Zusatzversorgung: Umlagebeiträge sind steuerpflichtig

 - 

Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) zusatzversichert. Dafür gezahlte Umlagebeiträge des Arbeitgebers werden vom Finanzamt als steuerpflichtiger Arbeitslohn behandelt. Zu recht?

Leider ja! Der Bundesfinanzhof hat aktuell entschieden: Mit Zahlung der Umlagebeiträge durch den Arbeitgeber fließt Ihnen als Beschäftigter steuerpflichtiger Arbeitslohn zu. Denn damit erwerben Sie einen Rechtsanspruch auf die spätere Versorgungsleistung. Das gilt unabhängig davon, ob und in welcher Höhe Sie später tatsächlich Versicherungsleistungen erhalten. „Entscheidend ist vielmehr, ob jedenfalls bei planmäßigem Versicherungsverlauf eine hinreichende Werthaltigkeit der von den Arbeitnehmern erworbenen Ansprüche bzw. Anwartschaften zu erwarten ist“. Und das ist in aller Regel der Fall.

Auch eine Steuerbefreiungsvorschrift kommt hier nicht zum Tragen. Die Umlagebeiträge sind nicht steuerfrei

  • nach § 3 Nr. 62 EStG, weil die Umlagebeiträge nicht auf gesetzlicher Verpflichtung beruhen, sondern tarifvertraglich geregelt sind;
  • nach § 3 Nr. 63 EStG (Eichel-Förderung), weil es sich bei der VBL nicht um eine kapitalgedeckte betriebliche Altersversorgung handelt (BFH-Urteil vom 7. 5. 2009, VI R 8/07, DStR 2009 S. 1522).

Aufgrund dieses Urteils verspricht unseres Erachtens ein Einspruch in dieser Frage keine Aussicht mehr auf Erfolg.

Für die spätere Besteuerung der Versorgungsrente bedeutet dies zu Ihrem Vorteil: Da die (vom Arbeitgeber teilweise pauschal versteuerten) Beiträge als steuerpflichtiger Arbeitslohn zählen, brauchen Sie die spätere Zusatzrente nur in Höhe des Ertragsanteils zu versteuern.

Seit 2008 gibt es auch für umlagefinanzierte Versorgungssyteme, wie die VBL, eine sehr begrenzte Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 56 EStG: Die Umlagebeiträge sind bis zu 1 % der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung steuerfrei. Der steuerfreie Anteil steigt auf 2% ab dem 1.1.2014, auf 3% ab dem 1.1.2020 und auf 4% ab dem 1.1.2025. Im Rahmen der Eichel-Förderung nach § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei einbezahlte Beiträge werden allerdings angerechnet. Und: Soweit die späteren Rentenzahlungen auf diesen steuerfreien Beiträgen beruhen, sind sie in voller Höhe steuerpflichtig.

Weitere News zum Thema

  • Bereitschaftsdienst: Steuerliche Behandlung von Zuzahlungen

    [] Werden Bereitschaftsdienste pauschal zusätzlich zum Grundlohn vergütet ohne Rücksicht darauf, ob die Tätigkeit an einem Samstag oder einem Sonntag erbracht wird, handelt es sich nicht um steuerfreie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit. Das hat der BFH entschieden. mehr

  • BFH: Zuzahlungen zum Firmenwagen mindern geldwerten Vorteil

    [] Auf diese Entscheidung haben Firmenwagen-Nutzer lange gewartet: Der BFH erklärt, dass Nutzungsentgelte und andere Zuzahlungen für die außerdienstliche Nutzung eines Firmenwagens den geldwerten Vorteil mindern – und damit auch die Steuern. mehr

  • Sachbezüge: Versandkosten gehören zur Freigrenze

    [] Wenn ein Sachbezug über 44 Euro liegt, muss der Arbeitgeber darauf Lohnsteuer abführen. Was viele nicht wissen: Versand- und Verpackungskosten werden in die monatliche Freigrenze von 44 Euro mit eingerechnet! mehr

  • Sachbezugswerte für Verpflegung ab 2017

    [] Stellt der Arbeitgeber Ihnen kostenlos oder verbilligt Verpflegung zur Verfügung, sind das sogenannte Sachbezüge. Den Wert dieser Sachbezüge müssen Sie als geldwerten Vorteil versteuern. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.