Was sind Werbungskosten?

Werbungskosten sind Ausgaben, die einem Arbeitnehmer entstehen, um seine Einnahmen zu erwerben, zu sichern oder zu erhalten – also die Ausgaben, die rund um den Job entstehen, wie beispielsweise Fahrtkosten, berufsbedingte Umzugskosten, Ausgaben für Fachbücher, Kosten für bestimmte Arbeitskleidung, Fortbildungskosten usw.

Werbungskosten führen zu einer Steuerersparnis, da sie von den damit zusammenhängenden Einnahmen abgezogen werden und nur die danach verbleibenden Einkünfte zu versteuern sind. Fachleute sprechen hier vom Nettoprinzip.

Bruttogehalt - Werbungskosten = (zu versteuernde) Einkünfte

Auch bei berufstätigen Ehegatten, die zusammen veranlagt werden, erfolgt immer eine getrennte Einkunftsermittlung. Das heißt, Werbungskosten kann nur derjenige Ehegatte geltend machen, durch dessen Arbeitsverhältnis sie veranlasst sind.

Was ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag?

1.000 € gibt es immer, Anerkennung ohne Nachweis

Weil jeder Arbeitnehmer im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit irgendwelche Werbungskosten hat, gewährt das Finanzamt in der Einkommensteuerveranlagung automatisch einen Pauschbetrag. Er beträgt zurzeit pro Jahr 1.000 €. Man spricht von Arbeitnehmer-Pauschbetrag oder von Werbungskosten-Pauschbetrag – gemeint ist das gleiche.

Den Arbeitnehmer-Pauschbetrag bekommst Du immer dann, wenn Du in der Anlage N keine Werbungskosten einträgst oder dort einen Betrag von weniger als 1.000 € angibst. Was nicht geht: Einzelne Ausgaben nachweisen und für die übrigen Aufwendungen den Pauschbetrag in Anspruch nehmen.

Trotz Pauschbetrag solltest Du von Jahresbeginn an sämtliche Belege über berufliche Ausgaben sammeln. Denn oft lässt sich erst am Jahresende feststellen, ob die Aufwendungen tatsächlich unter oder über 1.000 € liegen.

Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag ist ein Jahresbetrag. Das heißt: Er wird nicht zeitanteilig gekürzt, wenn Dein Arbeitsverhältnis nicht das ganze Jahr über bestanden hat.

Besonderheiten: Zwei Jobs, nebenberuflich selbstständig, Minijob

den Pauschbetrag gibt es nur einmal, Kostenaufteilung bei nebenberuflicher Selbstständigkeit

Wenn Du zwei Jobs hast, bekommst Du den Pauschbetrag trotzdem nur einmal.

Wenn Du als Angestellter nebenberuflich auch noch selbstständig tätig bist, musst Du Deine Ausgaben aufteilen: ein Teil gehört zu den Werbungskosten aus Deiner Tätigkeit als Angestellter, der Rest sind Betriebsausgaben aus der selbstständigen Tätigkeit. Wie hoch die Anteile jeweils sind, kannst Du schätzen. Einfach alle nachgewiesenen Kosten zu Betriebsausgaben erklären und für die nicht-selbstständige Tätigkeit den Werbungskosten-Pauschbetrag zu nehmen – das geht leider nicht. Nur wenn die geschätzten Werbungskosten unter 1.000 € liegen, dann bekommst Du doch den Pauschbetrag.

Wenn Du nur einen Minijob (450 €-Job) hast und Dein Arbeitslohn pauschal versteuert wird, kannst Du den Arbeitnehmer-Pauschbetrag nicht bekommen.

Nachweis von Werbungskosten über 1.000 €

mehr sparen mit mehr Werbungkosten, Nachweis durch Belege erforderlich

Wenn Du nicht nur den Pauschbetrag haben willst, sondern höhere Kosten geltend machen möchtest, musst Du die Kosten einzeln nachweisen. Dazu brauchst Du die Quittung oder den Kassenzettel des angeschafften Gegenstands bzw. bei Fahrtkosten die genaue Angabe, an wie vielen Tagen Du zur Arbeit gefahren bist und wie lang die Strecke dorthin ist.

