Du studierst und hast keinen Nebenjob

was sind vorweggenommene Werbungskosten, unterschiedliche Behandlung von Erst- und Zweitausbildung (und Kriterien für die Einordnung Deines Studiums in die richtige Kategorie), was alles zu den Ausbildungskosten dazugehört, was sind Verlustfeststellung und Verlustvortrag usw.

Als Student ohne Einnahmen aus einem Nebenjob oder einer selbstständigen Tätigkeit hast Du kein Geld auf der Plus-Seite, das Du mit Ausgaben verrechnen kannst. Das heißt nicht, dass Deine Kosten fürs Studium komplett an Dir hängen bleiben – denn es gibt die Möglichkeit, sogenannte vorweggenommene Werbungskosten in der Steuererklärung einzutragen und damit später, wenn Du Geld verdienst, Steuern zu sparen. Da bei dieser Rechnung während Deines Studiums also nur eine negative Zahl herauskommen kann, spricht man im Steuerrecht von Verlustfeststellung. Diesen Begriff solltest Du Dir unbedingt merken, Du wirst ihn hier noch öfter lesen.

Um das Ganze nicht zu einfach zu machen, spricht man in dem Jahr, in dem zum ersten Mal ein Verlust festgestellt wird, von Verlustfeststellung und in den folgenden Jahren von Verlustvortrag. Was ja sogar irgendwie logisch ist: Der im ersten Jahr festgestellte Verlust wird in den nächsten Jahren immer weiter in die Folgejahre übertragen (vorgetragen) und erhöht sich dabei jedes Jahr – weil ja neue Ausgaben dazukommen, ohne dass Du Einnahmen hast. Erst wenn Du im Beruf durchstartest und Geld verdienst, werden die vorgetragenen Verluste verrechnet – vereinfacht ausgedrückt gilt dann: Gehalt minus vorgetragene Verluste ergibt den Betrag, auf den Du Einkommensteuer zahlen musst.

Wichtig: Warum wir Dir etwas raten, das so nicht im Gesetz steht

Werbungskosten auch bei der ersten Ausbildung, was das Bundesverfassungsgericht damit zu tun hat

In der → Einleitung hast Du den Unterschied zwischen Sonderausgaben und Werbungskosten kennengelernt. Du weißt also, dass Du für eine erste Ausbildung nur Sonderausgaben geltend machen darfst. Das bringt Dir aber nichts, wenn Du keine Einnahmen hast – denn Sonderausgaben können nicht als Verluste in späteren Jahren zum Steuern sparen genutzt werden. Außerdem darf man als Sonderausgaben nur einen begrenzten Betrag (zurzeit 6.000 €) geltend machen, während Werbungskosten in der Steuererklärung ohne Begrenzung eingetragen werden dürfen.

Darum raten wir jedem Studierenden, der gerade seine erste Ausbildung macht und keine Einnahmen hat, Werbungskosten anzugeben!

Moment mal, haben wir nicht eben geschrieben, dass das nicht geht? Jein...: Ob es tatsächlich ok ist, Erstausbildung und Zweitausbildung steuerlich unterschiedlich zu behandeln, ist extrem umstritten. So umstritten, dass jetzt das Bundesverfassungsgericht, also das höchste deutsche Gericht, darüber entscheiden muss. Falls Dich mal jemand nach dem Aktenzeichen zu diesem Fall fragt: es lautet 2 BvL 22 – 27 / 14.

Wenn Du jetzt Deine Ausgaben als Werbungskosten angibst und die Verluste feststellen lässt (wie das geht, erklären wir gleich) und das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil sagt, dass das so anerkannt werden muss, dann hast Du einen Haufen Geld gespart – weil Du sozusagen präventiv gehandelt und Deine Ausgaben in einer Steuererklärung angegeben hast.

An dieser Stelle an kleiner bitte-nicht-erschrecken-Hinweis: Wenn Du Deinen Steuerbescheid bekommst, wird Dir das Finanzamt darin mitteilen, dass es die Werbungskosten nicht anerkennt. Das ist aber im Moment völlig egal, und Du brauchst auch nichts zu unternehmen. Denn das Finanzamt darf erst endgültig nein (oder ja) sagen, wenn das Bundesverfassungsgericht entschieden hat. Dein Steuerbescheid ist insoweit offen oder vorläufig: Du musst nicht Einspruch einlegen, um von einer positiven Entscheidung zu profitieren – einfach nur abwarten.

