Der Steuerbescheid – musst Du damit noch etwas machen?

Nachdem das Finanzamt Deine Steuererklärung bearbeitet hat, schickt es Dir einen Steuerbescheid. Die wenigsten Menschen lesen ihren Steuerbescheid von vorne bis hinten durch: Wichtig ist ja nur, ob unter dem Strich das rauskommt, was man sich an Erstattung oder Nachzahlung ausgerechnet hat – oder? Aber was, wenn da ein ganz anderer Betrag steht und Du im schlimmsten Fall statt der erwarteten Erstattung kräftig Steuern nachzahlen musst?

Im Steuerbescheid steht, welche Deiner angegebenen Kosten berücksichtigt wurden (also Steuern gespart haben) und wie viel Steuern Du für ein Jahr endgültig zahlen musst. Gleichzeitig wird der Solidaritätszuschlag festgesetzt und ggf. auch die Kirchensteuer. Auch Zinsen, Verspätungs- oder Säumniszuschläge werden im Steuerbescheid genannt.

In diesem Beitrag liest Du alles, was Du rund um den Steuerbescheid beachten musst:

Wie prüft man einen Steuerbescheid?

Welche Fristen gelten, warum Du in einem Brief mehrere Bescheide bekommen kannst, große Checkliste zur Steuerbescheid-Prüfung

Wie lange hat man Zeit, um einen Steuerbescheid zu prüfen?

Sobald Du Deinen Steuerbescheid erhältst, beginnt eine Frist: Du hast jetzt einen Monat Zeit, um auf den Steuerbescheid zu reagieren. Das ist nicht viel! Denn innerhalb dieser Einspruchsfrist musst Du nicht nur den Steuerbescheid überprüfen, sondern auch noch Einspruch einlegen, falls der Steuerbescheid von Deiner Steuererklärung abweicht und Du ihn korrigieren lassen willst. Nach einem Monat ist Schluss, danach geht nichts mehr.

Bevor es ans Eingemachte geht und Du die Zahlen aus dem Steuerbescheid mit denen in Deiner Steuererklärung vergleichst, solltest Du folgendes tun:

Schritt 1: Vergleiche das Endergebnis im Steuerbescheid mit Deiner Berechnung.

Bekommst Du bei einer Steuererstattung den Betrag, den Du erwartet hast? Musst Du bei einer Steuernachzahlung den Betrag zahlen, den Du Dir ausgerechnet hast?

Wenn das so, ist hat das Finanzamt vermutlich alles so gemacht, wie Du es in der Steuererklärung beantragt hast.

Trotzdem solltest Du die einzelnen Werte prüfen – und zwar aus zwei Gründen: Zum einen kann es sein, dass das Finanzamt zwar bestimmte Kosten anerkannt hat, dies aber im nächsten Jahr nur noch unter bestimmten Voraussetzungen tun will. Zum anderen sind einige Beträge im Steuerbescheid die Grundlage für bestimmte Leistungen. Deshalb müssen sie stimmen, sonst kann es sein, dass die Leistungen geringer ausfallen oder ganz wegfallen.

Stimmt das Endergebnis im Steuerbescheid nicht mit Deiner Berechnung überein, hat das Finanzamt wahrscheinlich etwas gestrichen. Vergleiche dann alle Einzelwerte anhand dieser → Checkliste. Bei Abweichungen kannst Du Einspruch einlegen.

Schritt 2: Lies die Hinweise und Erläuterungen im Steuerbescheid.

Wenn das Finanzamt etwas geändert oder Ausgaben nicht anerkannt hat, findest Du in den Erläuterungen zum Steuerbescheid die entsprechenden Anmerkungen des Sachbearbeiters dazu. Wenn die Änderung aus Deiner Sicht nicht berechtigt ist, kannst Du Einspruch einlegen.

Manchmal helfen aber die Erläuterungen zum Steuerbescheid nicht weiter und eine Abweichung ist auch nach Überprüfung der einzelnen Werte nicht nachvollziehbar. Dann solltest Du ebenfalls Einspruch einlegen und Dir vom Finanzamt die Differenz erklären lassen.

Achtung: Mehrere Bescheide auf einem Papier

Wenn Du Deinen Steuerbescheid in den Händen hältst, ist das in den meisten Fällen nicht nur ein einziger Bescheid, sondern eigentlich mehrere Bescheide in einem Schreiben: Rechts neben Deiner Adresse steht zum Beispiel Bescheid für 2013 über Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag. Das sind schon mal mindestens zwei Bescheide, einer für die Einkommensteuer und einer für den Solidaritätszuschlag. Dazu können noch Bescheide über Kirchensteuer, Verlustfeststellung, Riester-Rente, Arbeitnehmersparzulage, Vorauszahlungen usw. kommen. Die einzelnen Bescheide werden auch Festsetzungen genannt.

