Student und nebenbei selbstständig

Arbeiten und BAföG, Art der selbstständigen Tätigkeit, Steuern zahlen und zurückholen, Kleinunternehmer, Gewinnermittlung, Kosten fürs Studium absetzen usw.

Arbeiten und BAföG

wie viel Du hinzuverdienen darfst

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Falls Du BAföG-Leistungen beziehst, erkundige Dich bitte beim BAföG-Amt, wie viel Du in Deinem Fall anrechnungsfrei dazuverdienen kannst. Wird die maßgebende Verdienstgrenze überschritten, mindert der übersteigende Betrag nämlich Deine BAföG-Leistung.

Grundsätzlich sind in einem Jahr bis zu 4.880 € Bruttoverdienst (durchschnittlich 406 € monatlich) unschädlich. Für verheiratete Studenten und Studenten mit Kind gelten etwas höhere Freibeträge. Maßgebender Zeitraum ist der Bewilligungszeitraum, der mit dem Monat der Antragstellung beginnt und in der Regel zwölf Monate dauert. Auf Antrag kann noch ein höheres Einkommen anrechnungsfrei bleiben, wenn Du z. B. Semestergebühren zahlen musst.

Was genau machst Du als Selbstständiger?

Freiberufler, Gewerbetreibender, Freelancer, Gewinnermittlung

Für das Steuerrecht ist es wichtig, ob Deine selbstständige Tätigkeit eine gewerbliche Tätigkeit oder eine freiberufliche Tätigkeit ist.

Abgrenzung: Bist Du freiberuflich oder gewerblich tätig?

Zwar gibt es eigentlich klare Abgrenzungsmerkmale dafür – doch wie so oft gibt es auch hier Ausnahmesituationen, bei denen es kompliziert ist, eine Abgrenzung vorzunehmen. Am einfachsten ist, wenn Du weißt, wann das Finanzamt einen Unternehmer als Freiberufler ansieht.

Das Einkommensteuergesetz listet bestimmte Tätigkeiten auf, die als freiberuflich gelten. Das sind die sogenannten Katalogberufe:

  • Heilberufe: Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte.

  • Rechts- und wirtschaftsberatende Berufe: Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratende Volks- und Betriebswirte, vereidigte Buchprüfer, Steuerbevollmächtigte.

  • Technisch-wissenschaftliche Berufe: Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Lotsen.

  • Medienberufe: Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer.

Neben den Unternehmern, die einen Katalogberuf oder einen damit vergleichbaren, also ähnlichen Beruf ausüben, gibt es eine weitere Gruppe von Selbstständigen, die Einkünfte aus freiberuflicher Arbeit erzielen. Sie umfasst Personen, die wissenschaftlich, künstlerisch, schriftstellerisch, unterrichtend oder erzieherisch tätig sind. Auf eine bestimmte Berufsausbildung oder eine staatliche Zulassung kommt es hier nicht an. Ausschlaggebend ist nur die konkrete Tätigkeit. Die Rechtsprechung legt die fünf Tätigkeitsbereiche übrigens sehr großzügig aus.

Wenn sich Deine Tätigkeit nicht diesen freiberuflichen Tätigkeiten zuordnen lässt, bist Du mit hoher Wahrscheinlichkeit gewerblich tätig.

Zu den gewerblichen Tätigkeiten gehören vor allem:

  • jede Art von Handel (Versandhandel, Ladenverkauf, Wochenmarkt usw.);

  • Vertretertätigkeit (Handels-, Versicherungs-, Bausparkassenvertreter);

  • Vermittlungstätigkeit (Immobilien-, Finanz-, Versicherungsmakler);

  • Berater in Geld- und Vermögensangelegenheiten (Anlage-, Finanzberater);

  • handwerkliche Tätigkeiten (Kfz-Mechaniker, Bäcker, Fotograf usw.);

  • EDV-Berater (bei entsprechendem Fachwissen kann auch eine freiberufliche Tätigkeit vorliegen).

