Diese Kosten sparen Steuern!

neu und gebraucht gekaufte Arbeitsmittel, Fahrtkosten und Unfälle, Prüfungsgebühren, Telefonkosten, Lerngruppe, Miete, Geldgeschenke usw.

Grundsätzlich fallen natürlich bei allen Auszubildenden mehr oder weniger die gleichen Kosten an: Fahrtkosten, Lehrbücher, Laptop, vielleicht noch die Miete für ein WG-Zimmer usw.

Wichtig: Du musst dem Finanzamt gegenüber nachweisen, dass Du dieses Geld tatsächlich ausgegeben hast. Hebe also jeden Beleg und jede Quittung auf.

Damit Du nichts vergisst, haben wir hier eine ausführliche Liste zusammengestellt. Damit wir im Text nicht immer Werbungskosten / Sonderausgaben schreiben müssen (das wäre ziemlich unübersichtlich), haben wir uns für Werbungskosten entschieden. Das wird der häufigste Fall sein.

Wenn Dir keine Kosten entstanden sind, kannst Du nichts in der Steuererklärung angeben.

Lara wird von ihrem Vater zu einem Wochenendseminar gefahren. Ihr entstehen dabei keine Kosten. Konsequenz: Sie kann für diese Fahrt keine Werbungskosten absetzen.

Arbeitsmittel

Das sind zum Beispiel Lehrbücher, ein Computer oder auch Arbeitsschutzkleidung, die Du für Deine Ausbildung selbst (!) kaufen musst. Im Steuerrecht fasst man das unter dem Begriff Arbeitsmittel zusammen.

Du darfst die Kosten für das Arbeitsmittel komplett bei den Werbungskosten angeben, wenn es nicht mehr gekostet hat als

Das Finanzamt spricht dabei von Sofortabschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter: Sofort, weil der Betrag nicht auf mehrere Jahre verteilt werden muss, und geringwertig, weil die Kosten in den Augen der Finanzverwaltung verhältnismäßig niedrig sind.

Wenn Dein Arbeitsmittel teurer war, musst Du die Kosten auf mehrere Jahre aufteilen und darfst jedes Jahr nur einen Teil der Kosten bei den Werbungskosten eintragen. Das ist die sogenannte Absetzung für Abnutzung, oder kurz: AfA. Umgangssprachlich spricht man von Abschreibung.

Die Dauer dieser Abschreibung richtet sich nach Tabellen der Finanzverwaltung, den sogenannten AfA-Tabellen. Die Tabellen gehen zum Beispiel davon aus, dass ein Computer drei Jahre genutzt wird (Steuer-Fachleute sprechen von Nutzungsdauer). Eine dreijährige Nutzungsdauer bedeutet, dass in den nächsten Jahren jedes Jahr 1 / 3 des Kaufpreises bei den Werbungskosten angegeben wird.

Jetzt passiert es natürlich selten, dass Du einen Computer direkt am 2. Januar kaufst... Deshalb gilt, dass monatsgenau gerechnet wird. Wenn Du Dir also irgendwann im April einen neuen Computer anschaffst, dann werden die 36 Monate (3 Jahre) auf vier Kalenderjahre verteilt:

Das musst Du beim Kauf von gebrauchten Arbeitsmitteln beachten

Auch gebraucht gekaufte Arbeitsmittel kannst Du so bei den Werbungskosten angeben. Allerdings kommt es doch auch ein bisschen darauf an, von wem Du die Sachen kaufst. Schuld daran ist die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer): Privatleute geben auf ihren Quittungen keine Umsatzsteuer an (dürfen sie auch gar nicht). Kaufst Du im Second-Hand-Kaufhaus, wird auf der Rechnung 19 % Umsatzsteuer ausgewiesen.

Ob Du die Kosten für Dein Arbeitsmittel in der Steuererklärung auf einen Schlag angeben darfst oder über mehrere Jahre verteilen musst, hängt wieder von einem Höchstbetrag ab. Dieser ist – je nachdem, ob Umsatzsteuer ins Spiel kommt oder nicht – unterschiedlich hoch:

  • für Dinge, die ohne Umsatzsteuer gekauft wurden, beträgt er 410 €,

  • für Dinge, die mit Umsatzsteuer gekauft wurden, beträgt er 487,90 € (das entspricht 410 € plus 19 % Umsatzsteuer).

Arbeitsmittel, die Du für maximal diesen Betrag kaufst, gibst Du gleich in der Steuererklärung als Werbungskosten an – mit dem vollen Kaufpreis, den Du gezahlt hast (auf keinen Fall mit dem Neupreis!).

