Mehr Schein als Sein bei der UniProfiRente

Mehr Schein als Sein bei der UniProfiRente

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Union Investment ist mit seiner UniProfiRente unbestritten Marktführer unter den Riester-Fondssparplänen. Stolz verweist der Finanzdienstleister darauf, dass "1,8 Millionen zufriedene Menschen in Deutschland bereits mit dem Marktführer riestern". Das scheint jedoch stark übertrieben zu sein, denn es mehren sich diejenigen, die ihre Riester-Rente beziehen und keineswegs mit deren Rendite zufrieden sind.

In einem dreiminütigen Erklärfilm zur UniProfiRente "So funktioniert UniProfiRente/4P" soll man erfahren, "dass Riestern sich lohnen kann". Man könne "mit der Riester-Rente jetzt die Schäfchen ins Trockene bringen". Da ist von der "beliebtesten Riester-Rente" die Rede, die von der Zeitschrift "Finanztest" noch im Herbst 2017 als Riester-Rente mit den "höchsten Renditechancen" ausgezeichnet wurde.

UniProfiRente als beliebteste Riester-Rente für 1,8 Millionen zufriedene Menschen in Deutschland? Zweifel sind angebracht, wenn man die Versprechen mit der Wirklichkeit konfrontiert. 

Jeder neunte Riester-Sparer mit UniProfiRente

Tatsächlich wurden bis heute 1,8 Millionen und damit 55 % der Riester-Fondssparpläne von insgesamt 3,3 Millionen bei der Union Investment abgeschlossen und über die Genossenschaftsbanken (Volksbanken, Raiffeisenbanken, Spar- und Darlehenskassen) vertrieben. 

Mit großem Abstand folgen weitere Anbieter von Riester-Fondssparplänen wie DWS als Investmentgesellschaft der Deutschen Bank oder Deka als Fondsgesellschaft der Sparkassen.

Da es aktuell insgesamt 16,5 Millionen Riester-Verträge gibt und 1,8 Millionen UniProfiRente-Kunden, hat jeder neunte Riester-Sparer in Deutschland einen Riester-Fondssparplan bei Union Investment. 

Ansparphase mit Renten- und Aktienfonds oft nicht lukrativ

In der Anspar- bzw. Beitragsphase werden die Einzahlungen aus Eigenbeiträgen und Riester-Zulagen ausschließlich in Fonds angelegt, um "von den Ertragschancen der internationalen Kapitalmärkte profitieren" zu können, wie der Anbieter sagt. Union Investment wisse, wie man Vorsorgevermögen anlegt und "deutlich mehr daraus machen kann". Bis zu 100 % würden in Aktienfonds angelegt.

Ein "intelligentes Konzept aus Chance und Sicherheit" solle das angesparte Vermögen möglichst vergrößern und absichern. Der versprochene Wertzuwachs durch Anlage in die internationalen Aktienfonds "UniGlobal II" bzw. "UniGlobal Vorsorge" und den auf Euro-Anleihen spezialisierten Rentenfonds "UniEuroRenta" steht aber bloß auf dem Papier.

So legte der Rentenfonds "UniEuroRenta" nach Angaben von Union Investment in den letzten fünf Jahren nur um insgesamt 3,53 % vor Kosten zu. Unter Berücksichtigung von Ausgabeaufschlag und laufenden Kosten gab es sogar ein Minus von 1,65 % vom Juli 2015 bis Juli 2020.

Der Aktienfonds "UniGlobal Vorsorge" brachte es für die Anleger in der Zeit von Ende Juli 2015 bis Mitte Juli 2020 (unter Berücksichtigung von Kosten) nur auf ein Plus von insgesamt 10,4 %.

Etwas besser schnitt der "UniGlobal II" ab mit einem Zuwachs nach Kosten von 19,20 % innerhalb von fünf Jahren.

Einen Garantiezins gibt es bei Riester-Fondssparplänen im Gegensatz zu Riester-Versicherungen nicht. Nur die Einzahlungen und Zulagen sind zu Rentenbeginn durch Union Investment garantiert.

Das zur Rentenauszahlung kommende Riester-Kapital muss also zumindest so hoch sein wie die Beitragssumme inklusive Zulagen. Diese Beitragserhaltungsgarantie ist aber nur ein schwacher Trost, wenn sich die Werte der Fonds nur mäßig entwickeln oder sogar im Minusbereich liegen.

Um diese Garantie zu erfüllen, erfolgen häufig Umschichtungen von Aktienfonds in Rentenfonds bei stark sinkenden Aktienkursen wie in der Finanzkrise 2008, Eurokrise 2012 und Coronakrise 2020. Nachteil dieser Strategie: Sind die Kurse erst einmal im Keller, steht schlimmstenfalls bloß noch ein Bruchteil der Beiträge für den Rentenfonds zur Verfügung. Da dieser, wie oben dargestellt, eine negative Rendite wegen hoher Kosten aufweist, bleibt am Ende nicht viel vom angesparten Vorsorgekapital erhalten.

