Öko-Investments: Mit nachhaltigen Geldanlagen auf den grünen Zweig
Die Energiewende erfordert viel Geld privater Investoren.

Öko-Investments: Mit nachhaltigen Geldanlagen auf den grünen Zweig

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Geld anlegen mit gutem Gewissen: Diese Investment-Idee kommt derzeit so gut an wie nie zuvor. Allein in nachhaltige Aktienfonds sind europaweit fast 400 Milliarden Euro investiert.

Offenbar hegen im Zuge der aktuellen Klimaschutzdebatten immer mehr private Anleger den Wunsch, mit der Investition ihrer Ersparnisse einen Beitrag zur Verbesserung der ökologischen Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Industrie zu leisten. Umgekehrt möchten diese Anleger auf Wertpapiere von Unternehmen verzichten, wenn diese Umweltstandards missachten oder unfair mit Mitarbeitern umgehen.

Nachhaltige Geschäftsmodelle

Das Angebot an grünen Finanzanlagen wächst und wächst. Immer mehr Wertpapiere und Fondsprodukte wenden sich speziell an Investoren, die dem Trend zur nachhaltigen Kapitalanlage folgen wollen. Allerdings finden dabei Begriffe Verwendung, die sich unterschiedlich interpretieren lassen. Im schlimmsten Fall stellt der Anleger nach seiner Investmententscheidung fest, dass die Kapitalanlage seine Kriterien nicht erfüllt, weil er die Kennzeichnung falsch interpretiert hat.

Ein nachhaltiger Aktienfonds ist nicht unbedingt ein grüner Aktienfonds und kann je nach Auslegung der Kriterien auch Aktien von Erdölproduzenten oder Automobilherstellern enthalten.

Wer eine nachhaltige oder ökologische Kapitalanlage plant, sollte die Definition der unterschiedlichen Begriffe verstehen und richtig einordnen. Wenn Anleger dieses Basiswissen erlangt haben, können sie ihre Suche nach dem passenden Anlageprodukt auf die Kategorie fokussieren, die die gewünschten Maßstäbe anlegt.

Welche Kriterien gelten für nachhaltige Finanzanlagen?

Nachhaltigkeitskriterien werden im Zusammenhang mit Aktien- oder Fondsanlagen auch als Environment Social Governance oder abgekürzt als ESG bezeichnet. Eine weitere Bezeichnung für Nachhaltigkeit ist der englische Begriff Sustainability, der häufig in den Namen von Anlageprodukten oder Wertpapierindizes auftaucht.

Die Kriterien desnachhaltigen Wirtschaftens wurden im Lauf der Zeit auf die Führung von Unternehmen übertragen: Ein Unternehmen, das dem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht werden will, soll umweltschonende Produktionsmethoden einsetzen und den Verbrauch von Ressourcen minimieren, fair mit seinen Mitarbeitern und Geschäftspartnern umgehen und sich klar von Korruption und anderen unethischen Geschäftspraktiken distanzieren.

Was versteht man unter ethischen Investments?

Beim ethischen Investment kommen neben den Merkmalen der Nachhaltigkeit noch weltanschauliche Gesichtspunkte hinzu. Ethische Kapitalanlagen findet man insbesondere bei Banken mit kirchlicher Ausrichtung. Hier achten die Vermögensverwalter darauf, nicht in Wertpapiere von Unternehmen zu investieren, deren Geschäftstätigkeit den religiösen Werten widerspricht. Beispiele hierfür sind etwa Glücksspiele oder die Produktion von alkoholischen Getränken, Tabakwaren oder Waffen.

Das Gegenstück zu christlich orientierten Ethik-Anlagen stellen im muslimischen Kulturkreis sogenannte Islam-Anlagen dar, die im Einklang mit den Regeln des Koran investieren. Hier greift häufig das Zins- und Spekulationsverbot sowie das Verbot von Schweinefleisch, sodass in Islam-Fonds oft nur ein geringer Anteil an Aktien von Finanzdienstleistern und Fleischproduzenten vorzufinden ist.

Was sind grüne und ökologische Investments?

Beim grünen Investment legen die Verwalter des Anlageproduktes den Schwerpunkt darauf, dass die infrage kommenden Unternehmen möglichst geringe Schadstoffemissionen verursachen und bei der Herstellung ihrer Produkte ressourcenschonend arbeiten.

Bei der ökologisch ausgerichteten Aktienanlage handelt es sich häufig um ein Anlagemodell, das sich auf bestimmte Branchen wie regenerative Energiegewinnung, Recycling, Umweltschutz und Technologien zur Senkung des Energieverbrauchs konzentriert. Ökologisch problematische Sektoren wie Rohstoffgewinnung oder Automobilherstellung bleiben oft komplett ausgeklammert.

Wie kann ich nachprüfen, ob die Nachhaltigkeitskriterien eingehalten werden?