Die steuerlichen Konsequenzen der Unterscheidung

Zunächst einmal: Die Abgrenzung zwischen gewerblicher und freiberuflicher Tätigkeit ist zwar oft sehr schwierig, aber in vielen Fällen letztendlich (was die steuerliche Behandlung angeht) völlig egal. Denn bei einem relativ niedrigen Gewinn macht es steuerlich keinen Unterschied, ob man von Einkünften aus Gewerbebetrieb oder aus selbstständiger Arbeit ausgeht. Und da Du ja in der Hauptsache studierst und nicht Selbstständiger bist, hast Du vermutlich keine riesigen Umsätze und Gewinne.

Trotzdem solltest Du die Konsequenzen kennen – denn vielleicht machst Du Deine jetzige selbstständige Nebentätigkeit irgendwann zum Hauptberuf. Dann ist es gut, wenn Du die folgenden Absätze schon einmal gelesen hast:

Unterscheidung 1: Art und Weise der Gewinnermittlung

Als Freiberufler darfst Du Deinen Gewinn immer über eine sogenannte Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln – egal, wie hoch Dein Gewinn ist. (Was eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist, erklären wir Dir später noch genauer.) Ein Gewerbetreibender wird jedoch buchführungspflichtig,

  • wenn der Gewinn über 60.000 € liegt oder

  • wenn der Jahresumsatz mehr als 600.000 € beträgt.

(Diese Werte gelten ab dem 1.1.2016 – bis Ende 2015 waren es 50.000 € bzw. 500.000 €.)

Das heißt: Kommt vom Finanzamt eine Mitteilung über die Buchführungspflicht, musst Du statt der einfachen und kostengünstigen Einnahmen-Überschuss-Rechnung in Zukunft eine Bilanz abgeben. Das kostet deutlich mehr, da meist ein Steuerberater damit beauftragt werden muss.

Die wenigsten Studenten dürften einen selbstständigen Nebenjob haben, der ihnen mehr als 60.000 € Gewinn im Jahr beschert. Darum gehen wir auf das Thema Bilanz hier nicht näher ein.

Unterscheidung 2: Gewerbesteuer

Nur als Gewerbetreibender musst Du Gewerbesteuer zahlen – als Freiberufler nicht. Und sogar als Gewerbetreibender bleibst Du meist von der Zahlung verschont, denn es gibt einen Freibetrag von 24.500 €. Nur wenn Du mit Deinem Gewerbe mehr verdienst, wirst Du gewerbesteuerpflichtig.

Eine Gewerbesteuererklärung musst Du aber anfangs trotzdem abgeben – auch wenn offensichtlich ist, dass keine Gewerbesteuer anfällt. Bleibst Du erkennbar auf Dauer unter dem Gewerbesteuer-Freibetrag, solltest Du beim Finanzamt beantragen, dass für die Zukunft auf die Abgabe einer Gewerbesteuererklärung verzichtet wird. Das ist normalerweise völlig unproblematisch. Die Finanzbeamten wollen schließlich auch nicht noch mehr Arbeit auf dem Tisch haben als nötig.

Woher weiß das Finanzamt, dass Du selbstständig bist?

Gewerbeanmeldung, wann Du das Finanzamt selber informieren musst

Je nachdem, ob Du gewerblich oder freiberuflich tätig bist, erfährt das Finanzamt von Deiner beruflichen Selbstständigkeit durch folgende Maßnahmen:

So machst Du eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben

Für Studenten haben wir eine → hier eine kostenlose Sonder-Ausgabe unserer Steuererklärungs-Software zusammengestellt – darin findest Du genau die Formulare, die Du abgeben musst. Nicht mehr und nicht weniger. Ganz einfach und übersichtlich am Bildschirm auszufüllen.

Als Student, der nebenbei selbstständig ist, kannst Du das Programm benutzen, wenn Deine Einnahmen maximal 25.000 € betragen (wer mehr verdient, kauft sich bitte die normale Steuererklärungs-Software :-)). In der kostenlosen Software kannst Du Deine Einnahmen-Überschuss-Rechnung über das Teilprogramm Gewinnermittlung erstellen. Den dort ermittelten Gewinn oder Verlust importierst Du anschließend in das Hauptprogramm Steuererklärung.

Das Grundprinzip einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist einfach:

Betriebseinnahmen

./.