Mehr zum Thema Steuerbescheid und wie man ihn prüft (ja, das ist absolut nötig, denn das Finanzamt macht da schon auch mal Fehler!!) kannst Du → hier nachlesen.

Kommt das Bundesverfassungsgericht zu dem Ergebnis, dass die unterschiedliche Behandlung in Ordnung ist, hast Du nichts verloren. Deine Ausgaben werden zwar leider nicht anerkannt, aber Du musst auch keine Strafe zahlen oder so. Du kommst also bei Null raus – und da wärst Du ohne Steuererklärung auch gewesen.

Zur Erinnerung: Kosten für die Zweitausbildung sind immer Werbungskosten. Wenn Du also z. B. schon eine Ausbildung (Lehre) gemacht hast und Dein Studium die zweite Ausbildung ist, dann werden Deine Verluste auf jeden Fall anerkannt.

Es tut sich was: Werbungskostenabzug für Erstausbildung rückt näher!

wo kommt der Streit her, was sagt die Bundesrechtsanwaltskammer, was bedeutet das für Dich

An dieser Stelle möchten wir Dir eine höchst erfreuliche aktuelle Zwischenmeldung geben und das Geschehen noch einmal genauer betrachten – Lesen lohnt sich!:

Seit Jahren wird vor dem Bundesverfassungsgericht gestritten, ob die Kosten einer Erstausbildung (wieder) als Werbungskosten abzugsfähig sein sollten. Genauso lange raten wir unseren Lesern, in der Steuererklärung Werbungskosten dafür geltend zu machen. Das sieht jetzt auch die Bundesrechtsanwaltskammer so!

Hintergrund: Im Jahr 2014 hat der BFH dem Bundesverfassungsgericht die Frage vorgelegt, ob es mit dem Grundgesetz vereinbar ist, dass die Aufwendungen eines Steuerpflichtigen für seine erstmalige Berufsausbildung oder für ein Erststudium, das zugleich eine Erstausbildung vermittelt, keine Werbungskosten sind, wenn diese Berufsausbildung oder dieses Erststudium nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet (BFH-Beschluss vom 17.7.2014, VI R 2/12 und VI R 8/12).

Was erst einmal sehr juristisch-bürokratisch klingt, birgt jede Menge finanzielle Auswirkungen. Denn: Im Moment sind die Kosten einer Erstausbildung nur im Rahmen der Sonderausgaben und in Höhe von maximal 6.000 Euro pro Jahr absetzbar. Sonderausgaben wirken sich aber vereinfacht ausgedrückt nur dann aus, wenn auch ein nennenswerter Verdienst vorliegt – was während der ersten Ausbildung eher selten der Fall ist.

Anders als Werbungskosten können Sonderausgaben nicht im Rahmen eines sogenannten Verlustvortrags mit den Einkünften aus späteren Jahren verrechnet werden. Steuernsparen geht also nur sofort – oder eben gar nicht. Werbungskosten dagegen verfallen nicht, sondern können in späteren Jahren zum Steuern sparen genutzt werden.

Bei der Entscheidung, ob die Kosten einer Erstausbildung in der Steuererklärung als Sonderausgaben oder als Werbungskosten angegeben werden dürfen, geht es also um viel Geld.

Die ganze Geschichte hat natürlich schon viel früher angefangen: Mitte 2011 hatte der BFH entschieden, dass die Kosten eines Erststudiums oder einer Erstausbildung direkt nach dem Schulabschluss nicht nur als Sonderausgaben, sondern auch als vorweggenommene Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgesetzt werden können. Der BFH ist der Meinung, dass die Aufwendungen für die Ausbildung zu einem Beruf als notwendige Voraussetzung für eine nachfolgende Berufstätigkeit beruflich veranlasst sind und demgemäß auch als Werbungskosten einkommensteuerrechtlich berücksichtigt werden müssen.

Diese Meinung teilen wir und raten ja auch jedem Studierenden, der gerade seine erste Ausbildung macht und keine Einnahmen hat, Werbungskosten anzugeben!

Damit hätten viele Studenten bzw. Auszubildende beim Finanzamt einen Verlustvortrag beantragen und in den späteren Berufsjahren ihre Ausbildungskosten steuermindernd verrechnen können.

Doch der Gesetzgeber hat diese Rechtsprechung durch eine Gesetzesänderung wieder einkassiert und rückwirkend bestimmt, dass die Kosten nur bis maximal 6.000 Euro als Sonderausgaben angesetzt werden können. Ein Verlustvortrag ist damit nicht möglich.

