Policendarlehen: Wie komme ich an eine Sofortauszahlung?
Bei einem Policendarlehen dient eine Lebensversicherung als Sicherheit.

Policendarlehen: Wie komme ich an eine Sofortauszahlung?

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Wer einen finanziellen Engpass hat, könnte einen Ratenkredit aufnehmen. Die oft günstigere Alternative: Sofern er eine laufende Kapitallebensversicherung oder eine private Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht besitzt, kann er auch diese zu Geld machen.

Die Kündigung einer kapitalbildenden Versicherung ist nicht zu empfehlen, da eine Sofortauszahlung durch den Versicherer lediglich zum aktuellen Rückkaufswert erfolgt, der möglicherweise unter der Summe der bisher gezahlten Beiträge liegt.

Besser ist ein Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt zu einem im Vergleich zum Rückkaufswert um 2 bis 10 % höheren Verkaufspreis. Jeder zweite Lebens- oder Rentenversicherung in Deutschland wird vor ihrem Ablauf gekündigt oder verkauft.

Meist ist die Beleihung der Police bis zum aktuellen Rückkaufswert über eine darauf spezialisierte Bank noch besser als ein Verkauf, da der bestehende Versicherungsvertrag bis zum Ende der Laufzeit weiterläuft. Bei älteren Verträgen mit einer hohen Garantieverzinsung von noch 3 % machen Kündigung oder Verkauf wenig Sinn.

Bringt ein Policenverkauf mehr Geld als eine Kündigung?

Seit 1999 ist der Verkauf von kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen über den Zweitmarkt erlaubt. Da sich auf diesem Markt auch einige unseriöse Anbieter tummeln, sollte man grundsätzlich nur Firmen wählen, die Mitglieder im Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt (BVZL) sind.

Markführer ist die Winninger AG. Die Versicherungsmakler aus Hamburg kaufen die Policen zu Preisen, die mindestens 2,8 % über dem Rückkaufswert liegen. Je nach Police können es auch bis zu 10 oder gar 15 % mehr sein. Die Auszahlung erfolgt in einer Summe und der Todesfallschutz bleibt trotz Verkauf erhalten.

Weitere Anbieter, die ebenfalls dem BVZL angehören, sind beispielsweise Policen Direkt und cash life. In der Regel werden nur klassische Kapitallebensversicherungen oder private Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht angekauft. Außerdem müssen sie eine Mindest-Restlaufzeit von beispielsweise und einen Mindest-Rückkaufswert aufweisen, die je nach Anbieter unterschiedlich hoch sind.

Sind bei einem Policendarlehen die Zinsen niedriger als bei Ratenkrediten?

Beim Policendarlehen leiht sich der Versicherungsnehmer praktisch das eigene Geld von seinem Versicherer oder einer Spezialbank. Ein solches Darlehen stellt quasi Eigenkapitalersatz oder Vorauszahlung auf die spätere Ablaufleistung dar.

Ein Schufa-Eintrag wie beim Ratenkredit ist meist nicht erforderlich. Oft liegt der Zinssatz bei Spezialbanken, die Policendarlehen vergeben, unter 3 % und damit niedriger als bei Ratenkrediten. Außer Zinsen sind beim Policendarlehen keine laufenden Tilgungen zu zahlen, da die endfällige Tilgung bzw. Ablösung durch die Ablaufleistung der Lebens- oder Rentenversicherung auf einen Schlag erfolgt.

Policen zu klassischen Kapitallebensversicherungen oder Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht werden typischerweise zu 94 bis 100 % des aktuellen Rückkaufswertes beliehen. Bei fondsgebundenen Kapitallebens- und Rentenversicherungen liegt der Beleihungswert jedoch nur bei 60 bis 65 % des Rückkaufswertes. Direktversicherungen zur Betriebsrente, Riester-Rentenversicherungen und Rürup-Rentenversicherungen können grundsätzlich nicht beliehen werden.

Die beliehene Kapitallebens- oder Rentenversicherung bleibt bis zum vertraglichen Ablaufdatum bestehen und dient mit dem aktuellen Rückkaufswert als Sicherheit für das Policendarlehen. Der vertraglich fixierte Garantiezins sowie die Steuervorteile bleiben ebenfalls bestehen. Laufende Beiträge können weiter gezahlt werden, um die spätere Ablaufleistung zu erhöhen. Man kann den Vertrag aber auch beitragsfrei stellen.

Am zinsgünstigsten ist zurzeit ein Policendarlehen über die Volksbank Weschnitztal. Bei diesem sog. LV-Kredit liegen der Sollzins bei 2,46 % und der Effektzins bei 2,49 %. Als Darlehensnehmer haben Sie die Wahl zwischen laufender Zinszahlung (Variante 1) und endfälligem Darlehen ohne laufende Zinszahlung (Variante 2). Ein Musterbeispiel mag die laufende Zinszahlung erläutern.

Bei einem aktuellen Rückkaufswert von 51.400,- € für eine klassische Kapitallebensversicherung wird ein Policendarlehen von 50.000,- € für eine Restlaufzeit von drei Jahren vergeben. Bei laufender Zinszahlung fallen monatlich 102,50 € und insgesamt 3.690,- € an Zinskosten an. Eine Sondertilgung oder gar vollständige Rückzahlung ist bereits nach 13 Monaten ohne Berechnung von Vorfälligkeitsentschädigungen möglich.

Es gibt keine Eintragung bei der Schufa, falls die Sicherheitsabtretung durch Vorlage des Original-Versicherungsscheins erfolgt und damit eine sichere Bedienung des Policendarlehens gewährleistet ist.

Policendarlehen über die SWK-Bank sind mit 2,66 % Sollzins und 2,69 % Effektivzins nur geringfügig teurer. Allerdings kann das Wunschdarlehen über 100 % des Rückkaufswertes gehen. Der Darlehensnehmer kann auch hier zwischen Policendarlehen mit monatlicher Zinszahlung (Typ B) und ohne monatliche Zinszahlung (Typ C) wählen. Kostenlose Sondertilgungen bei vorzeitiger Rückzahlung sind während der Laufzeit möglich. Ein Schufa-Antrag erfolgt nicht.

Grundsätzlich werden Policendarlehen ohne Prüfung der Kreditwürdigkeit und Verwendungsabsicht des Antragstellers vergeben. Der Versicherungsvertrag läuft unabhängig vom Darlehen weiter, sodass der Versicherungsschutz in vollem Umfang bestehen bleibt.

(MS)

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