Betriebsausgaben

=

Gewinn oder Verlust

In der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) stellst Du den Betriebseinnahmen eines Jahres die Betriebsausgaben dieses Jahres gegenüber. Sind die Einnahmen höher als die Ausgaben, ergibt sich ein Gewinn. Dann hast Du positive Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder freiberuflicher Tätigkeit. Liegen dagegen die Betriebseinnahmen unter den Betriebsausgaben, hast Du einen Verlust erzielt. Dieser wird mit Deinen anderen positiven Einkünften des gleichen Jahres (sofern vorhanden) verrechnet. Ist das nicht vollständig möglich, wird der verbleibende Verlust ins Vorjahr zurück- bzw. in die Folgejahre vorgetragen.

Für die EÜR gibt es ein amtliches Formular, die Anlage EÜR. Aber nur Selbstständige mit Betriebseinnahmen von mindestens 17.500 € müssen ihrer Steuererklärung eine Gewinnermittlung auf diesem Formular beifügen. Liegen Deine Betriebseinnahmen unter dieser Grenze, darfst Du Deine EÜR völlig frei gestalten und bist nicht an die offizielle Anlage EÜR gebunden. Selbstverständlich kannst Du aber auch ohne Verpflichtung freiwillig das offizielle Formular abgeben.

Das Formular ist aber nur eine Art Hilfsmittel, mit dem Du Deinen Gewinn oder Verlust berechnest. Das Ergebnis gehört wieder in ein anderes Formular:

Bist Du steuerlich ein Kleinunternehmer?

Umsatzgrenze, Umsatzsteuer und Ausnahmenregelungen

Die Kleinunternehmer-Regelung betrifft den Bereich Umsatzsteuer. Das Umsatzsteuerrecht ist ziemlich kompliziert und umfangreich. Halbwissen ist gefährlich und kann Dich viel Geld kosten, denn der Gesetzgeber verlangt von einem Unternehmer, dass er die umsatzsteuerlichen Vorschriften kennt und beachtet.

Deshalb verzichten wir an dieser Stelle auf den aussichtslosen Versuch, im Schnelldurchgang das gesamte Umsatzsteuersystem zu erklären, und beschränken uns auf die Beschreibung der Kleinunternehmer-Regelung. Diese hat besonders bei selbstständigen Nebentätigkeiten große Bedeutung. Und wenn Du zu dem Ergebnis kommst, dass Du kein Kleinunternehmer sein möchtest, sondern zur normalen Umsatzsteuer optieren willst, brauchst Du sowieso ausführlichere Informationen. Die gibt es dann → hier zu kaufen.

Voraussetzungen

Du bist im laufenden Jahr Kleinunternehmer, wenn

  • Dein Vorjahresumsatz nicht höher als 17.500 € war und

  • Dein Umsatz im laufenden Jahr voraussichtlich nicht höher als 60.000 € ist (laut Prognose zu Jahresbeginn).

Im Jahr der Existenzgründung gibt es keinen Vorjahresumsatz. Die 17.500-Euro-Grenze bezieht sich daher ausnahmsweise auf das Jahr der Betriebseröffnung. Da die Einnahmen im ersten Jahr noch nicht endgültig feststehen, tritt an die Stelle des tatsächlichen Umsatzes eine Schätzung. Wurde der Betrieb nicht bereits im Januar eröffnet, ist der geschätzte Umsatz auf ein Jahr hochzurechnen: geschätzter Jahresumsatz geteilt durch die Zahl der Tätigkeitsmonate multipliziert mit 12.

Sobald Du in einem Jahr die Umsatzgrenze von 17.500 € überschritten hast, bist Du ab dem folgenden Jahr nicht mehr Kleinunternehmer. Diese Grenze solltest Du bei jedem Jahreswechsel selbst überprüfen, denn das Finanzamt wird Dir nicht mitteilen, dass Du ab irgendeinem Zeitpunkt X die normalen Umsatzsteuerregeln anwenden musst. Falls Dein Umsatz in einem späteren Jahr wieder unter der Umsatzgrenze von 17.500 € bleibt, zählst Du ab dem darauffolgenden Jahr erneut zu den Kleinunternehmern.

