Du verdienst als Student mehr als 450 € im Monat

Jobben und BAföG, welche Angaben Dein Arbeitgeber braucht, Steuern zahlen und zurückholen, Lohnsteuerkarte, Kosten fürs Studium absetzen, warum Deine Eltern dieses Kapitel lesen sollten, Zusammenhang mit Kindergeld und Krankenkasse usw.

Jobben und BAföG

wie viel Du dazuverdienen darfst

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Falls Du BAföG-Leistungen beziehst, erkundige Dich bitte beim BAföG-Amt, wie viel Du in Deinem Fall anrechnungsfrei dazuverdienen kannst. Wird die maßgebende Verdienstgrenze überschritten, mindert der übersteigende Betrag nämlich Deine BAföG-Leistung.

Grundsätzlich sind in einem Jahr bis zu 4.880 € Bruttoverdienst (durchschnittlich 406 € monatlich) unschädlich. Für verheiratete Studenten und Studenten mit Kind gelten etwas höhere Freibeträge. Maßgebender Zeitraum ist der Bewilligungszeitraum, der mit dem Monat der Antragstellung beginnt und in der Regel zwölf Monate dauert. Auf Antrag kann noch ein höheres Einkommen anrechnungsfrei bleiben, wenn Du z. B. Semestergebühren zahlen musst.

So zahlst Du Steuern (und holst sie Dir wieder zurück)

Höhe der Steuern, Steuererklärung, Kosten für Dein Studium

Wenn Du eine Arbeitsstelle antrittst, musst Du Deinem Arbeitgeber Deine Steuer-Identifikationsnummer und Dein Geburtsdatum angeben und ihm sagen, ob es sich bei der Stelle um das erste Beschäftigungsverhältnis handelt. Dabei geht es nicht, darum, ob Du überhaupt schon einmal für einen anderen Arbeitgeber gearbeitet hast, sondern ob Du mehrere Jobs parallel ausübst.

Anhand dieser Angaben kann der Arbeitgeber die Lohnsteuerabzugsmerkmale, die er für die Berechnung Deiner Lohnsteuer braucht, elektronisch abrufen – also beispielsweise Deine Steuerklasse und Deine Religionszugehörigkeit.

Eine Lohnsteuerkarte aus Pappe oder eine Papierbescheinigung des Finanzamts muss schon seit einigen Jahren nicht mehr beim Arbeitgeber vorgelegt werden (könnte sein, dass Deine Eltern Dich darauf ansprechen, darum erwähnen wir es hier überhaupt).

Wie hoch sind Deine Steuern?

Bei niedrigen Monatsgehältern wird bei unverheirateten Studenten meistens gar keine Steuer vom Arbeitgeber einbehalten. 2015 zum Beispiel wird Lohnsteuer nach Steuerklasse I (gilt bei unverheirateten, kinderlosen Arbeitnehmern mit nur einem Job) erst ab einem Jahresverdienst von etwas über 11.000 € einbehalten.

Verdienst Du mehr, wird vom Arbeitgeber erst einmal Lohnsteuer einbehalten, der Solidaritätszuschlag abgeführt und ggf. auch Kirchensteuer.

Mit der Steuererklärung gibt es Geld zurück

Mit Abgabe einer Einkommensteuererklärung bekommst Du in den meisten Fällen die abgeführte Lohnsteuer vom Finanzamt erstattet.

Die Steuererklärung (offiziell heißt sie: Antrag auf Einkommensteuerveranlagung) kann frühestens nach Ablauf des Kalenderjahres und muss innerhalb von vier Jahren beim Finanzamt eingereicht werden. Wenn Du also im Jahr 2015 gearbeitet hat, musst Du die Steuererklärung spätestens bis zum 31.12.2019 abgegeben bzw. elektronisch übermittelt haben. Wir haben dazu übrigens einen kostenlosen Fristenrechner, den Du → hier findest.