Das ist wichtig, weil Du jede Festsetzung separat anfechten kannst. Ist also zum Beispiel der Bescheid über die Einkommensteuer fehlerhaft und muss geändert werden, sind auch die Folgeberechnungen wie Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag usw. fehlerhaft und müssen ebenfalls geändert werden. Es genügt in diesem Fall jedoch, einen Einspruch gegen die Einkommensteuerfestsetzung einzulegen.

Bist Du lediglich mit der Festsetzung von Vorauszahlungen nicht einverstanden, kannst Du nur gegen diese Einspruch einlegen. Die übrigen Festsetzungen bleiben davon unberührt. Das Gleiche gilt auch für alle anderen Festsetzungen.

Wir sprechen der Einfachheit halber trotzdem immer nur vom Steuerbescheid, womit aber das ganze Papier gemeint ist.

Checkliste: Die wichtigsten Punkte in Deinem Steuerbescheid

Es gibt spannendere Texte als den Steuerbescheid, so viel ist sicher. Trotzdem solltest Du ihn ganz genau lesen – auch wenn es schwerfällt und nach viel Arbeit aussieht. Diese → Checkliste hilft Dir dabei.

Nicht alle Punkte aus der Checkliste treffen auf Dich zu. Als 25-jähriger lediger und kinderloser Arbeitnehmer kannst Du zum Beispiel die Ausführungen zur Rente, zum Altersentlastungsbetrag und zu den Steuervorteilen für Eltern ignorieren.

Wann und wie kann ein Steuerbescheid geändert werden?

Wie legt man Einspruch gegen den Steuerbescheid ein, Unterschied zwischen offenen, bestandskräftigen und vorläufigen Steuerbescheiden

In Kapitel 1 haben wir schon an verschiedenen Stellen erwähnt, dass Du gegen einen Steuerbescheid Einspruch einlegen kannst. Dafür gibt es verschiedene Vorschriften zu Form und Frist.

Einspruch: Form, Frist und Kosten

Ein Einspruch muss schriftlich eingelegt werden, und zwar innerhalb eines Monats nach Zugang des Steuerbescheids. Wenn die Frist auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag endet, verlängert sie sich bis zum nächsten Werktag.

Der Einspruch ist zunächst auch ohne Angabe von Gründen wirksam, die Begründung muss dann aber nachgereicht werden. Verschiedene kostenlose Musterbriefe dazu findest Du → hier.

Ein Einspruch kostet nichts. Allerdings kann es sein, dass das Finanzamt Deinen Einspruch ablehnt. Dann musst Du überlegen, ob es sich lohnt, vor Gericht zu gehen. Dort fallen dann Gebühren an.

In welchen Fällen sollte Einspruch eingelegt werden?

Wenn Du Angaben vergessen hast, das Finanzamt zu Unrecht oder ohne Begründung etwas abgelehnt hat oder Du von einem Steuervorteil nichts gewusst hast, solltest Du Einspruch einlegen. Auch bei älteren Steuerbescheiden ist dann manchmal noch etwas zu retten.

Wie Du vorgehen musst, hängt davon ab, ob Dein Steuerbescheid bestandskräftig ist oder nicht.

Was ist ein offener Steuerbescheid?

Solange Dein Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist, ist er offen. Eine Änderung zu Deinem Vorteil ist dann noch einfach und unproblematisch.

In den drei folgenden Fällen ist ein Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig und eine Änderung unproblematisch:

  • Du hast den Steuerbescheid erst vor Kurzem erhalten: Legst Du innerhalb eines Monats nach Erhalt des Steuerbescheids Einspruch ein, kann der Steuerbescheid noch in jedem Punkt geändert werden.

  • Der Steuerbescheid ist vorläufig: Ein solcher Steuerbescheid bleibt in ganz bestimmten Punkten offen. In allen übrigen Punkten ist der Steuerbescheid nach Ablauf der Einspruchsfrist bestandskräftig. Welche das sind, steht in den Erläuterungen zum Steuerbescheid. Solange einzelne Punkte vorläufig sind, ist die Änderung des Steuerbescheids in diesen vorläufigen Punkten auch nach vielen Jahren noch möglich.