Wenn Du als Summe Deiner Werbungskosten einen höheren Betrag als den Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Deiner Einkommensteuererklärung in der Anlage N geltend machst, sparst Du mehr Steuern.

Wenn andere Deine Rechnung bezahlt haben

bezahlen mit geschenktem Geld, wenn die Eltern bezahlen, Erstattungen des Arbeitgebers

Normalerweise kann man nur seine eigenen Aufwendungen als Werbungskosten absetzen. Man muss also die Kosten selbst getragen haben. Davon gibt es allerdings Ausnahmen:

Geschenktes oder geerbtes Geld

Werbungskosten, die Du mit geschenktem oder geerbtem Geld getätigt hast, kannst Du immer absetzen: woher die finanziellen Mittel stammen, ist unerheblich.

Drittaufwand

Wenn jemand anderes Kosten trägt, die durch Deinen Job oder Dein Studium veranlasst sind, spricht man von "Drittaufwand". Diese Kosten darfst Du nicht als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben.

Aus der Nummer kommst Du nur heraus, wenn Du das Ganze zu einem abgekürzten Zahlungsweg umbiegst:

Angenommen, Deine Eltern kaufen Dir ein Notebook für Dein Studium. Wenn sie das Gerät direkt bezahlen, sparen sie sich eigentlich nur den Umweg Geld schenken – Kind kauft selber. Das ist dann eine "Abkürzung des Zahlungswegs" und Du darfst die Kosten für das Notebook als Werbungskosten in Deiner Steuererklärung angeben.

Vom abgekürzten Zahlungsweg muss man den abgekürzten Vertragsweg unterscheiden: Der liegt vor, wenn jemand anderes für Dich einen Vertrag abschließt und auch die Zahlung leistet.

Diese Kosten darfst Du nicht immer in Deiner Steuererklärung angeben, denn der der abgekürzte Vertragsweg wird von der Finanzverwaltung nur bei Einmalgeschäften wie Werk- und Kaufverträgen anerkannt, nicht aber bei Dauerschuldverhältnissen wie Miet-, Liefer- und Darlehensverträgen.

Im Klartext heißt das:

  • Wenn Dein Vater Dir einen Computer für Deine berufliche Tätigkeit oder Dein Studium kauft, kannst Du die Computerkosten als Werbungskosten absetzen.

  • Nimmt Dein Vater ein Darlehen (einen Kredit) auf und zahlt die Zinsen, damit Du Dir mit dem Geld ein Büro einrichtest, darfst Du die Darlehenszinsen nicht absetzen.

  • Unterschreiben Deine Eltern den Mietvertrag für Deine Wohnung am Studienort und zahlen Deine Miete, dann darfst Du die Kosten ebenfalls nicht absetzen.

Um keine Probleme mit dem Finanzamt zu bekommen, solltest Du den Kreditvertrag oder den Mietvertrag möglichst selbst abschließen und Dir das Geld für die sich daraus ergebenden Zahlungen dann von Deinen Eltern schenken lassen oder zumindest den Vertrag gemeinsam mit ihnen als Gesamtschuldner abschließen. Denn bei Gesamtschuldnerschaft ist es für den Werbungskostenabzug egal, wenn Deine Eltern die Zinsen bzw. Mieten allein zahlen – dann liegt nämlich nur ein abgekürzter Zahlungsweg vor (siehe oben).

Werbungskosten-Erstattung durch den Arbeitgeber

Steuerfreie Werbungskosten-Erstattungen des Arbeitgebers sind von den tatsächlichen Werbungskosten abzuziehen, steuerpflichtige Erstattungen aber nicht. Letztere erhöhen den steuerpflichtigen Arbeitslohn.

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