An zwei Orten leben: So spart die Zweitwohnung Steuern

Wenn Dein Arbeitsplatz so weit von zu Hause entfernt liegt, dass eine tägliche Heimfahrt nicht möglich ist und Du deshalb am auswärtigen Beschäftigungsort eine Zweitwohnung nimmst, dann geht das ganz schön ins Geld. Zum Glück senken die Kosten einer doppelten Haushaltsführung wenigstens die Steuerlast – Werbungskosten heißt das Zauberwort.

Abziehbare Werbungskosten sind:

Fahrtkosten

Absetzbarkeit von (wöchentlichen) Heimfahrten zur Familie, Fahrten von der Zweitwohnung zum Arbeitsplatz, Telefonkosten statt Heimfahrt, Besuch von Partner und Familie am Beschäftigungsort usw.

Abzugsfähig sind unter anderem die Fahrtkosten, die (neben der Miete) wahrscheinlich das tiefste Loch in den Geldbeutel reißen.

Es sind verschiedene Situationen denkbar, die zu Fahrtkosten führen: Entweder fährst Du selbst nach Hause zur Familie, oder die Familie besucht Dich in der Stadt, in der Du arbeitest. Vielleicht muss die Heimfahrt auch mal ganz ausfallen und wird nur durch ein extra-langes Telefonat ersetzt. Und natürlich fährst Du auch von der Zweitwohnung zum Arbeitsplatz – auch dafür darfst Du in der Steuererklärung Werbungskosten abziehen.

Fahrt nach Hause

Eine Heimfahrt pro Woche – meist wird sie am Wochenende stattfinden, aber das ist keine Bedingung – unterstützt das Finanzamt finanziell: Für diese Fahrt darfst Du in Deiner Steuererklärung Werbungskosten in Höhe der Entfernungspauschale geltend machen.

Das bedeutet: Auf Seite 3 der Anlage N zu Deiner Steuererklärung machst Du in der Zeile Fahrtkosten für Heimfahrten die Fahrten geltend. Der Betrag ergibt sich aus der sogenannten Entfernungspauschale von zurzeit 30 Cent Entfernungskilometer, die Du mit der einfachen Strecke nach Hause multiplizierst.

Du kommst eigentlich aus Friedrichshafen und hast dort noch Deinen Lebensmittelpunkt. Du arbeitest aber in Stuttgart, wo Du unter der Woche auch wohnst. Stuttgart ist von Friedrichshafen 200 Kilometer entfernt. Bei jeder Familienheimfahrt (so nennt das Finanzamt diese wöchentlichen Heimfahrten) entstehen Dir 60 € Werbungskosten (200 × 30 Cent), die Du steuerlich geltend machst.

Nicht jeder wird diese Strecke mit dem eigenen Auto – oder überhaupt mit dem Auto – zurücklegen. Die Entfernungspauschale gibt es zum Glück verkehrsmittelunabhängig und sogar unabhängig davon, ob Dir überhaupt Kosten entstanden sind – also auch dann, wenn Du mit dem Zug fährst, Dich einer Fahrgemeinschaft anschließt, eine Mitfahrgelegenheit nutzt oder kostenlos z. B. von Verwandten mitgenommen oder abgeholt wirst. Anerkannt werden aber natürlich nur Heimfahrten, die tatsächlich stattgefunden haben.

Fahrt von der Zweitwohnung zur Arbeit

Die tägliche Fahrt zwischen der Zweitwohnung und Deiner Arbeitsstelle sind auch Werbungskosten, werden aber auf der Seite 2 der Anlage N unter Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte eingetragen. Auch hier gibt es Werbungskosten in Höhe der Entfernungspauschale – wenn Du also beispielsweise von Deiner Zweitwohnung 6 Kilometer zur Arbeit fährst, dann sind das pro Arbeitstag 6 × 30 Cent, also 1,80 € Werbungskosten. Die gibt es auch dann, wenn Du mit dem Bus oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fährst.

Für die Steuererklärung musst Du nicht mühsam die Arbeitstage zählen: Das Finanzamt akzeptiert es, wenn Du bei einer 5-Tage-Arbeitswoche von 220 Arbeitstagen im Jahr ausgehst.