Stellungnahme der Bundesrechtsanwaltskammer: Das Bundesverfassungsgericht, das die Verfahren unter den Aktenzeichen 2 BvL 22/14, 2 BvL 23/14, 2 BvL 24/14, 2 BvL 25/14, 2 BvL 26/14 und 2 BvL 27/14 führt, hat nun die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) um eine Stellungnahme dazu gebeten, ob § 9 Abs. 6 EStG mit dem Grundgesetz vereinbar ist, soweit nach dieser Vorschrift Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung bzw. ein erstmaliges Studium nicht als Werbungskosten zu berücksichtigen sind.

Und die Bundesrechtsanwaltskammer? Sie ist voll auf unserer Linie und schreibt: Nach Auffassung der Bundesrechtsanwaltskammer verdient die Einschätzung des BFH Zustimmung. Die BRAK ist also auch der Meinung, dass für eine Erstausbildung der Abzug von Werbungskosten möglich sein sollte.

Völlig zu Recht schreibt die BRAK in ihrer Stellungnahme weiter: Der BFH formuliert plastisch, Aufwendungen für die Ausbildung zu einem Beruf seien geradezu prototypisch“ beruflich veranlasst. Nach Auffassung der Bundesrechtsanwaltskammer steht außer Frage, dass die Aufnahme eines Studiums typischerweise erfolgt, um hiermit die Grundlagen und die Voraussetzungen für eine spätere berufliche Tätigkeit zu erlangen, die der (künftigen) Existenzsicherung des Steuerpflichtigen dient.

Zur Erinnerung: Werbungskosten sind nach § 9 Abs. 1 EStG Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen – Kosten für die Ausbildung (auch wenn es die erste Ausbildung ist) sind hier wahrlich das beste Beispiel!

Wie geht es jetzt weiter? Natürlich handelt es sich bei der Stellungnahme nicht um eine Entscheidung. Und natürlich müssen die Verfassungsrichter auch nicht der Meinung der BRAK folgen. Aber die Chancen stehen unseres Erachtens gut, dass der Werbungskostenabzug für die erste Ausbildung oder das erste Studium (wieder) möglich wird.

Von daher gilt heute mehr denn je: Mach die Kosten für Deine erste Ausbildung bzw. Dein erstes Studium in der Steuererklärung als Werbungskosten geltend!

Im Steuerbescheid wird Dir das Finanzamt mitteilen, dass es die Werbungskosten nicht anerkennt. Das ist aber im Moment völlig egal, und Du brauchst auch nichts zu unternehmen. Denn das Finanzamt darf erst endgültig nein (oder ja) sagen, wenn das Bundesverfassungsgericht entschieden hat. Der Steuerbescheid ist insoweit offen oder vorläufig: Du musst nicht Einspruch einlegen, um von einer positiven Entscheidung zu profitieren – einfach nur abwarten.

Wer Du die übrigens sehr leserfreundlich formulierte Stellungnahme der Bundesrechtsanwaltskammer selbst lesen möchtest: bitte hier entlang! (PDF)

So machst Du eine Verlustfeststellung

Formulare, Steuererklärung nachträglich abgeben, was Du alles absetzen kannst

Wenn Du beim Finanzamt Verluste geltend machen möchtest, musst Du eine Steuererklärung abgeben – allerdings keine besonders ausführliche: Auf dem sogenannten Mantelbogen trägst Du Deine persönlichen Daten ein (Name, Adresse, Kontoverbindung usw.) und kreuzt oben Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags an. Genau genommen ist das dann nicht mal eine Steuererklärung, sondern eine Feststellungserklärung.

In der Anlage N trägst Du bei den Werbungskosten ein, welche Kosten Dir entstanden sind und wofür.

Das Finanzamt stellt dann den Verlustvortrag von Amts wegen fest und schickt Dir einen Bescheid, in dem der Verlust bestätigt wird.

Im nächsten Jahr gibst Du wieder eine Steuererklärung ab, in der Du auf dem Mantelbogen oben Dein Kreuz bei der schon bekannten Stelle machst und zusätzlich noch auf Seite 2 unten das Kästchen Es wurde ein verbleibender Verlustvortrag nach § 10 d EStG zum 31.12.... festgestellt ankreuzt.

Das machst Du so lange, bis Du irgendwann einmal Einnahmen hast, die Du in der Steuererklärung angeben musst (also zum Beispiel ein Gehalt). Dann fällt das Kreuz oben auf dem Mantelbogen weg. Auf Seite zwei musst Du es trotzdem machen – so erinnerst Du das Finanzamt daran, dass es jetzt die in den vergangenen Jahren angehäuften Verluste mit Deinen Einnahmen verrechnen muss. Im besten Fall bedeutet das für Dich im Ergebnis, dass Du keine Steuern zahlen musst.