Ebenso wird in den letzten Jahren vor Rentenbeginn in großem Maße in den Rentenfonds "UniEuroRenta" umgeschichtet. Meist machen die Aktienfonds "UniGlobal II" bzw. "UniGlobal Vorsorge" zum Rentenbeginn lediglich 10 % des Depotwerts aus. 

Selbst wenn das Riester-Kapital am Ende der Ansparphase geringfügig über der Beitragssumme inklusive Zulagen liegt, stellt das viele Riester-Sparer nicht zufrieden.

Dazu ein reales Beispiel aus der Praxis

Die 65-jährige Frau H. hat rund 11,5 Jahre in die UniProfiRente eingezahlt. Das Riester-Kapital von 24.940,– € zu Beginn der Rentenphase am 1.6.2020 liegt nur 889,– € über der Beitragssumme von 24.051,– € inklusive Zulagen. Das ist ein sehr bescheidener Wertzuwachs von insgesamt 3,7 % in 11,5 Jahren bzw. nur durchschnittlich 0,3 % pro Jahr. 

Gründe für die für Frau H. enttäuschende Wertentwicklung sind die geringen Wertsteigerungen bei den Fonds selbst sowie hohe einmalige und laufende Kosten für den Fondssparplan "UniProfiRente". Beim Aktienfonds "UniGlobal Vorsorge" liegt der einmalige Ausgabeaufschlag bei 5 % und die laufenden Kosten bei 1,46 % pro Jahr. Für den Rentenfonds "UniEuroRenta" werden ein Ausgabeaufschlag von 3 % und laufende Kosten von 0,73 % pro Jahr berechnet.

Mit Sicherheit übersteigen die einmaligen und laufenden Kosten in der Ansparphase die Riester-Zulagen von insgesamt 1.736,– € bei Frau H.

Enttäuschende Rentenphase mit Fondsauszahlungs- und Rentenplan

Die Rentenphase bei UniProfiRente besteht aus einem bis zum vollendeten 85. Lebensjahr laufenden Fondauszahlungsplan und einer ab dem 85. Lebensjahr laufenden Rente aus einer aufgeschobenen Rentenversicherung der R+V.

Beispielsweise werden bei 65-jährigen Neurentnern 72 % des Riester-Kapitals in den sofort beginnenden Auszahlplan bei "UniEuroRenta" und 28 % in den Einmalbeitrag für die aufgeschobene Rentenversicherung gesteckt.

Dieses Kombinationsmodell bei der UniProfiRente muss zumindest sicherstellen, dass die bei Abschluss des Riester-Vertrags garantierte Riester-Rente gezahlt wird. Üblicherweise erfolgt die Rentengarantie über den Rentenfaktor, der die monatliche Rente pro 10.000,– € Riester-Kapital angibt.

Wer diesen Rentenfaktor und das Riester-Kapital am Ende der Ansparphase kennt, kann die garantierte Rente selbst errechnen. Liegt der Rentenfaktor beispielsweise bei 30,– € und das Riester-Kapital bei 30.000,– €, macht die garantierte UniProfiRente 90,– € (= 30,– € × 3) aus. Frau H. erhält bei einem Rentenfaktor von 31,16 € und einem Riester-Kapital von 24.940,– € nur eine garantierte Rente von 77,71 € (= 31,16 € × 2,494). 

Damit kann sie kaum zufrieden sein. Erst nach fast 26 Jahren hätte sie die Beitragssumme inklusive Zulagen wieder raus. Sie müsste also 91 Jahre alt werden, um ohne finanzielle Verluste abzuschneiden.

Die fernere Lebenserwartung für eine heute 65-jährige Frau beträgt nach dem Statistischen Bundesamt jedoch nur 22 Jahre. Von Rendite kann angesichts einer solch niedrigen UniProfiRente keine Rede sein.

Alternativen zur Rentenzahlung müssen gut überlegt sein

Wer Alternativen zur niedrigen Riester-Rente sucht, sollte sich diese sehr genau überlegen. Eine Kündigung ist beim Fondssparplan "UniProfiRente" zwar noch während der Fondsauszahlungsphase und vor Vollendung des 85. Lebensjahrs möglich. Jedoch ist eine solche Kündigung förderschädlich mit der Folge, dass sämtliche Zulagen und eventuelle zusätzlichen Steuerersparnisse zurückgezahlt werden müssen. 

Kündigungen sind – wenn überhaupt – nur zu empfehlen, wenn der Riester-Vertrag sehr gut gelaufen ist und das Riester-Kapital am Ende der Ansparphase deutlich über den Einzahlungen inklusive Zulagen liegt.