Telefonieren statt nach-Hause-Fahren

Fährst Du an einem Wochenende mal nicht nach Hause, dann darfst Du natürlich auch keine Werbungskosten für eine Familienheimfahrt angeben. Das Finanzamt geht dann aber davon aus, dass Du – wo ihr euch schon nicht sehen könnt – etwas länger mit Deiner Familie telefonierst: Akzeptiert werden die Kosten für ein Ferngespräch mit Angehörigen in der Heimatwohnung von in der Regel 15 Minuten Dauer.

Klingt erst einmal einfach – aber wie geht das, wenn Du eine Telefon-Flatrate hast? Dazu gibt es weder gesetzliche Vorschriften noch Urteile. Bei der Telekom kosten Ferngespräche in der Hauptzeit (tagsüber bis 19 Uhr) zurzeit etwa 5 Cent pro Minute, in der Nebenzeit (abends / nachts) 3 Cent. Orientiere Dich bei der Berechnung am besten an diesen Zahlen. 15 Minuten zur Hauptzeit mit zuhause telefonieren bringt also 15 × 5 Cent Werbungskosten = 75 Cent. Das ist nicht viel, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist...

Besuch von Partner und Familie am Arbeitsort

Wenn Du aus beruflichen (!) Gründen oder wegen Krankheit einmal nicht nach Hause fahren kannst, und Dich Dein Partner oder die Familie stattdessen an Deinem Arbeitsort besucht, darfst Du ausnahmsweise auch diese Kosten in der Steuererklärung angeben. Das Finanzamt spricht in diesem Fall von einer umgekehrten Heimfahrt.

Anerkannt werden die Fahrtkosten Deiner Besucher, nicht aber die Kosten für Unterkunft und Verpflegung.

Verpflegungskosten

Höhe der absetzbaren Kosten, Auswirkungen von Heimfahrten auf die Absetzbarkeit, Wechsel des Beschäftigungsorts usw.

Für die ersten drei Monate, die Du am Beschäftigungsort wohnt, darfst Du auch Werbungskosten für Essen und Trinken geltend machen. Dafür gibt es Pauschbeträge, sodass keiner seine tatsächlichen Verpflegungskosten zusammenrechnen muss (oder darf).

Seit 2014 gelten dabei folgende Beträge:

Du bist aus Friedrichshafen, wo Du auch Deinen Lebensmittelpunkt (Partner, Familie, Freundeskreis) hast, arbeitest aber unter der Woche in Stuttgart. Montagmorgen fährst Du von Friedrichshafen nach Stuttgart, Freitagabend von Stuttgart nach Friedrichshafen.

Während der ersten drei Monate dieser Situation darfst Du diese Verpflegungspauschalen geltend machen:

  • Montag (Abreisetag, nächste Übernachtung am Arbeitsort): 12 €

  • Dienstag bis einschl. Donnerstag (ganztätige Abwesenheit von Friedrichshafen): je 24 €

  • Freitag (Anreisetag, Übernachtung davor war in Stuttgart): 12 €.

Falls Du einen längeren Urlaub planst, solltest Du folgendes wissen: Sobald diese sogenannte Dreimonatsfrist für mindestens vier Wochen unterbrochen wird, beginnt sie wieder von vorne, sodass erneut drei Monate lang Pauschbeträge angesetzt werden können. Der Grund für die Unterbrechung spielt sseit 2014 keine Rolle mehr.

Aufwendungen für die Zweitwohnung

Miete, Maklerprovision, Zweitwohnungsteuer, Möbel kaufen, GEZ, Übernachtung im Hotel usw.

Die Kosten für die Wohnung am Arbeitsort gehören ebenfalls zu den Werbungskosten. Hier gibt es allerdings keine Pauschalen, sondern Du musst die Kosten einzeln aufführen und zusammenrechnen:

Anerkannt werden seit 2014 maximal 1.000 € pro Monat. Früher kam es darauf an, wie groß die Wohnung am Arbeitsort war, aber das ist heute nicht mehr wichtig. Du darfst also auch ein 200 m2 großes Loft mieten, wenn Dir danach ist.

Möbel neu kaufen und in der Steuererklärung richtig angeben

Eine leere Wohnung braucht Möbel. Ein Möbelstück, das maximal 487,90 € (Endverbraucherpreis, also einschließlich Mehrwertsteuer) kostet, wird im Jahr des Kaufs mit dem vollen Preis bei den Werbungskosten angegeben.

