von Wechselkursen nicht auseinandersetzen. Ansonsten ist die Zusammensetzung des ETFs analog der nicht währungsgesicherten Variante.

Die Anlage in Exchange Traded Commodities (ETCs)

Anstatt breit gestreut in Rohstoffe Geld anzulegen, können Sie auch gezielt in einzelne Rohstoffe investieren. Dies geht mithilfe sogenannter Exchange Traded Commodities (ETCs). Ihre Funktionsweise ähnelt der eines ETF: Sie können ebenfalls direkt an der Börse gehandelt werden und bilden den zugrundeliegenden Rohstoff annähernd nach. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass ETCs rechtlich gesehen unbefristete Schuldverschreibungen und anders als ETFs eben keine Investmentfonds sind.

Im Falle einer Insolvenz des Emittenten gibt es daher kein Sondervermögen, das ausschließlich den Anlegern gehört. Stattdessen fällt der komplette Anlagebetrag in die Insolvenzmasse des Emittenten. Um dieses Problem zu lösen, haben Emittenten rechtlich eigenständige Einheiten gegründet. Ein Beispiel dafür ist die Deutsche Börse Commodities GmbH, die als Tochter der Deutsche Börse AG einen der bekanntesten Gold-ETCs aufgelegt hat: Xetra-Gold.

Betrachtet man das Anlagevolumen, so ist klar erkennbar, dass die große Mehrheit der Anleger bei Rohstoff-ETCs vor allem auf Goldprodukte setzt. Der weltweit erste ETC auf physisches Gold, der Gold Bullion Securities (WKN: A0LP78), wurde 2003 in Australien aufgelegt. Basiswert ist der Gold Bullion Securities, der von fünf Banken festgelegte Goldspotpreis abzüglich Gebühren. Dieser ETC wird auch an deutschen Börsen gehandelt. Das Produkt ist zu 100 % physisch besichert. Das Gold liegt außerhalb des Zugriffs für den Emittenten, sodass der Investor im Insolvenzfall vor einem Verlust geschützt ist.

Wichtigster Konkurrent gegenüber dem ETC auf den Gold-Bullion Securities ist Xetra-Gold (WKN: A0S9GB) von der Deutschen Börse Commodities. Jeder Anteilschein räumt dem Investor das Recht ein, das Papier in ein Gramm physisches Gold zu wandeln. Die Anteilscheine sind mit zertifizierten Goldbarren physisch hinterlegt. Macht ein Investor seinen Anspruch auf Lieferung der verbrieften Menge Gold geltend, wird der Transport des Goldes zur jeweiligen Lieferstelle, d.h. der Geschäftsstelle einer Bank, vorgenommen. Eine Lieferung an die Privatadresse ist nicht möglich. Sich kleinere Mengen Gold ausliefern zu lassen, macht jedoch aufgrund hoher Kosten wenig Sinn.

Eine Alternative dazu bietet die Börse Stuttgart mit EUWAX-Gold (WKN: EWGOLD) an. Goldauslieferungen sind hier ab 100 Gramm möglich. Das heißt, der Anleger benötigt mindestens 100 ETCs bzw. ein Vielfaches davon zur Wandlung. Dafür erfolgt die Lieferung kostenlos, und dies auch an jede Privatadresse.

(MS)

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