Spezialregeln für Kleinunternehmer

Als Kleinunternehmer profitierst Du von Vereinfachungen bei der Umsatzsteuer. Das musst Du beachten:

  • Du darfst in Deinen Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen.

  • Du kannst keinen Vorsteuerabzug geltend machen.

  • Du musst nur eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung abgeben, aber keine Voranmeldung. In der Jahreserklärung ist der Jahresumsatz anzugeben.

Vorsicht bei vorgedruckten Quittungsblöcken: Achte darauf, dass Du auf jeden Fall die vorgedruckte Angabe inkl. 19 %/7 % MWSt durchstreichst! Wenn Du das vergisst, musst Du wegen eines unberechtigten Steuerausweises den Umsatzsteuerbetrag an das Finanzamt aus eigener Tasche zahlen.

Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung

Als Kleinunternehmer hast Du den Nachteil, dass Du keine Vorsteuer geltend machen darfst. Du kannst auch auf die Umsatzsteuerbefreiung als Kleinunternehmer verzichten und Dich für die normale Umsatzbesteuerung entscheiden, wenn Deine Umsätze grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig sind.

Das ist die sogenannte Option zur Regelbesteuerung. Am besten teilst Du dem Finanzamt Deinen Wechsel zur Regelbesteuerung vorab schriftlich mit. Ein Wechsel ist jeweils nur mit Wirkung zu Beginn eines Kalenderjahres möglich.

Steuerliche Folgen bei der Option zur Umsatzsteuer:

  • Deine Umsätze unterliegen der Umsatzsteuer.

  • Du bist berechtigt, Vorsteuer abzuziehen.

  • Du musst Umsatzsteuer-Voranmeldungen und eine Umsatzsteuer-Erklärung abgeben.

  • Du kannst Deine Option frühestens nach fünf Jahren widerrufen. So lange kannst Du nicht zur Kleinunternehmer-Regelung zurückkehren – egal wie hoch oder niedrig Umsatz bzw. Gewinn sind.

Wo gehören die Studienkosten hin?

welche Kosten Du abziehen kannst und wo Du sie eintragen musst

Deine Kosten für Dein Studium gehören entweder zu den Sonderausgaben oder zu den Werbungskosten (was wann gilt, haben wir in der → Einleitung erklärt).

Ein Eintrag bei den Sonderausgaben ist einfach, das entsprechende Feld dafür findest Du auf dem Mantelbogen. Den muss jeder Steuerzahler abgeben.

Werbungskosten sind allerdings eine Rubrik für Angestellte, das Feld dafür ist in der Anlage N (darin werden Einnahmen aus nichtselbstständiger Tätigkeit deklariert). Als (nebenberuflich) Selbstständiger hast Du mit diesem Formular nichts zu tun. Stattdessen trägst Du Deine Studienkosten bei den Betriebsausgaben ein, die Du in Deiner Einnahmen-Überschuss-Rechnung aufzählst.

Was gehört zu den Studienkosten?

Abziehbar – entweder als Sonderausgaben oder als Betriebsausgaben – sind im Rahmen eines Studiums zum Beispiel die Kosten für die Fahrt von Deiner Wohnung zur Uni oder Hochschule, Studienliteratur und Fachbücher aus Deinem Fachbereich sowie unter bestimmten Umständen sogar die Miete für Dein Zimmer in einer WG oder einem Studentenwohnheim.

Das sind bei allen Studenten mehr oder weniger die gleichen Punkte – wir haben daher in einem eigenen Beitrag zusammengefasst, was Du eintragen kannst. Du findest ihn → hier.

Wichtig: Du musst dem Finanzamt gegenüber nachweisen, dass Du dieses Geld tatsächlich ausgegeben hast. Hebe also jeden Beleg und jede Quittung auf.

Wenn Dir keine Kosten entstanden sind, kannst Du nichts in der Steuererklärung angeben.

Lara wird von ihrem Vater zu einem Wochenendseminar gefahren. Ihr entstehen dabei keine Kosten. Konsequenz: Sie kann für diese Fahrt keine Werbungskosten / Betriebsausgaben absetzen.

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