Werbungskosten, Sonderausgaben und der Unterschied

Definitionen; warum Werbungskosten besser sind als Sonderausgaben

Definition: Was sind Werbungskosten?

Werbungskosten sind alle Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen. Also bei Dir als Azubi alles, was Du selber im Zusammenhang mit Deiner Ausbildung bezahlen musst.

Das können Schulbücher sein, Hefte und Arbeitskleidung. Auch Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit gehören zu den Werbungskosten – das gilt sogar unabhängig vom Verkehrsmittel und unabhängig davon, ob Dir überhaupt Kosten entstanden sind. Wenn Du also jeden Tag mit dem Fahrrad zur Ausbildungsstelle oder in die Berufsschule fährst, kannst Du trotzdem Werbungskosten in Deiner Steuererklärung eintragen. Die Höhe hängt von der Entfernung ab.

Welche Ausgaben Du bei den Werbungskosten eintragen darfst, erklären wir Dir im Kapitel Diese Kosten sparen Steuern .

Definition: Was ist eine Verlustfeststellung?

Als Auszubildender mit nur geringen Einnahmen hast Du kaum Geld auf der Plus-Seite, das Du mit Ausgaben verrechnen kannst. Das heißt nicht, dass Deine Kosten komplett an Dir hängen bleiben – denn es gibt die Möglichkeit, sogenannte vorweggenommene Werbungskosten in der Steuererklärung einzutragen und damit später, wenn Du Geld verdienst, Steuern zu sparen. Im Steuerrecht spricht man dann von Verlustfeststellung. Diesen Begriff solltest Du Dir unbedingt merken, Du wirst ihn hier noch öfter lesen.

Um das Ganze nicht zu einfach zu machen, spricht man in dem Jahr, in dem zum ersten Mal ein Verlust festgestellt wird, von Verlustfeststellung und in den folgenden Jahren von Verlustvortrag. Was ja sogar irgendwie logisch ist: Der im ersten Jahr festgestellte Verlust wird in den nächsten Jahren immer weiter in die Folgejahre übertragen (vorgetragen) und erhöht sich dabei jedes Jahr – weil ja neue Ausgaben dazukommen, ohne dass Du großartig Einnahmen hast. Erst wenn Du im Beruf durchstartest und Geld verdienst, werden die vorgetragenen Verluste verrechnet – vereinfacht ausgedrückt gilt dann: Gehalt minus vorgetragene Verluste ergibt den Betrag, auf den Du Einkommensteuer zahlen musst.

Definition: Was sind Sonderausgaben?

Sonderausgaben sind Aufwendungen, die eigentlich privat veranlasst sind und mit dem Job bzw. der Ausbildung nichts zu tun haben, ausnahmsweise aber zum Steuern sparen genutzt werden dürfen. Das Einkommensteuergesetz zählt auf, welche Arten von Ausgaben zu den Sonderausgaben gehören. Es gibt verschiedene Untergruppen – Kosten für eine erstmalige Berufsausbildung gehören zum Beispiel zu den allgemeinen Sonderausgaben.

Warum sind Werbungskosten besser als Sonderausgaben?

Sonderausgaben dürfen nur in Höhe von maximal 6.000 € pro Jahr in der Steuererklärung angegeben werden. Bei der Angabe von Werbungskosten gibt es keine Beschränkung nach oben.

Jetzt sind natürlich 6.000 € auch schon eine Menge Geld. Schlimmer ist also der zweite Punkt, in dem sich die Behandlung von Sonderausgaben und Werbungskosten unterscheidet: Nur Werbungskosten können im Rahmen eines sogenannten Verlustvortrags mit den Einkünften aus späteren Jahren verrechnet werden. Sonderausgaben nicht. Steuernsparen geht bei Sonderausgaben also nur sofort – oder eben gar nicht.

Zusammengefasst bedeutet das: Wenn Du in der ersten Ausbildung bist und diese außerhalb eines Dienstverhältnisses stattfindet, kannst Du nur Sonderausgaben angeben. Die laufen aber ins Leere, weil Du keine Einnahmen hast, mit denen Du sie in Deiner Steuererklärung verrechnen kannst. Und vortragen geht nicht.

Dass das kein erfreulicher Zustand ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Und so muss jetzt das Bundesverfassungsgericht – das ist das höchste deutsche Gericht – entscheiden, ob man nicht auch während der ersten Ausbildung schon seine Kosten bei den Werbungskosten eintragen darf (mehr dazu → hier). Puh.

Fazit: Mach schon mal eine Steuererklärung, in der Du davon ausgehst, dass das Bundesverfassungsgericht Werbungskosten akzeptiert (Hinweis für Renos, Rechtspfleger etc: ja, dieser Satz ist juristisch ungenau, er schubst die Betroffenen aber in die richtige Richtung :-)).

Wenn Du Deine Ausgaben als Werbungskosten angibst und die Verluste feststellen lässt (wie das geht, haben wir → hier erklärt) und das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil sagt, dass das so anerkannt werden muss, dann hast Du einen Haufen Geld gespart – weil Du sozusagen präventiv gehandelt und Deine Ausgaben in einer Steuererklärung angegeben hast.

An dieser Stelle an kleiner bitte-nicht-erschrecken-Hinweis: Wenn Du Deinen Steuerbescheid bekommst, wird Dir das Finanzamt darin mitteilen, dass es die Werbungskosten nicht anerkennt. Das ist aber im Moment völlig egal, und Du brauchst auch nichts zu unternehmen. Denn das Finanzamt darf erst endgültig nein (oder ja) sagen, wenn das Bundesverfassungsgericht entschieden hat. Dein Steuerbescheid ist insoweit offen oder vorläufig: Du musst nicht Einspruch einlegen, um von einer positiven Entscheidung zu profitieren – einfach nur abwarten.

Mehr zum Thema Steuerbescheid und wie man ihn prüft (ja, das ist absolut nötig, denn das Finanzamt macht da schon auch mal Fehler!!) kannst Du → hier nachlesen.

Kommt das Bundesverfassungsgericht zu dem Ergebnis, dass die unterschiedliche Behandlung in Ordnung ist, hast Du nichts verloren. Deine Ausgaben werden zwar leider nicht anerkannt, aber Du musst auch keine Strafe zahlen oder so. Du kommst also bei Null raus – und da wärst Du ohne Steuererklärung auch gewesen.

Zur Erinnerung: Kosten für die Zweitausbildung sind immer Werbungskosten. Wenn Du also schon eine Lehre gemacht hast und die Ausbildung außerhalb eines Dienstverhältnisses (nur darum geht es hier!) die zweite Ausbildung ist, dann werden Deine Verluste auf jeden Fall anerkannt.

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