Kann der Verlust nicht vollständig verrechnet werden, wirkt er sich im nächsten Jahr weiter aus. Wenn Du also zum Beispiel 20.000 € Verlust angesammelt und nur 18.000 € verdient hast, kannst Du die übrig gebliebenen 2.000 € Verlust im nächsten Jahr noch benutzen.

Bisher keine Steuererklärung abgeben? Nicht so schlimm!

Wenn Du jetzt denkst toll, das hätte man mir auch vor zwei Jahren schon sagen können, dann hätte ich da schon eine Steuererklärung abgeben können, dann ist unsere Antwort darauf: Kein Problem, hol das doch einfach noch nach!

Innerhalb von sieben Jahren darfst Du nämlich noch nachträglich die eben beschriebene Art der Steuererklärung machen und Deine Verluste feststellen und vortragen lassen. Das hat sogar der Bundesfinanzhof, das höchste deutsche Finanzgericht, bestätigt.

Diese Ausgaben kannst Du angeben

Für Deine Steuererklärung (bzw. die Verlustfeststellung) trägst Du die Ausgaben, die für Dein Studium angefallen sind, im Formular Anlage N im Bereich Werbungskosten ein. Wichtig: Du musst dem Finanzamt gegenüber nachweisen, dass Du dieses Geld tatsächlich ausgegeben hast. Hebe also jeden Beleg und jede Quittung auf.

Grundsätzlich fallen bei allen Studenten mehr oder weniger die gleichen Kosten an: Fahrtkosten, Bücher fürs Studium, Laptop, Miete im Studentenwohnheim oder für ein WG-Zimmer usw. Was zu den Studienkosten gehört und von Dir in der Steuererklärung (bzw. Verlustfeststellung) eingetragen werden kann, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst, den Du → hier findest.

Wichtig: Du musst dem Finanzamt gegenüber nachweisen, dass Du dieses Geld tatsächlich ausgegeben hast. Hebe also jeden Beleg und jede Quittung auf.

Wenn Dir keine Kosten entstanden sind, kannst Du nichts in der Steuererklärung angeben.

Beispiel:

Lara wird von ihrem Vater zu einem Wochenendseminar gefahren. Ihr entstehen dabei keine Kosten. Konsequenz: Sie kann für diese Fahrt keine Werbungskosten absetzen.

Zusammenfassung: Vorgehen zur Feststellung von Verlusten

  • Kreuze im Mantelbogen zur Steuererklärung des Verlustjahres auf der Seite 1 oben das Kästchen Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags an.

  • Erstelle eine Übersicht aller abziehbaren Ausbildungskosten, die Dir entstanden sind, und trage die Summe in die Anlage N bei Fortbildungskosten ein.

  • In den Folgejahren beantragst Du ebenfalls wie oben dargestellt die Feststellung des Verlustvortrags und trägst die Werbungskosten in Anlage N ein. Zudem weist Du auf dem Mantelbogen durch ein Kreuz in Zeile 92 darauf hin, dass in den Vorjahren ein Verlustvortrag festgestellt wurde. Den Verlustrücktrag solltest Du zusätzlich durch eine Null in Zeile 93 ausschließen.

  • Sobald Du Einkünfte erzielst, kannst Du die gespeicherten Verluste der Vorjahre auf diese anrechnen lassen, um Deine Steuerlast zu senken.

Die Steuererklärung lohnt sich für jeden!

Für Studenten haben wir → hier eine kostenlose Sonder-Ausgabe unserer Steuererklärungs-Software zusammengestellt – darin findest Du genau die Formulare, die Du abgeben musst. Nicht mehr und nicht weniger. Ganz einfach und übersichtlich am Bildschirm auszufüllen.

Noch ein kleiner Tipp für Deine Eltern

Stichwort Krankenversicherung: Du selbst kannst die Beiträge für Deine Krankenkasse nicht steuerlich geltend machen. Aber Deine Eltern können sie in ihrer Steuererklärung eintragen und so noch ein paar Euro (mehr) sparen. Vielleicht sprichst Du sie einfach mal darauf an, ob sie daran gedacht haben! (Macht sich immer gut, wenn man den Eltern zeigt, dass man sich neben dem Studium auch mit solchen Themen beschäftigt... ;-))

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