War das Möbelstück teurer, muss der Kaufpreis auf mehrere Jahre verteilt in den kommenden Steuererklärungen angegeben werden. Man spricht davon, dass die Möbel verteilt über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Die Dauer dieser Abschreibung richtet sich nach Tabellen der Finanzverwaltung, den sogenannten AfA-Tabellen (AfA = Absetzung für Abnutzung, steuer-umgangssprachlich sagt man Abschreibung). Die Tabellen gehen davon aus, dass Möbelstücke 13 Jahre genutzt werden (Steuer-Fachleute sprechen von Nutzungsdauer). Eine 13jährige Nutzungsdauer bedeutet, dass in den nächsten 13 Jahren jedes Jahr 1 / 13 des Kaufpreises bei den Werbungskosten angegeben wird.

Nutzungsdauer verschiedener Einrichtungs- und Haushaltsgegenstände laut AfA-Tabelle:

  • Waschmaschine: 10 Jahre

  • Kühlschrank: 10 Jahre

  • Spülmaschine: 7 Jahre

  • (Büro-)Möbel: 13 Jahre

  • Teppich: 8 Jahre

  • Fernseher: 7 Jahre

Möbel gebraucht kaufen oder vom Vormieter übernehmen und in der Steuererklärung angeben

Auch gebraucht gekaufte Möbel, egal ob vom Flohmarkt oder vom Vormieter übernommen, kannst Du so bei den Werbungskosten angeben. Allerdings kommt es doch auch ein bisschen darauf an, von wem Du die Möbel kaufst. Schuld daran ist die Umsatzsteuer: Privatleute, die Möbel verkaufen und Dir darüber eine Quittung ausstellen, geben dabei keine Umsatzsteuer an (dürfen sie auch gar nicht). Kaufst Du in einem Möbelgeschäft oder Second-Hand-Kaufhaus, wird auf der Rechnung 19 % Umsatzsteuer ausgewiesen.

Ob Du die Kosten für das Möbelstück in der Steuererklärung auf einen Schlag angeben darfst oder über mehrere Jahre verteilen musst, hängt von einem Höchstbetrag ab. Dieser ist – je nach dem, ob Umsatzsteuer ins Spiel kommt oder nicht – unterschiedlich hoch:

  • für Möbel, die ohne Umsatzsteuer gekauft wurden, beträgt er 410 €,

  • für Möbel, die mit Umsatzsteuer gekauft wurden, beträgt er 487,90 € (das entspricht 410 € plus 19 % Umsatzsteuer).

Möbelstücke, Waschmaschinen usw., die Du für maximal diesen Betrag kaufst, gibst Du gleich komplett in der Steuererklärung als Werbungskosten an – mit dem vollen Kaufpreis, den Du gezahlt hast (auf keinen Fall mit dem Neupreis!).

Sollte ein gebraucht gekauftes Möbelstück tatsächlich einmal mehr kosten als das, gilt: Auch bei gebrauchten Möbeln gibt es eine Nutzungsdauer – da die Nutzung aber bereits angefangen hat, spricht man von Restnutzungsdauer. Diese liegt zum Beispiel bei einer gekauften Küche bei sieben Jahren – sagt das Finanzgericht München, wobei wir natürlich keine Ahnung haben, wie die Küche, über die dort entschieden wurde, ausgesehen hat.

Mit anderen Worten: Je nach dem, wie alt ein gebraucht gekauftes Möbelstück ist und wie stark es abgenutzt ist, kannst Du die Restnutzungsdauer schätzen. Möbel haben normalerweise eine Nutzungsdauer von 13 Jahren (das ist in den sogenannten AfA-Tabellen so festgelegt). Wenn Du also ein fünf Jahre altes Designer-Sofa für 1.300 € erstehst, legst Du eine Restnutzungsdauer von 8 Jahren zugrunde und gibst in der Steuererklärung in den nächsten 8 Jahren bei den Werbungskosten jedes Jahr 1 / 8 von 1.300 € an. Je niedriger die Restnutzungsdauer ist, desto schneller hast Du das Möbelstück wie oben bei den neu gekauften Möbeln beschrieben auf die kommenden Steuererklärungen verteilt und abgeschrieben.