Wenn ein Finanzdienstleister ein nachhaltiges oder grünes Anlageprodukt anbietet, ist oft nicht sofort ersichtlich, welche Kriterien angesetzt werden und wie streng die Auslegung erfolgt. So zählt beispielsweise die Vermeidung von Korruption zu den Merkmalen der Nachhaltigkeit. Doch der Verzicht auf diese Straftat sagt zunächst einmal nur aus, dass sich das Unternehmen an die Gesetze halten will – was streng genommen eine Selbstverständlichkeit sein sollte und nicht auf besondere Weise honoriert werden muss.

Ähnlich verhält es sich mit der fairen Behandlung von Arbeitnehmern. Wer damit wirbt, seinen Arbeitern in Entwicklungsländern den Mindestlohn zu zahlen, kann immer noch von Billiglöhnen profitieren, die den Arbeitnehmern noch lange nicht die Befriedigung der grundlegenden Bedürfnisse ermöglichen.

Im Bereich der Unternehmensanleihen gelang es dem Sportwagenhersteller Porsche, Mitte 2019 einen Schuldschein über eine Milliarde Euro am Kapitalmarkt zu platzieren, der nominell den Kriterien der »Green Bond Principles« entsprach, weil damit die Entwicklung des rein elektrisch betriebenen Sportwagens Taycan finanziert werden sollte. Allerdings bleibt fraglich, ob ein mehr als zwei Tonnen schwerer und mehr als 600 PS starker elektrischer Sportbolide einen nennenswerten Beitrag zu einer ressourcenschonenden und energiesparenden Mobilität leisten kann.

Nehmen Sie die Nachhaltigkeitskriterien bei der Auswahl von Anlageprodukten kritisch unter die Lupe. Bei Fondsprodukten gibt der Blick in das Wertpapierportfolio Aufschluss darüber, welche Unternehmen den Ansprüchen des Fondsmanagements genügen. Dabei kommen zuweilen weitaus laxere Kriterien zum Einsatz als diejenigen, die der unbedarfte Anleger bei der flüchtigen Lektüre des Werbeprospekts vermutet.

Strategien bei der Auswahl

Bei der Fonds- und Aktienanlage müssen die Unternehmen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wenn sie in ein Nachhaltigkeits-Portfolio aufgenommen werden wollen. Dabei gibt es unterschiedliche Verfahren, die auch miteinander kombiniert werden können.

Was versteht man unter dem Ausschlussverfahren?

Wer das Ausschlussverfahren praktiziert, schließt Unternehmen vom Investment aus, wenn diese in problematischen Geschäftsfeldern aktiv sind. Zu den häufig angewandten Ausschlusskriterien zählen unter anderem

→ der Betrieb von Casinos oder anderen Glücksspielstätten,

→ die Herstellung von Waffen,

→ der Betrieb von Kernkraftwerken oder die Herstellung der dazugehörigen Technologie,

→ die Produktion von Tabakwaren oder alkoholischen Getränken,

→ der Einsatz von Genmanipulation in der biologischen Forschung oder

→ die Verursachung von gravierenden Umweltschäden, etwa bei der Erdölgewinnung oder im Bergbau.

Allerdings werden von vielen Index- und Fondsanbietern Unternehmen erst dann ausgeschlossen, wenn der Anteil an problematischen Geschäftsfeldern eine Mindestschwelle überschreitet. Gängige Limits sind 5 % oder 10 % des Gesamtumsatzes.

Das kann jedoch konkret bedeuten, dass es die Aktien eines Konsumgüterherstellers in einen Nachhaltigkeitsfonds schaffen, der 8 % seines Umsatzes mit Zigaretten erwirtschaftet – oder dass sich ein Energieversorger mit dem Nachhaltigkeits-Etikett schmücken darf, auch wenn er in geringem Umfang noch Kernkraftwerke betreibt.

Worin besteht der Best-in class-Ansatz?

Das Best-in-class-Verfahren ist ein Bewertungsprozess, der in einer Rangliste mündet. Innerhalb der jeweiligen Branche wird bei jedem Unternehmen geprüft, wie es sich in Bezug auf die Nachhaltigkeit verhält. Der schonende Umgang mit Umwelt und Ressourcen fließt ebenso in die Bewertung mit ein wie der Umgang mit Mitarbeitern und Gewerkschaften.

Darüber hinaus spielen auch Formalien wie Nachhaltigkeitsberichte oder Erklärungen zur Beachtung von Menschenrechten eine Rolle. Je besser ein Unternehmen die einzelnen Kriterien erfüllt, umso mehr Pluspunkte bekommt es. Am Ende werden die Unternehmen mit den meisten Pluspunkten in den Index aufgenommen.

Allerdings hat das System eine gravierende Schwäche: In Problembranchen wie der Ölförderung oder dem Automobilbau schaffen es Unternehmen vor allem deshalb in den Index, weil die direkten Konkurrenten noch schlechter mit der Umwelt umgehen – weniger schlimm ist dann schon gut genug. Folglich muss der nachhaltige Ölkonzern noch lange kein grüner Engel sein, weil er sich nicht mit sauberen Energieträgern, sondern nur mit anderen Ölfirmen vergleichen lassen muss.