Sollte ein gebraucht gekauftes Arbeitsmittel tatsächlich einmal mehr kosten als das, gilt: Auch bei gebrauchten Gegenständen gibt es eine Nutzungsdauer – da die Nutzung aber bereits angefangen hat, spricht man von Restnutzungsdauer.

Mit anderen Worten: Je nachdem, wie alt ein gebraucht gekauftes Arbeitsmittel ist und wie stark es bereits beansprucht wurde, kannst Du die Restnutzungsdauer schätzen. Je niedriger die Restnutzungsdauer ist, desto schneller hast Du das Arbeitsmittel auf die kommenden Steuererklärungen verteilt und abgeschrieben.

Geschenkte oder geerbte Arbeitsmittel

Auch Gegenstände, die Du geschenkt bekommen oder geerbt hast, kannst Du für Deine Ausbildung nutzen, also umwidmen. Dann darfst Du ab dem Zeitpunkt der Umwidmung für diese Gegenstände Werbungskosten geltend machen – und zwar in der Höhe, in der der Schenker bzw. Erblasser bei beruflicher Nutzung des Gegenstands Werbungskosten absetzen könnte, wenn er noch Eigentümer bzw. am Leben wäre.

Das bedeutet: Maßgebend für den Werbungskostenabzug ist auch hier der Restwert zum Zeitpunkt der Umwidmung. Den Restwert und die Restnutzungsdauer berechnest Du so, wie wir es bei den gebraucht gekauften Arbeitsmitteln beschrieben haben.

Bewerbungskosten

Alle Kosten, die bei der Suche nach einem Arbeitsplatz entstehen, sind Werbungskosten. Das gilt auch für Bewerbungen, die nicht zum Erfolg geführt haben, bei denen Du also eine Absage (oder gar keine Antwort) bekommen hast.

Diese Kosten sind als Werbungskosten absetzbar

Schriftliche Bewerbungen: Zu den Werbungskosten gehören die Ausgaben für Bewerbungsfotos, amtliche Beglaubigungen, Fotokopien, Schnellhefter, Klarsichthüllen, Briefpapier, Briefumschlag, Briefporto, fremde Schreibarbeiten usw.

Schreibst Du Deine Bewerbungen mit dem Computer, kannst Du sogar von den Anschaffungskosten des Computers den entsprechenden Anteil der Nutzung steuerlich geltend machen. Das wird aber sehr kleinteilig und eher etwas für echte Pfennigfuchser...

Jobbörsen im Internet: Suchst Du im Internet nach einer neuen Arbeitsstelle, sind die Kosten der Internetnutzung abziehbar – also die Verbindungskosten, die Du bei einer Flatrate z. B. so berechnest:

  • Kosten der Flat im Monat: 25 €,

  • Internetnutzung im Monat insgesamt: 90 Stunden,

  • davon Stellensuche: 30 Stunden,

  • absetzbar ist dann 1 / 3 der Monatsgebühr, also 8,33 €

Telefonate und Korrespondenz im Zusammenhang mit der Bewerbung;

Anzeigen, die Du selbst in Zeitungen oder Fachzeitschriften aufgegeben hast;

Bücher, die Tipps zur Bewerbung und zur Vorstellung vermitteln, z. B. Wie bewerbe ich mich richtig?;

selbst bezahlte Kurse, die auf Vorstellungsgespräche vorbereiten (z. B. Assessment-Center-Training);

So weist Du die Kosten nach

Deine Bewerbungskosten musst Du nachweisen oder wenigstens glaubhaft machen. Wenn Du sehr viele Bewerbungen geschrieben hast, berechnest Du einfach die Kosten für eine Bewerbung und multiplizierst sie dann mit der Anzahl der Bewerbungen.

Kannst Du Deine Bewerbungskosten nicht im Einzelnen nachweisen, darfst Du schätzen. Dabei orientierst Du Dich am besten der Schätzung des Finanzgerichts Köln: Für Bewerbungen mit Bewerbungsmappe hat es pauschal 8,50 € anerkannt, für Bewerbungen ohne Mappe 2,50 €, z. B. E-Mail-Bewerbungen, Kurz- und Initiativbewerbungen.

Fahrtkosten

Für die Fahrt zur Ausbildungsstätte und zur Berufsschule darfst Du Fahrtkosten geltend machen.

