Faktorverfahren bei Steuerklasse IV: Für wen lohnt sich das?

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Das in der Lohnsteuerklasse IV mögliche Faktorverfahren, mit dem Arbeitslohn entsprechend den tatsächlichen Einkommensverhältnissen von Ehegatten besteuert werden kann, wird in der Praxis kaum genutzt. Bringt es denn auch überhaupt etwas?

Verheiratete können auswählen zwischen den Steuerklassenkombinationen

  • IV/IV oder

  • III/V oder

  • IV-Faktor/IV-Faktor (das sog. Faktorverfahren).

Die Kombination IV-Faktor/IV-Faktor ist die richtige Wahl für alle, die eine Steuernachzahlung vermeiden und eine möglichst gerechte Verteilung der Lohnsteuer auf beide Partner erreichen möchten. Denn im Vergleich zur Kombination III/V ist hier die Lohnsteuerbelastung beim geringer verdienenden Partner (der dann Lohnsteuerklasse V hätte) merklich niedriger, dafür aber beim anderen Ehepartner höher als in Steuerklasse III.

Das klingt erst einmal gar nicht so verkehrt. Allerdings ist die Berechnung des Faktors mit einigem Aufwand verbunden. Außerdem müssen Paare, die sich für die Kombination IV-Faktor/IV-Faktor entscheiden, eine Steuererklärung abgeben. Diese beiden Punkte werden vermutlich die wichtigsten Gründe dafür sein, dass das Verfahren so wenig angewendet wird – abgesehen von der Tatsache, dass es auch fast zehn Jahre nach seiner Einführung noch vergleichsweise wenig bekannt ist.

Wie wird der Faktor berechnet?

Damit der Faktor berechnet werden kann, müssen beide Partner dem Finanzamt ihren voraussichtlichen Bruttolohn mitteilen. Das Finanzamt errechnet dann die voraussichtliche Einkommensteuer (nach dem Splittingtarif) und die Summe der voraussichtlichen Lohnsteuer (nach Steuerklasse IV) von beiden Ehepartnern. Das erste Ergebnis wird durch das zweite geteilt – das Ergebnis ist der Faktor. Er wird – mit maximal drei Dezimalstellen ohne Rundung – vom Finanzamt in der ELStAM-Datenbank als Lohnsteuerabzugsmerkmal eingetragen. Dort ruft ihn der Arbeitgeber ab und berücksichtigt ihn bei der Berechnung der monatlichen Lohnsteuer.

Wie der Faktor in Ihrem Fall ausfallen würde, können Sie ganz einfach mit unserem kostenlosen Steuerklassen-Rechner ermitteln! Der Rechner sagt Ihnen auch gleich, welche Steuerklassen-Kombination für Sie am günstigsten ist.

In den Anfangsjahren des Faktorverfahrens musste dieses Procedere jedes Jahr wiederholt werden. Inzwischen gilt der Faktor für zwei Jahre. Ob das mehr Doppelverdiener-Ehepaare dazu animiert, das Faktorverfahren zu nutzen, lässt sich heute allerdings noch nicht sagen, da noch keine entsprechenden Zahlen vorliegen.

Wie oft wird das Faktorverfahren genutzt?

Deutlich weniger als ein Prozent der Verheirateten entscheiden sich für das Faktorverfahren. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke nennt die Bundesregierung Zahlen, die sie der ELStAM-Datenbank entnommen hat.

Danach gab es im Jahr 2018 6,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger mit Familienstand verheiratet oder Lebenspartnerschaft, in denen beide ein aktives Arbeitsverhältnis hatten. Das Faktorverfahren wurde in nur 39.267 Fällen genutzt, was einem Anteil von 0,585 Prozent entspricht.

2015

2016

2017

2018

Doppelverdiener-Ehepaare

5.742.619

5.976.485

6.563.746

6.714.072

davon nutzen das Faktorverfahren

36.273

37.795

38.608

39.267

das entspricht prozentual

0,632 %

0,632 %

0,588 %

0,585 %

(Quelle)

Wie wechselt man die Lohnsteuerklasse?

Wenn Sie jetzt festgestellt haben, dass Sie gerne zum Faktorverfahren wechseln möchten, finden Sie hier Informationen zum Wechsel der Lohnsteuerklasse.

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