Liegt Dein sogenanntes zu versteuerndes Einkommen unterhalb des Grundfreibetrages (2015: 8.472 € für Ledige; ab 2016: 8.652 €), wird die einbehaltene Lohnsteuer in voller Höhe erstattet. Das bedeutet: Bis zu einem Bruttoarbeitslohn von 9.508 € (8.472 € + 1.000 € Arbeitnehmerpauschbetrag + 36 € Sonderausgaben-Pauschbetrag) wird in jedem Fall die einbehaltene Lohn- und Kirchensteuer sowie der Solidaritätszuschlag vollständig erstattet.

Aber auch, wenn Du mehr verdienst, kannst Du viele oder sogar alle Steuern zurückbekommen. Das funktioniert zum Beispiel, wenn Du Werbungskosten hast, die über dem eben im Rechenbeispiel genannten Pauschbetrag von 1.000 € liegen.

Werbungskosten sind (ein bisschen vereinfacht ausgedrückt) alle Ausgaben, die Dir für Deinen Job entstehen. Dazu gehören zum Beispiel Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit, bestimmte Arbeitskleidung (z. B. Sicherheitsschuhe), Teile Deiner Telefon- und Internetrechnung usw. Wir haben dazu → hier einen eigenen Beitrag geschrieben.

Kosten fürs Studium sparen Steuern!

Außerdem gibst Du natürlich auch die Kosten für Dein Studium in der Steuererklärung an!

Je nachdem, ob Du Dich gerade in Deiner ersten oder einer weiteren (zweiten, dritten...) Ausbildung befindest, trägst Du die entsprechenden Ausgaben im Bereich Sonderausgaben (erste Ausbildung) oder Werbungskosten (jede weitere Ausbildung) ein. → Deine kostenlose Steuersoftware zeigt Dir die richtigen Felder.

Welche Kriterien für die Unterscheidung zwischen der ersten und jeder weiteren Ausbildung gelten, erklären wir Dir → hier – das ist nämlich manchmal nicht ganz so eindeutig, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Welche der im Rahmen Deines Studiums angefallenen Kosten Dir beim Steuern sparen helfen, kannst Du → hier nachlesen.

Die Steuererklärung lohnt sich für jeden!

Für Studenten haben wir → hier eine kostenlose Sonder-Ausgabe unserer Steuererklärungs-Software zusammengestellt – darin findest Du genau die Formulare, die Du abgeben musst. Nicht mehr und nicht weniger. Ganz einfach und übersichtlich am Bildschirm auszufüllen.

Interessant für Deine Eltern: Was ist mit Kindergeld und Krankenversicherung?

Kindergeld, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, Familienversicherung

Die folgenden Erklärungen sind nicht nur für Dich, sondern vor allem auch für Deine Eltern interessant.

Kindergeld

Vielleicht sind Deine Eltern von Deinen beruflichen Ambitionen neben dem Studium nicht ganz so begeistert, weil sie das Kindergeld für Dich nicht verlieren möchten. Damit haben sie nicht ganz Unrecht.

Denn wenn Du volljährig wirst, beginnt für Deine Eltern steuerlich ein neuer Abschnitt. Bisher gab es die staatliche Förderung durch Kindergeld, Freibeträge für Kinder und davon abhängige steuerrechtliche Vergünstigungen ohne besondere Voraussetzungen. Ab jetzt muss ein bestimmter Grund vorliegen, damit die Förderung weiterläuft.

Grundsätzlich gilt für Eltern studierender Kinder: Es gibt weiter Kindergeld (bzw. die anderen eben genannten steuerlichen Vergünstigungen), wenn das Kind das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und sich im Studium befindet. Grundsätzlich heißt aber bei Juristen immer: Achtung, es gibt Ausnahmen.