Ein weiterer Knackpunkt ist, dass sich die bewertenden Agenturen und Indexanbieter weitgehend auf die Selbstauskünfte der Unternehmen verlassen und sich auf die ausgefüllten Fragebögen stützen. Kontrollen vor Ort werden meist nur stichprobenartig durchgeführt.

Nachhaltige Anlage in Aktien und Fonds

Ein großer Teil der nachhaltigen Kapitalanlagen entfällt auf Aktien sowie auf entsprechende Investmentfonds. Indizes spielen bei der Wertpapieranlage vor allem für Aktieninvestoren eine wichtige Rolle, da sie dem Marktteilnehmer einen schnellen Überblick über die Kursentwicklung der wichtigsten Unternehmen bestimmter Branchen und Länder bieten. Weithin bekannte allgemeine Aktienindizes sind etwa der DAX (Großunternehmen Deutschland), der STOXX (Großunternehmen Europa) oder der MSCI-Weltaktienindex.

Auch im Bereich der Nachhaltigkeit gibt es einige Indexanbieter. Die darin enthaltenen Unternehmen müssen die vom jeweiligen Indexersteller vorgegebenen Merkmale erfüllen.

Dow Jones Sustainability Index (DJSI)

Hier handelt es sich um eine Indexfamilie mit Einzelindizes, die verschiedene Regionen abdecken. Wichtige Indexvarianten sind der DJSI Global mit mehr als 300 Aktien aus der ganzen Welt und der DJSI Stoxx mit 160 europäischen Aktien. Branchenausschlüsse gibt es keine, sodass auch Automobilhersteller und Rohstoffkonzerne enthalten sind. Innerhalb der einzelnen Branchen kommt der Best-in-Class-Ansatz zum Tragen. Die Informationen zu den einzelnen Unternehmen werden per Fragebogen und auf Basis öffentlich zugänglicher Dokumente wie Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte gesammelt.

Vorteilhaft ist die breite Marktabdeckung und die Aufteilung auf regionale Einzelindizes. Kritiker bemängeln hingegen die geringe Gewichtung ökologischer Kriterien, die in der Gesamtbewertung lediglich 3 % ausmachen.

FTSE4Good

Bei FTSE4Good handelt es sich um die Nachhaltigkeits-Indexfamilie des britischen Indexanbieters FTSE. Neben dem globalen Index gibt es weitere Varianten, unter anderem für Europa, Japan, Großbritannien und die USA. Ausgeschlossen sind Unternehmen aus dem Bereich Waffenproduktion, Atomenergie und Tabakwaren. In den anderen Branchen erfolgt ähnlich wie beim DJSI ein Nachhaltigkeitsrating für die einzelnen Unternehmen, aus denen sich dann die Rangliste für die Indexzusammensetzung ergibt.

Von Vorteil ist auch hier die große Anzahl an liquiden Aktien von Großunternehmen. Allerdings können aufgrund der eher weichen Kriterien auch problematische Unternehmen enthalten sein.

MSCI KLD 400 Social Index

Den in früheren Jahren als Domini-400-Index bekannte Aktienindex gibt es schon seit rund 30 Jahren. Enthalten sind 400 US-amerikanische Unternehmen, die vor allem soziale und ethische Kriterien erfüllen müssen. Ausgeschlossen sind Waffenproduzenten, Tabakkonzerne, Hersteller von Alkoholgetränken, Kernkraftwerksbetreiber und Unternehmen aus der Glücksspielbranche.

Von Vorteil ist die langjährige Expertise des Indexanbieters im Bereich der Nachhaltigkeit. Weniger günstig ist die alleinige Konzentration auf den US-Aktienmarkt und die hohe Gewichtung an Technologieunternehmen.

Natur-Aktien-Index (NAI)

Das ist einer der grünsten aller Aktienindizes, allerdings sind darin bloß 30 Unternehmen enthalten. Die regionale Streuung ist global. Die Größe der Unternehmen zählt zumeist zum mittleren Segment, viele Branchen sind gänzlich ausgeschlossen.

Diese Auswahl hat den Nachteil, dass viele wichtige Branchen ausgeschlossen bleiben, wenn sich Anleger am NAI orientieren. Im Gegenzug liefert der Index ein Portfolio, das hohen ethischen und ökologischen Ansprüchen genügt.

Wenn Sie sich an einem breit aufgestellten Nachhaltigkeitsindex orientieren, müssen Sie im Vergleich zur konventionellen Aktienanlage keine zusätzlichen Verlustrisiken befürchten. Studien haben ergeben, dass das nachhaltige Aktieninvestment im langfristigen Mittel keine Renditeeinbußen bringt.

(MS)

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