  • Der Steuerbescheid steht unter dem Vorbehalt der Nachprüfung: Ein solcher Steuerbescheid ist in keinem einzigen Punkt bestandskräftig – auch wenn die Einspruchsfrist längst abgelaufen ist. Eine Änderung ist ohne Einschränkungen und Hindernisse jederzeit möglich – solange der Vorbehalt besteht. Du musst nur die Festsetzungsfrist beachten: Nach Ablauf dieser Frist fällt der Vorbehalt der Nachprüfung einfach weg, der Steuerbescheid kann dann nicht mehr korrigiert werden.

Was ist ein bestandskräftiger Steuerbescheid?

Ein Steuerbescheid ist bestandskräftig, wenn

  • die Einspruchsfrist von einem Monat verstrichen ist,

  • Du keinen Einspruch eingelegt hast und

  • der Steuerbescheid nicht vorläufig ist und nicht unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht.

Ist der Steuerbescheid erst einmal bestandskräftig, kann er nur noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen geändert werden. Die Änderung eines bestandskräftigen Steuerbescheids soll nämlich aus Gründen der Rechtssicherheit eher die Ausnahme als die Regel sein.

WennDu mit dem Gedanken spielst, gegen einen bestandskräftigen Steuerbescheid vorzugehen, solltest Du Dich an einen Fachmann wenden, beispielsweise einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein.

Was ist ein vorläufiger Steuerbescheid?

Manchmal kann das Finanzamt nicht alle Unklarheiten klären, bevor es einen Steuerbescheid erlässt. Damit man als Steuerzahler in solchen Fällen nicht monate- oder gar jahrelang auf seinen Steuerbescheid warten muss, darf das Finanzamt einen vorläufigen Steuerbescheid erlassen.

Ein Steuerbescheid kann vorläufig ergehen, wenn

  • ungewiss ist, ob und wann Verträge mit anderen Staaten über die Besteuerung, die sich zugunsten des Steuerpflichtigen auswirken, für die Steuerfestsetzung wirksam werden,

  • das Bundesverfassungsgericht die Unvereinbarkeit eines Steuergesetzes mit dem Grundgesetz festgestellt hat und der Gesetzgeber zu einer Neuregelung verpflichtet ist,

  • die Vereinbarkeit eines Steuergesetzes mit höherrangigem Recht Gegenstand eines Verfahrens bei dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften, dem Bundesverfassungsgericht oder einem obersten Bundesgericht ist oder

  • die Auslegung eines Steuergesetzes Gegenstand eines Verfahrens bei dem Bundesfinanzhof ist.

Durch die vorläufige Steuerfestsetzung in einzelnen Punkten bleiben Deine Rechtsansprüche gewahrt, ohne dass Du Einspruch einlegen musst:

  • Entscheidet das Gericht positiv, zum Beispiel dass bestimmte Kosten anerkannt werden müssen, wird der Steuerbescheid automatisch vom Finanzamt zu Deinen Gunsten geändert.

  • Fällt die Entscheidung des Gerichts negativ aus und wird zum Beispiel eine Vorschrift für verfassungsgemäß erklärt, bleibt es beim ursprünglichen Steuerbescheid.

Die Vorläufigkeit betrifft nicht den gesamten Steuerbescheid, sondern nur einen oder auch mehrere einzelne Punkte. Der Steuerbescheid bleibt deshalb auch nur in diesen Punkten offen. Nur diese Punkte können später noch geändert werden. Alles andere nicht mehr.

Bis wann muss man eine Nachzahlung leisten und wie macht man das?

Frist zur Nachzahlung von Steuern, wie gebe ich dem Finanzamt sein Geld

Im Steuerbescheid steht, wie viel Steuern Du endgültig für ein Jahr zahlen musst. Die während des Jahres gezahlten Steuern, zum Beispiel Lohnsteuer und Einkommensteuer-Vorauszahlungen, rechnet das Finanzamt auf die Steuerschuld an. Die Differenz zwischen den endgültig zu zahlenden Steuern und den Vorauszahlungen ist die Steuererstattung oder Steuernachzahlung.

Falls Du Steuern nachzahlen musst, hast Du dafür einen Monat Zeit. Diese Zahlungsfrist beginnt mit der Bekanntgabe des Steuerbescheids.

Schau einfach in Deinen Steuerbescheid, dort findest Du das Datum, bis wann Du Deine Steuern spätestens zahlen musst.

Die Nachzahlung wird auch fällig, wenn Du Einspruch einlegst. Nur wenn Du wegen des strittigen Betrags erfolgreich einen Antrag auf → Aussetzung der Vollziehung gestellt hast, musst Du die Steuernachzahlung erst einmal nicht begleichen. Das Gleiche gilt bei einem Antrag auf Stundung der Zahlung und einem Antrag auf Erlass der Steuern (mehr dazu unten).