Der Grund für die unterschiedliche Behandlung ist, dass Du nur eine sogenannte erste Tätigkeitsstätte haben kannst. Das ist im Einkommensteuergesetz so festgelegt. Als Azubi ist Deine erste Tätigkeitsstätte Dein Ausbildungsbetrieb. Alle anderen Orte (also nicht nur die Berufsschule, sondern zum Beispiel auch Schulungszentren oder Hotels, in denen Du eine Fortbildung besuchst) sind für das Finanzamt auswärtige Tätigkeitsstätten. Und für den Weg zu diesen auswärtigen Tätigkeitsstätten bekommst Du mehr Werbungskosten anerkannt.

Gebühren

Ausgaben für Lehrgangsgebühren, Zulassungsgebühren, Prüfungsgebühren usw. gehören zu den Ausbildungskosten und damit auch zu den Werbungskosten.

Lerngruppen

Wenn Du Dich nach der Arbeit oder Schule oder am Wochenende mit anderen in einer privaten Lerngruppe triffst, um das Gelernte gemeinsam nachzubereiten, kann auch das beim Steuern sparen helfen. Voraussetzung dafür, dass Du hier Kosten in der Steuererklärung angeben darfst, ist, dass ihr euch nahezu ausschließlich aus Gründen der Ausbildung zusammensetzt – also nicht nebenbei Geburtstag feiern, Fußball gucken oder die nächste Party planen! Am besten schreibst Du für das Finanzamt genau auf, wann und wo ihr euch getroffen und welche Themen ihr dabei wiederholt habt.

Dann kannst Du die Fahrt zur Lerngruppe bei den Werbungskosten wie folgt angeben: 30 Cent pro Kilometer der Hin- und Rückfahrt.

Vielleicht veranstaltet ihr einen richtig langen Lernmarathon oder die anderen Azubis in Deiner Lerngruppe wohnen nicht in der gleichen Stadt wie Du, sodass Du im Anschluss ans Lernen bei einem von ihnen übernachtest. Dann kann es sein, dass Du 8 oder noch mehr Stunden von zuhause weg bist. Dafür kannst Du dann sogar den sogenannten Verpflegungsmehraufwand geltend machen. Hier sind die Beträge:

Mehrtägiger Aufenthalt bei der Lerngruppe: Kalendertägliche Abwesenheitsdauer 24 Stunden

24,00 €

Mehrtägiger Aufenthalt bei der Lerngruppe: An- und Abreistag, wenn die Abwesenheit von Deiner Wohnung diesen, einen anschließenden oder vorhergehenden Tag umfasst (keine Mindestabwesenheit erforderlich)

12,00 €

Eintägiger Aufenthalt bei der Lerngruppe: Abwesenheit mehr als 8 Stunden

12,00 €

weniger als 8 Stunden

0,00 €

Miete für WG-Zimmer / Wohnheim / Wohnung

Unter bestimmten Voraussetzungen kannst Du sogar viele Kosten rund ums Wohnen in Deiner Steuererklärung angeben. Damit das geht, muss es sich um eine sogenannte doppelte Haushaltsführung handeln.

Das bedeutet: Du musst neben Deinem Haushalt am Ausbildungsort (ein WG-Zimmer reicht dafür schon aus!) eine weitere Wohnung an Deinem sogenannten Lebensmittelpunkt haben. Die Wohnung kann auch eine Mietwohnung sein, die Einliegerwohnung im Haus Deiner Eltern oder ein Zimmer in einer anderen WG.

Wichtig: Bei dieser Wohnung am Lebensmittelpunkt musst Du Dich finanziell an den Kosten der Lebensführung in dieser Wohnung beteiligen! Dass Du im Haushalt Deiner Eltern ein oder mehrere Zimmer bewohnst oder eine Wohnung im Elternhaus unentgeltlich nutzen kannst, reicht für den Kostenabzug leider nicht aus.

Einfacher ist die Sache mit dem Lebensmittelpunkt, die Du dem Finanzamt gegenüber natürlich auch nachweisen musst. Das machst Du z. B. über eine Liste mit den Fahrten, die Du (möglichst oft) dorthin durchgeführt hast (Tankquittung oder Bahnticket als Beweis aufheben) oder einem Nachweis darüber, dass Du Mitglied in einem Verein an diesem Ort bist.

Wie das mit der doppelten Haushaltsführung genau funktioniert, haben wir → hier in einem Beitrag für Berufseinsteiger erklärt. Für Auszubildende gilt das gleiche.