Noch keine Wohnung gefunden? So sparen Hotelkosten Steuern

Vielleicht hast Du nicht gleich zum Arbeitsbeginn eine Wohnung gefunden, sondern erst im Hotel gewohnt. Dann darfst Du bei den Werbungskosten nur die Übernachtungskosten im Hotel geltend machen – das Frühstück nicht. Wenn Deine Hotelrechnung neben dem Preis für die Übernachtung einen zusätzlichen Sammelposten Service-Pauschale enthält, in dem sich auch das Frühstück versteckt, dann musst Du den Rechnungsbetrag um eine Pauschale von 4,80 € kürzen und darfst nur den niedrigeren Betrag als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben.

Umzugskosten

beruflicher Anlass für den Umzug, Reisekosten bei Wohnungsbesichtigungen, Umzugsunternehmen und private Umzugshelfer usw.

Auch der Umzug selbst kostet Geld: Wahrscheinlich beauftragst Du nicht gleich eine Spedition, um Deine Sachen von A nach B zu transportieren, aber vielleicht hast Du ja einen Transporter gemietet? Die Kosten dafür gehören ebenfalls zu Deinen Werbungskosten.

Und auch vor dem Einzug können bereits Kosten entstanden sein: Für Besichtigungsfahrten zur (potentiellen) neuen Wohnung beispielsweise. Hier darfst Du für jeden gefahrenen Kilometer 30 Cent als Werbungskosten eintragen. Um beim Beispiel von oben – Lebensmittelpunkt in Friedrichshafen, Arbeitsort Stuttgart – zu bleiben: Die Entfernung beträgt 200 Kilometer, für eine Wohnungsbesichtigung einschließlich Heimfahrt legst Du 400 Kilometer zurück – ergibt 400 × 30 Cent = 120 € Werbungskosten.

Generell gilt: Für Deinen Umzug im Rahmen der doppelten Haushaltsführung gibt es keine Pauschalen, die Du in der Steuererklärung eintragen kannst. Du musst also die Umzugskosten einzeln nachweisen, um mit ihnen Steuern zu sparen.

Höchstbetrag: So viel darfst Du maximal absetzen

Als Aufwendungen für die Zweitwohnung am auswärtigen Beschäftigungsort kannst Du die tatsächlich entstandenen Kosten als Werbungskosten geltend machen. Es gibt also keine bequemen Pauschbeträge, sondern man muss ein bisschen rechnen. Das ist aber finanziell oft vorteilhaft.

Die Regelung, wie viele Werbungskosten für eine sogenannte doppelte Haushaltsführung geltend gemacht werden dürfen, wurde zum 1.1.2014 geändert.

Falls Du also noch eine Steuererklärung für Jahre bis einschließlich 2013 machen musst, gilt folgendes:

Zu den absetzbaren Werbungskosten für eine Mietwohnung am Arbeitsort gehören Miete plus Nebenkosten sowie Renovierungskosten, Maklerprovision, Inseratskosten, Gerichts- und Anwaltskosten wegen eines Mietrechtsstreits, außerdem die Zweitwohnungsteuer.

Absetzbar sind nur die Kosten für eine angemessene Unterkunft. Was angemessen ist, hat der Bundesfinanzhof definiert: Angemessen sind die Mietkosten in Höhe der ortsüblichen Miete für eine nach Lage und Ausstattung durchschnittliche Wohnung mit einer Wohnfläche von 60 m2. Bei unterdurchschnittlichem Wohnungsstandard mit Quadratmeterpreisen unter dem Ortsüblichen kann die Wohnfläche auch größer sein und umgekehrt. Das muss man dem Finanzamt gegebenenfalls erklären, normalerweise haben die Sachbearbeiter durchaus Verständnis dafür.

Soweit die Rechtslage bis einschließlich 2013.

Für die Jahre ab 2014 gilt:

Seit 2014 werden die tatsächlichen Kosten der Zweitunterkunft (also Miete und Nebenkosten, Renovierungskosten, Maklerprovision, Inseratskosten, Gerichts- und Anwaltskosten wegen eines Mietrechtsstreits, Zweitwohnungsteuer) bis maximal 1.000 € pro Monat als Werbungskosten anerkannt. Die vom BFH vorgegebene Obergrenze der ortsüblichen Durchschnittsmiete für eine 60 m2 große Wohnung ist damit seit 2014 Geschichte.

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