Das Studium ist die erste Ausbildung: Dann ist es einfach

Wenn Du bisher noch keine Berufsausbildung und noch kein Studium abgeschlossen hast, stehen Deinen Eltern ohne weitere Voraussetzungen das Kindergeld von der Familienkasse und die steuerlichen Vergünstigungen vom Finanzamt zu! Das ist inzwischen übrigens auch unabhängig davon, wie viel Du vielleicht neben dem Studium verdienst (früher gab es eine Einkommensgrenze, die ist inzwischen aber abgeschafft).

Vorsicht: Auch wenn die Berücksichtigung des Kindes bei Familienkasse und Finanzamt unproblematisch ist, können bei der Sozialversicherung Schwierigkeiten auftauchen. Mehr dazu gleich unter Krankenversicherung.

Das Studium ist die zweite Ausbildung: Jetzt wird es kompliziert(er)

Wenn Du schon eine (erste) Berufsausbildung abgeschlossen hast, geht der Gesetzgeber davon aus, dass Du jetzt selbst finanziell für Dich sorgen kannst. Ob Du Dich vielleicht in einer zweiten Ausbildung befindest, ist ihm erst einmal egal.

Und: Deine Berufsausbildung in diesem Sinne muss hier nicht eine Lehre oder ein Studium gewesen sein! Eine Berufsausbildung liegt vor, wenn durch eine berufliche Ausbildungsmaßnahme (außerhalb eines Studiums) die notwendigen fachlichen Fertigkeiten und Kenntnisse erworben werden, die zur Aufnahme eines Berufs befähigen – so formuliert es die Finanzverwaltung. Früher reichte hier sogar ein Taxischein oder eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Inzwischen ist Voraussetzung, dass die Ausbildung ein Jahr gedauert hat und mit einer Prüfung abgeschlossen wurde.

Deine Eltern bekommen dann nur noch unter strengen Voraussetzungen Kindergeld für Dich. Ausführliche Informationen dazu finden sie (oder Du) → hier.

Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung

Wie viele Stunden arbeitest Du?

Während die Lage beim Kindergeld zumindest während der ersten Ausbildung noch sehr einfach zu durchblicken ist, wird es bei der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ein bisschen komplizierter. Hier gibt es nämlich eine 20-Stunden-Grenze. Arbeitest Du mehr, studierst Du aus Sicht der Sozialversicherung nicht mehr ordentlich. Denn das Arbeitsverhältnis überwiegt.

Trotz Überschreiten der 20-Stunden-Grenze kannst Du aber die Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung erreichen. Denn wird Deine Zeit und Arbeitskraft trotz Deines Jobs überwiegend durch Dein Studium in Anspruch genommen, giltst Du als ordentlicher Student. Dies wird vor allem bei Beschäftigungen am Wochenende sowie in den Abend- und Nachtstunden angenommen.

Übst Du allerdings in einem Zeitjahr (also nicht Kalenderjahr, sondern 365 Tage hintereinander) mehrere befristete Beschäftigungen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden aus oder bist im Rahmen einer durchgehenden Beschäftigung (wöchentliche Arbeitszeit max. 20 Stunden) befristet mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden beschäftigt, etwa in den Semesterferien, dann muss noch zusätzlich eine 26-Wochen-Grenze (oder 182 Tage) beachtet werden.

Zeitlich für ein Jahr zurückgerechnet wird ab dem Ende der aktuellen Beschäftigung: Hast Du während des letzten Zeitjahres länger als 26 Wochen in Jobs mit mehr als 20 Stunden pro Woche gearbeitet, wirst Du als Arbeitnehmer angesehen. Die Folge ist eine Versicherungspflicht der aktuellen Beschäftigung in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung!

Einkommens-Voraussetzungen für die Familienversicherung

Um in der Familienversicherung kostenlos weiterversichert zu bleiben, darfst Du nur sehr wenig verdienen – 2014 waren es 395 € im Monat, zwei Monate im Jahr durfte es auch mehr sein. Mit einem sozialversicherungspflichtigen Job wirst Du mehr verdienen und Dich selbst krankenversichern müssen. Darum gehen wir hier nicht näher auf die Voraussetzungen für die Familienversicherung ein.

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