Falls Du eine Steuererstattung bekommst, musst Du nicht einen Monat darauf warten – das Finanzamt überweist das Geld ziemlich schnell, nachdem es Dir den Steuerbescheid geschickt hat.

Wie bekommt das Finanzamt sein Geld?

Eine Zahlung an das Finanzamt gilt als geleistet

  • bei Banküberweisung oder Einzahlung am Bank- oder Postschalter: am Tag der Gutschrift auf dem Konto der Finanzkasse;

  • bei Übergabe von Bargeld: am Tag der Einzahlung bei der Finanzkasse;

  • bei Übersendung eines Schecks: erst drei Tage nach dem Zugang des Schecks beim Finanzamt;

  • bei einer Einzugsermächtigung: am Tag der Fälligkeit der Steuerschuld.

Strafe für Spätzahler

Falls Du Steuern nachzahlen musst, mach das bitte das rechtzeitig: Wenn Du bei Fälligkeit noch nicht bezahlt hast, droht ein Säumniszuschlag als Strafe. Er beträgt für jeden angefangenen Monat 1 % des auf den nächsten durch 50 € teilbaren abgerundeten Steuerbetrags.

Die Steuernachzahlung beträgt 780 €, abgerundet 750 €, und ist fällig am 15.8. Du zahlst am 25.9. Für die Zeit vom 16.8.-25.9. verlangt das Finanzamt einen Säumniszuschlag. Dieser beträgt 15 € (= 2 % von 750 €).

Kurze Verzögerungen werden zum Glück nicht bestraft: Die sogenannte Zahlungsschonfrist bewahrt Dich vor den Säumnisfolgen, wenn die Zahlung nur kurze Zeit zu spät geleistet wird. Diese Schonfrist beträgt drei Tage – und gilt nur für Überweisungen! Für Bareinzahlungen bei der Finanzkasse oder Zahlung per Scheck gibt es keine Schonfrist.

Kann man Steuern auch in mehreren Raten nachzahlen?

Wann ist beim Finanzamt Ratenzahlung möglich, braucht man dafür einen triftigen Grund, können Steuern auch ganz erlassen werden

Ratenzahlung bei Steuernachzahlungen

Wenn Du Deine Steuerschuld später bezahlen willst, kannst Du beim Finanzamt einen Antrag auf Stundung stellen. Stunden bedeutet, dass die Fälligkeit hinausgeschoben wird. Du bezahlst also erst später und zum Beispiel in Raten.

Den Antrag auf Stundung stellst Du möglichst schon vor Fälligkeit der Zahlung.

Bedingung für eine Stundung: Die pünktliche Steuerzahlung ist für Dich eine erhebliche Härte, Du würdest in ernsthafte und unvermeidbare Zahlungsschwierigkeiten kommen. Deine Gründe für einen Wunsch nach Stundung musst Du dem Finanzamt nennen:

  • Gib Deine persönlichen Gründe an: plötzliche Arbeitslosigkeit, Krankheit, Naturkatastrophe (z. B. Hochwasser).

  • Erkläre Deinen Zahlungsengpass: Wie hoch sind die jetzigen und in naher Zukunft zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben?

Das Finanzamt ist nicht verpflichtet, Deinen Antrag auf Stundung anzunehmen! Normalerweise ist das Finanzamt aber nicht kleinlich bei sonst pünktlichen Steuerzahlern, kleineren Beträgen und nur kurzen gewünschten Stundungszeiträumen.

Am besten machst Du in Deinem Antrag auf Stundung schon Vorschläge zur Zahlung, zum Beispiel, dass Du einen Teilbetrag sofort und den Rest in drei gleichen Raten zu bestimmten Terminen zahlen kannst.

Solange gestundet ist, können keine Säumniszuschläge entstehen. Wenn Du bei Fälligkeit aber einfach nicht zahlst, verlangt das Finanzamt zusätzlich Säumniszuschläge. Außerdem werden bei einer Stundung immer auch Zinsen fällig.

Erlass von Steuerschulden

Wenn das Steuernzahlen nach Lage des einzelnen Falles unbillig ist, kann das Finanzamt die Steuerschuld niedriger festsetzen oder Steuern sogar ganz erlassen.

Das kommt in der Praxis aber nur sehr selten vor: Die Steuerzahlung müsste Deine wirtschaftliche oder persönliche Existenz vernichten oder ernsthaft gefährden. Ob diese Gefahr droht, entscheidet das Finanzamt im Einzelfall.

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