Statt einer "Nur-Riester-Rente" kann man sich auch für eine Teilkapitalauszahlung von 30 % des Riester-Kapitals und entsprechend gekürzter Riester-Rente entscheiden. Zwar ist eine solche Teilauszahlung förderunschädlich und führt nicht zur Rückzahlung von Zulagen und zusätzlichen Steuerersparnissen. Allerdings ist die Teilkapitalauszahlung voll zu versteuern, was nur in Jahren mit einem geringen persönlichen Steuersatz Sinn macht. 

Bei sehr niedrigen Riester-Renten von bis zu 31,85 € im Monat für 2020 zahlt der Anbieter eine Abfindung, die zu versteuern ist. Eine Kombination von Teilauszahlung und Abfindung ist nicht möglich. Rutscht also die Riester-Rente nach Auszahlung von 30 % des Riester-Kapitals unter 31,85 €, wird ausnahmsweise diese Mini-Rente lebenslang gezahlt.

Wenn der Rentenbeginn erst in einigen Jahren ansteht, kann bei einem enttäuschenden bisherigen Verlauf des Riester-Vertrags eine Beitragsfreistellung infrage kommen. Das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) schätzt, dass gut ein Fünftel der 16,6 Millionen Riester-Sparer davon Gebrauch macht und den Riester-Vertrag ruhend stellt. Die staatliche Förderung über Riester-Zulagen und zusätzliche Steuerersparnisse wird dadurch nicht gefährdet. 

Informationen frühzeitig einholen

Riester-Sparer erhalten eine jährliche Standmitteilung, der sie den bisherigen Verlauf ihres Riester-Vertrags entnehmen können. Sofern darin das aktuelle Guthaben des Altersvermögens (Riester-Kapital) nicht angegeben ist, sollten sie unbedingt nachhaken.

Auf den Vergleich zwischen aktuellem Riester-Guthaben und bisher aufgewandter Beitragssumme inklusive Riester-Zulagen kommt es dann an. Liegt das Riester-Kapital unter der bisherigen Beitragssumme, sind bereits Wertverluste eingetreten. 

Je näher der Rentenbeginn ist, desto eher wird die Beitragserhaltungsgarantie zum Zuge kommen. Die vollständige Beitragssumme inklusive Zulagen wird dann als Riester-Kapital zur Zahlung der Riester-Rente verwandt.

Auch der Vergleich zwischen den angelaufenen Kosten (einmalige und laufende Kosten) und den bisher erhaltenen Riester-Zulagen ist aufschlussreich. Sofern die Kosten bereits höher als die Grundzulagen ausfallen, ist das ein schlechtes Zeichen.

Wer frühzeitig Informationen über den Verlauf seiner UniProfiRente einholt, kann sich spätere Enttäuschungen möglicherweise ersparen. 

Gesetzliche Rente schlägt fast immer die UniProfiRente

Riester-Anbieter wie Union Investment stellen die staatliche Förderung immer besonders stark in den Vordergrund. Gebetsmühlenartig wird verkündet, dass die gesetzliche Rente nicht reiche und daher eine private Altervorsorge notwendig sei.

Bei der UniProfiRente/4P steht der Zusatz "4P" für vier Prämien (Riester-Zulage, Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmersparzulage bei Fondssparen und Bausparen). Die Altersvorsorge muss sich aber auch ohne staatliche Förderung rechnen.

Wohnungsbauprämien und Arbeitnehmersparzulagen können Gutverdiener im Übrigen gar nicht erhalten, da sie bestimmte Einkommensgrenzen deutlich überschreiten.

Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente

Verschwiegen wird gern, dass die gesetzliche Rente mit der Riester-Rente (z.B. UniProfiRente) durchaus konkurrieren kann und diese in den meisten Fällen sogar schlägt.

Wenn Frau H. beispielsweise freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente in Höhe von insgesamt 24.051,– € in den vergangenen 11,5 Jahren eingezahlt hätte, läge die gesetzliche Rente brutto ab 1.7.2020 bei garantiert 112,38 € und damit 45 % über der garantierten UniProfiRente von 77,71 €.

Auch der Rentenzahlbetrag von rund 100,– € nach Abzug des Krankenkassenbeitrags bei gesetzlich krankenversicherten Rentnern liegt mit einem Plus von 29 % noch deutlich darüber. Bei privat krankenversicherten Rentnern steigt die gesetzliche Rente inklusive Zuschuss zur privaten Krankenversicherung sogar auf 121,20 €, was dann zu einem Plus von 56 % im Vergleich zur UniProfiRente führt. 

Der mögliche Einwand, es gäbe gar keine staatliche Förderung für die gesetzliche Rente aus freiwilligen Beiträgen, zieht nicht. Schließlich wären die seit 2009 bis 2020 von Frau H. gezahlten Beiträge zu durchschnittlich 79 % steuerlich abziehbar gewesen und die ab 1.7.2020 gezahlte gesetzliche Rente ist zu 80 % steuerpflichtig.

Korrekt ist lediglich der Einwand, dass nur Nicht-Pflichtversicherte freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente leisten dürfen.

(MS)

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