Falls die Voraussetzungen vorliegen, darfst Du für die ersten drei Monate im Wohnheim, der WG oder der eigenen Wohnung zusätzlich noch die sogenannten Verpflegungspauschalen in der Steuererklärung angeben. Das sind die folgenden festen Beträge:

Mehrtägiger Aufenthalt am Ausbildungsort: Kalendertägliche Abwesenheitsdauer 24 Stunden

24,00 €

Mehrtägiger Aufenthalt am Ausbildungsort: An- und Abreistag, wenn die Abwesenheit von der Wohnung der Eltern diesen, einen anschließenden oder vorhergehenden Tag umfasst (keine Mindestabwesenheit erforderlich)

12,00 €

Eintägiger Aufenthalt am Ausbildungsort: Abwesenheit mehr als 8 Stunden

12,00 €

weniger als 8 Stunden

0,00 €

Hinweis: Falls Dir jemand etwas von auswärtiger Unterbringung erzählt, die Du absetzen kannst, dann erkläre ihm bitte, dass es das seit 2014 nicht mehr gibt. Nur bis Ende 2013 galt: Wohnte ein Kind während seiner Ausbildung außerhalb der elterlichen Wohnung und führte einen getrennten Haushalt, lag eine auswärtige Unterbringung vor. Trug es selbst die auswärtigen Unterbringungskosten, etwa die Miete, konnte es diese abziehen. Das ist aber inzwischen abgeschafft.

Telefon und Internet

Internet- und Telefonkosten, die durch die Ausbildung entstehen, gehören ebenfalls zu den Werbungskosten. Wie viel Du angeben darfst, berechnest Du anhand eines Einzelverbindungsnachweises selbst.

Wenn Du also beispielsweise mit Mitschülern telefonierst, um Dich für eine → Lerngruppe zu verabreden, oder das Schulsekretariat, den Ausbildungsbetrieb, das Prüfungsamt, die Kammer usw. anrufst, dann berechnest Du, wie viel Prozent Deiner insgesamt am Telefon verbrachten Zeit das war. Den entsprechenden Prozentsatz Deiner Rechnung bzw. Flatrate gibst Du bei den Werbungskosten an.

Unfallkosten

Passiert auf einer Fahrt im Zusammenhang mit Deiner Ausbildung ein Unfall, z. B. bei der Fahrt zum Ausbildungsbetrieb, zur Berufsschule oder zu einer Lerngemeinschaft, kannst Du die dabei entstehenden Kosten absetzen.

Die Kosten ermittelst Du am besten in einer gesonderten Aufstellung, die Du der Steuererklärung beilegst. Einen kostenlosen Mustervordruck, mit dem Du Unfallkosten einfach und vollständig in der Steuererklärung geltend machen kannst, findest Du unter www.steuertipps.de im Bereich Service / Berechnungsbögen und Arbeitshilfen. Dabei geht es zwar um Unfälle von Selbstständigen, aber letztendlich ist es das gleiche.

Zinsen für Ausbildungsdarlehen und BAföG-Darlehen

Zinsen für ein Ausbildungsdarlehen gehören zu den abziehbaren Kosten. Die Rückzahlung (Tilgung) des Ausbildungsdarlehens dagegen darfst Du in der Steuererklärung nicht angeben – egal ob Du das Darlehen in Raten oder in einem Betrag zurückzahlst. Das gilt auch für die Raten zur Rückzahlung eines BAföG-Darlehens.

BAföG und Stipendien

Bekommst Du zur Förderung Deiner Berufsausbildung steuer- und rückzahlfreie Zuschüsse, mit denen zum Beispiel Kosten für Arbeitsmittel und Fahrtkosten abgegolten werden, musst Du den entsprechenden Betrag von Deinen Ausbildungskosten abziehen. Das betrifft z. B. der Zuschussanteil beim Meister-BAföG und Leistungen für Weiterbildungsmaßnahmen nach §§ 79, 81 SGB III. Die Zuschüsse werden auch dann auf die Aufwendungen angerechnet, wenn Du sie erst nachträglich erhältst.

Sebastian absolvierte Ende des Jahres 01 eine Ausbildung. Die Kosten in Höhe von 300 € bezahlt er zunächst selbst. Anfang des Jahres 02 erstattet ihm die Arbeitsagentur 170 €. Obwohl Sebastian die Erstattung erst im Jahr 02 erhalten hat, muss er sie im Jahr 01 anrechnen. Deshalb darf er in 01 nur 130 € steuerlich geltend machen (= 300 € - 170 €).

Geldgeschenke zur Finanzierung der Ausbildung

Bekommst Du Geld zur Finanzierung Deiner Ausbildungskosten von Verwandten oder Bekannten geschenkt, werden diese Mittel nicht auf die abziehbaren Ausbildungskosten angerechnet und müssen in der Steuererklärung nicht angegeben werden.

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